Zum Inhalt springen

Großer Preis von Deutschland 1971

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
 Großer Preis von Deutschland 1971
Renndaten
7. von 11 Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1971
Streckenprofil
Name: XXXIII Großer Preis von Deutschland
Datum: 1. August 1971
Ort: Nürburg
Kurs: Nürburgring
Länge: 274,02 km in 12 Runden à 22,835 km
Wetter: trocken
Zuschauer: ~ 130.000
Pole-Position
Fahrer: Vereinigtes Konigreich Jackie Stewart Vereinigtes Konigreich Tyrrell
Zeit: 7:19,0 min
Schnellste Runde
Fahrer: Frankreich François Cevert Vereinigtes Konigreich Tyrrell
Zeit: 7:20,1 min (Runde 10)
Podium
Erster: Vereinigtes Konigreich Jackie Stewart Vereinigtes Konigreich Tyrrell
Zweiter: Frankreich François Cevert Vereinigtes Konigreich Tyrrell
Dritter: Schweiz Clay Regazzoni Italien Ferrari

Der Große Preis von Deutschland 1971 (offiziell XXXIII Großer Preis von Deutschland) fand am 1. August auf dem Nürburgring in Nürburg statt und war das siebte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1971.

Helmut Marko (hier 1970) bestritt sein erstes Formel-1-Wochenende, konnte sich allerdings nicht qualifizieren.

Nach Protesten seitens der Fahrer im Vorjahr war der Nürburgring im Winter 1970/71 mit Leitplanken und neuem Fahrbahnbelag ausgerüstet worden. Zudem wurden einige Kurven und Sprungkuppen entschärft. Dank der dadurch verbesserten Sicherheit kehrte die Formel 1 nach einem Jahr Abstinenz wieder dorthin zurück. 1970 hatte der Große Preis von Deutschland erstmals auf dem Hockenheimring stattgefunden.

Jacky Ickx, der als großer Fan der ursprünglichen Strecke galt, reagierte mit Entsetzen auf den Umbau, da sich die Strecke seiner Meinung nach in eine „Champs-Élysées durch die Eifel“ verwandelt hatte.[1]

Die Renndistanz wurde einmalig auf zwölf Runden verkürzt. In den Folgejahren kehrte man allerdings wieder zu der vor dem Umbau üblichen Anzahl von 14 Runden zurück.

Der am 11. Juli tödlich verunglückte Pedro Rodríguez wurde im Werksteam von B.R.M. durch Vic Elford ersetzt, der dadurch zu seiner einzigen Grand-Prix-Teilnahme in dieser Saison kam, die gleichzeitig seine letzte insgesamt war.

Matra-Werksfahrer Jean-Pierre Beltoise fehlte, da er seine Lizenz wegen der Mitschuld am tödlichen Unfall von Ignazio Giunti ein weiteres Mal zeitweilig entzogen bekam. Aus dem gleichen Grund hatte er bereits beim ersten WM-Lauf der Saison in Südafrika gefehlt.

Nach zwei Grand Prix, an denen er wegen Verpflichtungen in der USAC-Rennserie nicht hatte teilnehmen können, steuerte Mario Andretti nun wieder einen dritten Ferrari.

In der Fahrerwertung führte Jackie Stewart mit 23 Punkten vor Ickx und mit 27 Punkten vor Ronnie Peterson. In der Konstrukteurswertung führte Tyrrell mit 14 Punkten vor Ferrari und mit 27 Punkten vor March.

Mit John Surtees (zweimal), Ickx, Stewart, Denis Hulme, Graham Hill und Joakim Bonnier (jeweils einmal) traten sechs ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.

Die Trainingssitzungen fanden unter wechselnden Wetterbedingungen statt. Stewart sicherte sich die Pole-Position vor Ickx. Sowohl Bonnier als auch Formel-1-Neuling Helmut Marko verfehlten mit dem von Bonniers Privatteam gemeldeten McLaren M7C die Qualifikation, da das Fahrzeug in einer der ersten Trainingsrunden wegen Kraftstoffmangels ausfiel.[2]

Rennverlauf
Graham Hill auf Brabham-Ford, im Streckenabschnitt Fuchsröhre
Andrea de Adamich mit seinem March 711 an selber Stelle
Emerson Fittipaldi (Lotus-Ford 72) im Streckenabschnitt Südkehre, während des Trainings
Peter Gethin, im McLaren M19A

Reine Wisells Motor versagte am Start wegen zu geringen Treibstoffdrucks, so dass er das Rennen erst nach einer kurzen Verzögerung aufnehmen konnte und dem Feld hinterherfuhr. Ähnliches galt für Hill, den ein Schaden am Gaspedal am sofortigen Start hinderte. Die nötige Reparatur nahm in seinem Fall etwa drei Minuten in Anspruch.

Vor einer enormen Zuschauerkulisse entlang der rund 22,8 Kilometer langen Rennstrecke übernahm Ickx zunächst die Führung, wurde allerdings bereits während der ersten Runde von Stewart überholt, der die Führung im weiteren Verlauf des Rennens nicht mehr abgab.

In der zweiten Runde drehte sich Ickx im Streckenabschnitt Wippermann. Sein Teamkollege Clay Regazzoni, der direkt folgte, musste ruckartig ausweichen und kam dabei kurzzeitig neben die Strecke. Von Joseph Siffert überholt, konnte er, im Gegensatz zu Ickx, an dritter Position liegend das Rennen fortsetzen, während Stewart durch den Zwischenfall seinen Vorsprung an der Spitze weiter ausgebaut hatte.

Im Laufe der folgenden Runden gelang es François Cevert, sich auf den zweiten Rang nach vorn zu kämpfen. Im Zuge dessen überholte er Andretti, Peterson, Siffert und Regazzoni.[3]

Mike Beuttler wurde disqualifiziert, weil er nach einem Reifenschaden einen unerlaubten Weg zu den Boxen genommen hatte.

Stewart gewann das Rennen schließlich souverän. Sein Teamkollege Cevert komplettierte einen Tyrrell-Doppelsieg.[4]

Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen
 Team Tyrrell 2  Jackie Stewart Tyrrell 003 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 G
2T[m 1] Tyrrell 001
3  François Cevert Tyrrell 002
 Scuderia Ferrari SpA SEFAC 4  Jacky Ickx Ferrari 312B2 Ferrari 001/1 3.0 F12 F
5  Mario Andretti
6  Clay Regazzoni
 Team Surtees 7  John Surtees Surtees TS9 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 F
 Auto Motor und Sport 12  Rolf Stommelen
 Gold Leaf Team Lotus 8  Emerson Fittipaldi Lotus 72D F
9  Reine Wisell
 Equipe Matra Sports 10  Chris Amon Matra MS120B Matra MS71 3.0 V12 G
 Frank Williams Racing Cars 14  Henri Pescarolo March 711 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 F
 STP March Racing Team 15  Ronnie Peterson F
16  Andrea de Adamich Alfa Romeo T33 3.0 V8
17  Nanni Galli
 Bruce McLaren Motor Racing 18  Denis Hulme McLaren M19A Ford Cosworth DFV 3.0 V8 F
20  Peter Gethin
 Yardley Team B.R.M. 21  Joseph Siffert BRM P160 BRM P142 3.0 V12 F
22  Vic Elford
23  Howden Ganley BRM P153
 Motor Racing Developments 24  Graham Hill Brabham BT34 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 G
25  Tim Schenken Brabham BT33
Schweden Ecurie Bonnier 27  Joakim Bonnier McLaren M7C[m 2] G
 Helmut Marko
Vereinigtes Königreich Clarke-Mordaunt-Guthrie Racing 28  Mike Beuttler March 711 F

Anmerkungen

  1. Der mit einem "T" hinter der Startnummer versehene Tyrrell 001 stand Stewart als T-Car zur Verfügung, kam jedoch nicht zum Einsatz.
  2. Der McLaren M7C mit der Startnummer 27 des Privatteams von Bonnier wurde sowohl für ihn selbst als auch für Marko gemeldet. Beiden Fahrern gelang es jedoch nicht, sich damit zu qualifizieren.

Klassifikationen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Startaufstellung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start
1  Jackie Stewart  Tyrrell-Ford Cosworth 7:19,0 187,257 km/h 1
2  Jacky Ickx  Ferrari 7:19,2 187,172 km/h 2
3  Joseph Siffert  B.R.M. 7:22,4 185,818 km/h 3
4  Clay Regazzoni  Ferrari 7:22,7 185,692 km/h 4
5  François Cevert  Tyrrell-Ford Cosworth 7:23,4 185,399 km/h 5
6  Denis Hulme  McLaren-Ford Cosworth 7:26,0 184,318 km/h 6
7  Ronnie Peterson  March-Ford Cosworth 7:26,5 184,112 km/h 7
8  Emerson Fittipaldi  Lotus-Ford Cosworth 7:27,5 183,701 km/h 8
9  Tim Schenken  Brabham-Ford Cosworth 7:29,8 182,761 km/h 9
10  Henri Pescarolo  March-Ford Cosworth 7:30,3 182,558 km/h 10
11  Mario Andretti  Ferrari 7:31,7 181,992 km/h 11
12  Rolf Stommelen  Surtees-Ford Cosworth 7:34,7 180,792 km/h 12
13  Graham Hill  Brabham-Ford Cosworth 7:36,1 180,237 km/h 13
14  Howden Ganley  B.R.M. 7:36,6 180,039 km/h 14
15  John Surtees  Surtees-Ford Cosworth 7:36,7 180,000 km/h 15
16  Chris Amon  Matra Sports 7:37,3 179,764 km/h 16
17  Reine Wisell  Lotus-Ford Cosworth 7:39,96 178,724 km/h 17
18  Vic Elford  B.R.M. 7:39,98 178,716 km/h 18
19  Peter Gethin  McLaren-Ford Cosworth 7:41,4 178,166 km/h 19
20  Andrea de Adamich  March-Alfa Romeo 7:41,7 178,051 km/h 20
21  Nanni Galli  March-Alfa Romeo 7:47,8 175,729 km/h 21
22  Mike Beuttler  March-Ford Cosworth 7:52,6 173,944 km/h 22
DNQ  Joakim Bonnier[# 1]  McLaren-Ford Cosworth 8:17,0 165,404 km/h
DNQ  Helmut Marko[# 1]  McLaren-Ford Cosworth keine Zeit

Anmerkungen

  1. 1 2 Bonnier und Marko konnte sich aufgrund eines Kraftsoffmangels an dem Wagen nicht qualifizieren.
Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde
1  Jackie Stewart  Tyrrell-Ford Cosworth 12 0 1:29:15,7 1 7:20,8 (11.)
2  François Cevert  Tyrrell-Ford Cosworth 12 0 + 30,1 5 7:20,1 (10.)
3  Clay Regazzoni  Ferrari 12 0 + 37,1 4 7:21,1 (10.)
4  Mario Andretti  Ferrari 12 0 + 2:05,0 11 7:32,8 (8.)
5  Ronnie Peterson  March-Ford Cosworth 12 0 + 2:29,1 7 7:32,3 (5.)
6  Tim Schenken  Brabham-Ford Cosworth 12 0 + 2:38,6 9 7:32,0 (10.)
7  John Surtees  Surtees-Ford Cosworth 12 0 + 3:19,0 15 7:35,0 (10.)
8  Reine Wisell  Lotus-Ford Cosworth 12 0 + 6:31,7 17 7:39,8 (12.)
9  Graham Hill  Brabham-Ford Cosworth 12 0 + 6:37,0 13 7:28,8 (12.)
10  Rolf Stommelen  Surtees-Ford Cosworth 11 0 + 1 Runde 12 7:44,4 (3.)
11  Vic Elford  B.R.M. 11 0 + 1 Runde 18 7:39,7 (2.)
12  Nanni Galli  March-Alfa Romeo 10 0 + 2 Runden 21 7:49,5 (5.)
 Emerson Fittipaldi  Lotus-Ford Cosworth 7 0 DNF 8 7:42,9 (2.)
 Joseph Siffert  B.R.M. 6 0 DNF 3 7:30,0 (6.)
 Chris Amon  Matra 6 0 DNF 16 7:47,9 (4.)
 Henri Pescarolo  March-Ford Cosworth 5 0 DNF 10 7:36,2 (2.)
 Peter Gethin  McLaren-Ford Cosworth 5 0 DNF 19 7:41,3 (2.)
 Denis Hulme  McLaren-Ford Cosworth 3 0 DNF 6 7:44,4 (2.)
 Howden Ganley  B.R.M. 2 0 DNF 14 7:47,2 (2.)
 Andrea de Adamich  March-Alfa Romeo 2 0 DNF 20 15:52,9 (2.)
 Jacky Ickx  Ferrari 1 0 DNF 2 7:40,2 (1.)
DSQ  Mike Beuttler[a 1]  March-Ford Cosworth 3 0 22 7:50,3 (2.)

Anmerkungen

  1. Beuttler wurde während des Rennens disqualifiziert, da er auf dem falschen Weg in die Boxengasse fuhr.

WM-Stände nach dem Rennen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt(e). Die besten fünf Ergebnisse der ersten sechs Rennen und die besten vier der letzten fünf Rennen zählten zur Meisterschaft. In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams.

Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte
1  Jackie Stewart Tyrrell-Ford 51
2  Jacky Ickx Ferrari 19
3  Ronnie Peterson March-Ford 17
4  Mario Andretti Ferrari 12
5  François Cevert Tyrrell-Ford 12
6  Clay Regazzoni Ferrari 12
7  Emerson Fittipaldi Lotus-Ford 10
8  Pedro Rodríguez B.R.M. 9
9  Chris Amon Matra 8
10  Denis Hulme McLaren-Ford 6
11  Joseph Siffert B.R.M. 4
12  Reine Wisell Lotus-Pratt & Whitney / Lotus-Ford 4
13  John Surtees Surtees-Ford 3
14  Henri Pescarolo March-Ford 3
15  Rolf Stommelen Surtees-Ford 3
16  Jean-Pierre Beltoise Matra 1
17  Tim Schenken Brabham-Ford 1
18  Howden Ganley B.R.M. 0
19  Brian Redman Surtees-Ford 0
Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte
20  Gijs van Lennep Surtees-Ford 0
21  Graham Hill Brabham-Ford 0
22  Peter Gethin McLaren-Ford 0
23  Nanni Galli March-Alfa Romeo 0
24  Vic Elford B.R.M. 0
25  Andrea de Adamich March-Alfa Romeo 0
26  François Mazet March-Ford 0
 Dave Charlton Lotus-Ford / Brabham-Ford 0
 John Love March-Ford 0
 Jackie Pretorius Brabham-Ford 0
 Joakim Bonnier McLaren-Ford 0
 Àlex Soler-Roig March-Ford 0
 Skip Barber March-Ford 0
 Dave Walker Lotus-Pratt & Whitney 0
 Max Jean March-Ford 0
 Derek Bell Surtees-Ford 0
 Mike Beuttler March-Ford 0
 Jackie Oliver McLaren-Ford 0

Konstrukteurswertung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Pos. Konstrukteur Punkte
1  Tyrrell-Ford 51
2  Ferrari 32
3  March-Ford 17
4  Lotus-Ford 13
5  B.R.M. 12
Pos. Konstrukteur Punkte
6  Matra 8
7  McLaren-Ford 6
8  Surtees-Ford 5
9  Brabham-Ford 1
10  March-Alfa Romeo 0

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 160
  2. „Training“ (Memento vom 3. September 2012 im Webarchiv archive.today) (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 4. Juni 2011)
  3. Latest Formula 1 Breaking News - Grandprix.com. Abgerufen am 20. März 2024.
  4. „Rennergebnis“ (Memento vom 4. August 2012 im Webarchiv archive.today) (Motorsportarchiv.de; abgerufen am 4. Juni 2011)
Commons: Großer Preis von Deutschland 1971 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien