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Großer Preis von Monaco 1931

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Das Feld knapp nach dem Start am Hafen
Achille Varzi im Bugatti vor der Rascasse
Rennsieger Louis Chiron

Der III. Große Preis von Monaco (III Grand Prix de Monaco) fand am 19. April 1931 auf dem Circuit de Monaco in Monte Carlo statt. Das Rennen wurde ohne Vorgabe einer Rennformel über 100 Runden à 3,180 km ausgetragen, was einer Gesamtdistanz von 318,0 km entsprach. Es war damit in diesem Jahr noch kein Grande Épreuve und wurde damit nicht für die Europameisterschaft der Fahrer gewertet.

Sieger des Rennens wurde Louis Chiron auf einem Bugatti Type 51.

Obwohl noch nicht in den Status eines Grande Épreuve aufgerückt, gehörte das Rennen durch die Straßen von Monte Carlo 1931 bereits zu den Grand-Prix-Klassikern. Dementsprechend hatte der Automobilclub von Monaco trotz der erneuten Absage des Alfa-Romeo-Teams – wegen Reifenproblemen, die bei der vorangegangenen Mille Miglia offenbar geworden waren – keine Probleme, erneut ein erstklassiges Teilnehmerfeld mit Fahrern aus acht Nationen zusammenzubekommen. Im Brennpunkt des Interesses standen dabei naturgemäß die beiden Werksmannschaften von Bugatti und Maserati, und unter diesen besonders deren beide Spitzenfahrer, Lokalmatador Louis Chiron und René Dreyfus, der seinem Konkurrenten im Vorjahr den Sieg mit seinem privat eingesetzten Bugatti nach einem packenden Kampf em Ende noch weggeschnappt hatte.

Nachdem der Maserati Tipo 26M mit 2,5-Liter-Reihenachtzylinder die Vorsaison am Ende beherrscht hatte, hatte Bugatti als Antwort mit dem Bugatti Type 51 1931 ein neues Grand-Prix-Modell herausgebracht. Hauptunterschied zum Vormodell Bugatti Type 35 war der neu konstruierte 2,3-Liter-Motor mit DOHC-Ventilsteuerung, wodurch nun wesentlich höhere Drehzahlen möglich wurden. Neben dem Werksteam mit seinen Stammfahrern Chiron, Achille Varzi – der zuvor mit seinem privat gemeldeten Exemplar das Debüt des Type 51 auf der neuen Rennstrecke im nordafrikanischen Carthago gewonnen hatte Albert Divo und Guy Bouriat verfügten mittlerweile auch erste unabhängige Fahrer, wie der britische Earl Howe, über Bugattis neuestes Grand-Prix-Modell. Die übrigen Bugatti-Privatfahrer, darunter neben William Grover-Williams (alias "W. Williams"), dem Sieger des Rennens von 1929, und den beiden Franzosen Philippe Étancelin und Marcel Lehoux auch die drei Wagen der starken neuen Renngemeinschaft Deutsches Bugatti-Team mit Heinrich-Joachim von Morgen, Prinz Hermann zu Leiningen und Ernst Günther Burggaller, musste sich dagegen noch mit ihren älteren Typen 35B und 35C begnügen.

Maserati schickte gegen die Bugatti-Phalanx seine Vertragsfahrer Dreyfus, Luigi Fagioli – die eigentliche Nummer 1 im Team – und Clemente Biondetti, alle drei auf Maserati 26M, ins Feld. Der unabhängige Schweizer Hans Stuber konnte mit seinem älteren Maserati 26B dagegen zum Rennen nur deswegen noch antreten, weil er nach einem Trainingsunfall von seinem britischen Markengefährten Sir Henry "Tim" Birkin aus dessen defektem Wagen eine neue Vorderachse zur Verfügung gestellt bekommen hatte.

Das 23 Teilnehmer starke Feld wurde komplettiert durch einen etwas älteren Peugeot 174 S von André Boillot (alias "Dribus", Bruder des berühmten Vorkriegs-Fahrers Georges Boillot) und dem deutschen Spitzenfahrer Rudolf Caracciola, dessen von der Werksmannschaft betreuter Mercedes SSKL mit seinem mächtigen 7,1-Liter-Reihensechszylinder aufgrund seiner Länge und Gewichts auf dem engen Stadtkurs jedoch reichlich deplatziert wirkte. Caracciola wollte aber nach einigen Missverständnissen im Vorjahr die Veranstalter nicht noch einmal vergraulen und kam deswegen als frischgebackener erster ausländischer Sieger der Mille Miglia seiner Einladung zum Rennen nach.

1931 wurde die Startaufstellung noch ausgelost und Dreyfus machte von seinem Ziehungsglück Gebrauch und übernahm direkt vor "Williams" die Führung, während seine Konkurrenten dahinter mehrere Runden benötigten, um das Feld zu sortieren. In der vierten Runde ging "Williams" sogar an dem Maserati-Werksfahrer vorbei, musste aber schon eine Runde später mit Ventilfederbruch aufgeben.

In der Zwischenzeit hatte sich Varzi mit dem Werks-Bugatti schließlich auf Rang drei nach vorne gearbeitet und konnte zunächst den jetzt zweitplatzierten Lehoux und kurz darauf auch Dreyfus überholen und sich damit die erste der neu eingeführten Bonusprämien sichern, die in diesem Jahr zum ersten Mal nach jeweils zehn Runden an den dann jeweils Führenden vergeben wurden. Auch sein Teamkollege Chiron war mittlerweile hinter Maserati-Fahrer Fagioli und vor Caracciola auf dem Mercedes auf Rang fünf angekommen und auf dem Weg weiter nach vorn, während Dreyfus nun kontinuierlich Plätze verlor. Nachdem mit Lehoux auch der letzte aussichtsreich platzierte Privatfahrer wegen eines defekten Differentials aus dem Rennen geschieden war, lagen nach 20 der insgesamt 100 Runden die beiden Werks-Bugattis von Varzi und Chiron vorn, vor den beiden Maseratis von Fagioli und Dreyfus – der bald darauf einen längeren Reparaturstopp einlegen musste – gefolgt von Caracciola, Bouriat, Divo und Biondetti. Bis auf den Polen Stanisław Czaykowski waren dahinter alle anderen Teilnehmer zu diesem Zeitpunkt bereits überrundet.

Kurz vor der dritten Zwischenwertung musste Varzi jedoch nach Kontakt mit einem Randstein mit gebrochenem Rad an die Box, wodurch Chiron zur Freude des einheimischen Publikums die Führung übernahm, die er nun bis zum Ende des Rennens auch nicht mehr abgab. Nach 60 Runden waren nur noch Fagioli – der aufgrund eines Fehlers der Zeitnehmer lange Zeit von seinen Konkurrenten völlig unbeachtet unterwegs gewesen war – und Bouriat gemeinsam mit Chiron in einer Runde, die nach zehn weiteren Runden Plätze tauschten, weil am Maserati Probleme mit der Benzinversorgung aufgetreten waren. Als Bouriat zum Zündkerzenwechsel an die Box musste, kam der Italiener dennoch wieder auf seinen angestammten Platz zurück, jetzt allerdings auch schon mit einer Runde Rückstand auf den Spitzenreiter, der damit zum einzigen Mal in seiner Karriere den Sieg in seiner Heimatstadt feiern konnte. Auch Varzi kam Fagioli am Ende noch einmal nahe, doch obwohl beide nach der Zieldurchfahrt von Chiron noch eine weitere Runde drehen mussten, gelang es ihm nicht mehr, den Maserati-Fahrer noch einzuholen – auch weil die Zeitnehmer einen weiteren Fehler gemacht hatten und das Rennen deswegen eine Runde zur früh abgewunken wurde.

Es handelte sich um ein Einladungsrennen.

Team Nr. Fahrer Info Chassis Motor Reifen
Bugatti Team Deutschland 2  Ernst Günther Burggaller Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor
6  Heinrich-Joachim von Morgen
4  Hermann zu Leiningen Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor
 Rudolf Caracciola 8  Rudolf Caracciola Mercedes-Benz SSKL Mercedes-Benz M06 RS 7.1L I6 Kompressor C
 Earl Howe 10  Earl Howe Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor D
Vereinigtes Königreich Clifton Penn-Hughes 12  Clifton Penn-Hughes Bugatti T35 Bugatti 2.0L I8 D
 Sir Henry Birkin 14  Henry Birkin DNS a Maserati 26M Maserati 2.5L I8 Kompressor D
Österreich Bernhard Ackerl 16  Bernhard Ackerl Bugatti T37 Bugatti 1.5L I4
 Juan Zanelli 18  Juan Zanelli Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor
 Automobiles Ettore Bugatti 20  Guy Bouriat Bugatti T51 Bugatti 2.3L I8 Kompressor M
22  Louis Chiron
24  Albert Divo
26  Achille Varzi
 Philippe Étancelin 28  Philippe Étancelin Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor M
 Count Stanisław Czaykowski 30  Stanisław Czaykowski Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor
 Marcel Lehoux 32  Marcel Lehoux Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor
 William Grover-Williams 34  William Grover-Williams Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor
 Boris Iwanowski 36  Boris Iwanowski EXC b Mercedes-Benz SSK Mercedes-Benz M06 7.1L I6 Kompressor
André Boillot 38  André Boillot Peugeot 174S Peugeot 4.0L I4 M
 SA Alfa Romeo 40  Luigi Arcangeli DNA c Alfa Romeo 6C-1750 GS Alfa Romeo 1.8L I6 Kompressor P
42  Baconin Borzacchini  c
44  Tazio Nuvolari  c Alfa Romeo Monza Alfa Romeo 2.3L I8 Kompressor
 Scuderia Ferrari 46  Goffredo Zehender Alfa Romeo 6C-1750 GS Alfa Romeo 1.8L I6 Kompressor E
 Officine Alfieri Maserati 48  Clemente Biondetti Maserati 26M Maserati 2.5L I8 Kompressor P
50  René Dreyfus
52  Luigi Fagioli
Carlo Pedrazzini 54  Carlo Pedrazzini Maserati 26B Maserati 2.1L I8 Kompressor
Hans Stuber 56  Hans Stuber Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor
a 
Motorschaden im Training.
b 
Erst nach Trainingsende in Monaco eingetroffen und deswegen nicht zum Start zugelassen.
c 
Keine konkurrenzfähige Reifen verfügbar.

Startaufstellung

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Sie Startpositionen wurden ausgelost.

 Ackerl Stuber Dreyfus
 Divo Caracciola Williams
 Biondetti Boillot Lehoux
 von Morgen Chiron Varzi
 Penn-Hughes Fagioli Zehender
 Burggaller Howe Étancelin
 Czaykowski Bouriat Zanelli
 Pedrazzini zu Leiningen
Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde Ausfallgrund
1  Louis Chiron  Bugatti 100 3:39:09,2 h 11 2:07,0 min
2  Luigi Fagioli  Maserati 100 + 3:55,4 min 14 2:07,0 min
3  Achille Varzi  Bugatti 100 + 4:04,0 min 10 2:07,0 min
4  Guy Bouriat  Bugatti 98 + 2 Runden 20
5  Goffredo Zehender  Alfa Romeo 97 + 3 Runden 13
6  André Boillot  Peugeot 96 + 4 Runden 8
 René Dreyfus  Maserati 91 DNF 1 Magnetzünder
7  Clemente Biondetti  Maserati 91 + 9 Runden 9
8  Clifton Penn-Hughes  Bugatti 89 + 11 Runden 15
9  Stanisław Czaykowski  Bugatti 86 + 15 Runden 21
 Albert Divo  Bugatti 66 DNF 6 Motorschaden
 Earl Howe  Bugatti 66 DNF 17 defekte Ölpumpe
 Hans Stuber  Bugatti 59 DNF 2 defekte Antriebswelle
 Bernhard Ackerl  Bugatti 55 DNF 3 Kraftübertragung
 Rudolf Caracciola  Mercedes 53 DNF 5 Kupplungs- und Motorschaden
 Juan Zanelli  Bugatti 47 DNF 19 Kolbenschaden
 Hermann zu Leiningen  Bugatti 31 DNF 22 Getriebeschaden
 Heinrich-Joachim von Morgen  Bugatti 28 DNF 12 Kraftübertragung
 Ernst Günther Burggaller  Bugatti 26 DNF 18 Motorschaden
 Marcel Lehoux  Bugatti 15 DNF 7 Kraftübertragung
 Carlo Pedrazzini  Maserati 13 DNF 23 Zündungsschaden
 Philippe Étancelin  Bugatti 6 DNF 16 Kolbenschaden
 William Grover-Williams  Bugatti 5 DNF 4 Ventilschaden
 Henry Birkin  Maserati DNS Motorschaden
 Boris Iwanowski  Mercedes EXC Ausschluss wegen verspäteter Anreise
Commons: Großer Preis von Monaco 1931 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien