Großer Rosenkäfer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Großer Rosenkäfer
Großer Rosenkäfer

Großer Rosenkäfer

Systematik
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Blatthornkäfer (Scarabaeidae)
Unterfamilie: Rosenkäfer (Cetoniinae)
Gattung: Protaetia
Art: Großer Rosenkäfer
Wissenschaftlicher Name
Protaetia speciosissima
(Scopoli, 1786)
Aufsicht und Ansicht von unten
Beim Nahrungserwerb (rechtes Tier)
Abb. 3: Vorderansicht mit Ameise

Der Große Rosenkäfer, auch Großer Goldkäfer (Protaetia speciosissima, Syn.: Protaetia aeruginosa, Potosia aeruginosa) ist ein Käfer aus der Unterfamilie der Rosenkäfer. Innerhalb der Gattung Protaetia wird die Art zur Untergattung Cetonischema gerechnet.[1] Der eindrucksvolle Käfer ist in Mitteleuropa selten und in verschiedenen Roten Listen aufgeführt.

Taxonomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art bildet mit der ähnlichen Art Protaetia speciosa Adams, 1817 eine Artengruppe, die von Reitter als Untergattung Cetonischema beschrieben worden ist. Deren wissenschaftlicher Name ist von altgr. κετονία ketonía „Metallkäfer“ und σχήμα s-chēma „Gestalt“ abgeleitet und bedeutet, dass der Körper die gleiche Gestalt wie der Metallkäfer Ketonia hat. Der Name der Untergattung ist aber taxonomisch problematisch (aufgrund der Typspezies) und muss vermutlich geändert oder von der ICZN nachträglich festgeschrieben werden[2]. Der Artname speciosissima (lat.) bedeutet „sehr prächtig“. Der frühere Artname aeruginōsa (lat.) bedeutet „mit Grünspan (aerūgo) überzogen“. Der zeitweise in Gebrauch gewesene Gattungsname Potosia (von altgr. πότος pótos „Trinkgelage“) spielt darauf an, dass sich die Tiere häufig an austretendem Baumsaft zusammenfinden.[3]

Der früher gebräuchliche wissenschaftliche Name Protaetia aeruginosa entsprach nicht den Internationalen Regeln für die Zoologische Nomenklatur. Linné hatte unter diesem Namen einen anderen Käfer beschrieben, den Namen hatte später Drury irrtümlich auf diese Art bezogen. Daher ist Protaetia speciosissima (Scopoli 1786) der gültige wissenschaftliche Name.[2]

Merkmale des Käfers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der große und gewölbte Käfer ist unbehaart und glänzt deswegen besonders intensiv grüngold oder rotgold. Er erreicht die stattliche Länge von 22 bis 28 Millimetern.

Der Kopf ist kräftig und dicht punktiert, die Punkte sind verschieden groß. Der große viereckige Kopfschild verdeckt die Oberkiefer. Sein Vorderrand ist wulstig aufgeworfen und leicht nach innen gebogen. Sein Seitenrand hat über der Fühlerbasis eine Aussparung, so dass die Fühlereinlenkung von oben sichtbar ist. Die goldgrünen Fühler haben ein keulenförmiges kräftiges Basalglied. Die folgenden sechs Glieder bilden eine kurze Geißel. Die drei letzten Glieder sind nach vorn zu einer Fühlerkeule erweitert, deren Blätter frei gegeneinander beweglich sind. Die Wangen dringen in Form eines schmalen Stegs vom Vorderrand in das Auge vor.

Der Halsschild ist hinter dem Kopf buckelartig gewölbt. Er ist an der Basis am breitesten, nach vorn verengt er sich in der Aufsicht halbkreisförmig. Die Seitenrandlinie erreicht fast die Vorderseite. Die Basis des Halsschildes ist vor dem Schildchen eingebuchtet und rechts und links davon vor den Innenecken der Flügeldecken ebenfalls nach innen gebogen. Oben ist der Halsschild fast glatt, an den Seiten ist er weniger fein und zerstreut punktiert.

Die Flügeldecken sind hinter der Mitte nicht eingedrückt. Sie sind sehr fein und zerstreut punktiert. Die Flügeldeckennaht ist im hinteren Teil kielartig erhöht. Die Seiten der Flügeldecken sind hinter den Schultern stark eingebuchtet.

Betrachtet man die Unterseite des Käfers, so liegt das Niveau der Mittelbrust über dem der Vorderbrust. Die Mittelbrust ist nach vorn knaufartig erweitert. Dieser Mesosternalfortsatz ist kahl, in der Aufsicht breit und von der Seite betrachtet flach und nach vorn spitz zulaufend. Die Seiten der Mittelbrust (Epimeren des Mesosternums) ziehen sich keilförmig zwischen dem Vorderrand der Flügeldecken und dem Hinterrand des Halsschildes nach oben und sind von oben deutlich sichtbar. Der Hinterleib hat auf der Unterseite auch bei den Männchen keine Mittelrinne.

Vorder-, Mittel- und Hinterhüften sind walzig und liegen quer zur Körperachse. Die drei Zähne an der Außenseite der Vorderschienen enden spitz. Der Dorn auf der Innenseite der Vorderschiene entspringt vor dem mittleren Zahn und vor der Einlenkungsstelle der fünfgliedrigen Tarsen. Die Spitze der Mittel- und Hinterschienen ist scharf kantig gezackt und trägt zwei einander genäherte Enddornen.

Biologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die dreijährige Entwicklung benötigt die Art alte Bäume, hauptsächlich Eichen. Außerdem werden Linde, Buche und verschiedene Obstbäume genannt. Meist findet man die xylophagen Larven jedoch im Mulm alter rotfauler Eichen im Stammbereich, seltener in weißfaulem Holz. Sie meiden jedoch die Bodennähe, sind dagegen durchaus bis in den Wipfelbereich anzutreffen, häufig in ehemaligen Spechthöhlen. Sie werden bis zu 65 Millimeter lang. Die Puppenhöhle wird aus Mulm hergestellt und ist sehr hart. Die letzte Überwinterung erfolgt vermutlich als Imago. Den adulten Käfer kann man im Mai und Juni an sonnigen Waldrändern an den Brutbäumen oder auf blühendem Gebüsch antreffen. Er ernährt sich von Baumsaft oder auch von überreifem Obst. Der in alten Quellen genannte Blütenbesuch zwecks Nahrungsaufnahme wird inzwischen angezweifelt. An Stellen, an denen der Baum blutet und die Tiere an den zuckerhaltigen Saft gelangen, können sich die Tiere in großer Anzahl drängen.

Für eine Aufzucht wurden in Österreich Larven aus einem Kirschbaum entnommen, wo sie sich in drei Meter Höhe nicht nur im Mulm, sondern auch in selbstgenagten Nischen in härterem Holz aufhielten. Die Larven zeigten sich vor allem nachts aktiv. Die Imagines schlüpften bereits Ende August.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es handelt sich um eine kontinentale Art, die den atlantischen Bereich Europas meidet. Sie fehlt in Portugal, Großbritannien, Skandinavien, den Baltischen Staaten, Nordwest- und Nordrussland. Nach Osten erstreckt sich das Verbreitungsgebiet bis zum Kaspischen Meer und nach Kleinasien.[1]

In Deutschland wird der Käfer in mehreren Bundesländern als „vom Aussterben bedroht“ oder stark gefährdet eingestuft,[5][6][7] doch scheinen die Populationen zumindest stellenweise wieder etwas zuzunehmen.[8] In Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung wird die Art als „streng geschützter Käfer“ geführt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großer Rosenkäfer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Protaetia aeruginosa bei Fauna Europaea. Abgerufen am 3. Februar 2011
  2. a b Frank-Thorsten Krell, Antonio Rey, Estefania Mico, Moreno Dutto: "On nomenclature and identity of Scarabaeus aeruginosus Linnaeus, S. aeruginosus Drury and S. speciosissimus Scopoli (Coleoptera: Scarabaeoidea: Cetoniinae and Rutelinae)" Revue Suisse de Zoologie 119 (1) 99 – 110; 2012 als PDF
  3. Sigmund Schenkling: Erklärung der wissenschaftlichen Käfernamen
  4. Karl Adlbauer, Jürgen J. Fritz: "Protaetia aeruginosa in der Steiermark" Mitt. Landesmus.Joanneum Zool. Heft 50, S. 121–125 Graz 1996 als PDF
  5. Rote Liste gefährdeter Blatthornkäfer Bayerns
  6. Rote Liste Berlin (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stadtentwicklung.berlin.de
  7. Geschützte Arten in Baden-Württemberg (Memento des Originals vom 4. Mai 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lubw.baden-wuerttemberg.de
  8. J. Schmidl: Die Mulmhöhlenbewohnende Käferfauna alter Reichswald-Eichen bufos als PDF