Großgaststätte Ahornblatt

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Das „Ahornblatt“ kurz vor dem Abriss, 2000
15 Pfennig-Dauermarke der DDR-Post 1973 mit dem „Ahornblatt“ (Dauerserie Aufbau in der DDR)

Die Großgaststätte Ahornblatt im Berliner Bezirk Mitte an der Gertraudenstraße Ecke Fischerinsel wurde als gesellschaftliches Zentrum für das 1970 bis 1973 mit Punkthochhäusern neu gestaltete Wohngebiet Fischerinsel errichtet. In dem Gebäude befanden sich eine Selbstbedienungsgaststätte mit 880 Plätzen für das Ministerium für Bauwesen der DDR und umliegenden Schulen sowie eine Ladenpassage.[1]

Entwurf und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Ahornblatts stammte von den Architekten Gerhard Lehmann und Rüdiger Plaethe, die städtebauliche Konzeption von Helmut Stingl. Der Name „Ahornblatt“ ergab sich aus der blattähnlichen, nach außen gekrümmten Form des Daches. Die Betonkonstruktion wurde möglich durch die Schalenkonstruktion von Ulrich Müther, der auf diesem Gebiet mit dem VEB Spezialbetonbau aus Binz zu den weltweit führenden Kapazitäten zählte. Die Außenwände waren verglast und durch horizontal angeordnete Sonnenschutzlamellen gegliedert.

Der Bau des Ahornblatts erfolgte 1971 bis 1973.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gaststätte wurde nach ihrer Eröffnung am 18. Juli 1973 zunächst als Gaststätte für die Teilnehmer der X. Weltfestspiele genutzt. Anschließend diente sie als Betriebsgaststätte für die Mitarbeiter der umliegenden Betriebe und Dienststellen und für die Bauarbeiter des Palastes der Republik. Auch etwa 1000 Kinder umliegender Schulen nahmen dort ihr Mittagessen ein.[2] Nachmittags und abends wurde sie als öffentliche Gaststätte und auch für Feste und Veranstaltungen genutzt.

Nach der Wende wurde das Gebäude unter dem Namen Exit als Diskothek genutzt. DJ Tanith veranstaltete hier erste regelmäßige Afterhourveranstaltungen. Ab 1994 stand das Ahornblatt sechs Jahre lang leer.[3]

Abriss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1997 verkaufte die Oberfinanzdirektion Berlin das Gelände mit dem mittlerweile denkmalgeschützten Gebäude an die Objekt Marketing GmbH.[3] Trotz zahlreicher Proteste gegen die Vernichtung der Architektur der Moderne in der DDR, unter anderem von der Berliner Architektenkammer,[4] wurde dem Käufer des Geländes eine Abrissgenehmigung für das Ahornblatt erteilt. Bund und Senat hatten sich bereits Jahre zuvor zum Verkauf ihrer Grundstücke für 29 Millionen D-Mark entschieden.[5] Die Denkmalschutzbehörde musste in Ermangelung eines Nutzungskonzeptes dem Abriss zustimmen. Müther veranstaltete am 21. Januar 2000 eine letzte Führung durch sein Bauwerk. Am 19. Juli 2000 begann der Abriss des Ahornblattes. Die Accor-Gruppe erbaute an seiner Stelle ein Mittelklassehotel für Geschäftsreisende und Familien.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Falser: Zweierlei Erbe auf ein und derselben Insel: Das ›UNESCO-Weltkulturerbe‹ der nördlichen Museumsinsel und der Abriss des ›Ahornblattes‹ auf der südlichen Fischerinsel (1999/2000). In: Steinbruch, Mythenraum, Geschichtswerkstatt – die Berliner Spreeinsel und ihr Umfeld nach der deutschen Wiedervereinigung. In: Ders.: Zwischen Identität und Authentizität. Zur politischen Geschichte der Denkmalpflege in Deutschland. Thelem Verlag, Dresden 2008, ISBN 978-3-939-888-41-3, S. 243-250.

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Für den Schwung sind Sie zuständig. Dokumentarfilm, Deutschland, 58 Min., Produktionsjahr: 2002, Erscheinungsjahr: 2006, Buch und Regie: Margarete Fuchs.[7] [8]
    Die Dokumentation erhielt den Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2003[9] und enthält Archivaufnahmen vom Bau des Ahornblatts.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großgaststätte Ahornblatt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bilder

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fischerinsel hat jetzt ihr Einkaufszentrum. Gaststätte „Ahornblatt“ ab heute für alle geöffnet. In: Neues Deutschland, 21. August 1973, S. 8, Artikelanfang.
  2. Gaststätte „Ahornblatt“ auf der Fischerinsel. In: Neues Deutschland vom 19. Juli 1973, Seite 8.
  3. a b apu: Chronik: Ahornblatt. In: Berliner Morgenpost, 21. November 2002, (siehe Google Cache).
  4. Benedikt Hotze: Ahornblatt muss erhalten werden. In: BauNetz, 22. Januar 2000, aufgerufen am 5. Februar 2017.
  5. Uwe Aulich: Gestern begann der Abriss des berühmten Schalenbaus / Investor lehnte erneute Änderung des Projektes Fischerinsel ab. Das Ahornblatt wird Opfer der Berliner Stadtplaner. In: Berliner Zeitung, 20. Juli 2000.
  6. apu: Mitte: Häuserblock statt Ahornblatt. In: Berliner Morgenpost, 21. November 2002, (siehe Google Cache).
  7. Schwungkunst in Betonschalen. (Memento vom 1. Juli 2013 im Webarchiv archive.is). In: infomedia-sh.de, 14. Juni 2013.
  8. Film-Seite von Für den Schwung sind Sie zuständig, aufgerufen am 5. Februar 2017.
  9. Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2003. (Memento vom 11. Juni 2011 im Internet Archive). In: Goethe-Institut.

Koordinaten: 52° 30′ 49″ N, 13° 24′ 21″ O