Großharras

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Marktgemeinde
Großharras
Wappen Österreichkarte
Wappen von Großharras
Großharras (Österreich)
Großharras
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Mistelbach
Kfz-Kennzeichen: MI
Fläche: 42,69 km²
Koordinaten: 48° 40′ N, 16° 15′ OKoordinaten: 48° 39′ 50″ N, 16° 14′ 51″ O
Höhe: 206 m ü. A.
Einwohner: 1.109 (1. Jän. 2019)
Postleitzahl: 2034
Vorwahl: 02526
Gemeindekennziffer: 3 16 16
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Großharras 145
2034 Großharras
Website: www.grossharras.gv.at
Politik
Bürgermeister: Josef Windpassinger (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(19 Mitglieder)
  
Insgesamt 19 Sitze
Lage von Großharras im Bezirk Mistelbach
AltlichtenwarthAsparn an der ZayaBernhardsthalBockfließDrasenhofenFalkensteinFallbachGaubitschGaweinstalGnadendorfGroßengersdorfGroßebersdorfGroßharrasGroßkrutHausbrunnHerrnbaumgartenHochleithenKreuttalKreuzstettenLaa an der ThayaLadendorfMistelbachNeudorf im WeinviertelNiederleisOttenthalPillichsdorfPoysdorfRabensburgSchrattenbergStaatzStronsdorfUlrichskirchen-SchleinbachUnterstinkenbrunnWildendürnbachWilfersdorf (Niederösterreich)Wolkersdorf im WeinviertelNiederösterreichLage der Gemeinde Großharras im Bezirk Mistelbach (anklickbare Karte)
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Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

BW

Großharras ist eine Marktgemeinde mit 1109 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2019) im Bezirk Mistelbach in österreichischen Bundesland Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großharras liegt im nördlichen Weinviertel in Niederösterreich im Hügelland südlich der Pulkau etwa auf halbem Weg zwischen Laa an der Thaya und Haugsdorf. Der zur Gemeinde gehörende Ort Zwingendorf liegt an der durch das Pulkautal führenden Pulkautal Straße B 45.

Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 42,69 Quadratkilometer, etwa 2½ Prozent der Fläche ist bewaldet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst drei Katastralgemeinden bzw. gleichnamige Ortschaften (Fläche: Stand 31. Dezember 2018;[1] Einwohner Stand 1. Jänner 2019[2]):

  • Diepolz (662,49 ha; 169 Ew.)
  • Großharras (1.510,67 ha; 469 Ew.)
  • Zwingendorf (2,093,04 ha; 471 Ew.)

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit 1. Jänner 1970 erfolgte die Zusammenlegung mit dem einen Kilometer entfernten Diepolz.[3]
  • Mit 1. Januar 1971 folgte die Zusammenlegung mit dem fünf Kilometer nördlich liegenden Zwingendorf.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Großharras, das sicherlich bereits vor seiner erstmaligen urkundlichen Nennung im Jahre 1156 besiedelt war – am Ortsrand an der Straßengabelung Richtung Kammersdorf wurde 1876 ein Langobardengrab aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts gefunden, dessen Grabbeigaben im Niederösterreichischen Landesmuseum zu besichtigen sind – wurde im Zuge der zweiten deutschen Besiedelung wahrscheinlich im 11. Jahrhundert gegründet und von fränkischen Siedlern aufgebaut. Der Ortsname Harras wird vom mittelhochdeutschen „har-roze“, also Flachsröste, abgeleitet.

1255 wird die Pfarrkirche von Großharras, die ursprünglich dem hl. Pankraz, später der Hl. Dreifaltigkeit geweiht wurde, von den Seefeldern den Johannitern in Mailberg (Malteser-Ritterorden) übertragen und ist deshalb eine der fünf Malteserkirchen in Österreich.

Die geografische Lage des Ortes im Grenzraum zu Mähren bedingte die Involvierung in zahlreiche Konflikte des Thayaraumes (Schlacht bei Mailberg, Ungarneinfälle, Hussitenkriege, Dreißigjähriger Krieg).

Im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts konnte wie in vielen anderen Dörfern der Umgebung der Protestantismus Fuß fassen, sodass 1574 der protestantische Magister Leopold Zerer als Schulmeister tätig war. Im Laufe des 17. und frühen 18. Jahrhunderts bestimmte allerdings im Zuge der Gegenreformation der Katholizismus das religiöse und kulturelle Leben.

1763 kam es zu einem Streit zwischen der Herrschaft Kadolz und 34 Kleinhäuslern, weil diese aufgrund steigender Schutzgeldzahlungsforderungen den Naturalrobot verweigerten. Die Regierung vermittelte im Streit, indem Schutzgeldobergrenzen festgelegt und die Verpflichtung zum Naturalrobot festgelegt wurden. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde der Kleinhäusler Thomas Walter in das Temescher Banat verwiesen.

Im 19. Jahrhundert konnte die Ortsentwicklung auch durch Choleraepidemien (1836 und 1866, als die Preußen nach der Schlacht von Königgrätz die Krankheit einschleppten) und Großbrände (zum Beispiel 1858: gesamtes Neustift abgebrannt, 1863: 13 Häuser und 6 Scheunen abgebrannt, 1871: 9 Häuser abgebrannt) nicht aufgehalten werden. Der Brandgefahr suchte die Kommune durch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr im Jahr 1884 Herr zu werden.

Nach dem Zusammenbruch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie 1918 hat das Dorf mit den Problemen einer an den Rand gedrängten Gemeinde und den ökonomischen Strukturveränderungen (Bedeutungsverlust der Landwirtschaft, Mangel an Arbeitsplätzen im sekundären und tertiären Sektor) zu kämpfen. Diese Veränderungen spiegeln sich in der Bevölkerungsentwicklung wider.

Im Jahr 2006 feierte der Ort sein 850-jähriges Bestehen.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Jahr 1939 hatte Großharras einen starken Rückgang der Bevölkerungszahl. Die Abnahme verringert sich seit der Jahrtausendwende, auffällig ist die Reduktion der Kinderzahl von 2001 bis 2011.[5][6][7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Großharras

Nach dem Bau der Therme Laa und deren Eröffnung im Jahr 2004 versucht man, wie die übrigen Gemeinden des Landes um Laa, touristische Impulse zu setzen. So wurde in den letzten Jahren gezielt ein Netz von markierten Radwegen angelegt, nachdem der europäische Weitwanderweg 630 bereits seit Jahren von Wanderern frequentiert wird. Beherbergungsbetriebe laden Gäste zum Bleiben ein. Die für die Region Weinviertel typischen Kellergassen können unter fachkundiger Führung besichtigt werden. In den Sommermonaten kann man bei den heimischen Winzern die „Offene Kellertür“ besuchen und bei Grünem Veltliner, Weißburgunder, Blauem Portugieser und Zweigelt die Atmosphäre der romantischen Kellergasse genießen.

Die Pfarrkirche ist einen Besuch wert, da sie eine von neun Kirchen des Malteserordens in Österreich ist und die Silberbauerorgel im Kircheninneren unter Denkmalschutz steht.

Um Zwingendorf befinden sich bemerkenswerte Salzstandorte mit einer spezifischen Fauna und Flora.

Seit 1675 gibt es in Großharras das „Gasthaus zur Traube“, welches als Treffpunkt der ansässigen Bevölkerung diente. 1927 erwarb die Familie Holzer den Betrieb, der noch bis heute unter dem Namen Landgasthaus Holzer besteht und einen Treffpunkt für gesellschaftliche Ereignisse sowie ein Kommunikationszentrum für die ansässige Kultur und Wirtschaft ist.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2001 gab es 42 nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten, nach der Erhebung 1999 gab es 107 land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Nach der Volkszählung 2001 betrug die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort 505, die Erwerbsquote lag 2001 bei 43 Prozent.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Marktgemeinde ist Josef Windpassinger (ÖVP).

Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 19 Sitzen seit der Gemeinderatswahl vom 25. Jänner 2015 folgende Mandatsverteilung:

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AUT Großharras COA.jpg

Blasonierung:

„Gespalten von Rot und Silber, vorne ein silbernes Johanniterkreuz, hinten eine rote Flachsbrechel. Ein gespaltener Schild, dessen rechtes Feld auf rotem Grunde ein silbernes Johanniterkreuz und dessen linkes Feld auf silbernem Grunde eine rote Flachsbrechel zeigt.“

Wappenerklärung: Das weiße Malteserkreuz (Johanniterkreuz) in Rot verweist auf die seit 1255 bestehende Malteserpfarre, eine der wenigen in Österreich. Die Flachsbrechel versinnbildlicht die Entstehung des Ortsnamens Großharras aus mhd. harroce – Flachsröste.

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johanna Mikl-Leitner (* 1964), Politikerin (ÖVP) und Landeshauptfrau von Niederösterreich. Sie wuchs in Großharras auf und besuchte dort die Volksschule.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatbuch des Verwaltungsbezirkes Mistelbach. Wien 1959
  • Marktgemeinde Großharras (Hrsg.): Festschrift anlässlich der Markterhebungs- und 800-Jahr-Feier der Marktgemeinde Großharras am 30. September 1956. Großharras 1956
  • Marktgemeinde Großharras (Hrsg.): Jubiläumsbroschüre 850 Jahre Großharras: 1156–2006. 50 Jahre Marktgemeinde Großharras: 1956–2006. Großharras 2006.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CSV-Datei aus REGIONALINFORMATION.zip (1.221 KB); abgerufen am 12. Jänner 2019
  2. Statistik Austria: Bevölkerung am 1.1.2019 nach Ortschaften (Gebietsstand 1.1.2019), (CSV)
  3. LGBL. NÖ. Nr. 047/1970
  4. LGBL. NÖ. Nr. 116/1971
  5. Ein Blick auf die Gemeinde Großharras, Bevölkerungsentwicklung. Statistik Austria, abgerufen am 19. November 2019.
  6. Ein Blick auf die Gemeinde Großharras, Wohnbevölkerung. Statistik Austria, abgerufen am 19. November 2019.
  7. Einwohnerzahl und Komponenten der Bevölkerungsentwicklung:. Statistik Austria, abgerufen am 19. November 2019.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großharras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien