Großmeister von Frankreich

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Stab eines Großmeisters, jeder Titelträger setzte in die Mitte sein eigenes Hauswappen ein

Der Großmeister von Frankreich (französisch: Grand Maître de France, bis ca. 1380 Souverain Maître d’hôtel du Roi, dann bis 1388 Grand Maître d'hôtel du Roi) war im Frankreich des Ancien Régime und der Restauration der Großhofmeister des königlichen Hauses. Ihm gegenüber legten alle Offiziere des Königs den Eid ab (siehe: Großämter der Krone Frankreichs).

Der Großmeister von Frankreich war, wie auch der Connétable, die Marschälle, der Großjägermeister und andere, einer der Großoffiziere der Krone (französisch: Grands Officiers de la Couronne). Sein Amtsabzeichen war ein vergoldeter silberner Stab mit den bourbonischen Lilien, ähnlich dem Marschallsstab, mit einer Königskrone am oberen Ende. Die Großmeister fügten ihrem Wappen zwei gekreuzte Stäbe als Wappenzier hinzu.

Ein vergleichbares Amt hatte im ersten Kaiserreich der Grand maréchal du palais.

Vorrechte des Amt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachfolger der Verwalter des Palastes(maires du Palais), der Kammerdiener und Seneschallen Frankreichs, ist er einer der wichtigsten Persönlichkeiten im Königshaus. Er leitet alle Dienste des Königshauses, ernennt die neuen Offiziere, sie müssen vor ihm den Eid auf den König ablegen und er verwaltet das Budget des Königs. Er ist auch der Chef der Polizei des Hofes und der Superintendent der königlichen Verwaltung, was ihn zu einer Art Innenminister macht. Das Amt wird oft sehr wichtigen, dem König nahestehenden Fürsten anvertraut. So hat Francois I. seinem ehemaligen Gouverneur, Artus Gouffier, dieses Amt gegeben dann seinem Onkel, „der große Bastard von Savoyen“ dann seinem Freund, dem Herzog von Montmorency. Im Jahr 1559, nach dem erzwungenen Rücktritt von Montmorency, geht das Amt in die Hände des Hauses von Lothringen über, das es ausnutzt, seinen Einfluss auf den Hof auszuweiten, bis zu dem Punkt, dass Henry III Henry Scarface beauftragt, seine Vorrechte wieder herzustellen. 1594 geht das Amt auf die Prinzen von Condé über, die es (außer 1654–1656) bis zur Revolution behalten.

Die Verordnung vom 7. Januar 1681 bestimmt die Autorität, die Funktionen und die Pflichten der Offiziere, die vom Großmeister abhängen.

In der nachfolgenden Zeit wird der Großteil der eigentlichen Arbeit vom Büro des Großmeisters erledigt, nicht von ihm persönlich. Seine Macht ist daher eher symbolisch, auch wenn er sich von Zeit zu Zeit persönlich um zeremonielle Vorrechte kümmert.

Er bezahlte die jährlichen Ausgaben für die Verpflegung des Königshauses. Er hatte die volle Zuständigkeit über die sieben Ämter des Königshauses, die er auch neu besetzte, wenn sie vakant wurden. Der Großmeister erhielt den Treueschwur auf den König von dem Verantwortlichen für die Musik am Hof und dem Meister des Oratorium, die sechs Kapläne des Königs; dem ersten Butler, dem gewöhnlichen Maitre d'Hotel und den zwölf Quartiermeistern; den drei Großmeistern: Bäcker, Mundschenk und Fleischschneider (écuyeur tranchant); den sechsunddreißig Dienern; den drei Meistern der Schatzkammer(chambre aux deniers ) der vier Leutnants der Wachen des Palasttors usw.

Es gab sechs Kapläne im Palast, genannt Seelsorger von St. Roch, von denen drei pro Semester dienten, sie segneten die Verpflegung. Auch die Kapläne schwuren vor dem Großmeister den Treueschwur auf den König.

Zeremonielle Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er leitet die Krönung des Königs. Er führt den Trauerzug beim Begräbnis der Könige an. Bei der Beerdigung des Königs, brechen alle Offiziere den Stab, der das Zeichen ihres Amtes ist und werfen ihn in das Grab des Königs, um zu zeigen, dass sie kein Amt mehr innehaben. Im Unterschied dazu berührt der Großmeister den Sarg nur mit der Spitze seines Stabes. Nach dem Begräbnismahl, bricht er seinen Stab und bietet dem neuen König und den Offizieren seine Dienste an.

Großmeister von Frankreich (ancien régime)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nicolas Viton de Saint-Allais: Nobiliaire universel de France, ou Recueil général des généalogies historiques des maisons nobles de ce royaume. Band 1. Bachelin-Deflorenne, Paris 1872, S. 268–269 (Gallica).
  2. Philippe de Commynes, Nicolas Lenglet Dufresnoy, Denis Godefroy: Memoires de Messire Philippe de Comines, seigneur d’Argenton, où l’on trouve l’histoire des rois de France Louis XI & Charles VIII. Rollin, fils, 1747, S. 14–17 (Google Books).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernard Barbiche: Les Institutions de la monarchie française à l’époque moderne. XVIIe–XVIIIe siècles. 2. Auflage. Presses Universitaires de France, Paris 2001, ISBN 2-13-051940-7.
  • Jean-François Solnon: La Cour de France. 1. Auflage. Librairie Générale Française, Paris 1996, ISBN 2-253-90439-2.