Großniedesheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Großniedesheim
Großniedesheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Großniedesheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 35′ N, 8° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Pfalz-Kreis
Verbandsgemeinde: Lambsheim-Heßheim
Höhe: 97 m ü. NHN
Fläche: 3,78 km2
Einwohner: 1229 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 325 Einwohner je km2
Postleitzahl: 67259
Vorwahl: 06239
Kfz-Kennzeichen: RP
Gemeindeschlüssel: 07 3 38 009
Adresse der Verbandsverwaltung: Mühltorstraße 25
67245 Lambsheim
Webpräsenz: www.grossniedesheim.de
Ortsbürgermeister: Michael Walther (SPD)
Lage der Ortsgemeinde Großniedesheim im Rhein-Pfalz-Kreis
Frankenthal (Pfalz) Kreis Bergstraße Landkreis Alzey-Worms Landkreis Bad Dürkheim Landkreis Germersheim Landkreis Karlsruhe Neustadt an der Weinstraße Landkreis Südliche Weinstraße Ludwigshafen am Rhein Mannheim Rhein-Neckar-Kreis Speyer Worms Altrip Beindersheim Birkenheide Bobenheim-Roxheim Böhl-Iggelheim Dannstadt-Schauernheim Dudenhofen Fußgönheim Großniedesheim Hanhofen Harthausen Heßheim Heuchelheim bei Frankenthal Hochdorf-Assenheim Kleinniedesheim Lambsheim Limburgerhof Maxdorf Mutterstadt Neuhofen (Pfalz) Otterstadt Rödersheim-Gronau Römerberg (Pfalz) Schifferstadt Waldsee (Pfalz)Karte
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Großniedesheim ist eine Ortsgemeinde im Rhein-Pfalz-Kreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim an.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großniedesheim liegt im Nordwesten der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim in der Metropolregion Rhein-Neckar. Heuchelheim ist der westliche Nachbarort, im Uhrzeigersinn folgen Kleinniedesheim, Beindersheim und Heßheim.

Östlich der Wohnbebauung fließt von Südsüdwest nach Nordnordost der Eckbach, ein linker Nebenfluss des Rheins.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großniedesheim ist eine fränkische Ortsgründung aus dem 6./7. Jahrhundert und wurde erstmals 1190 in dem Lehensverzeichnis des Werner II. von Bolanden unter dem Namen Nittesheim erwähnt. Da das Nachbardorf Kleinniedesheim seit dem 16. Jahrhundert mit dem gleichen Namen bezeichnet wurde, wurden seither die Vorsilben Groß- und Klein- zur Unterscheidung verwendet. Die heutige Schreibweise von Großniedesheim gibt es seit dem 18. Jahrhundert.

1230 wurde die Vogtei über Groß- und Kleinniedesheim von Kaiser Friedrich II. an den Grafen Philipp I. von Falkenstein vergeben, in dessen Familie die Herrschaft bis 1458 verblieb. In diesem Jahr wurde durch Kaiser Friedrich III. das Oberlehensrecht der Grafschaft Falkenstein an Herzog Johann von Lothringen vergeben, der die Grafschaft an Wirich VI. von Daun verlehnte.

Bevor Lothringen, in dem 1667 die Grafschaft Falkenstein aufging, an Frankreich angegliedert wurde, trat Herzog Franz Stephan 1733 Groß- und Kleinniedesheim an Kurfürst Karl Philipp ab. 1745 wurden beide Orte dem kurpfälzischen dem Unteramt Freinsheim zugeordnet, 1750 jedoch, zusammen mit Kleinniedesheim, als Lehen an den kurkölnischen Geheimrat und Residenten in der Kurpfalz,[2] Jakob Josef von Steffne vergeben. Er war Berater des Kölner Kurfürsten Clemens August von Bayern und ein enger Vertrauter des österreichischen Ministers Johann Karl Philipp Graf Cobenzl.[3] Mit letzterem fiel er schon 1755 bei seinem Landesherrn in Ungnade, man entzog ihm das Lehen und unterstellte die Dörfer wieder dem kurpfälzischen Unteramt Freinsheim. So blieb es bis zum Ende der Feudalzeit. Allerdings behielt Jakob Josef von Steffne seine ihm gehörende Residenz, Schloss Kleinniedesheim, welches erst sein Sohn Clemens August von Steffne, der letzte Propst des Wormser Andreasstiftes,[4] 1765 an die Freiherrn von Gagern veräußerte.[5][6]

Nach der Inbesitznahme des Linken Rheinufers in den französischen Revolutionskriegen (1794) gehörte Großniedesheim von 1798 bis 1814 zum französischen Kanton Frankenthal im Departement Donnersberg.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen kam das Gebiet im Juni 1815 zu Österreich. Am 14. April 1816 wurde zwischen Österreich und Bayern ein Staatsvertrag geschlossen, in dem ein Austausch verschiedener Staatsgebiete vereinbart wurde. Hierbei wurden die linksrheinischen österreichischen Gebiete zum 1. Mai 1816 an das Königreich Bayern abgetreten. Im Jahr 1818 kam Großniedesheim zum Landkommissariat Frankenthal im bayerischen Rheinkreis. Aus dem Landkommissariat Frankenthal entstand 1938 der Landkreis Frankenthal (Pfalz), zu dem die Gemeinde bis 1969 gehörte. Die Zugehörigkeit zu Bayern endete nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mit der Auflösung des Landkreises Frankenthal im Jahr 1969 kam der Wechsel zum Landkreis Ludwigshafen, der heute Rhein-Pfalz-Kreis heißt; anschließend erfolgte die Zuordnung zur damals neuen Verbandsgemeinde Heßheim. Diese fusionierte 2014 mit der zuvor verbandsfreien Gemeinde Lambsheim zur Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim.

Im Herbst 2014 wurde öffentlich gemacht, dass die Gemeinde Adolf Hitler schon 1932, ein Jahr vor der sogenannten Machtergreifung, die Ehrenbürgerwürde verliehen und sie ihm nach der Zeit des Nationalsozialismus offiziell nicht aberkannt hatte. Bei einer früheren Diskussion in den 1990er Jahren waren die Verantwortlichen davon ausgegangen, das in der Gemeindeordnung festgelegte Erlöschen mit dem Tod des Ehrenbürgers reiche juristisch aus.[7] Um den vor allem im Internet kursierenden Vorwürfen die Grundlage zu entziehen, fasste der Gemeinderat am 27. November 2014 den einstimmigen Beschluss, die Verleihung von 1932 auch förmlich rückgängig zu machen.[8]

Flugzeugunglück[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. Juli 1982 ereignete sich im Ort ein Flugzeugunglück. Dabei kollidierte ein tieffliegender Starfighter der kanadischen Luftwaffe mit einem Kleinflugzeug, das sich gerade im Landeanflug auf den 5 km entfernten Flugplatz Worms befand. Beide Maschinen stürzten über der nordöstlichen Pfalz nahe der Grenze zu Rheinhessen ab. Das Militärflugzeug kam mitten in Großniedesheim zu Boden und riss dabei eine Schneise der Verwüstung in den Ort. Das Kleinflugzeug zerschellte auf einem Feld am Rande der Nachbargemeinde Kleinniedesheim. Der Pilot des Düsenjägers konnte sich durch Betätigung des Schleudersitzes retten, die beiden Insassen des Zivilflugzeuges kamen ums Leben. In den Trümmern eines der zerstörten Häuser von Großniedesheim starb ein junger Mann von 19 Jahren. Weil am Unglücksort Brände ausgebrochen waren, mussten Feuerwehren aus der gesamten Region Hilfe leisten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Bevölkerungszahl ist für das Jahr 1667 überliefert; damals lebten 142 Menschen in Großniedesheim. Mit dem Wiederaufbau nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg und besonders unter kurfürstlicher Herrschaft wuchs die Bevölkerung; die 74 Häuser im Jahre 1786 entsprachen etwa 300 bis 350 Einwohnern. 1801 wurden 398 Menschen gezählt. Mit dem Ende der Feudalherrschaft siedelten sich viele Kleinbauern, Handwerker und Händler der Umgebung im Ort an, wodurch die Einwohnerzahl auf 546 im Jahr 1836 stieg. Die damaligen Ortsgrenzen blieben bis zum Zweiten Weltkrieg weitgehend unverändert; auch die Bevölkerungszahl stieg bis 1939 nur auf 599, da in Großniedesheim im Gegensatz zu anderen Orten der Umgebung keine Wohnsiedlungen für Arbeiter und Angestellte der umliegenden Städte entstanden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam es durch Anlage von Neubaugebieten zu einer starken Ausweitung der Siedlungsfläche und einem kräftigen Bevölkerungsanstieg.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Großniedesheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU FWG Gesamt
2014 10 2 4 16 Sitze
2009 8 3 5 16 Sitze
2004 8 4 4 16 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe Großniedesheim e. V.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wahl zum Ortsbürgermeister 2009 setzte sich Michael Walther (SPD) mit 60,8 Prozent der Stimmen durch. Er löste Hugo Klöß (SPD) ab. Walther wurde 2014 mit 66,9 Prozent wiedergewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In Silber ein grüner Eichenzweig mit zwei grünen Blättern und zwei goldenen Eicheln“

Es geht zurück auf das gemeinsame Gerichtssiegel von Groß- und Kleinniedesheim aus dem 15. Jahrhundert und verweist mit dem Eichenzweig auf die ehemalige Ortsherrschaft der Herren von Falkenstein.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als markantes Bauwerk ist der 1929 errichtete und 49 m hohe Wasserturm weithin sichtbar; er fasst 360 m³.[10] In der Ortsmitte liegen die protestantische Pfarrkirche sowie das gut restaurierte Ensemble des ehemaligen Rathauses, das über eine auffällige Toranlage verfügt und heute als Bürgerhaus dient.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großniedesheim gibt es eine einzügige Grundschule und einen Kindergarten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreisstraßen verbinden Großniedesheim mit Heuchelheim, Kleinniedesheim und Beindersheim. 1 km westlich – ohne Anschlussstelle – verläuft die A 61 (KoblenzSpeyer). Der nächste Anschluss zur 2,5 km südlich vorbeiführenden A 6 (SaarbrückenMannheim) besteht 6 km entfernt in Frankenthal (Anschlussstelle 22 Frankenthal-Nord); von dort aus kann auch die A 61 – über das nahe Autobahnkreuz Frankenthal – erreicht werden.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großniedesheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Vollständiges Diarium von den merkwürdigsten Begebenheiten bei der Wahl und Krönung Kaiser Karl VII., Frankfurt, 1742, S. 23; (Digitalscan zur Funktion als Resident)
  3. Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiözese Köln, Jahresband 1927, S. 40; (Ausschnittscan)
  4. Kurmainzischer Hof- und Staats-Kalender, Mainz 1792, S. 310; (Digitalscan)
  5. Christian Gottlieb von Stramberg, Anton Joseph Weidenbach: Denkwürdiger und nützlicher rheinischer Antiquarius, Teil 2, Band 3, S. 692, Koblenz, 1853; (Digitalscan)
  6. Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des königlich bayerischen Rheinkreises, Teil 2, S. 252, Speyer, 1836; (Digitalscan)
  7. Waltraud Werdelis (ww): Ehrung von Adolf Hitler wird revidiert. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Frankenthaler Zeitung. Ludwigshafen 26. November 2014.
  8. gnk (Autorenkürzel): Schlussstrich unter der Sache Hitler. In: Die Rheinpfalz, Lokalausgabe Frankenthaler Zeitung. Ludwigshafen 27. November 2014.
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  10. Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches: Wasserturm Großniedesheim. Abgerufen am 5. März 2012.