Rabbiner

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Rabbiner beim Talmudstudium
Ein Rabbiner beim Religionsunterricht, 2004

Ein Rabbiner ist ein Funktionsträger in der jüdischen Religion. Seine Hauptaufgabe ist es, die Torah zu lehren. Die Grundform des Rabbiners entwickelte sich in der Pharisäer- und Talmud-Ära, als sich gelehrte Lehrer versammelten, um die schriftlichen und mündlichen Gesetze des Judentums zu kodifizieren. Der erste Weise, für den die Mischna den Titel eines Rabbiners verwendet, war Jochanan ben Sakkai, der im frühen bis mittleren 1. Jahrhundert vor Christus tätig war.

In den verschiedenen jüdischen Glaubensrichtungen gibt es unterschiedliche Anforderungen an die rabbinische Ordination (Semicha, hebräisch סְמִיכָה Auflegen (der Hände)) und heftige Meinungsverschiedenheiten darüber, wer als Rabbiner anerkannt wird. So ordiniert das orthodoxe Judentum Frauen nicht als Rabbiner. Das konservative Judentum hingegen lässt Frauen aus halachischen Gründen als Rabbinerinnen zu, das Reformjudentum aus ethischen Gründen.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rabbiner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff Rabbiner leitet sich aus hebräisch רב Rav, Plural רבנים Rabbanim ab. Aschkenasisch-hebräisch und jiddisch lautet die Bezeichnung Row, Mehrzahl Rabbonim, beziehungsweise aramäisch Rabbuni „Meister, Lehrer“. Dieser religiöse Titel geht auf die gemeinsemitische Wurzel (hebräisch רבה raba, deutsch ‚groß sein‘) zurück. Rebbezin wird die Ehefrau des Rabbiners bezeichnet.

Chacham[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für sephardischen Rabbiner ist die Bezeichnung (hebräisch חכם Chacham, deutsch ‚Weiser‘) üblich, beispielsweise Chacham Baschi, bei den jüdischen Karaimen Chassan.[A 1]

Rabbi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Rabbi (hebräisch רַבִּי mein Lehrer, mein Meister) werden seit dem Altertum, vom Zeitalter der Mischna bis ins Mittelalter, jüdische Gelehrte bezeichnet, die die Vorschriften der Tora auslegen. Im Plural werden zwei Formen verwendet, Rabbis oder Rabbinen. Normalerweise wird kein Artikel verwendet. Ein Artikel wird nur gebraucht, wenn „Rabbi“ in einer bestimmten Qualität, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Zeitabschnitt als Subjekt oder Objekt im Satz steht.

Rabbi war auch ein Ehrentitel für besondere Tora-Gelehrsamkeit. (Auch Jesus von Nazaret wird im griechischen Neuen Testament oftmals als Rabbi angesprochen).

Verwandt mit dem Wort Rabbi sind die jiddischen Begriffe Rebbe und Reb. Rebbe bezeichnet den Anführer einer chassidischen Gemeinschaft. Der Titel vererbt sich vom Vater auf den Sohn.

Mit Reb wird ein Mann ehrenvoll zur Lesung der Tora aufgerufen. Im Alltag ist es durchaus üblich, jeden frommen Juden mit Reb anzusprechen.

Der Rabbiner in der jüdischen Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grabstein des Rabbiners Moses Isserles (Remu, 1525–1572) im alten jüdischen Friedhof im Stadtteil Kazimierz in Krakau, mit der Inschrift: „von Moses bis Moses gab es keinen wie Moses“

Als besonderer Stand sind Rabbiner (seit Luther in den meisten deutschen Bibeln als Schriftgelehrte bezeichnet) biblisch erstmals in der Zeit nach dem babylonischen Exil in Esra 7,6.11 genannt, dort wird der Priester Esra als ein mit dem Gesetz Moses erfahrener Gelehrter der Schrift erwähnt. Nach jüdischer Überlieferung hat Esra das mosaische Gesetz, das beim Untergang Jerusalems 586 v. Chr. verbrannt sein soll und nur noch mündlich weitergegeben wurde, neu aufgeschrieben. Die Aufgaben der Gelehrten in seiner Tradition waren Auslegung der Tora und der konkrete Praxisbezug jüdischer Lehre im Alltag. Daraus hervorgegangen ist später die Pharisäerbewegung, die schließlich das rabbinische Judentum begründete. Auch Frauen erhielten rabbinische Titel. Asenath Barzani (1590–1670) aus Mosul im Osmanischen Reich war eine der ersten Frauen, die den Titel Tanna’it (Lehrerin, Meisterin) erhielt. Auch die drei Töchter Raschis galten und wirkten als rabbinische Lehrerinnen und Talmud-Kommentatorinnen, siehe auch Tosefta.

Aufgaben eines Rabbiners[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rabbiner leitet eine jüdische Hochzeitszeremonie, Frankreich, um 1905

Bis ins Mittelalter durften Rabbiner mit der Tora kein Einkommen erzielen, deshalb arbeiteten sie in Europa ehrenamtlich. So hatte beispielsweise der bekannte Torakommentator Raschi (1040–1105) einen Brotberuf: Er besaß einen Weinberg. Maimonides (Rambam, 1138–1204), war Arzt. Erst im 14. Jahrhundert wurde dies nach ständiger Ausweitung der Anforderungen schließlich aufgegeben. Selbst danach arbeiteten offenbar viele Rabbiner vorwiegend als Vorbeter. Zu den Aufgaben eines Rabbiners zählt heute die religiöse Lehre, und als Talmudkenner kommt ihm die Entscheidung in religiösen Fragen zu.

In orthodoxen Gemeinden betet der Vorbeter (hebräisch שליח ציבור, Schliach Tzibur, hebräisch חַזָּן, Chasan) zusammen mit der Gemeinde der Betenden immer zum Toraschrein (hebräisch אָרוֹן הָקׄדֶש Aron ha-Kodesch, der heilige Schrein) gerichtet, d. h. Richtung Jerusalem mit der Klagemauer, als Gleiche unter Gleichen vor HaSchem – ebenso wie etwa in den christlichen Ostkirchen und im Islam wendet er also der Gemeinde den Rücken zu. Dagegen leiten in liberalen Gemeinden Reform-Rabbiner oft stark gekürzte Schabbat- und Festtagsgottesdienste, wobei diese oft der Gemeinde, wie der Priester oder Pfarrer des westlichen Christentums, im Gottesdienst zugewandt sind.

Jede jüdische Gemeinde unterhält eine Reihe religiöser Einrichtungen, um ein Leben gemäß der jüdischen Gesetze zu ermöglichen. Es ist Aufgabe der Rabbiner, sicherzustellen, dass diese Einrichtungen im Einklang mit dem jüdischen Gesetz arbeiten. Beispiele wären die jüdische Schlachtung (Schechita, (hebräisch שחט šacḥaṭ, deutsch ‚schlachten‘)) und die jüdischen Speisegesetze (Kaschrut, hebräisch כַּשְרוּת) in Geschäften und Restaurants sicher zu stellen. Sie überwachen das Ritualbad (Mikwe, hebräisch מִקְוֶה), die Grundschule (Cheder, hebräisch חֶדֶר), die Sabbatgrenzen (Eruv, hebräisch עירוב) und die Bestattungsgesellschaft (Chewra Kadischa, hebräisch חֶבְרָא קַדִישָא). In der heutigen Zeit werden Rabbiner, die sich auf diese Art der Supervision spezialisiert haben, als Maschgiach (hebräisch משגיח) eingesetzt.

Ein orthodoxer Rabbiner ist kein Priester, dem besondere religiöse Aufgaben alleine zustünden. Deshalb kann im Grunde auch jedes dazu befähigte Mitglied einer jüdischen Gemeinde den Gottesdienst leiten, vorbeten, aus der Torah vorlesen usw. In manchen Gemeinden haben jedoch nur Rabbiner die dazu erforderlichen Kenntnisse. Aufgabe eines Rabbiners ist auch die Betreuung der und Sorge für die Gemeindemitglieder und für Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen, beispielsweise Anwärter auf eine Konversion, hebräisch גר Ger (männlich), beziehungsweise hebräisch גיורת Gijoret (weiblich).

In der Diaspora ist der Rabbiner für seine Gemeinde immer auch Richter in zivilen Angelegenheiten. Der jüdischen Gemeinschaft war es – und ist es in gewissem Sinne bis zum heutigen Tag – unter Bannandrohung untersagt, internen Streit vor ein weltliches Gericht zu bringen. Dafür stehen Rabbinatsgerichte (Beth Din, hebräisch בית דין Gerichtshof) zur Verfügung, eine halachische (jüdisch-rechtliche) Instanz, welche aus mindestens drei Rabbinatsrichtern besteht. Zu Zeiten, da in Israel noch ausschließlich nach jüdischem Recht gerichtet wurde, konnte je nach Fall die Zusammensetzung auf bis zu 71 Richter anwachsen. In heutiger Zeit erfüllt ein Beth Din insbesondere folgende Aufgaben:[1]

In den meisten Gemeinden wird aufgrund seiner Vorbildfunktion von einem Rabbiner erwartet, dass er verheiratet ist und Kinder hat.[2]

In vielen Ländern bieten Militärrabbiner religiöse Dienstleistungen für jüdische Soldaten an. Feldrabbiner war die frühere Bezeichnung für Rabbiner in der Militärseelsorge. Feldrabbiner wurden unter anderem in den Streitkräften Österreich-Ungarns und des deutschen Kaiserreiches eingesetzt. Militärrabbiner tragen die Verantwortung für die Durchführung oder Koordinierung von Gottesdiensten, die Überwachung der koscheren Küche und die Aufrechterhaltung des Synagogenbetriebs.

In Israel führen sie auch Heiratszeremonien (hebräisch חוּפָּה Chuppa) und die Brit Mila (hebräisch ברית מילה Bund der Beschneidung) durch. Das Militärrabbinat überwacht die rechtliche und religiöse Bestätigung von Ehen und Scheidungen von Soldaten während ihres Militärdienstes. Ebenso ist es für die Beisetzung der Leichen von Soldaten gemäß den religiösen Vorschriften verantwortlich.

Hierarchie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl das Judentum keine zentrale Autorität kennt, hat sich in seiner orthodoxen Strömung eine Tendenz entwickelt, den Ober- oder Großrabbiner eines Landes oder einer Gemeinde als jeweils höchste religiöse Instanz anzuerkennen. Als Erbe der britischen Mandatszeit gibt es zum Beispiel für den Staat Israel ein Großrabbinat. Es besteht heute aus zwei Mitgliedern:

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die traditionelle Ausbildung von Rabbinern erfolgt in der Regel im Rahmen einer Talmudhochschule, einer Jeschiwa, einem orthodoxen Rabbinerseminar oder einem Studium.

Morenu ist ein seit Mitte des 14. Jahrhunderts üblicher religiöser Titel talmudischen Ursprungs für ein männliches Gemeindemitglied mit hoher religiösen Bildung. Der Titel gilt allgemein als Voraussetzung zur Erfüllung des Amtes eines Rabbiners.

Im Zuge der Aufklärung, etwa seit der Zeit des 19. Jahrhunderts, werden Reform-Rabbiner in eigenen Rabbinerseminaren ausgebildet.

Im Reformjudentum mit seinen Abzweigungen, dem liberalen Judentum und dem konservativen Judentum, sind Frauen als Reform-Rabbinerinnen seit den 1930er Jahren tätig.

Ein Bachelorstudium dient als Grundlage für angehende Rabbiner/innen. Es umfasst eine wissenschaftliche Ausbildung in Religion, Kultur und Literatur des Judentums in Geschichte und Gegenwart sowie in der Geschichte des jüdischen Volkes. Dazu kommt eine Sprachausbildung in Hebräisch. Es werden Methoden gelehrt, die zu eigenständiger Recherche und Problemlösung sowie zur Arbeit mit hebräischsprachigen Quellen, insbesondere Thora und Talmud, befähigen. Im anschließenden Masterstudium werden die Kenntnisse insbesondere in jüdischer Religionspraxis und Rechtsgelehrsamkeit vertieft. Insgesamt dauert die Ausbildung in der Regel fünf bis sieben Jahre.[3]

Mittels der Semicha erfolgt die formelle Einsetzung als Rabbiner. Durch die Semicha wird die Berechtigung zugesprochen, gültige Entscheidungen in Fragen des Religionsgesetzes, der Halacha, zu treffen.

Historie der Rabbiner in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthodoxer Rabbiner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1939 gab es in Berlin mit dem von Esriel Hildesheimer 1873 gegründeten Rabbinerseminar zu Berlin und in Breslau mit dem Jüdisch-Theologischen Seminar zwei wissenschaftlich orientierte orthodoxe Ausbildungsstätten. 2009 gründete die Ronald S. Lauder Foundation im Rahmen ihrer dortigen Jeschiwa das Rabbinerseminar zu Berlin, das die Tradition orthodoxer Rabbinerausbildung in Berlin wieder aufnehmen will. Die ersten Absolventen – Avraham Radbil und Zsolt Balla – wurden am 2. Juni 2009 in der Münchner Synagoge Ohel Jakob ordiniert. Die Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg hat einen Studiengang für das Rabbinat, das „binnendifferenziert“ auf verschiedene jüdische Denominationen orientiert werden soll.

Reform-Rabbiner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1939 gab es in Berlin die reformierte wissenschaftlich orientierte Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Deutschlands einziges geisteswissenschaftlich ausgerichtetes Reform-Rabbinerseminar heute ist das zum progressiven Judentum gehörende Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam. Es nahm im Wintersemester 2001/2002 seine Arbeit auf. Am 14. September 2006 wurden in der Neuen Synagoge Dresden die ersten Reform-Absolventen ordiniert.

Im Deutschen Reich wurde Regina Jonas 1935 zur weltweit ersten Reform-Rabbinerin ordiniert

Die erste ordinierte Rabbinerin war die lange Zeit in Vergessenheit geratene Berlinerin Regina Jonas, die 1935 durch den Offenbacher Reform-Rabbiner Max Dienemann ordiniert wurde.[4]

Frauen als Rabbiner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste französische, 2005 in Belgien ordinierte Rabbanit Floriane Chinsky mit Tefillin and Tallit.

Bis auf einige seltene Ausnahmen haben Frauen bis zu den 1970er Jahren nicht als Rabbiner gedient. Durch die Emazipationsbewegungen ordinierte das Hebrew Union College – Jewish Institute of Religion erstmals Rabbinerinnen. Heutzutage werden weibliche Rabbiner in allen Zweigen des progressiven Judentums ordiniert,[5] während im orthodoxen Judentum die Frauen nicht Rabbiner werden können. Die orthodoxe jüdische Tradition besagt, dass das Rabbinat ein Privileg der Männer sei. Die zunehmende Forderung, in orthodoxen Jeschiwas Frauen als rabbinische Studenten zuzulassen, hat zu einem breiten Widerstand der orthodoxen Rabbinate geführt. In den letzten zwanzig Jahren hat das orthodoxe Judentum jedoch begonnen, Aufgaben für Frauen als halachische Gerichtsberater und Gemeindebeauftragte zu entwickeln.

Die grammatikalisch korrekte, hebräische weibliche Parallele zum maskulinen Titel Rabbiner ist Rabbanit (hebräisch רבנית).[6] Teilweise wird eine feminisierte Form von Rav (hebräisch רב) als Titel Rabba (hebräisch רבה) verwendet. Einige verwenden eine andere Variante, Rabet, für einen weiblichen Rabbiner. (Eine Rebbetzin (bei Aschkenasim üblich) oder eine Rabbanit (unter Sephardim verwendet) ist der offizielle „Titel“ für die Ehefrau eines orthodoxen Rabbiners).

Die erste Rabbinerin in den USA war Sally Jane Priesand, die 1972 am Hebrew Union College in Cincinnati ordiniert wurde.[7] Im Jahr 1985 wurde Rabbi Julie Schwartz die erste vollzeitliche jüdische Militärrabbinerin in der US Navy.[8]

Seit den 1990er Jahren erhielten in den USA auch einige Frauen eine äquivalente modern-orthodoxe Ordination, ohne dass sie jedoch die entsprechenden Funktionen in orthodoxen jüdischen Gemeinden wahrnehmen konnten.[9] Anfang 2009 wurde Sara Hurwitz vom modern-orthodoxen Rabbiner Avi Weiss, dem Begründer der „Offenen Orthodoxie“ (Open Orthodoxy), als Maharat in New York ordiniert.[10] Sie ist in der modern-orthodoxen Gemeinde „Hebrew Institute of Riverdale“ in der Funktion eines Rabbiners tätig. Ihr Titel Maharat ist ein sonst nicht gebräuchliches hebräisches Akronym von manhiga hilchatit ruchanit toranit (deutsch: halachisches, spirituelles und Tora-Oberhaupt[11]). Seit Februar 2010 trägt sie als erste modern-orthodoxe Rabbinerin den Titel Rabba,[12] was innerhalb der jüdischen Orthodoxie und Ultraorthodoxie heftige Kritik hervorgerufen hat.[13]

2010 wurde Alina Treiger als erste Frau in Deutschland nach der 1944 ermordeten Regina Jonas durch das Abraham Geiger Kolleg zur Rabbinerin ordiniert.

Liste ausgewählter Rabbinerinnen

Rabbinerkonferenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Aufkommen von Reform-Rabbinern im 19. und von Reform-Rabbinerinnen im 20. Jahrhundert gab es ausschließlich orthodoxe Rabbiner. Die Reformen scheinen Vertretern der Orthodoxie mehr dem modernen westlich-industriellen Lebensstil der nicht-jüdischen Gesellschaften Tribut zu zollen und meist dem Verhalten der christlich geprägten Umwelt angepasst denn der uralten Tradition des Judentums verpflichtet, weshalb die modernen Reformrabbiner von den orthodoxen Rabbinern nicht anerkannt werden. Beispielsweise erlauben Reformrabbiner am Schabbat das Autofahren zur Synagoge, wogegen das orthodoxe Judentum dies verbietet, da die Zündung des Motors als – verbotenes – „Feuermachen“ im Motorraum gilt. Das orthodoxe Judentum empfiehlt Juden, die weit von der Synagoge entfernt wohnen, das Beten zu Hause und das Treffen der Freunde in der Synagoge am Sonntag, wenn wieder Auto gefahren werden kann.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthodoxe Rabbiner einerseits sowie Reform-Rabbiner andererseits werden in Deutschland in der Deutschen Rabbinerkonferenz zusammengefasst. Unter diesem Dach arbeiten zwei staatlich anerkannte Zusammenschlüsse von Rabbinern inhärent weitgehend unabhängig voneinander: die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland und die reformierte Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschlands.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rabbinische Gutachten über die Verträglichkeit der freien Forschung mit dem Rabbineramte. Zwei Bände. Freund, Breslau 1842–1843.
  • Moses Braunschweiger: Die Lehrer der Mischnah. Ihr Leben und Wirken. Für Schule und Haus nach den Quellen bearbeitet. Kauffmann, Frankfurt am Main 1890 (3. neubearbeitete Auflage. Morascha, Basel / Zürich 1993).
  • Simon Schwarzfuchs: Etudes sur l’origine et le développement du rabbinat au Moyen Age. (= Memoires de la Société des Études Juives. 2, ISSN 0560-5296). Durlacher, Paris 1957.
  • Gerd A. Wewers: Geheimnis und Geheimhaltung im rabbinischen Judentum. (= Religionsgeschichtliche Versuche und Vorarbeiten. 35) de Gruyter, Berlin u. a. 1975, ISBN 3-11-005858-8 (Zugleich Dissertation an der Universität Göttingen 1974.)
  • Walter Homolka: Der moderne Rabbiner. Ein Rollenbild im Wandel. Hentrich & Hentrich, Berlin 2012, ISBN 978-3-942271-62-2.
  • Simon Schwarzfuchs: A Concise History of the Rabbinate. Blackwell, Oxford u. a. 1993, ISBN 0-631-16132-5.
  • Julius Carlebach (Hrsg.): Das aschkenasische Rabbinat. Studien über Glaube und Schicksal. Metropol, Berlin 1995, ISBN 3-926893-52-4.
  • Adin Steinsaltz: Persönlichkeiten aus dem Talmud. Morascha, Basel / Zürich 1996 DNB 948021454.
  • Andreas Brämer: Rabbiner und Vorstand. Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Deutschland und Österreich 1808–1871. (= Aschkenas. Beiheft 5). Böhlau, Wien u. a. 1999, ISBN 3-205-99112-5.
  • Carsten L. Wilke: „Den Talmud und den Kant“. Rabbinerausbildung an der Schwelle zur Moderne. (= Netiva 4). Olms, Hildesheim u. a. 2003, ISBN 3-487-11950-1.
  • Julius Carlebach, Michael Brocke (Hrsg.): Die Rabbiner der Emanzipationszeit in den deutschen, böhmischen und grosspolnischen Ländern 1781–1871 (= Biographisches Handbuch der Rabbiner 1). Bearbeitet von Carsten Wilke. Band 1: Aach – Juspa. Band 2: Kaempf – Zuckermann. Saur, München 2004, ISBN 3-598-24871-7.
  • Julius Carlebach, Michael Brocke (Hrsg.): Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. (= Biographisches Handbuch der Rabbiner 2). Bearbeitet von Katrin Nele Jansen, Jörg H. Fehrs, Valentina Wiedner. K. G. Saur, München 2009, ISBN 978-3-598-24874-0.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Rabbiner – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Rabbiner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Chacham ist auch allgemein im Judentum ein Wort der Ehrbezeugung für Gelehrte, v. a. des Talmuds (Siehe Isaak Bernays). Da im Arabischen الرب / ar-Rabb / ‚der Herr‘ einer der Ehrentitel Allahs ist, nutzen Sephardim in überwiegend islamischen Ländern fast nur die Bezeichnung Chacham.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Beit Din – Aufgabe und Funktion, Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD). Abgerufen am 6. April 2019.
  2. Muss ein Rabbiner verheiratet sein?. In: „Frag’ den Rabbi“, www.hagalil.com (abgerufen am 12. April 2008)
  3. Rabbiner/in Die Ausbildung im Überblick, Berufe.net. Abgerufen am 8. April 2019.
  4. Rachel Monika Herweg: Regina Jonas (1902–1944) (Memento des Originals vom 9. Dezember 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hagalil.com. Hagalil.com
  5. Regina Jonas | Jewish Women's Archive. Jwa.org. Archiviert vom Original am 17. April 2012. Abgerufen am 7. April 2019.
  6. „Rabbanit Reclaimed“, Hurwitz, Sara. JOFA Journal, VI, 1, 2006, 10–11.
  7. Pamela S. Nadell: Sally Jane Priesand. Jewish Women’s Archive, abgerufen am 5. April 2019 (englisch).
  8. Seymour “Sy” Brody, Rabbis as Chaplains in America’s Military: A Tradition of Service, Dedication and Bravery. Abgerufen am 5. April 2019.
  9. Rachel Barenblat: Sara Hurwitz’s ‘Rabba’ Title Sparks Orthodox Jewish Condemnation. In: Religion Dispatches, 10. März 2010 (englisch) (abgerufen am 13. März 2010)
  10. Responsa Regarding Women’s Roles in Religious Leadership und Ordination (Memento des Originals vom 25. Februar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hir.org (hebräisch und englisch PDF-Datei 2,13 MB) (abgerufen am 13. März 2010)
  11. Stellung der jüdischen Frau (PDF-Datei 150 kB) SIG FACTSHEET, 3. März 2010 (abgerufen am 13. März 2010)
  12. Mahara’t to Rabba (Memento des Originals vom 11. November 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jewishjournal.com. In: Jewish Journal.com, 27. Januar 2010 (englisch) (abgerufen am 13. März 2010)
  13. Michael Orbach: RCA, Rabbi Weiss agree: Todah, no Rabba. Past the edge of Orthodoxy? Hurwitz will retain ‘rabba’ title for now others to be called ’mahara”t’. In: The Jewish Star, 5. März 2010/ 20. Adar 5770 (englisch) (abgerufen am 13. März 2010)
  14. Vgl. Nathanael Riemer: Rezension zu: Carlebach, Julius; Brocke, Michael: Die Rabbiner im Deutschen Reich 1871–1945. München 2006@1@2Vorlage:Toter Link/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. In: H-Soz-u-Kult. 17. März 2010.