Großseelheim

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Großseelheim
Stadt Kirchhain
Koordinaten: 50° 49′ 3″ N, 8° 51′ 47″ O
Höhe: 198 (195–210) m ü. NHN
Fläche: 9,51 km²[1]
Einwohner: 1880 (30. Jun. 2019)[2]
Bevölkerungsdichte: 198 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06422
Stadtgebiet von Kirchhain mit Lage der zwölf Ortsteile

Großseelheim ist ein Dorf im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und der größte Stadtteil von Kirchhain.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großseelheim liegt zwischen den Städten Marburg und Kirchhain am Westrand der Gemarkung der Stadt Kirchhain auf einem Plateau, das die im Amöneburger Becken liegende Ohm­niederung etwas überragt. Zum Schutz der am Fluss Ohm gelegenen Ortschaften liegt östlich des Dorfes das Hochwasserrückhaltebecken Kirchhain/Ohm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name des Dorfes hat fränkischen Ursprung. Zunächst wurde der Ort unter „Seleheim“ erwähnt. Eine Unterscheidung zwischen Großseelheim und Kleinseelheim erfolgte erst Mitte des 13. Jahrhunderts.

Von den Anfängen bis zur Gebietsreform in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte Erwähnung von Großseelheim findet sich nach neueren Forschungen 779 n. Chr. in einer Schenkungsurkunde des Argoz und seiner Gemahlin an das Kloster Fulda unter dem ersten Fuldaer Abt Sturmi. Am 30. November 920 war Seelheim Standort des Hoftages Heinrichs I. Im Mittelalter befand sich der Sitz des Vogteigerichts des Deutschen Ordens im Ort. 1766 verkaufte der Deutsche Orden seine bis dahin bestehenden Rechte an Großseelheim an Hessen.

Brunetscher Hof

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Großseelheim im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz in die Stadt Kirchhain eingegliedert.[3][4] Für Großseelheim, wie für alle ehemals eigenständigen Stadtteile von Kirchhain, wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[5]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Großseelheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Kreisen übernommen. Der Kreis Kirchhain war für die Verwaltung und das Justizamt Kirchhain als Gericht erster Instanz für Großseelheim zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für das Justizamt Kirchhain.[11]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Kirchhain. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[12] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Kirchhain. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[13]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Großseelheim 1866 Einwohner. Darunter waren 42 (2,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 351 Einwohner unter 18 Jahren, 825 zwischen 18 und 49, 384 zwischen 50 und 64 und 306 Einwohner waren älter.[14] Die Einwohner lebten in 777 Haushalten. Davon waren 210 Singlehaushalte, 228 Paare ohne Kinder und 261 Paare mit Kindern sowie 69 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 123 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 564 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[14]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1577: 58 Hausgesesse
• 1747: 69 Hausgesesse
• 1838: Familien: 57 nutzungsberechtigte, 26 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 12 Beisassen
Großseelheim: Einwohnerzahlen von 1768 bis 2019
Jahr  Einwohner
1768
  
380
1800
  
?
1834
  
549
1840
  
604
1846
  
637
1852
  
640
1858
  
667
1864
  
652
1871
  
637
1875
  
683
1885
  
672
1895
  
685
1905
  
785
1910
  
852
1925
  
954
1939
  
1.040
1946
  
1.483
1950
  
1.461
1956
  
1.349
1961
  
1.303
1967
  
1.288
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.866
2015
  
1.859
2019
  
1.880
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Stadt Kirchheim:[15][2]; Zensus 2011[14]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1861: 0640 evangelisch-lutherische, 7 römisch-katholische Einwohner
• 1885: 0671 evangelische (= 99,85 %), ein katholischer (= 0,15 %) Einwohner
• 1961: 1221 evangelische (= 93,71 %), 67 katholische (= 5,14 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1768: Erwerbspersonen: 9 Leineweber, 4 Schmiede, 5 Wagner, 3 Schneider, 1 Schreiner, 1 Bader, 1 Maurer, 1 Zimmermann, 2 Wirte, 4 Tagelöhner, 8 Tagelöhnerinnen
• 1838: Familien: 57 Ackerbau, 5 Gewerbe, 33 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 252 Land- und Forstwirtschaft, 258 Produzierendes Gewerbe, 46 Handel und Verkehr, 55 Dienstleistungen und Sonstiges.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfwettbewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mehrfache Beteiligung am Landeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden mit hessischen Landessiegen 1978 und 1983/84
  • Beteiligung am Bundeswettbewerb Unser Dorf soll schöner werden 1986
  • Teilnahme am 34. Hessischen Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft 2011 / 3. Platz im Regionalentscheid
  • 2. Sieger des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ 2015

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das örtliche Heimatmuseum befindet sich im Brunetschen Hof, einem 1790 errichteten Fachwerkbau mit historischer Schmiede. Die ältesten Teile der evangelischen Kirche sind um 1200 entstanden.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feuerwehrhaus

Im Ortsteil herrscht ein reges Vereinsleben mit ca. 20 Vereinen und Vereinigungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Großseelheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Großseelheim, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 21. Oktober 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Haushaltsplan 2020. In: Webauftritt. Stadt Kirchhain, S. 3, abgerufen im November 2020.
  3. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 404.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 193 kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Kirchhain, abgerufen im November 2020.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 416 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 115 (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.
  11. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  12. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  13. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224http://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A10509837~SZ%3D237~doppelseitig%3D~LT%3DPr.%20JMBl.%20S.%20221%E2%80%93224~PUR%3D)
  14. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 28 und 68;.
  15. Einwohnerzahlen von 30. Juni 2015. In: Webauftritt Stadt Kirchhain. (Memento vom 23. Dezember 2015 im Internet Archive)