Großsteingräber bei Bretsch

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Großsteingräber bei Bretsch
Großsteingräber bei Bretsch (Sachsen-Anhalt)
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Koordinaten Bretsch 1Bretsch 2Bretsch 3
Ort Altmärkische Höhe, Sachsen-Anhalt, Deutschland
Entstehung 3500 bis 2800 v. Chr.

Die Großsteingräber bei Bretsch sind eine Gruppe von drei noch vorhandenen jungsteinzeitlichen Grabanlagen bei Bretsch, einem Ortsteil der Gemeinde Altmärkische Höhe im Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gräber 1 und 2 liegen etwa 1 km östlich von Bretsch, Grab 3 liegt etwas abseits davon, etwa 2 km nordöstlich des Ortes.[1] Ursprünglich gab es hier noch fünf weitere Großsteingräber, die aber vollständig zerstört sind.[2]

Grab 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Grabes Bretsch 1 nach Krause/Schoetensack
Mitte: Amphore der jüngeren Tiefstichkeramik, wohl aus Grab 1; Johann-Friedrich-Danneil-Museum, Salzwedel

Grab 1 gehört zum Typ der Großdolmen. Der Grabhügel ist mittlerweile stark zerflossen. Er hat eine Länge von 37,0 m, eine Breite von 14,8 m und eine Höhe von 1,0 m. Die Grabeinfassung ist nordost-südwestlich orientiert und war wohl ursprünglich rechteckig. Sie besteht noch aus mindestens 31 Steinen, die sich aber zum Teil nicht mehr an ihrer ursprünglichen Position befinden. Die Einfassung ist 25,0 m lang und 7,5 m breit.

Die Grabkammer ist nordost-südwestlich orientiert und befindet sich im Zentrum der Einfassung. Sie besteht heute noch aus elf Wandsteinen und fünf Decksteinen. Von Letzteren sind drei vollständig erhalten, einer ist zerbrochen und einer liegt nördlich außerhalb der Einfassung. Weitere Decksteine fehlen heute. Die beiden größten Decksteine messen 2,7 m × 1,4 m × 0,9 m bzw. 2,0 m × 1,5 m × 1,0 m. Der außerhalb der Einfassung liegende Deckstein weist zwei Schälchen auf. Der nordöstliche Deckstein besitzt eine zylindrische Vertiefung, bei der es sich wahrscheinlich um ein geplantes Sprengloch handelt. Die Kammer ist rechteckig und besitzt die Innenmaße 6,1 m × 1,7 m.[3]

Aus dem Grab stammen möglicherweise eine vollständig erhaltene Amphore der jüngeren Tiefstichkeramik und ein nicht näher definierter „Streitkeil“, die von Johann Friedrich Danneil 1838 erwähnt wurden. Die beiden Funde von Danneil werden jedoch in späteren Publikation zu diesem Grab nicht mehr erwähnt.[4]

Grab 2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Grabes Bretsch 2 nach Krause/Schoetensack

Grab 2 wird im Volksmund als „Dornröschengrab“ bezeichnet und gehört ebenfalls zum Typ der Großdolmen. Der Grabhügel ist oval. Er hat eine Länge von 25,0 m, eine Breite von 16,0 m und eine Höhe von 0,6 m. Die Grabeinfassung ist nordnordost-südsüdwestlich orientiert und besteht noch aus 23 Steinen. Sie ist rechteckig, hat eine Länge von 13,5 m und eine Breite von 7,0 m. Die Grabkammer ist nordnordost-südsüdwestlich orientiert und befindet sich im Zentrum der Einfassung. Sie besteht heute noch aus acht von ursprünglich zehn Wandsteinen und vier Decksteinen, von denen noch zwei auf den Wandsteinen aufliegen, ein weiterer liegt nördlich der Kammer. Die aufliegenden Decksteine messen 1,9 m × 1,6 m × 0,7 m bzw. 1,9 m × 1,0 m × 0,7 m. Der südliche und der außerhalb der Kammer liegende Deckstein besitzen Schälchen. Die Kammer ist rechteckig und besitzt die Innenmaße 5,0 m × 1,0 m, ihre Höhe beträgt 0,6 m. In der Umgebung des Grabes wurden jungsteinzeitliche Feuersteinartefakte sowie jungstein-, bronze- und eisenzeitliche Keramikscherben gefunden.[5]

Grab 3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Grabes Bretsch 3 nach Krause/Schoetensack

Auch Grab 3 gehört zum Typ der Großdolmen. Der Grabhügel ist länglich. Er hat eine Länge von 37,0 m, eine Breite von 13,0 m und eine Höhe von 0,7 m. Die Grabeinfassung ist nordost-südwestlich orientiert und besteht noch aus 38 Steinen, von denen acht noch aufrecht stehen, einige weitere wurden gesprengt. Die Grabkammer ist nordost-südwestlich orientiert. Sie bestand ursprünglich aus zwölf Wandsteinen, die sich alle noch aufrecht stehend erhalten haben sowie aus vermutlich fünf Decksteinen, von denen noch vier erhalten sind. Einer der Decksteine liegt noch auf den Wandsteinen auf, ein zweiter ist nur noch als Fragment erhalten und in die Kammer gestürzt, die anderen beiden liegen in verschleppter Lage östlich außerhalb der Einfassung. Der aufliegende Deckstein misst 2,7 m × mindestens 1,0 m × 0,9 m, die beiden verschleppten Steine messen 2,5 m × 2,5 m × 0,8 m bzw. 2,3 m × 1,3 m × mindestens 0,5 m. Der aufliegende und einer der verschleppten Decksteine weisen zahlreiche Schälchen auf. Die Kammer ist trapezförmig. Sie hat eine Länge von 6,0 m und eine Breite von 1,5 bis 1,8 m.[6]

Nach Berichten von Johann Friedrich Danneil fand eine erste Untersuchung des Grabes in den 1740er Jahren durch Johann Joachim Winckelmann statt. Von Winckelmann selbst sind allerdings keine Aufzeichnungen über diese Forschungen bekannt. Eine erste genauer dokumentierte Grabung wurde 1936 im Nordostteil der Grabkammer durchgeführt. Dabei wurde eine mehrschichtige Verfüllung des Kammerbodens vorgefunden. Die oberste Schicht bestand aus lockerem Sand, die zweite war betonhart und enthielt Keramikscherben, die dritte bestand aus Granit-Grus, die vierte aus einer porösen Masse, die mit Kohle und verbrannten Knochenstückchen durchmischt war. Die unterste Schicht bestand aus einem Scherbenplaster, das noch vor dem Aufstellen der Wandsteine aufgebracht worden war. Die Scherben ließen sich der Tiefstichkeramik und einer vermutlichen Nachbestattung der Schönfelder Kultur zuordnen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Jürgen Beier: Die megalithischen, submegalithischen und pseudomegalithischen Bauten sowie die Menhire zwischen Ostsee und Thüringer Wald. Beier und Beran, Wilkau-Haßlau 1991, S. 54–55 (Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas 1, ZDB-ID 916540-x), (Zugleich: Halle, Univ., Habil.-Schr., 1991: Die megalithischen, submegalithischen und pseudomegalithischen Bauten sowie die Menhire in den fünf neuen ostdeutschen Bundesländern (ehemals DDR)).
  • Hartmut Bock, Barbara Fritsch, Lothar Mittag: Großsteingräber der Altmark. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen Anhalt und Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle (Saale) 2006, ISBN 3-939414-03-4, S. 54–63.
  • Johann Friedrich Danneil: Grabalterthümer aus vorchristlicher Zeit; Eintheilung der verschiedenen Grabdenkmäler aus der heidnischen Zeit in der Altmark. In: Erster Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie. 1838, S. 46 (PDF; 4,6 MB).
  • Johann Friedrich Danneil: Specielle Nachweisung der Hünengräber in der Altmark. In: Sechster Jahresbericht des Altmärkischen Vereins für vaterländische Geschichte und Industrie. 1843, S. 96–97 (PDF; 5,5 MB).
  • E. Haetge: Kreis Osterburg (= Die Kunstdenkmale der Provinz Sachsen. Band 4). Burg 1938, S. 71, 263–264.
  • Hans-Ulrich Kelch: Geheimnisvolle Näpfchen. In: Hartmut Bock (Hrsg.): Städte – Dörfer – Friedhöfe. Archäologie in der Altmark 2: Vom Hochmittelalter bis zur Neuzeit (= Beiträge zur Kulturgeschichte der Altmark und ihrer Randgebiete Band 8). Oschersleben 2002, ISBN 3-935358-36-9, S. 458–469.
  • Eduard Krause, Otto Schoetensack: Die megalithischen Gräber (Steinkammergräber) Deutschlands. I.: Altmark. In: Zeitschrift für Ethnologie. Bd. 25, 1893, S. 139–141/Nr. 35–37, Taf. VI/35–37, VII/35–37, IX/35 (PDF; 39,0 MB).
  • Friedrich Lüth: Salzmünde, Walternienburg, Bernburg. Typologische und chronologische Untersuchungen zum Äneolithikum Mitteldeutschlands. Dissertation, Hamburg 1988 (Mikrofiche 1997), S. 31–32.
  • Nils Niklasson: Studien über die Walternienburg-Bernburger Kultur. Teil I. Halle (Saale) 1925, S. 1.
  • Joachim Preuß: Die Altmärkische Gruppe der Tiefstichkeramik (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle. Band 33). Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1980, S. 102–103.
  • Günter Wetzel: Die Schönfelder Gruppe (= Veröffentlichungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle. Band 31). Halle (Saale) 1979, S. 122.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großsteingräber bei Bretsch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bock/Fritsch/Mittag, S. 54, 57, 60
  2. Beier, S. 54–55
  3. Bock/Fritsch/Mittag, S. 54
  4. Bock/Fritsch/Mittag, S. 54–56
  5. Bock/Fritsch/Mittag, S. 57
  6. Bock/Fritsch/Mittag, S. 60
  7. Bock/Fritsch/Mittag, S. 61–62