Großunternehmen

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Die größten Unternehmen der Welt nach Umsatz, 2012

Großunternehmen (auch Großbetrieb) ist die Bezeichnung für Unternehmen, die bestimmte Betriebsgrößen hinsichtlich Beschäftigtenzahl, Umsatzerlöse oder Bilanzsumme überschreiten. Kleinere Unternehmen bezeichnet man als Kleine und mittlere Unternehmen (KMU/KMB). Umgangssprachlich werden Großunternehmen zuweilen auch als Konzern bezeichnet.

Definitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handelsrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Größenklasse (Recht)

Die handelsrechtliche Definition dient primär zur Bestimmung der Rechnungslegungsanforderungen. Die Unterscheidung der Größenklassen hat hier für die Publizitätspflicht Bedeutung hinsichtlich des Umfangs und Detaillierungsgrades, in welchem der Inhalt des Jahresabschlusses offenzulegen ist. Neben Grossunternehmen gelten auf Grund ihrer Publikationspflicht auch Aktiengesellschaften im geregelten Markt als große Kapitalgesellschaften ohne notwendigerweise selbst als Großunternehmen zu gelten.

a) Eine Kapitalgesellschaft gilt nach europäischem Recht (s. § 267 HGB, § 221 UGB) als Große Kapitalgesellschaft, wenn sie an den Bilanzstichtagen von zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren mindestens zwei der drei folgenden Merkmale überschritten hat:

  • 20.000.000 Euro Bilanzsumme nach Abzug eines auf der Aktivseite der Bilanz ausgewiesenen Fehlbetrags
  • 40.000.000 Euro Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlussstichtag
  • 250 Arbeitnehmer im Jahresdurchschnitt; dabei werden die zu ihrer Berufsausbildung beschäftigten Mitarbeiter nicht berücksichtigt.

b) Kapitalgesellschaften gelten immer als Große Kapitalgesellschaft, wenn sie einen organisierten Markt durch von ihr ausgegebene Wertpapiere in Anspruch nehmen oder die Zulassung zum Handel an einem organisierten Markt beantragt haben (§ 264d HGB).

Andere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der handelsrechtlichen Definition existieren weitere Begriffsdefinitionen. Gemäß der EU-Empfehlung 2003/361/EG gelten Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern oder Jahresumsätzen von über 50 Mio. Euro als Großunternehmen.[1] Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) definiert ein Unternehmen als Großunternehmen, wenn dieses 500 oder mehr Mitarbeiter hat und einem Umsatz von mindestens 50 Mio. Euro jährlich erwirtschaftet.[2][3]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaftskammer Österreich definiert Großunternehmen als Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern.[4]

Betriebswirtschaftliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großunternehmen weisen gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen einige Besonderheiten auf. Dazu gehören insbesondere Fragen der Organisation, Kostensenkungen durch das Gesetz der Massenproduktion und Skaleneffekte. Organisatorisch können Großunternehmen durch lange Entscheidungswege, Mängel umfassender Kontrolle oder schwerfällige Anpassungsfähigkeit gekennzeichnet sein. Der Betriebsgrößeneffekt erklärt sich auch dadurch, dass Großbetriebe potenziell insgesamt kostengünstiger zu produzieren in der Lage sind als kleine und mittlere Unternehmen.[5] Nach dem Gesetz der Massenproduktion wird der Fixkostenanteil bei zunehmender Kapazitätsauslastung pro Stück kleiner, es entstehen Größenvorteile. Wird durch die Erhöhung der Kapazität eine Kostensenkung erreicht, spricht man von Economies of Scale (statische Skaleneffekte).[6] Die Massendegression führt durch zunehmende Kapazitätsauslastung zu einer Senkung der fixen Stückkosten, weil die Fixkosten auf eine größere Produktionsmenge verteilt werden können (Fixkostendegression). Hohe Fixkosten erfordern daher eine Produktion in großen Mengen,[7] die in Großbetrieben eher wahrscheinlich ist. Die Größendegression der Kosten (Skaleneffekte) drückt sich nicht nur in der Fixkostendegression, sondern auch im Betriebsgrößeneffekt aus. Allerdings können Großbetriebe auch der Gefahr negativer Skaleneffekte ausgesetzt sein,[8] wenn sich nämlich die Kosten überproportional zur Steigerung der Ausbringungsmenge erhöhen. Großunternehmen ziehen oft größere Marktanteile und mehr Marktmacht auf sich, so dass sie auf einigen Märkten die Preisführerschaft übernehmen können.

Großunternehmen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutsche Großunternehmen sind mindestens die im DAX vertretenen börsennotierten Konzerne Volkswagen AG, Allianz SE, Daimler AG, Deutsche Bank, Siemens, E.ON, Metro Group, Deutsche Post AG, Deutsche Telekom und BASF (Umsatz).

Großunternehmen international[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Großunternehmen (engl. big firm oder concern) gehören zu den komplexesten Organisationsformen überhaupt.[9] Ihre Kapitalkraft macht sie tendenziell unabhängiger von der traditionellen Bankenintermediation. Sie kreieren unter Ausschaltung der Banken („Disintermediaton“) ihre eigenen Liquiditäts- und Devisenpools und sorgen auch für einen liquiden Sekundärmarkt bei betroffenen Finanzinstrumenten. Der Devisenhandel findet bereits unter Ausschaltung der Banken direkt zwischen internationalen Großunternehmen statt.[10] Eigene Bankabteilungen verfügen zudem über Fachwissen im Bankwesen und erhöhen die Unabhängigkeit von Banken. Ihre Kapitalkraft und meist guten Ratings machen sie emissionsfähig und sorgen für einen kostengünstigen Kapitalmarktzugang. Großunternehmen, die Gegenstand der Berichterstattung und Analyse durch Presse und Ratingagenturen sind, benötigen anders als kleine Unternehmen keine Publizitätstransformation durch Banken.[11] Sie haben eine Betriebsgröße erreicht, die eine umfassendere Forschung und Entwicklung mit weltweit verteilten Kompetenzzentren ermöglicht. Sie können im Zuge der Globalisierung ihre Standorte verlagern oder in andere Länder ausdehnen. Nach dem Marktwert führen weltweit Apple, Exxon Mobil, Berkshire Hathaway, Google, Microsoft, PetroChina, Wells Fargo, Johnson & Johnson, Industrial and Commercial Bank of China und Novartis.

In Österreich gehören lediglich 0,4 % aller Betriebe zu den Großunternehmen, in ihnen arbeiten jedoch mit 36,5 % die meisten aller abhängig Beschäftigten.

Die Schweiz wies einer OECD-Studie zufolge bei Privatunternehmen einen - an der Gesamtzahl der Unternehmen gemessenen - noch geringeren Anteil von Großunternehmen auf (0,3 %) als Deutschland (0,4 %). In der Schweiz finden sich Großunternehmen vor allem in der chemischen Industrie, im Fernmeldewesen und bei Banken.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. EU-Begriffsdefinition
  2. Definition KMU IfM
  3. Holger Reinemann: Mittelstandsmanagement. Einführung in Theorie und Praxis. Schäffer-Poeschel Verlag (2011), S. 3
  4. Definition der Wirtschaftskammer
  5. Werner Pepels, Produkt- und Preismanagement im Firmenkundengeschäft, 2006, S. 194
  6. Michael Kutschker/Stefan Schmid, Internationales Management, 2010, S. 435
  7. Birga Döring/Tim Döring/Wolfgang Harmgardt/Axel Lange/Kai Michaelsen, Allgemeine BWL, 2007, S. 13
  8. Gesellschaft Schweizer Monatshefte, Schweizer Monatshefte, Bände 87-88, 2008, S. 20
  9. Andreas Wald, Netzwerkstrukturen und -effekte in Organisationen, 2003, S. 1
  10. Michael D. Roden, Forex Funding Free of Banks, in: Euromoney, Mai 1989, S. 102-103
  11. Eugen Löffler, Der Konzern als Finanzintermediär, 1991, S. 73
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