Großwaltersdorf

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Dieser Artikel behandelt den Ortsteil von Eppendorf – zu anderen Bedeutungen siehe Großwaltersdorf (Begriffsklärung).

Koordinaten: 50° 47′ N, 13° 16′ O Großwaltersdorf ist ein Reihendorf mit etwa 1000 Einwohnern im sächsischen Landkreis Mittelsachsen. Seit 1. Oktober 1998 ist Großwaltersdorf ein Teil der Gemeinde Eppendorf mit eigenem Ortschaftsrat. [1]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Großwaltersdorf (2017)

Der Ort Großwaltersdorf liegt im unteren Erzgebirge auf 450 bis 525 m ü. NN, etwa 25 Kilometer östlich von Chemnitz und 15 Kilometer südlich von Freiberg. Großwaltersdorf erstreckt sich entlang dem Oberlauf der Großen Lößnitz, einem rechten Nebenfluss der Flöha. Die Fläche der Gemarkung Großwaltersdorf beträgt 12,25 km².

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südwestseite der Kirche
Nordwestseite der Kirche

1378 wurde Großwaltersdorf erstmals urkundlich erwähnt. Das typische Reihendorf mit Waldhufen lag an der Alten Poststraße von Freiberg nach Annaberg.[2] Der Ort war lange Zeit Amtsdorf des Amtes Augustusburg (vormals Schellenberg). Im 18. und 19. Jahrhundert wurde bei Großwaltersdorf im Bergwerk Grüne Tanne Fundgrube Schmirgel abgebaut. Zu den Hauptgewerken der Grube gehörte der Hofgoldschmied Johann Melchior Dinglinger. Albert Schiffner nennt hier 1828 u. a. zwei Mühlen, das Erbgericht mit Gasthof, Schlacht- und Backnahrung als besondere Gebäude und lobt mit den Worten „ueberhaupt sieht man viele starke u. hübsche Güter“ die hiesige Dorfanlage und Landwirtschaft.[3]

Ein großflächiger Brand zerstörte am 16. September 1837 neben dem Pfarr- und Schulgebäude, der Kirche, dem Lehngericht und der Schänke zahlreiche weitere Gebäude des Dorfes.[2]

Es gab ab Ende des 19. Jahrhunderts einzelne Industrieansiedlungen in Großwaltersdorf, unter anderem eine Spinnerei, eine Zigarettenfabrik und holzverarbeitende Betriebe. Begünstigt wurde dies durch den 1916 hergestellten Anschluss an das Eisenbahnnetz, als die Schmalspurbahn Hetzdorf–Eppendorf–Großwaltersdorf durchgängig befahren werden konnte.[2]

Zu Beginn der 1960er Jahre war Großwaltersdorf ein landwirtschaftlich vollgenossenschaftliches Dorf. Nach der politischen Wende änderte sich die landwirtschaftliche Struktur mit der Wiederbelebung einzelner Bauernhöfe und der Gründung der Agrarzuchtgesellschaft mbH, aus der 1995 zwei selbständige Betriebe hervorgingen.[2]

Seit den 1990er Jahren gab es in Großwaltersdorf umfangreiche Baumaßnahmen; unter anderem wurde die zentrale Kläranlage des Ortes errichtet.[2] Am 1. Oktober 1998 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Großwaltersdorf nach Eppendorf eingemeindet.

Eine über hundertjährige Tradition hat die Pferdezucht und der Reitsport in Großwaltersdorf.[2]

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl [4]
1551 38 besessene Mann, 18 Gärtner, 48 Inwohner, 41 ½ Hufen
1764 39 besessene Mann, 42 Häusler, 41 ½ Hufen
1834 776
1871 963
1890 1066
Jahr Einwohnerzahl
1910 1192
1925 1173
1939 1164
1946 1460
1950 1430
Jahr Einwohnerzahl
1964 1237
1990 1166
1998 1094[5]
2010 939[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Großwaltersdorfer Kirche wurde 1828/1839 nach Plänen des Architekten Christian Friedrich Uhlig erbaut. Die Orgel der Kirche ist das älteste erhaltene Werk des Orgelbauers Christian Friedrich Göthel (Bauzeit 1839 bis 1841).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großwaltersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gebietsänderungen ab 1. Januar 1998 bis 31. Dezember 1998. (PDF; 21 kB)
  2. a b c d e f Großwaltersdorf auf gemeinde-eppendorf.de
  3. Großwalthersdorf, auch schlechthin Walthersdorf. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 16. Band. Schumann, Zwickau 1828, S. 506–508.
  4. vgl. Großwaltersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Regionalregister Sachsen (Stand: 30. Juni 1998)
  6. Informationen über die Gemeinde Eppendorf (Stand: 1. Januar 2010), abgerufen am 14. August 2011