Großzschocher

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen von Leipzig
Großzschocher
Stadtteil von Leipzig
Koordinaten 51° 18′ 2″ N, 12° 19′ 34″ OKoordinaten: 51° 18′ 2″ N, 12° 19′ 34″ O.
Fläche 15,5 km²
Einwohner 9140 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte 590 Einwohner/km²
Eingemeindung 1922
Postleitzahl 04249
Vorwahl 0341
Stadtbezirk Südwest
Verkehrsanbindung
Straßenbahn 3
Bus 61, 65
Quelle: statistik.leipzig.de
Die Apostelkirche

Großzschocher ist ein Stadtteil im Südwesten von Leipzig. Nach dem Zusammenschluss mit Windorf 1897 entstand die Gemeinde Großzschocher-Windorf, die 1922 Leipzig eingemeindet wurde. Großzschocher liegt an der Weißen Elster. Der administrative Ortsteil Großzschocher, der auch die Stadtteile Lauer, Mark Flickert, Windorf und Teile von Knauthain umfasst, gehört zum Stadtbezirk Südwest.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1450 hatte Großzschocher eine große Bedeutung im Leipziger Umkreis inne und leistete sich deshalb einige Ausgaben. Der Ort gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[1] Im Jahre 1571 wurde ein Großteil des Dorfes nach einem Blitzeinschlag zerstört.

In Großzschocher wurden 1582 Hexenverfolgungen durchgeführt: Vier Personen gerieten in Hexenprozesse und wurden hingerichtet.[2]

Das ehemalige Schloss Großzschocher um 1910

Das Schloss Großzschocher stammte aus dem 14. Jahrhundert. Ende des 16. Jahrhunderts wurde der rechteckige dreigeschossige Bau mit Satteldächern, Zwerchhäusern und hohen Giebeln errichtet. 1720 erfolgte ein Umbau mit Barockisierung, um 1850 eine Restaurierung. Das Schloss wurde bei dem schweren Luftangriff auf Leipzig am 20. Februar 1944 durch Bomben getroffen und brannte aus. Die Reste wurden in den 1960er Jahren abgetragen. Das Rittergut ist zum Teil, in schlechtem Zustand, noch erhalten.

Neubauviertel Leipzig-Großzschocher 1967

Die letzten Besitzer von Schloss und Rittergut vor der Enteignung 1945 waren die Grafen von Wedel. Eine Tochter aus der Familie war Elisabeth Gräfin Werthern-Beichlingen, geb. von Wedel (1916–2009). Sie verlor ihren Mann im Frankreich-Feldzug 1940, flüchtete 1945 aus Großneuhausen vor der Roten Armee mit ihrer kleinen Tochter Luisa per Treck nach Westfalen und war von 1951 bis 1985 die Geschäftsführerin der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn. Sie war Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse.

In den 1960er Jahren wurden westlich der Dieskaustraße Plattenbauten errichtet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Zentrum des Stadtteils steht die Apostelkirche, ursprünglich eine romanische Chorturmkirche aus dem Jahre 1217, die unter anderem in den Jahren 1904–1908 einen neobarocken Umbau der Westfassade mit Schaffung von zwei Nischen über den Eingangsportal erfuhr. Die beiden Figuren der Apostel Petrus und Paulus für die Nischen wurden von Johannes Hartmann (1869–1952), einem Schüler von Max Klinger (1857–1920), im Jahr 1926 geschaffen. Den Namen Apostelkirche bekam die Kirche erst am 30. April 1950.
  • Das Körnerhaus, das ehemalige Gutsgärtnerhaus, erinnert an den Dichter und Freiheitskämpfer Theodor Körner (1791–1813), der nach seiner Verwundung am 17. Juni 1813 bei Kitzen eine Nacht in dem Haus gepflegt wurde.
  • Ca. 2 km südlich des Körnerhauses befindet sich in der Elsteraue der Körnerstein.
  • Mühlpark mit Teich. Zwischen Elster und Mühlgraben gelegen, befanden sich bis 1840 die Kleine Hutweide sowie die Mühlgärten mit Wiesen und Obstbaumbeständen. Diese grenzten an das Mühlengrundstück an und erstreckten sich bis zu den Wehren der Weißen Elster. Auf einem Teil des Geländes wurde, vermutlich um 1870, der Mühlpark als private Gartenanlage der Müller-Familie Zickmantel angelegt. Nach Enteignung im Jahr 1945 wurde der Park der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine großzügige Wasserfläche (Teich mit Insel), geschwungene Wege, hübsche Blickbeziehungen und ein schöner Altbaumbestand (Esskastanie, Tulpenbaum, Silberahorn, Eiche, Buche, Schwarznuss, Ginkgo, u. v. a.) prägen dieses landschaftliche Idyll. Bänke laden zum Verweilen ein.

Umland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Umgebung finden sich die Elsteraue als Teil des Leipziger Auwalds und einige künstlich angelegte Seen, welche aus den ehemaligen Braunkohlegruben entstanden sind. Als größtes Gewässer dieser Art ist der Cospudener See zu nennen.

Großzschocher wird von zahlreichen Kleingärten umgeben.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruth-Pfau-Schule

In Großzschocher befinden sich eine Mittelschule (56. Mittelschule), eine Grundschule (120. Grundschule), die Ruth-Pfau-Schule, ein Berufliches Schulzentrum für Gesundheits- und Sozialwesen, und die Staatliche Studienakademie Leipzig. Dem Schulzentrum wurde 2010 der Name „Ruth Pfau“ verliehen; 2011 besuchte die in Leipzig geborene Lepraärztin die nach ihr benannte Schule.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtteil war mit dem 1873 an der Bahnstrecke Leipzig–Probstzella eröffneten Bahnhof Leipzig-Großzschocher bis Mitte 2011 umsteigefrei an den öffentlichen Nahverkehr von/nach Leipzig Hauptbahnhof oder bis nach ZeitzGeraSaalfeld (Saale) angebunden. Seitdem wird dieser Bahnhof nicht mehr bedient. Der zweite, 1879 eröffnete Bahnhof an der Bahnstrecke Leipzig-Plagwitz–Markkleeberg-Gaschwitz diente zuletzt als Haltepunkt Leipzig-Kleinzschocher für die damalige S-Bahn Leipzig, wurde aber bereits 2002 stillgelegt.

Weiterhin bestehen Verbindungen mit der Straßenbahnlinie 3 sowie den Buslinien 61, 65 und N1 der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB).

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Großzschocher-Windorf. Aus der Geschichte eines Leipziger Ortsteils, Hrsg. Pro Leipzig e.V., 2009, ISBN 978-3-936508-37-6
  • Cornelius Gurlitt: Grosszschocher. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 39.
  • Groß Zschocher. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 3. Band. Schumann, Zwickau 1816, S. 554 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Großzschocher – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  2. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 531–538