Gronau (Bensheim)

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Gronau
Stadt Bensheim
Wappen von Gronau
Koordinaten: 49° 41′ 1″ N, 8° 40′ 21″ O
Höhe: 175 m ü. NHN
Fläche: 5,44 km²[1]
Einwohner: 1211 (Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 223 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64625
Vorwahl: 06251
Karte
Karte von Bensheim mit dem Stadtteil Gronau
Blick auf Gronau im April 2007
Blick auf Gronau im April 2007
Der Meerbach in Gronau im Frühling

Gronau ist ein im Odenwald gelegener Stadtteil von Bensheim im südhessischen Kreis Bergstraße. Gronau liegt etwa 5 km östlich von Bensheim im Meerbachtal.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Bensheim über Bensheim-Zell nach Gronau führende Kreisstraße K 58 endet hier, so dass der Ort von Durchgangsverkehr verschont ist. Gronau hat einen der schönsten Talabschlüsse des Odenwaldes. Die am nächsten gelegenen Ortschaften sind Elmshausen im Norden, Knoden und Schannenbach im Osten, Ober-Hambach im Südosten, Zell im Westen und Schönberg im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Anfängen bis zum 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einem Eintrag im Lorscher Codex, einem Besitzverzeichnis des Klosters Lorsch, wurde Gronau erstmals erwähnt. Er führt auf, dass ein Gerolt von Grunowe um das Jahr 1150 Zins an das Kloster zahlte. Die nächste erhaltene Erwähnung findet sich im Urkundenverzeichnis des Klosters Patershausen als Ritter Rugger von Lindenfels (1210–1220) diesem Kloster mehrere Weingärten in Grunouue schenkte.[3] Gefördert durch viele weitere Schenkungen gehörte das Kloster Lorsch im 9.–12. Jahrhundert zu den größten und mächtigsten Benediktinerabteien Deutschlands.

Als nach dem Niedergang des Klosters, 1232 Kaiser Friedrich II. die Reichsabtei Lorsch dem Erzbistum Mainz und seinem Bischof Siegfried III. von Eppstein zur Reform überstellte, befand sich das Gebiet des späteren Amtes Schönberg, zu dem auch Gronau gehörte, bereits im Besitz der Pfalzgrafen.[4]

Das Dorf Gronau entstand als geschlossenes Straßendorf bei doppelseitiger Tallage wo aus dem Jahr 1427 der Beleg einer Mühle existiert. Im Jahr 1339 ist Gronau dann als Lehen der Pfalzgrafen in erbachischen Besitz. Denn aus diesem Jahr stammt eine Urkunde in der Schenk Konrad von Erbach seine Ehefrau Kunigunde, geb. von Brugge, mit Willen seines Lehensherren Pfalzgraf Rudolf, mit einem Viertel der Burg Schönberg, zu der Gefälle in Schönberg, Elmshausen, Wilmshause, Gronau, Zell und Reilenbach gehören, bewittumt.[4] Die Grafschaft Erbach, gehörte ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis und die Schenken zu Erbach, wurden 1532 in den Reichsgrafenstand erhoben. Die Hohe Gerichtsbarkeit über den Ort wurde durch die Zent Heppenheim ausgeübt, deren oberster Richter der 1267 erstmals erwähnte Burggraf auf der Starkenburg (über Heppenheim) war. Die Niedere Gerichtsbarkeit wurde durch das Dorfgericht im Namen der Erbacher Grafen ausgeübt, von dem die Namen zweier Schultheißen aus den Jahren 1447 (Conz Messerer) und 1663 (Niclaus Gärtner) überliefert sind. Die erbachische Verwaltung erfolgte durch das Amt Schönberg.[3]

Im Mittelalter bestand das Dorf aus 150 bis höchstens 200 Einwohner. Die Bauernhöfe gruppierten sich um die Kirche und den herrschaftlichen Pachthof. Um das Dorf befanden sich noch große Teile der alten „Aue“ (feuchte Wiesen), die dem Dorf seinen Namen gaben. In den erhalten gebliebenen Kirchenbüchern findet sich für 1503 Berichte über eine Pestepidemie der 50 Einwohner und damit ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer vielen. Weitere Heimsuchungen durch die Seuche folgten 1573/1574. In dieser Zeit starben 75 Menschen. Viele Kinder und ganze Familien fielen der Pest zum Opfer. 1539 wurde in Gronau die Reformation nach dem lutheranischen Glaubensbekenntnis eingeführt. In der Zeit des Umbruchs wirkte in Gronau ein Jesuitenpater von 1519 bis 1539 als katholischer Priester und dann bis 1559 als evangelischer Pfarrer. Mit dem 30-jährigen Krieg, der von 1618 bis 1648 wütete, wurde auch Gronau spätestens ab 1625 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Bergstraße als wichtige Nord-Südverbindung wurde immer wieder von den durchziehenden Heeren beider Konfessionen heimgesucht und völlig ausgeplündert. Die Einwohner Gronaus wurden Opfer von Hunger, Seuchen und Übergriffen der durchziehenden Truppen. Nur noch fünf Familiennamen aus der Zeit vor dem Krieg waren noch Ende des Krieges feststellbar. Viele Höfe waren verlassen und die Äcker lagen brach. Aus dem Jahre 1636 ist ein Brief des Gronauer Pfarrers an den Grafen zu Erbach erhalten, der um Hilfe vor dem Hungertod bat.[5] In kirchlicher Hinsicht gehörte das Kirchspiel Gronau vor der Reformation zum Archidiakonat St. Victor zu Mainz des Bensheimer Landkapitels. In der ersten Kirche, deren ältester Beleg aus dem Jahr 1387 stammt, hatten die Erbacher Grafen ihre Grablege. Zum Gronauer Kirchspiel gehörten neben Gronau das Schloss und die Ortschaften Schönberg, Wilmshausen, Elmshausen und Zell [6][3]

Nach dem Dreißigjährigen Krieg ging es langsam aufwärts mit dem Dorf und neue Familien siedeln sich an um die Felder zu bestellen. Jedoch bereits 25 Jahre später folgten die französischen Reunionskriege, die für die Region neue Heimsuchungen brachten. Um 1674, hatte der Ort wieder unter schweren Kriegssteuern und Einquartierungen zu leiden. Von der Flucht der Bauern in die Wälder, von Plünderungen und schließlich vom Raub der Kirchenglocken wird berichtet.[5] Im Herbst 1696 wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg das Schloss Schönberg überfallen. Erst mit dem Frieden von Rijswijk, 1697, zogen sich die Franzosen hinter den Rhein zurück.[7] Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam das Dorf zur Ruhe und in einem Bericht aus dem Jahr 1804 werden 18 Bauernhäuser, 41 Handwerker- und Tagelöhnerhäuser und insgesamt 323 Einwohnern gezählt. Wörtlich wird berichtet: „Der Ort hat einen ergiebigen Fruchtboden, baut Wein, gewinnt gutes Obst, besitzt schöne Privathecken (Bauernwald) und ist wohlhabend. Im übrigen fließen wegen von dortigen Einwohnern verübten Waldfrefeln jährlich mehrere hundert Gulden nach Bensheim.“. Dabei fällt die verhältnismäßig große Anzahl von Handwerkerfamilien auf. Von acht Webstühle, von Küfern und anderen Handwerksberufen wird berichtet. Einige Leineweber waren bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts nachweisbar.[5]

Im Jahr 1717 kam es zur Teilung des Erbacher Grafenhauses und Schloss Schönberg wurde Sitz der jüngeren Linie Erbach-Schönberg unter Graf Georg August von Erbach-Schönberg. Dieser erhielt die Ämter Schönberg und König und der Hälfte der Herrschaft Breuberg. Die Linie Erbach-Schönberg machte die Burg zu ihrem Wohnsitz, wodurch sie ihren heutigen Schlosscharakter erhielt.

Vom 19. Jahrhundert bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gronau wird hessisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachte Europa weitreichende Änderungen. Infolge der Napoleonischen Kriege wurde das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 neu geordnet. Dieses letzte Gesetzeswerk des alten Reiches setzte Bestimmungen des Friedens von Luneville um und leitete das Ende des alten Reiches ein. Unter Druck Napoléons gründete sich 1806 der Rheinbund, dies geschah mit dem gleichzeitigen Reichsaustritt der Mitgliedsterritorien. Dies führte am 6. August 1806 zur Niederlegung der Reichskrone, womit das alte Reich aufhörte zu bestehen. Am 14. August 1806 erhob Napoleon die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, gegen den Beitritt zum Rheinbund und Stellung hoher Militärkontingente an Frankreich, zum Großherzogtum, andernfalls drohte er mit Invasion. Durch die Rheinbundakte wurde die Grafschaft Erbach mediatisiert und zum größten Teil in das neu gegründete Großherzogtum Hessen eingegliedert, dazu gehörte auch das „Amt Schönberg“. Das Amt blieb vorerst als standesherrschaftliches Amt erhalten.

Bereits am 9. Dezember 1803 wurde durch eine Ausführungsverordnung das Gerichtswesen in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfalle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Damit hatten die Zente und die mit ihnen verbunden Zentgerichte endgültig ihre Funktion eingebüßt. Die Bestimmungen galten auch im 1806 gegründeten Großherzogtum Hessen.

Nach der endgültigen Niederlage Napoléons regelte der Wiener Kongress 1814/15 auch die territorialen Verhältnisse für Hessen und die Zugehörigkeit der Grafschaft Erbach zum „Fürstentum Starkenburg“ des Großherzogtums Hessen bestätigt. Daraufhin wurden 1816 im Großherzogtum Provinzen gebildet und dabei das vorher als „Fürstentum Starkenburg“ bezeichnete Gebiet in „Provinz Starkenburg“ umbenannt. Im Jahr 1814 wurde die Leibeigenschaft im Großherzogtum aufgehoben und es erhielt mit der am 17. Dezember 1820 eingeführten Verfassung des Großherzogtums Hessen eine konstitutionelle Monarchie, in der der Großherzog aber noch große Machtbefugnisse hatte. Die noch bestehenden standesherrlichen Rechte wie Niedere Gerichtsbarkeit, Zehnten, Grundzinsen und andere Gefälle blieben aber noch bis 1848 bestehen.

1821/22 wurden im Rahmen einer umfassenden Verwaltungsreform die Amtsvogteien in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogtums aufgelöst und Landratsbezirke eingeführt, wobei 1822 das Amt Schönberg dem Landratsbezirk Lindenfels zugeteilt wurde. Im Rahmen dieser Reform wurden auch Landgerichte geschaffen, die jetzt unabhängig von der Verwaltung waren. Die Landgerichtsbezirke entsprachen in ihrem Umfang den Landratsbezirken und für den Landratsbezirk Lindenfels war das Landgericht Fürth als Gericht erster Instanz zuständig. Für das Amt Schönberg wurde die Niedere Gerichtsbarkeit im Namen der Standesherren durch den Landrat ausgeübt. Erst 1826 gingen alle Funktionen des ehemaligen standesherrschaftlichen Amts Schönberg an die Landesinstitutionen über.[8] Diese Reform ordnete auch die Administrative Verwaltung auf Gemeindeebene, wobei Gronau eine eigene Bürgermeisterei erhielt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Gronau:

»Gronau (L. Bez. Lindenfels) luth. Pfarrdorf, liegt in einem schlönen Thale, 2½ St. von Lindenfels und gehört dem Grafen von Erbach-Schönberg. Der Ort hat 67 Häuser und 496 Einw., die bis auf 8 Reform. und 3 Kath. lutherisch sind. Von diesen gehören 347 dem Bauern- und 140 dem Gewerbsstand an. Man findet eine 1827 erweiterte Kirche, 1 Mahl- und Oelmühle und Weinbau. Die Grafen von Erbach hatten den Kirchsatz von Pfalz lehnbar gemacht. Im Jahr 1806 kam Gronau unter Hess. Hoheit.«[9]

1832 wurden die Verwaltungseinheiten weiter vergrößert und es wurden Kreise geschaffen. Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch die Kreise Bensheim und Lindenfels geben; der Landratsbezirk von Heppenheim sollte in den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim, der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet wurde, zu dem jetzt Gronau gehörte. Mit der Grossherzoglichen Regierungsverordnung Nr. 37 vom 31. Dezember 1839 wurde mit Wirkung zum 15. Januar 1940 Gronau dem Kreis Bensheim zugeschlagen.[10] Darin wurde weitere Orte des Zeller- und Schönberger-Tals vom Kreis Heppenheim getrennt und dem Kreis Bensheim angegliedert.

1842 wurde das Steuersystem im Großherzogtum reformiert und der Zehnte und die Grundrenten (Einnahmen aus Grundbesitz) wurden durch ein Steuersystem ersetzt, wie es in den Grundzügen heute noch existiert. Ab 1839 wurde die Nibelungenstraße von Bensheim ins Lautertal bis Lindenfels ausgebaut und damit ein wichtiger Betrag zur Verbesserung der Infrastruktur des vorderen Odenwaldes geschaffen. Eine weitere Verbesserung wurde durch die Eröffnung der Main-Neckar-Bahn 1846 erreicht, die Bensheim zunächst mit Langen, Darmstadt und Heppenheim verband und wenig später bis Frankfurt und Mannheim reichte.[11]

Im Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten von 1845 finden sich folgender Eintrag:

»Gronau b. Lindenfels. — Dorf mit evangel. Pfarrkirche, hinsichtlich der Kathol. zur Pfarrei Bensheim gehörig. — 67 H. 496 E. — Großherzogthum Hessen. — Prov. Starkenburg. — Kreis Bensheim.— Landger. Zwingenberg. — Hofgericht Darmstadt. — Das Dorf Gronau, in einem schönen Thale belegen, gehört zur Standesherrschaft des Grafen von Erbach-Schönberg, und hat 1 Kirche, 1 Mahl- u. Oelmühle, sowie Weinbau. Der Ort gehört erst seit dem Jahre 1806 zum Großherzogthum Hessen.«[12]

Infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.[13] Darüber hinaus wurden in den Provinzen, die Kreise und die Landratsbezirke des Großherzogtums am 31. Juli 1848 abgeschafft und durch „Regierungsbezirke“ ersetzt, wobei die bisherigen Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt wurden. Bereits vier Jahre später, im Laufe der Reaktionsära, kehrte man aber zur Einteilung in Kreise zurück und Gronau wurde wieder Teil des Kreises Bensheim.[14]

Die im Dezember 1852 aufgenommenen Bevölkerungs- und Katasterlisten[15] ergaben für Gronau[16]: Lutherisches Pfarrdorf mit 548 Einwohnern. Dazu gehören die Klausenmühle und die Häuser am Gleisberg und Schleifberg. Die Gemarkung besteht aus 3078 Morgen, davon 969 Morgen Ackerland, 273 Morgen Wiesen, 89 Morgen Weiden und 1708 Morgen Wald.

In den Statistiken des Großherzogtums Hessen werden, bezogen auf Dezember 1867, für das Pfarrdorf Gronau eine eigene Bürgermeisterei, 85 Häuser, 514 Einwohnern, der Kreis Bensheim, das Landgericht Zwingenberg, die evangelische Pfarrei Gronau mit dem Dekanat in Lindenfels und die katholische Pfarrei Bensheim des Dekanats Bensheim, angegeben. Zur Gemarkung gehört auch die Mühle am Schleifberg (1 Haus, 10 Einw.). Das zuständige Steuerkommissariat ist Zwingenberg der Destriktseinnehmerei Bensheim und Obereinnehmerei Bensheim. Die Dominalienverwaltung besteht aus dem Rentamt Lindenfels, dem Forstamt Lorsch mit der Oberförsterei Heppenheim.[17]

1870 provoziert der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck durch die sogenannte Emser Depesche den Deutsch-Französischen Krieg in dem das Großherzogtum Hessen als Mitglied des Norddeutschen Bundes an der Seite Preußens teilnahm. Noch vor dessen offiziellen Ende am 10. Mai 1871 traten die süddeutschen Staaten dem Norddeutschen Bund bei und am 1. Januar 1871 trat dessen neu Verfassung in Kraft, mit der er sich nun Deutsches Reich nannte. Auf deutscher Seite forderte dieser Krieg ca. 41.000 Tote.[18]

Für das Jahr 1900 waren weitere Infrastrukturverbesserungen zu vermelden, so wurde bei Worms sowohl die Ernst-Ludwig-Brücke für den Straßenverkehr, als auch die Eisenbahnbrücke über den Rhein dem Verkehr übergeben. Dass die Zeiten aber auch von viel Armut geprägt waren, zeigen die Zahlen der Auswanderer. So wurden von 1881 bis 1900 529.875 deutsche Auswanderer gezählt.[19] Am 1. Januar 1900 trat im ganzen deutschen Reich das Bürgerliche Gesetzbuch in Kraft.

Zeit der Weltkriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. August 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, der im ganzen Deutschen Reich der positiven wirtschaftlichen Entwicklung ein Ende setzte. Als nach der deutschen Niederlage am 11. November 1918 der Waffenstillstand unterschrieben wurde, hatte auch Gronau viele Gefallene zu beklagt, während der Krieg insgesamt rund 17 Millionen Menschenopfer kostete. Das Ende des Deutschen Kaiserreiches war damit besiegelt, und die unruhigen Zeiten der Weimarer Republik folgten. In der Zeit von 1921 bis 1930 wurden in Deutschland 566.500 Auswanderer gezählt, die versuchten, den schwierigen Verhältnissen in Deutschland zu entfliehen.

Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler Reichskanzler, was das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Nationalsozialistischen Diktatur bedeutete. Im November 1938 brachte die sogenannte Reichskristallnacht den jüdischen Mitbürgern Not und Elend.

Die hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurden 1937 nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage aufgehoben. Zum 1. November 1938 trat eine umfassende Gebietsreform auf Kreisebene in Kraft. In der ehemaligen Provinz Starkenburg war der Kreis Bensheim besonders betroffen, da er aufgelöst und zum größten Teil dem Kreis Heppenheim zugeschlagen wurde. Der Kreis Heppenheim übernahm auch die Rechtsnachfolge des Kreises Bensheim und erhielt den neuen Namen Landkreis Bergstraße.[20][1]

Am 1. September 1939 begann mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen der Zweite Weltkrieg, der in seinen Auswirkungen noch weit dramatischer war als der Erste Weltkrieg und dessen Opferzahl auf 60 bis 70 Millionen Menschen geschätzt werden. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges in Europa erreichen die amerikanischen Verbände Mitte März 1945 den Rhein zwischen Mainz und Mannheim. Am 22. März überquerte die 3. US-Armee bei Oppenheim den Rhein und besetze am 25. März Darmstadt. In den ersten Stunden des 26. März 1945 überquerten amerikanische Einheiten bei Hamm und südlich von Worms den Rhein von wo sie auf breiter Front gegen die Bergstraße vorrücken. Am 27. März standen die amerikanischen Truppen in Lorsch, Bensheim und Heppenheim und einen Tag später waren Aschaffenburg am Main sowie der westliche und nördlichen Teil des Odenwaldes besetzt. Der Krieg in Europa endete mit der bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Truppen, die am 8. Mai 1945 um 23:01 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Kraft trat.

Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 ein Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes und danach ein Bundesstaat des Deutschen Reiches. Es bestand bis 1919, nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Großherzogtum zum republikanisch verfassten Volksstaat Hessen. 1945 nach Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich das Gebiet des heutigen Hessen in der amerikanischen Besatzungszone und durch Weisung der Militärregierung entstand Groß-Hessen, aus dem das Bundesland Hessen in seinen heutigen Grenzen hervorging.

Nachkriegszeit und Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die Einwohnerzahlen von 1939 bis 1950 zeigen hatte auch Gronau nach dem Krieg viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zu verkraften.

Im Jahr 1961 wurde die Gemarkungsgröße mit 544 ha angegeben, davon waren 390 ha Wald.[1]

Seit dem 31. Dezember 1971 ist Gronau ein Stadtteil von Bensheim[21] und zählt mit seinen circa 1300 Einwohnern zu den größeren Stadtteilen.

Noch bis ins 20. Jahrhundert waren die weitaus meisten Menschen in Gronau Bauern oder Weinbauern. Ein weiterer wichtiger Arbeitgeber war ein Steinbruchbetrieb. Heute fährt die arbeitende Bevölkerung wie in vielen Dörfern des Odenwaldes mit dem Auto zu den auswärtigen Arbeitsplätzen.[5]

Gerichte in Hessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zuständige Gerichtsbarkeit war während der Zugehörigkeit zu Hessen bis 1822 das standesherrliche Amt Schönberg. Von 1822 bis 1826 gehörte Gronau zum Landgerichtsbezirk Schönberg in dem die Niedere Gerichtsbarkeit durch den Landrat im Namen des Standesherren ausgeübt wurde. Ab 1826 wurde diese Funktionen dem Landgericht Fürth zugeschlagen. Gronau wurde dort im Zuge der Zuweisung zum Kreis Bensheim 1839 wieder ausgegliedert und kam zum Landgericht Zwingenberg. Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, während die neu geschaffenen Landgerichte als Obergerichte fungierten. Dadurch kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Zwingenberg und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Darmstadt.[22]

Am 1. Mai 1902 wurde das Amtsgericht Bensheim neu errichtet und die Orte Bensheim, Elmshausen, Gadernheim, Gronau, Lautern, Raidelbach, Reichenbach, Schönberg, Wilmshausen und Zell bildeten den neuen Gerichtsbezirk.[23]

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erwähnt als Grunouue um 1200, als Gruna 1443, als Gronau 1602 und als Grunaw 1640.

Die lateinische Herkunftsbezeichnung lautet für 1615: Grunaviensis.

Bedeutung: [24]

  • Glied 1: deutsch: grün 'eine Farbe'
  • Glied 2: älterneuhochdeutsch: aue 'baumbestandene Landschaft am Wasser'

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Gronau unterstand im Überblick:[1][25]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen bis 1970 sind:[1]

1829: 496 Einwohner
1939: 502 Einwohner
1961: 704 Einwohner
1970: 802 Einwohner
Gronau: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr     Einwohner
1834
  
532
1840
  
528
1846
  
536
1852
  
548
1858
  
504
1864
  
514
1871
  
517
1875
  
520
1885
  
486
1895
  
477
1905
  
530
1910
  
512
1925
  
517
1939
  
502
1946
  
727
1950
  
756
1956
  
688
1961
  
704
1967
  
779
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der gesamte alte Ortskern steht unter Denkmalschutz.
  • Die evangelische St.-Anna-Kirche wurde von Ignaz Opfermann geplant und 1834 fertiggestellt.
  • Die alte Gronauer Volksschule wurde im Jahre 1814 erbaut. Das alte Rat- und Schulhaus steht auf dem Dorfplatz, genannt auch der Römer, gegenüber der Dorfkirche. Der Klassenraum war gleichzeitig der Rathaussaal. Außerdem war in dem Gebäude eine Lehrerwohnung untergebracht. Der Abbruch des alten und der Bau des neuen Rat- und Lehrerhauses erfolgt 1884. Doch die Zahl der Schulkinder hatte in Gronau bis 1902 so zugenommen, dass die Sitzplätze nicht mehr ausreichten. Die Einrichtung einer zweiten Schulstelle war daher nötig geworden. [26]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Simon (1811–1870), Oberpfarrer, Dekan und Historiker

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bensheim-Gronau – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Gronau, Landkreis Bergstraße. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 18. Dezember 2012)
  2. Bensheim in Zahlen (nur Einwohner mit Hauptwohnung), abgerufen im Dezember 2016
  3. a b c Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch – Starkenburg, Darmstadt 1937, S. 241
  4. a b Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch – Starkenburg, Darmstadt 1937, S. 641–642
  5. a b c d E. Kühner: Aus der Geschichte des Dorfes Gronau bei Bensheim an der Bergstraße. (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive)
  6. Gustav Simon: Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes, Verlag Brönner, Frankfurt a. M. 1858, S. 139ff (online bei Google Books)
  7. Manfred Schaarschmidt: Die Geschichte Schönbergs. Januar 2003, archiviert vom Original am 27. März 2009, abgerufen am 15. Oktober 2015.
  8. Bekanntmachung, die Verwaltung der landräthlichen Geschäfte und der Justiz erster Instanz in dem vormaligen Amte Schönberg betr. vom 7. Juli 1826 (Hess. Reg.Bl. S. 178)
  9. Georg W. Weber: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 88
  10. Hessisch Grossherzogliche Regierungsverordnung Nr. 37 vom 31. Dezember 1839. S. 480 (online), abgerufen im Oktober 2015
  11. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“ 2007. Ein furchtbarer Weg durchs Tal. S. 38, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014, abgerufen am 28. Dezember 2014 (PDF 8,61 MB).
  12. Johann Friedrich Kratzsch: Neuestes und gründlichstes alphabetisches Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der deutschen Bundesstaaten, Nauenburg 1845, Band 1, S. 482 (online bei Hathi Trust, digital library)
  13. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1848, S. 237–241
  14. Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1852 (No. 30) (online bei der Bayrischen Staatsbibliothek)
  15. Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland. Walter de Gruyter, 2007, ISBN 3-11-019056-7 (online bei google books)
  16. Philipp Alexander Ferdinand Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit. Jonghans, Darmstadt 1854, S. 345 (online bei google books)
  17. Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen, 1869, S. 54 (online bei google books)
  18. Denkmalprojekt: Verlustlisten 1870–17, abgerufen im Januar 2015
  19. Zeittafel auf der Webseite der Gemeinde Biblis, abgerufen am 1. Dezember 2014
  20. Schlagzeilen aus Bensheim zum 175-jährigen Bestehen des „Bergsträßer Anzeigers“. Die Entstehung des Kreises Bergstraße. 2007, S. 109, archiviert vom Original am 20. Dezember 2014, abgerufen am 9. Februar 2015 (PDF; 9,0 MB).
  21. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 349.
  22. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879 (Hess. Reg.Bl. S. 197–211)
  23. Bekanntmachung, die Errichtung eines Amtsgerichts in Bensheim betreffend vom 26. März 1902 (Hess. Reg.Bl. S. 154)
  24. Heinrich Tischner: Siedlungsnamen zwischen Rhein, Main, Neckar und Itter. 24. Dezember 2009, abgerufen am 6. Mai 2013.
  25. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  26. Die alte Gronauer Volksschule, abgerufen am 7. Mai 2013