Growth Hacking

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Growth Hacking ist eine Marketing-Technik, die von Startups entwickelt wurde, um mit Kreativität, analytischem Denken und dem Einsatz von Social Media den Absatz zu fördern und Bekanntheit zu erlangen.[1][2]

Es kann als Teil des Online-Marketings angesehen werden, da die Growth Hacker in den meisten Fällen die bereits etablierten Mittel wie Suchmaschinenoptimierung, Websiteanalyse oder Content Marketing einsetzen. Growth Hacker haben vor allem die Kostenminimierung im Sinn und den Einsatz innovativer Alternativen zu traditioneller Werbung, wie etwa Social Media und viralem Marketing statt Mediaschaltungen in elektronischen oder gedruckten Medien.[3] Growth Hacking wird vor allem deshalb von Startups angewandt, da es einen Start mit begrenzten Mitteln ermöglicht, der in erster Linie auf Wachstum ausgerichtet ist.[4][5] Techniken des Growth Hacking werden etwa von Unternehmen wie Facebook, Twitter, LinkedIn, Airbnb und Dropbox eingesetzt.[6]

Begriffsentstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sean Ellis prägte den Begriff „growth hacker“ 2010.[7][8] In dem Blogpost definierte er einen Growth Hacker als „jemanden, der auf Wachstum eingenordet ist. Alles was er unternimmt wird genau auf die mögliche Wirkung auf skalierbares Wachstum hin untersucht“.[7] Andrew Chen verbreitete den Ausdruck weiter in einem Blogpost mit dem Titel „Growth Hacker is the new VP Marketing“ in dem er den Begriff definierte und als Beispiel die Integration der Buchungsplattform Airbnb in das Kleinanzeigenportal Craigslist anführte.[2][9] Er schrieb, dass Growth Hacker „eine Mischung aus Marketer und Programmierer seien, die die Frage ‚Wo bekomme ich Kunden für mein Produkt her?‘ mit Tests, Landing Pages, viralen Kampagnen, E-Mail-Zustellbarkeit und Open Graph beantworteten.“[1][9] 2012 meinte Aaron Ginn im Onlinenachrichten-Portal TechCrunch, dass ein Growth Hacker eine „Geisteshaltung der Daten, Kreativität und Neugier“ habe.[2][10]

2013 fand die zweite jährliche Konferenz „Growth Hackers Conference“ in San Francisco statt. Sie wurde von Gagan Biyani veranstaltet.[11] Dort redeten unter anderem Growth-Hacking-Vertreter von LinkedIn, Twitter und YouTube [11] Gegen Ende 2013 hatte das Konzept Growth Hacking bereits Widerhall in der asiatischen Unternehmerszene gefunden. Die wichtigste Quelle zum Thema in der Region ist Growth Hacking Asia, eine Website, die asiatische Startups erfolgreicher machen soll.

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut Fast Company[1] haben Startups vor allem zwei Probleme: 1) sie haben kein Geld und 2) sie haben keinen herkömmlichen Marketinghintergrund.[1] Um diesen Mangel an Mitteln und Erfahrung auszugleichen, gehen die Growth-Hacking-Verantwortlichen an das Thema Marketing aus dem Blickwinkel der Innovation, Skalierbarkeit und Nutzerverbundenheit heran. [12][13] Dabei trennt das Konzept Growth Hacking zwischen Produktdesign, Produkteffektivität und Marketing.[14][15] Das Konzept sieht vor, mögliches Wachstum, also die Kundengewinnung, Monetarisierung, Kundenpflege, Ausbau der Kundenbeziehung und virale Kräfte in das Produkt selber zu integrieren.[16] Fast Company nannte Twitters Liste mit Vorschlägen anderer User als Beispiel: "Das war Twitters wahres Geheimnis: Sie bauten das Marketing in das Produkt selbst ein und haben kein Marketing um das Produkt herum aufgebaut."[8]

Der Sinn des Konzeptes Growth Hacking ist es, sich ausschließlich auf das Unternehmenswachstum zu konzentrieren und auf keinen anderen Aspekt (wie etwa Image oder Bekanntheit).[17] Mark Zuckerberg, Gründer der Plattform Facebook hatte wohl genau diesen Ansatz.[18] Während die genauen Methoden bei jedem Unternehmen und in jeder Branche unterschiedlich sind, haben sie alle gemein, dass es lediglich um Wachstum geht. [19] Neukunden haben in der Regel über ihr Netzwerk von dem Produkt oder der Dienstleistung gehört oder indem andere sie beim Benutzen des Produktes oder der Dienstleistung sie darauf aufmerksam gemacht haben. Dieser Kreislauf aus Aufmerksamkeit, Anwendung und Weitergeben an andere kann exponentielles Wachstum für das Unternehmen zur Folge haben. [20]

Laut Mares & Weinberg gibt es 19 unterschiedliche Kommunikationskategorien, die sich potentiell für Growth Hacks eignen. Unternehmen wird empfohlen, im Rahmen eines Brainstormings mindestens eine Idee für jede Kategorie zu formulieren. Aus diesen Ideen kann dann mit Hilfe einer Priorisierungsmethode wie "Bulls Eye" oder "BRASS" die meistversprechenden für einen Test ausgewählt werden.[21]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein frühes Beispiel für Growth Hacking war die Einbindung des „PS I Love You“ mit einem Link auf eine freie Version von Hotmail.[22] Ein weiteres Beispiel war das Angebot von weiterem Webspace bei Dropbox für Weiterempfehlungen. Diese Idee ist schon ziemlich alt, sie wirkt in der digitalen Welt allerdings wesentlich stärker.[22] Ein aktuelleres Beispiel ist die Plattform airbnb, die private Wohnungen als Ferienwohnungen vermittelt. Zu Beginn des Startups schaffte es das Unternehmen, sein Angebot über eine Schnittstelle auf den größten amerikanischen Kleinanzeigenmarkt Craigslist einzuschmuggeln. So sahen gleich zu Beginn sehr viele Nutzer das Angebot.[23]

Außerdem nutzen unter anderem Twitter, Facebook, Dropbox, Pinterest, YouTube, Groupon, Udemy oder Instagram Growth-Hacking-Techniken, um ihre Marken aufzubauen und Umsätze zu steigern.[9][24][25][26]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept Growth Hacking wurde bei Dilbert am 10. Juli 2014 humorvoll aufgegriffen.[27]

Paul Graham bezweifelt 2014 die Sinnhaftigkeit des Konzeptes und die langfristige Wirkung des Growth Hacking in einer Vorlesung.[28]

Bedeutung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist seit rund anderthalb Jahren eine Verbreitung des Begriffs zu beobachten. Immer mehr etablierte Unternehmen, die nach neuen Wegen suchen, zu wachsen, übernehmen Methoden und Ideen des amerikanischen Growth Hacking.[29]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • André Morys: Conversion-Optimierung: Praxismethoden für mehr Markterfolg im Web. entwickler.press, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-86802-066-3.
  • Willi Ibbeken: Kampf um Aufmerksamkeit: Wie Startups mit Growth Hacking Millionen von Nutzern gewinnen. KDP, Berlin 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Holiday, Ryan: Everything is Marketing: How Growth Hackers Redefine the Game, Fast Company. 17. Dezember 2012. 
  2. a b c Ginn, Aaron: Defining a Growth Hacker: Three Common Characteristics, TechCrunch. 2. September 2012. 
  3. Biyani, Gagan: Explained: The actual difference between growth hacking and marketing. The Next Web. 5. Mai 2013. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  4. Hockenson, Lauren: Growth Hacker: A Buzzword Surrounded by Buzzwords. Mashable. 18. Mai 2013. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  5. Ginn, Aaron: Defining a Growth Hacker: 5 Ways Growth Hackers Changed Marketing, TechCrunch. 7. September 2012. 
  6. Emerson, Rip: Chamath Palihapitiya On Growth Hacking And How To Create A Sustainable User Acquisition Engine, TechCrunch. 13. Januar 2013. 
  7. a b Ellis, Sean: Find a Growth Hacker for Your Startup. Startup-Marketing.com. 26. Juni 2010. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  8. a b Holiday, Ryan: The Secret That Defines Marketing Now, Fast Company. 8. Juli 2013. Abgerufen am 10. Oktober 2014. 
  9. a b c Chen, Andrew: Growth Hacker is the new VP Marketing. AndrewChen.co. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  10. Ginn, Aaron: What is a growth hacker?. Aginnt.com. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  11. a b Griggs, William: 6 important lessons from this year’s Growth Hacker Conference. Venture Beat. 10. Mai 2013. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  12. Ginn, Aaron: Defining a Growth Hacker: Building Growth Into Your Team, TechCrunch. 21. Oktober 2012. 
  13. Ginn, Aaron: Build it and they won’t come: How and why growth hacking came to be. The Next Web. 28. Oktober 2012. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  14. Holiday, Ryan: Here’s Some Marketing Advice: Your Product Is Terrible. Medium.com. 11. Juni 2013. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  15. Ginn, Aaron: Defining A Growth Hacker: Growth Is Not A Marketing Strategy, TechCrunch. 20. Oktober 2012. 
  16. Jarvis, Chase: From Obscurity to Internet Sensation — How Creatives Can Win the PR Game with Ryan Holiday. ChaseJarvis.com. 22. Februar 2013. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  17. Sean Ellis: Sean Ellis On Growth. Medium. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  18. Noah Kagan: How My Blog Homepage Redesign Increased Email Signups By 300%. Hubspot. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  19. Andrew Chen: What's Your Viral Loop? Understanding The Engine Of Adoption. Abgerufen am 16. August 2014.
  20. Sean Ellis Startup Growth Engines: Case Studies of How Today's Most Successful Startups Unlock Extraordinary Growth.. Sean Ellis and Morgan Brown, 24.Juni 014 (Zugriff am 16.August 2014).
  21. So entwickelst du deine "Growth-Hacking"-Ideen. In: Tomas Herzberger. (tomasherzberger.net [abgerufen am 10. Oktober 2016]).
  22. a b Ryan Holiday: Don Draper Is Dead: Why Growth Hack Marketing Is Advertising’s Last Hope. BetaBeat. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  23. Tim Cortinovis: Growth Hacking statt klassischem Marketing?. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  24. Ginn, Aaron: Defining A Growth Hacker: Debunking The 6 Most Common Myths About Growth Hacking, TechCrunch. 8. Dezember 2012. 
  25. Johns, Andy: Facebook Growth and Traction: What are some decisions taken by the "Growth team" at Facebook that helped Facebook reach 500 million users?. Quora. 11. Mai 12. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  26. Johns, Andy: What is Facebook's User Growth team responsible for and what have they launched?. Quora. 30. April 2012. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  27. Scott Adams: joke of the day. 10. Juli 2014. Abgerufen am 10. Oktober 2014.
  28. Paul Graham: Lecture 3 - Before the Startup (Paul Graham) (english) 30. September 2014. Abgerufen am 22. April 2015.
  29. t3n digital pioneers Online Magazin: Growth-Hacker: Warum die digitale Version der eierlegenden Wollmilchsau effektiver ist als klassische Marketeers. Abgerufen am 10. Oktober 2014.