Guayana Esequiba

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Guayana Esequiba (spanische Aussprache: [ɡwaˈʝana eseˈkiβa]) ist der Name eines Gebietes zwischen den Flüssen Cuyuní und Essequibo, welches de facto zum guyanischen Staatsgebiet gehört, jedoch von Venezuela beansprucht wird. Das Gebiet ist 159.542 km² groß, und umfasst damit 62 % des guyanischen Staatsgebietes. 2010 lebten dort 283.000 Menschen. Dies entspricht einer Einwohnerdichte von 0,75 Einwohner pro km². Damit ist Guayana Esequiba extrem dünn besiedelt (zum Vergleich: Guyana 3,5 Einw/km², Venezuela 30 Einw/km²).[1]

Guayana Esequiba

Geschichte[Bearbeiten]

Guayana Esequiba wurde von dem in spanischen Diensten stehenden Christoph Kolumbus bei seiner dritten Amerikareise entdeckt. 1777 schuf Karl III. per Dekret die Statthalterschaft von Venezuela und erklärte den Essequibo als natürliche Grenze zur niederländischen Kolonie in Guyana, obwohl die niederländischen Kolonien Berbice, Essequibo und Demerara auch teilweise westlich des Essequibo lagen. Mit dem Britisch-Niederländischen Vertrag von 1814 gingen ein Teil der niederländischen Kolonien an Großbritannien über, darunter auch die Gebiete östlich des Essequibo. Im Jahr 1831 fusionierte Großbritannien Berbice, Demerara und Essequibo zu Britisch-Guayana, mit dem Essequibo als Westgrenze, obwohl viele britische Siedler westlich des Essequibo lebten.

1840 beauftragte die britische Regierung den deutschen Botaniker Robert Hermann Schomburgk mit der Feststellung der Grenzen zwischen Britisch-Guayana und Venezuela. Mit dieser Aufgabe war er mehrere Jahre beschäftigt. Die von ihm festgelegte Grenzlinie (die so genannte Schomburgk-Linie) zog sich über die Mündung des Orinoco, und damit in (heutiges) venezolanisches Territorium. Von Venezuela wurde diese Grenzziehung nicht anerkannt. Nach einem langwierigen jahrelangen Streit kam es 1899 zu einem internationalen Schiedsspruch, welcher weitgehend zugunsten Großbritanniens ausfiel. Der Schiedsspruch wurde von Venezuela akzeptiert, und es wurde im September 1907 ein Vertrag abgeschlossen, welcher die Grenze festlegte.[2][3]

Wiederbelebung des Konflikts[Bearbeiten]

1963, als die britische Kolonie Guyana sich in Richtung Unabhängigkeit bewegte, wurden Stimmen in Venezuela laut, welche die Rückgabe dieser Region in venezolanische Souveränität forderten. Diese drängten die venezolanische Regierung, vor der Unabhängigkeit Britisch-Guayanas zu handeln.

Die venezolanische Regierung erklärte daraufhin die Schlichtung 1899 für nichtig, mit der Begründung, es habe Verfahrensfehler gegeben. Am Vorabend der Unabhängigkeit von Guyana im Jahr 1966 unterzeichneten am 7. Februar das Vereinigte Königreich und Venezuela die Genfer Vereinbarung, welche eine Schlichtungskommission vorsah[4]. Doch nach vierjährigem Streit ohne Ergebnisse wurde die Kommission aufgelöst. Im selben verschärfte sich der Konflikt mit der venezolanischen Besetzung der nach der Grenzziehung von 1899 geteilten Isla de Anacoco.

Venezolanische Karte mit Guayana Esequiba

Es wurde daher beschlossen, alle Ansprüche für zwölf Jahre einzufrieren. 1982, am Ende dieser Periode, beschloss Venezuela, seine Ansprüche zu erneuern und brachte die Angelegenheit vor die UN und 2006 wurde es dem Generalsekretariat der Vereinten Nationen vorgelegt.[5] Im November 2007 gab es einen Zwischenfall in dem umstrittenen Grenzgebiet.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Büro für Statistik (PDF; 161 kB) von Guyana. Aufgerufen am 4. Mai 2012
  2. Vertrag zur Vereinbarung (en). Aufgerufen am 4. Mai 2012
  3. Die Guyanische Position. Aufgerufen am 4. Mai
  4. Genfer Vereinbarung (PDF; 76 kB). Aufgerufen am 4. Mai 2012
  5. Venezolanische Position 8 (span.). Aufgerufen am 4. Mai 2012
  6. Artikel über Zwischenfall. Aufgerufen am 4. Mai 2012