Guido H. Baltes

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Guido H. Baltes (* 10. Dezember 1970 in Prüm / Eifel) ist ein deutscher Ingenieur und Professor an der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung. Dort leitet er als Direktor das IST Institut für Strategische Innovation und Technologiemanagement.[1]

Guido H. Baltes[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baltes studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr München mit Abschluss Diplom-Ingenieur und Wirtschaftswissenschaften an der Fernuniversität in Hagen mit Abschluss als Diplom-Kaufmann. 2000 wurde er an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik der Universität der Bundeswehr München mit einer Arbeit über Internet-gestützte Managementinformationssysteme zum Dr.-Ing promoviert.

Von 2001 bis 2006 war er Mitarbeiter der Siemens AG. Berichtend an den Zentralvorstand war der dort verantwortlich für strategische Projektarbeit im Auftrag des Vorstands. Unter anderem entwickelte und implementierte er das konzernweite Strategische Geschäftsinformationssystem[3] (SGI) der Siemens AG[4]. 2003 wechselte er zur Siemens Business Services Deutschland und war dort in der Geschäftsleitung verantwortlich für die Strategie und Marketing.

2006 wurde Baltes als Professor für Strategie, Management und Marketing an die Hochschule Konstanz berufen. Er baute dort mit dem eArchitecture Lab[5] ein Living Lab[6] für strategische Führungssysteme[7] auf, das als eines der ersten Living Labs im European Network of Living Labs (ENoLL)[8] akkreditiert wurde.[9] Seine Forschungsarbeit dort, u. a. zur Gestaltung virtueller Zusammenarbeit von Wissensarbeitern, mündete in der Gründung von Coliquio, einer deutschsprachigen Expertenplattform für Mediziner.[10]

Das von ihm als Direktor geleitete Institut für Strategische Innovation und Technologiemanagement (IST) forscht an Gestaltungsfragen in der Umsetzung von strategischer Innovation und Corporate Entrepreneurship.[11] Insbesondere konzentriert sich diese Forschung auf Fragestellungen von Management und Führung für die Implementierung von Ambidextrie und Entrepreneur Orientierung[12]. Diese Arbeiten betrachten vor allem die Gestaltung der Schnittstelle zwischen Industrieunternehmen und Unternehmerteams (unternehmerische Strukturen beispielsweise im Sinne von Startups, Corporate Startups oder unternehmerischen Innovationsteams).[13]

Diese, u. a. auf über 5000 aufgezeichneten Interviewminuten mit CEOs und Innovationsverantwortlichen basierende Forschungsarbeit ermöglichte erste Grundlagen für eine psychometrische Beschreibung von Individuen, die erfolgreich als sogenannte Corporate Entrepreneure oder Angestellte Unternehmer – als „Unternehmer im Unternehmen“ – arbeiten.[14] Die Ergebnisse zur Gestaltung der Schnittstelle zwischen unternehmerischen Strukturen und der Kernorganisation von Industrieunternehmen haben im konzeptionellen Rahmen der Dynamischen Fähigkeiten empirisch fundierte Beiträge zur Umsetzung von Ambidextrie ermöglicht.[15] In der industriellen Anwendung sollen diese Ergebnisse Unternehmen bei der Umsetzung ihrer digitalen Transformation unterstützen.[16]

In einem zweiten Forschungsprogramm entwickelt das IST Institut eine computer-unterstützte Methode zur Codierung von Businessplänen frühphasiger ("seed") technologiebasierter Startups.[17] Dafür wurden Algorithmen zur semantischen Analyse („natural language programming“) von Businessplantexten entwickelt, mit denen in diesem Text die „Transaktionsbeziehungen“ eines Startups nach Anzahl und Reife erkannt und bewertet werden können.[18] Die Ergebnisse dieser computer-unterstützten semantischen Textanalyse zeigen unterschiedliche von Muster ("pattern") für die Entwicklung von Startups. Diese Entwicklungsmuster unterscheiden sich sowohl für Startups unterschiedlicher Technologien (beispielsweise digitale versus nicht-digitale Technologien[19]) als auch für Startups, die überleben und wachsen, gegenüber solchen, die nicht überleben[20]. Als Erklärung für die verschiedenen Entwicklungsmuster wurden Unterschiede im Lern- und Anpassungsverhalten technologiebasierter Startups identifiziert.[21]

Seit 2013 lehrt Baltes an der Universität für Außenwirtschaft und Handel in Peking und seit 2016 an der Rady School of Management der University of California, San Diego. Er unterstützt als Mentor das Startup Bootcamp des Sutardja Center of Entrepreneurship & Technology an der University of California, Berkeley. Neben Coliquio[22] ist er auch Mitgründer von Unisphere, einem Startup, das Flight Management Services für zukünftige hochfliegende Drohnen bereitstellt.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Synergiemanagement in vernetzten Organisationen. Universität der Bundeswehr, 2000
  • zusammen mit Kai Mertins: Productivity in Sales based on interoperability. IBIS, Oldenburg 2009, ISSN 1862-6378
  • zusammen mit Antje Freyth: Veränderungsintelligenz. Springer Gabler, Berlin 2017, ISBN 978-3658048884

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. IST Institut. Abgerufen am 17. März 2018.
  2. SMP Dialog. Abgerufen am 28. April 2018.
  3. J. Feldmayer, A. Zimmermann: Software-gestützte, integrierte strategische Unternehmensplanung — dargestellt am Beispiel der Siemens AG. In: Strategische Unternehmungsplanung — Strategische Unternehmungsführung. Springer, Berlin, Heidelberg, 2006, ISBN 3-540-30763-X, S. 249–265, doi:10.1007/3-540-30763-x_12 (springer.com [abgerufen am 17. März 2018]).
  4. PresseBox (c) 2002-2018: Siemens plant mit Solyp. Abgerufen am 17. März 2018.
  5. eArchitecture Lab. Abgerufen am 17. März 2018.
  6. Bernhard R. Katzy, Guido H. Baltes, Jérôme Gard: Concurrent process coordination of new product development by Living Labs - an exploratory case study. In: International Journal of Product Development. Band 17, Nr. 1/2, 26. Dezember 2012, doi:10.1504/ijpd.2012.051156 (inderscienceonline.com [abgerufen am 17. März 2018]).
  7. Guido Baltes, Jérôme Gard: Strategische Führungssysteme für Intermediäre der Open Innovation – Konzeption und Fallstudie. 18. November 2010 (researchgate.net [abgerufen am 17. März 2018]).
  8. Open Living Labs | The First step towards a new Innovation System. Abgerufen am 17. März 2018.
  9. Guido Baltes: Ein neuer Ansatz für Innovationsplattformen – Living Lab Ansatz und Fallstudie. 19. November 2009 (researchgate.net [abgerufen am 17. März 2018]).
  10. Behandlungsfehler - Publikation ´Aus Fehlern lernen` - Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk. Abgerufen am 17. März 2018.
  11. J. Gard, G. Baltes, D. Wehle, B. Katzy: An integrating model of autonomy in corporate entrepreneurship. In: 2013 International Conference on Engineering, Technology and Innovation (ICE) IEEE International Technology Management Conference. Juni 2013, S. 1–14, doi:10.1109/ITMC.2013.7352658 (ieee.org [abgerufen am 17. März 2018]).
  12. R. Sandra Schillo: Entrepreneurial Orientation and Company Performance: Can the Academic Literature Guide Managers? In: Technology Innovation Management Review. Band 1, Nr. 2, 2011, ISSN 1927-0321 (timreview.ca [abgerufen am 17. März 2018]).
  13. C. J. Selig, G. H. Baltes: Clarifying the roles in corporate entrepreneurship. In: 2017 International Conference on Engineering, Technology and Innovation (ICE/ITMC). Juni 2017, S. 879–887, doi:10.1109/ICE.2017.8279976 (ieee.org [abgerufen am 17. März 2018]).
  14. Christoph Selig, Christoph Stettina, Guido Baltes: The Corporate Entrepreneur: A driving force for strategic renewal and radical innovation in established companies Linking pin and entrepreneurial leader as success factor of semi-autonomous teams. 13. Juni 2016 (researchgate.net [abgerufen am 17. März 2018]).
  15. Excubation: Ein alternatives Innovationsmodell. Abgerufen am 17. März 2018.
  16. Südkurier Medienhaus: Konstanz: Alles wird digital? Darin liegt eine Riesenchance, sagt ein renommierter Konstanzer Forscher | SÜDKURIER Online. In: SÜDKURIER Online. (suedkurier.de [abgerufen am 17. März 2018]).
  17. König, M., Ungerer, C., Büchele, R., & Baltes, G.: Agreement on the venture’s reality presented in business plans. 22nd International Conference on Engineering, Technology and Innovation (ICE/ITMC), Trondheim 2016.
  18. Ungerer, C., König, M., Giones, F., Baltes, G.: Reliably Reading Venture Survival from the Business Plan: Determining Venture Emergence and Survival with Computer-Based Content Analysis of Business Plan Text. 22nd International Conference on Engineering, Technology and Innovation (ICE/ITMC), Trondheim 2016.
  19. Marc König, Christina Ungerer, Guido Baltes, OrestisTerzidis: Different patterns in the evolution of digital and non-digital ventures' business models. In: Intl. Journal on Technological Forecasting and Social Change. ELSEVIER, 19. Juni 2018.
  20. Christina Ungerer, Marc Konig, Guido Baltes, Kanetaka M. Maki: On the interconnectedness of value network maturity and new technology-based firm survival. In: 23rd International Conference on Engineering, Technology and Innovation (ICE/ITMC). IEEE, Madeira 2017, ISBN 978-1-5386-0774-9, doi:10.1109/ICE.2017.8279981 (ieee.org).
  21. Marc König, Christina Ungerer, Guido Baltes: The Semantics of Entrepreneurial Learning in New Technology-Based Firms. In: Presse, André, Terzidis, Orestis (Hrsg.): Technology Entrepreneurship: Insights in New Technology-Based Firms, Research Spin-Offs and Corporate Environments (= FGF Studies in Small Business and Entrepreneurship). Springer International Publishing, Cham 2018, ISBN 978-3-319-73509-2, S. 3–20, doi:10.1007/978-3-319-73509-2_1.
  22. Bernhard R. Katzy, Guido H. Baltes, Jérôme Gard: Concurrent process coordination of new product development by Living Labs - an exploratory case study. In: International Journal of Product Development. Band 17, Nr. 1/2, 2012, ISSN 1477-9056, S. 23, doi:10.1504/ijpd.2012.051156 (inderscience.com [abgerufen am 28. April 2018]).