Guillermo Deisler

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Guillermo Deisler (* 15. Juni 1940 in Santiago de Chile; † 21. Oktober 1995 in Halle (Saale)) war ein chilenisch-deutscher Bühnenbildner, Mail Artist und Autor visueller Poesie.

Guillermo Deislers Grab (2010)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guillermo Deisler wurde als Sohn einer aus Preußen stammenden Familie in Chile geboren. Er studierte Theatergraphik und Bühnenbildnerei an der Universität Santiago de Chile. Von 1967 bis 1973 war er Assistent und Dozent für Grafik an der „Universidad de Chile“ in Antofagasta. Nach dem Militärputsch am 11. September 1973 wurde er verhaftet und im Gefängnis in Antofagasta interniert. Sein Freund Gregorio Berchenko erwirkte, dass er von der französischen Botschaft ein Ausreisevisum bekam. Nachdem er einige Monate im französischen Exil verbracht hatte, musste er feststellen, dass es in Frankreich für ihn und seine Familie keine Existenzgrundlage gab. Er entschied sich dafür, wie so viele andere chilenische Flüchtlinge, in die DDR einzureisen. Dort wurde er sofort in Cottbus inhaftiert und verhört, bis ein Regisseur, der ihn als Bühnenbildner kannte, eine Haftentlassung erreichte. Nach seiner Haft war er an einer Theaterinszenierung dieses Regisseurs als Bühnenbildner beteiligt, bevor er als Kontingentflüchtling aufgrund eines Abkommens zwischen DDR, ČSSR, Bulgarien und anderen sozialistischen Staaten, „nach Bulgarien verbannt“ wurde. Deisler lebte dort mit seiner Frau und den vier gemeinsamen Kindern bis 1986. 1986 kam er und ein Teil seiner Familie wieder in die DDR zurück. Kurz vor deren politischem Ende erhielt er dort die von ihm angestrebte Staatsbürgerschaft. Deisler lebte bis zu seinem frühen Tod in Halle/Saale, wo er am Opernhaus arbeitete.

Er starb 1995 an den Folgen einer Krebserkrankung. Seine über 5.000 Mail-Art-Werke umfassende Sammlung befindet sich heute im Archiv der Kunstsammlung der Akademie der Künste in Berlin.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guillermo Deisler beschäftigte sich sein Leben lang intensiv mit experimenteller und visueller Poesie. 1963 bis 1973 gab er das Periodikum für Poesie und Grafik „mimbre“ in mehr als 50 Titeln heraus. Darunter waren auch internationale Anthologien zur visuellen Poesie. 1987 begründete er das Künstler- und Mail Art-Projekt „UNI/vers(;)“, das er bis zu seinem Tod 1995 führte und das in insgesamt 35 Nummern erschien (jede Nummer bestand aus einer Sammelmappe von Originalgraphiken internationaler Künstler). 1988 organisierte er mit Karla Sachse die Ausstellung „Visuelle Poesie“, zu der auch ein Katalog erschien. Zwei Jahre später, zeitgleich mit dem Ende der DDR, gab er zusammen mit Jörg Kowalski die Anthologie „wortBILD. Visuelle poesie in der ddr“ heraus. Darin finden sich Werke von u. a. Carlfriedrich Claus, Volker Dietzel, Elke Erb, Lutz Fleischer, Joseph W. Huber, Kito Lorenc, Bert Papenfuß-Gorek, Robert Rehfeldt, Karla Sachse, Horst Sagert, Rainer Schedlinski, Valeri Scherstjanoi, Klaus Sobolewski, Ulrich Tarlatt, Michael Wüstefeld.

In allen Ländern, die Stationen seines Lebens waren, gab Deisler originalgraphische Künstlerbücher in Auflagen von drei bis über 50 Exemplaren heraus, darunter „GRRR“ (1969 in Chile), le „cerveaux“ (1975 in Frankreich) „packaging poetry“ (1977 in Bulgarien) und „make-up“ (1988 in der DDR).

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deislers Werk wurde etwa 15 Jahre nach seinem Tod wieder verstärkt gewürdigt, so etwa im Rahmen der Ausstellung Subversive Praktiken. Kunst unter Bedingungen politischer Repression im Württembergischen Kunstverein Stuttgart 2009.[1] Eine Einzelausstellung Homenaje a Guillermo Deisler. Grafik, Collage, Malerei, Buchobjekte fand im Sommer 2009 in der Chilenischen Botschaft in Berlin statt. Die Ausstellung Guillermo Deisler (1940-1995): Für das Theater… Figurinen, Bühnenbilder, Plakatentwürfe u.a. wurde 2010 in der Kunstvereinsgalerie der Oper Halle gezeigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kornelia von Berswordt-Wallrabe (Hg.), Mail Art: Osteuropa im internationalen Netzwerk. Kongressdokumentation. Schwerin 1996.
  • Deisler, Guillermo (Hg.) (a), peacedream project. UNI/vers(;) Visuelle und experimentelle Poesie international. Magazin 1. Halle/Saale 1994.
  • Deisler, Guillermo (Hg.) (b), peacedream project. UNI/vers(;) Visuelle und experimentelle Poesie international. Magazin 2. Halle/Saale 1994.
  • Deisler, Guillermo und Kowalski, Jörg (Hg.), wortBILD, visuelle Poesie in der DDR. Halle/Saale u. a. 1990.
  • Förderkreis der Schriftsteller in Sachsen-Anhalt (Hg.), Guillermo Deisler. Zeichen geben. Hallesche Autorenhefte 18. Halle/Saale 1998.
  • Garcia B., Francisca (Hrsg.), DEISLER: Exclusivo Hecho para Usted! exposición, catálogo y mesas redondas, Valparaíso 2007.
  • Sachse, Carla: Guillermo Deisler. In: Berswordt-Wallrabe, Kornelia von (Hg.) Mail Art: Osteuropa im internationalen Netzwerk. Begleitband zur Ausstellung [Ausstellungskatalog]. Schwerin 1996; S. 119–121.
  • Tahmin, Catherine: Ertrinkendes Schwimmbad. Gedichte mit Zeichnungen aus den unveröffentlichten Skizzenbüchern von Guillermo Deisler. Corvinus Verlag: Berlin 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Subversive Praktiken. Kunst unter Bedingungen politischer Repression (60er–80er / Südamerika / Europa). In: wkv-stuttgart.de. Württembergischer Kunstverein, 2009, abgerufen am 2. Mai 2018.