Guillermo Lasso

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Guillermo Lasso während seiner Vereidigung

Guillermo Alberto Santiago Lasso Mendoza (* 16. November 1955 in Guayaquil) ist ein ecuadorianischer Politiker und ehemaliger Banker. Er gilt als neoliberal und konservativ[1] und ist seit dem 24. Mai 2021 Präsident Ecuadors.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lasso stammt aus einer Mittelschichtsfamilie in Guayaquil und ist das jüngste von elf Kindern. Um seinen Schulbesuch am renommierten Colegio San José La Salle zu finanzieren, arbeitete er schon zu Schulzeiten als Hilfskraft an der Börse von Guayaquil. Er studierte Wirtschaft in Quito, brach das Studium jedoch ab, um beruflich tätig sein zu können. 1977, mit 22 Jahren, erhielt er über persönliche Beziehungen eine Stelle im Management des Kreditinstituts ProCrédito S.A. Über einige Zwischenstationen wurde er Vizepräsident der Banco Guayaquil, in der wichtigsten ecuadorianischen Wirtschaftsmetropole. 1994 löste er seinen Schwager Danilo Carrera als Präsidenten der Bank ab.[2] Er behielt diesen Posten durchgängig bis zum Jahr 2012.[2]

Lasso ist verheiratet und hat fünf Kinder.[2]

Er ist Mitglied des erzkonservativen katholischen Bündnisses Opus Dei, er spricht sich strikt gegen gleichgeschlechtliche Ehen und Abtreibung aus.[3]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1999 wurde Lasso nach dem Zusammenbruch der ecuadorianischen Wirtschaft durch den Präsidenten Jamil Mahuad Witt, den Lasso zuvor als Wahlkampfspender unterstützt hatte, zum ersten und einzigen Superminister ernannt, zuständig für das Management der Wirtschaftskrise. Lasso blieb nur einen Monat im Amt.[2]

2012 gründete er die rechtskonservative Bewegung Creando Oportunidades (CREO, dt. Ich glaube), als deren Kandidat er 2013 und 2017 erfolglos bei den Präsidentschaftswahlen antrat.[4] Er erreichte 2013 den zweiten Platz mit 22,68 % der gültigen Stimmen, während der Wahlsieger Rafael Correa 57,17 % aller Stimmen erhielt.[5] Bei der Wahl 2017 unterlag er in der zweiten Runde mit 48,8 % gegen Lenín Moreno, der 51,2 % erhielt.[6]

2017 eröffnete Lasso als Oppositionskandidat seine zweite Kampagne, im Wahlkampf kündigte er an, dass er neben einem Politikwechsel, das Asyl von Wikileaks-Gründer Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft von London beenden[7] und eine Million Arbeitsplätze in Ecuador schaffen zu wollen.[8][7]

Präsidentschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inmitten der COVID-19-Pandemie und einer schweren Wirtschaftskrise trat er zum dritten Mal als Präsidentschaftskandidat bei der Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Ecuador 2021 an und verlor deutlich in der ersten Runde gegen den Sozialdemokraten Andrés Arauz. Lasso setzte sich nur hauchdünn gegen den grünen Kandidaten Yaku Pérez als Kandidat zur Stichwahl durch.[9] Die Indigenenpartei Pachakutik rief nach dem knappen Ausscheiden ihres Kandidaten Pérez zum Wahlboykott auf. Für viele überraschend – Arauz lag bei fast allen Umfragen vorne – trug er dann bei der Stichwahl am 11. April mit 52,5 gegen 47,5 Prozent der Stimmen den Sieg davon und wurde Präsident Ecuadors.[10][11] Ein Sechstel der Stimmen wurden als ungültig ausgewiesen, was als eine Ursache der Überraschung bewertet wurde.[12] Lasso übernahm die Amtsgeschäfte am 24. Mai 2021. Lassos Allianz aus der christsozialen PSC und seiner eigenen Partei CREO stellt nur 29 der 137 Mandate im Parlament. Als erste Leitlinien seiner Politik kündigte er unter anderem das Ziel eines Freihandelsvertrags mit den USA und China, eine Abschaffung der Devisensteuer und eine Reform der Rentenkasse an.[13][12]

Im Juni 2022 kam es wegen anhaltender wirtschaftlicher Probleme und steigender Armut zu einem von indigenen Gruppen ausgerufenen Generalstreik und massiven Protesten, die zur Verhängung des Ausnahmezustands durch die Regierung Lasso führten. Im Zuge der Proteste gab es mehrere Todesfälle. Ein Amtsenthebungsverfahren im Parlament scheiterte.[14][15]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1997 musste sich Lasso wegen Unregelmäßigkeiten in Kreditgeschäften vor dem obersten Gericht Ecuadors verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, bei der Veruntreuung von Geldern (485 Milliarden Sucres) zur Rettung der vor dem Konkurs stehenden Banco Continental mitgewirkt zu haben. Das Rechtsverfahren blieb ergebnislos.[2]

Im Oktober 2021 erschien sein Name auf einer Liste der sog. Pandora Papers, die berühmte Eigentümer von Briefkastenfirmen in Steueroasen verzeichnet.[16]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Guillermo Lasso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Banker vom Opus Dei. Abgerufen am 29. Juni 2022 (deutsch).
  2. a b c d e Guillermo Lasso Mendoza. In: CIDOB. Abgerufen am 29. Juni 2022 (europäisches Spanisch).
  3. Ecuador: Konservativer Banker Guillermo Lasso gewinnt Präsidentenwahl. In: Der Spiegel. 12. April 2021, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. Juni 2022]).
  4. CREO enrolled Lasso-Solines binomial (Memento vom 25. November 2012 im Internet Archive)
  5. Feb. 17, 2013 Held, 9,467,062 Voted, Republic of Ecuador. In: electionguide.org. Abgerufen am 12. April 2021.
  6. Inter-Parliamentary Union: IPU PARLINE database: ECUADOR (Asamblea Nacional), Last elections. Abgerufen am 12. April 2021.
  7. a b Mögliche Stichwahl in Ecuador. In: Die Zeit Online, abgerufen am 20. Februar 2017.
  8. Guillermo Lasso inicia su campaña electoral visitando puerta a puerta a ciudadanos en Guayaquil, ecuadorinmediato.com, 3. Januar 2017 (spanisch).
  9. Ecuador: presidenciales dividen al movimiento indígena, clave para definir el balotaje (Spanish). In: France24, 11. April 2021. 
  10. Linksgerichteter Kandidat Castillo in Peru vorn – Lasso gewinnt die Stichwahl in Ecuador. In: deutschlandfunk.de, 12. April 2021, abgerufen am gleichen Tag.
  11. Neoliberaler Lasso gewinnt die Stichwahl in Ecuador mit knappem Vorsprung, Amerika21 12. April 2021
  12. a b Alexandra Valencia, Brian Ellsworth: Ecuador's Lasso pledges deficit cuts, new oil deals after election win. In: reuters.com. 12. April 2021, abgerufen am 15. April 2021 (englisch).
  13. Kerstin Sack: Neuer Präsident von Ecuador ohne eigene Mehrheit im Parlament. In: amerika21.de. 15. April 2021, abgerufen am 15. April 2021.
  14. Nach gewaltsamen Protesten: Ecuadors Präsident hebt Ausnahmezustand auf. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 29. Juni 2022]).
  15. deutschlandfunk.de: Ecuador - Parlaments-Antrag auf Amtsenthebung von Präsident Lasso gescheitert. Abgerufen am 29. Juni 2022.
  16. amerika21: Präsident von Ecuador gerät wegen Pandora Papers weiter in Bedrängnis. 10. November 2021, abgerufen am 29. Juni 2022.