Gunter Demnig

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Gunter Demnig (August 2018)
Demnig bei der Verlegung von vier Stolpersteinen (August 2018)
Video über die Verlegung eines Ersatz-Stolpersteines zum Auschwitz-Erlass vor dem Kölner Rathaus im März 2013, nachdem das 1992 gesetzte Original herausgebrochen und entwendet worden war

Gunter Demnig (* 27. Oktober 1947 in Berlin) ist ein deutscher Künstler. Bekannt wurde er durch die Stolpersteine, die er seit 1996[1] zur Erinnerung an Opfer aus der Zeit des Nationalsozialismus verlegt.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demnig wuchs in Nauen und Berlin auf. 1967 absolvierte er das Abitur und begann ein Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin bei Herbert Kaufmann. 1969/70 folgte ein Jahr Industrial-Design-Studium an derselben Hochschule. Ab 1971 setzte er das Kunstpädagogik-Studium an der Kunsthochschule Kassel fort und legte 1974 dort das Erste Staatsexamen ab.

Im selben Jahr begann Demnig ein Kunststudium an der Universität Kassel bei Harry Kramer, dem ab 1977 für zwei Jahre die Tätigkeit in Planung, Bauleitung und -ausführung von Denkmalsanierungen folgte. Von 1980 bis 1985 war Demnig künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kunst der Universität Kassel.

Beruf und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1985 eröffnete Demnig ein eigenes Atelier in Köln und arbeitete bei mehreren Projekten mit, so bei der Moltkerei-Werkstatt und dem Kunstraum Fuhrwerkswaage. Seit 1994 war er auch im IGNIS-Kulturzentrum tätig.

Seit April 2011 befand sich Demnigs Atelier in Frechen im Kunstzentrum Signalwerk, das auf dem Gelände des ehemaligen Bahnhofs der Köln-Frechen-Benzelrather Eisenbahn liegt. Dort betreiben auch etwa 20 andere in der Region bekannte Künstler ihre Ateliers. Im Jahr 2017 verlegte er sein Atelier nach Elbenrod in Hessen.[2]

Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Demnig dadurch, dass er die sogenannten „Stolpersteine“ herstellt bzw. verlegt. Sie sollen an Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert wurden und meist dem Holocaust zum Opfer fielen. Die Steine, die auf der Oberseite kleine Messingplatten mit den Namen der Opfer tragen, verlegt er vor deren einstigen Wohnungen im Straßen- oder Gehwegpflaster. Das 1996[3] gestartete Projekt ist mit 75.000 Steinen[4] in 1265 deutschen Kommunen und in 24 Staaten Europas[5] seit Jahren das größte dezentrale Mahnmal der Welt.[6]

Remembrance Stones[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das an die Stolpersteine angelehnte Projekt Remembrance Stones soll das Gedenken an Opfer des Franquismus fördern. Die ebenfalls 10 × 10 × 10 cm großen Gedenksteine haben eine silberne Oberfläche aus Edelstahl. Die ersten Remembrance Stones wurden Mitte Dezember 2018 auf der Insel Mallorca verlegt.[7][8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriftspurgerät von 1990 „… Eine Spur durchs Vergessen“
  • 1980: „Duftmarken“ Cassel–Paris
  • 1981: „Blutspur“ Kassel–London
  • 1982: „Ariadne-Faden“ von der Kasseler documenta zur Biennale in Venedig (Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde)
  • 1984: „Landschaftskonserven“
  • 1988: „Einreise Berlin/W“
  • 1990: „Mai 1940 – 1000 Roma und Sinti“ – Lackspur vom ehemaligen Zigeunerlager Köln-Bickendorf zum Bahnhof Deutz entlang des Deportationsweges der Kölner Sinti und Roma, die von Deutz aus in Konzentrationslager verbracht wurden
  • 1993: Entwicklung der Idee der Stolpersteine
  • 1996: Illegale Verlegung der ersten Stolpersteine in Berlin und Köln
  • 1996/1997/1998/1999: „Die Mauern von Jericho“, szenisches Oratorium mit Klangskulpturen zur Musik von Werner Raditschnig in Salzburg (Kollegienkirche), Klagenfurt (Künstlerhaus), Český Krumlov (Egon-Schiele-Zentrum), Köln (Domforum des Kölner Domes), Millstatt (Internationale Musikwochen in der Stiftskirche), inszeniert von Herbert Gantschacher und produziert von ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater mit Live-Mitschnitt des Österreichischen Rundfunks und Audio-CD (ARBOS 04); Antwerpen (Opera Mobile)
  • 1997: Erste legale Verlegung von zwei Stolpersteinen in der Gemeinde St. Georgen bei Salzburg; zum Gedenken an die Brüder Matthias und Johann Nobis[16]
  • 2000: Legale Fortsetzung des Projekts Stolpersteine
  • 2011: Eigenes Grabmal in der Künstler-Nekropole in Kassel

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gunter Demnig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BIOGRAPHIE. Abgerufen am 28. April 2020.
  2. Gerhard Kaminski: Stolpersteine: Künstler Gunter Demnig findet im Vogelsbergkreis eine neue Heimat. In: oberhessische-zeitung.de. 4. April 2018, abgerufen am 17. September 2019.
  3. BIOGRAPHIE. Abgerufen am 28. April 2020.
  4. Deutsche Welle: NS-Gedenkprojekt zählt jetzt 70.000 "Stolpersteine". In: www.dw.com. 23. Oktober 2018, abgerufen am 24. Januar 2019.
  5. Stolpersteine.eu. In: stolpersteine.eu. Abgerufen am 16. Oktober 2018.
  6. Interview mit Gunter Demnig: 40.000 Stolpersteine, 40.000 Schicksale (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) In: wdr.de, 5. Juli 2013.
  7. MallorcaZeitung über die Verlegung. Abgerufen 16. März 2019.
  8. Website des Künstlers Abgerufen 16. März 2019.
  9. Preisverleihung 2005. Das Rote Tuch, abgerufen am 9. September 2010.
  10. Giesberts-Lewin-Preis. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) In: 50 Jahre Gesellschaft Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
  11. Botschafter für Demokratie und Toleranz. Bündnis für Demokratie und Toleranz, 2008, abgerufen am 9. September 2010.
  12. Stuttgart: Gunter Demnig mit der Otto-Hirsch-Medaille ausgezeichnet. In: Stuttgart Journal. 25. Januar 2011, abgerufen am 25. Januar 2011.
  13. Lina Kirstgen: 10 Jahre Marion Dönhoff Preis: Auszeichnungen gehen an Karl Schwarzenberg und das Projekt Stolpersteine. In: Zeit-Verlagsgruppe.de. 1. Oktober 2012, archiviert vom Original; abgerufen am 17. Juni 2018.
  14. Lothar-Kreyssig-Friedenspreis
  15. „Stolperstein“-Initiator bekommt Verdienstorden. In: RadioErft.de, 22. August 2019.
  16. „Stolpersteine“ zur mahnenden Erinnerung (Memento vom 22. April 2015 im Webarchiv archive.today) Pressemitteilung der Zeugen Jehovas vom 17. Juli 1997
  17. Ordentliche Mitglieder. Deutscher Künstlerbund e. V., abgerufen am 16. August 2018.
  18. Gunter Demnig wurde in den Künstlerbund aufgenommen. In: stolpersteine.eu. Abgerufen am 17. August 2018.