Gunter Gebauer

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Gunter Gebauer (2014)

Gunter Gebauer (* 23. Januar 1944 in Timmendorfer Strand) ist ein deutscher Philosoph, Sportwissenschaftler und Linguist. Er war Professor an der Freien Universität Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebauer wuchs in Kiel auf und studierte nach dem Abitur in Kiel, Mainz und Berlin Philosophie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Linguistik und Sportwissenschaft.[1] Im Jahr 1969 wurde er an der TU Berlin im Fach Philosophie mit einer Arbeit über die Sprachtheorie Wittgensteins promoviert. 1975 habilitierte er sich mit einer Arbeit über eine Analytische Theorie des Verstehens.

In den Jahren 1969 bis 1977 war er Assistent von Hans Lenk am Philosophischen Institut der Technischen Universität Karlsruhe. 1978 folgte er einem Ruf auf eine Professur für Philosophie und Soziologie des Sports an die Freie Universität Berlin.

Gebauer war von 1991 bis 1993 Präsident der internationalen Philosophical Society for the Study of Sports. Im Jahr 1993 wurde er Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Historische Anthropologie. 1995 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Allgemeine Philosophie an der Deutschen Sporthochschule in Köln, noch im gleichen Jahr ging er aber wieder als Professor für Philosophie an die FU Berlin. Er wurde 2012 emeritiert.[2] Gebauer übte Gastprofessuren in Paris, Straßburg und Hiroshima (Japan) aus.

Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in den Themenbereichen der Sprachphilosophie, der Körperanthropologie, der Soziologie der körperlichen Praktiken, der Ästhetik und der Theorie des Sports und des Spiels. Gebauer ist Mitglied der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur. Er war Laudator der Auszeichnung „Fußballspruch des Jahres“ beim Deutschen Fußball-Kulturpreis 2015 und definierte dabei den Fußballspruch in linguistischer und sprachphilosophischer Perspektive.[3]

Anfang Dezember 2018 wurde er mit dem Ethikpreis des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ausgezeichnet.[4] Im Dezember 2018 äußerte Gebauer erhebliche Kritik am DOSB sowie am Spitzensport. Im DOSB gebe es eine Art Vetternwirtschaft, es fehle an Transparenz, so Gebauer gegenüber dem Deutschlandfunk. In Hinsicht auf die deutsche Sportförderung sagte er, das Verfolgen einer sportlichen Laufbahn birge die Gefahr, beruflich ins Hintertreffen zu geraten. Spitzensportler zu Idolen und Vorreitern zu machen, sei ein großer Fehler, sagte er.[5]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970 wurde Gebauer zum ersten Mal Vater.[6]

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wortgebrauch, Sprachbedeutung. Beiträge zu einer Theorie der Bedeutung im Anschluss an die spätere Philosophie Ludwig Wittgensteins, Fink München 1971.
  • Der Einzelne und sein gesellschaftliches Wissen. Untersuchungen zum Symbolischen Wissen. De Gruyter Berlin/New York 1981.
  • Wien – Kundmanngasse 19. Bauplanerische, morphologische und philosophische Aspekte des Wittgensteinhauses(mit A. Grünewald, R. Ohme, L. Rentschler, Th. Sperling und O. Uhl.), Fink München 1981.
  • Historische Anthropologie (mit D. Kamper, D. Lenzen, H.G. Mattenklott und K.G. Wünsche), Rowohlt Reinbek 1989.
  • Mimesis. Kultur – Kunst – Gesellschaft (gemeinsam mit Christoph Wulf), Rowohlt Reinbek 1993, engl. Übers. University of California Press 1996.
  • Spiel, Ritual, Geste. Mimetisches Handeln in der sozialen Welt. (gemeinsam mit Christoph Wulf), Rowohlt Reinbek 1998.
  • Poetik des Fussballs, Campus Verlag, Frankfurt / M. 2006.
  • Wittgensteins anthropologisches Denken, Verlag C.H. Beck, München 2009.
  • Ludwig Wittgenstein. Im Fluss des Lebens und der Sprache. Sprecher: Ulrich Matthes und Gunter Gebauer. onomato Verlag, Düsseldorf 2011 (Hörbuch)
  • (zusammen mit Sven Rücker): Vom Sog der Massen und der neuen Macht der Einzelnen, DVA/Random House, München 2019, ISBN 978-3-421-04813-4.

Herausgaben (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Laokoon-Projekt. Pläne einer semiotischen Ästhetik. Stuttgart (Metzler) 1984.
  • Sport – Eros – Tod. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1986. [Gemeinsam mit Gerd Hortleder.]
  • Körper- und Einbildungskraft. Inszenierungen des Helden im Sport. Berlin (Reimer) 1988.
  • Olympia Berlin. Gewalt und Mythos in den Olympischen Spielen von Berlin 1936. Berlin 1990. [Gemeinsam mit Mitarbeitern.]
  • Aspekte einer zukünftigen Anthropologie des Sports. Clausthal-Zellerfeld (DVS) 1992. [Gemeinsam mit Mitarbeitern.]
  • Praxis und Ästhetik. Neue Perspektiven im Denken Pierre Bourdieus. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1993. [Gemeinsam mit Christoph Wulf.]
  • Die andere Utopie der Moderne. Olympias Weg von der Religion zur Droge. Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 1996.
  • Texte und Spiele. St. Augustin (Richarz) 1996. [Gemeinsam mit B. Boschert.]
  • Zwei Kulturen – eine Familie. Paare aus verschiedenen Kulturen und ihre Kinder am Beispiel Frankreichs und Deutschlands. Opladen (Leske & Budrich) 1997. [Gemeinsam mit Gabrielle Varro]

Fernsehproduktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Philosophie des Sports. Worauf beruht die Faszination der körperlichen Spitzenleistung? Im Interview mit Alexander Kluge für DCTP. Erstausstrahlung am 7. Februar 2012 bei Sat.1.

Hörfunkproduktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gebauer, Gunter, Prof. Dr. 13. Februar 2009, abgerufen am 11. Dezember 2018.
  2. Der Tag mit Gunter Gebauer - Was kann die Politik vom Sport lernen? Abgerufen am 11. Dezember 2018.
  3. Fußballspruch des Jahres 2015 - mit Gunter Gebauer
  4. DOSB-Ethikpreis für Professor Gunter Gebauer, Verleihung am 07.12.2018. In: Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft. 31. Mai 2018, abgerufen am 11. Dezember 2018.
  5. Dlf-Sportgespräch - "Spitzensportler sind keine Vorbilder". Abgerufen am 31. Dezember 2018.
  6. https://wdrmedien-a.akamaihd.net/medp/ondemand/weltweit/fsk0/197/1974104/1974104_23798465.mp3