Gunter Weißgerber

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Gunter Weißgerber (* 24. November 1955 in Mildenau/Erzgebirge) ist ein deutscher Politiker und gehörte in der DDR zu den Leipziger Gründungsmitgliedern der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Er vertrat diese 1990 in der freigewählten Volkskammer und war anschließend bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. 2019 trat er aus der SPD aus.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1975 an der Erweiterten Oberschule (EOS) in Borna war Weißgerber bis 1978 als Hauer im Braunkohletagebau Zwenkau tätig und leistete in dieser Zeit auch seinen Wehrdienst als Bausoldat ab. Anschließend begann er ein Studium der Tiefbohrtechnologie an der Bergakademie Freiberg, das er 1982 als Bergbauingenieur (Fachrichtung Bohrtechnik) beendete. Danach arbeitete er bis 1990 als Betriebsingenieur und Leiter der Abteilung Erkundungsbohrungen in der Außenstelle Silberschacht Auenhain des Braunkohlenwerks Borna.

Gunter Weißgerber ist verheiratet und hat vier Kinder. Er lebt als Unternehmensberater und Publizist in Leipzig.

Politisches Wirken seit der Friedlichen Revolution 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gunter Weißgerber schrieb sich zum Treffen in der Leipziger Michaeliskirche am 8. Oktober 1989 bei Michael Arnold in die Liste des Neuen Forum ein.

Am 7. November 1989 gehörte Weißgerber zu den Gründungsmitgliedern der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP) in Leipzig. Von November 1989 bis März 1990 war er für die SDP Redner auf den Leipziger Montagsdemonstrationen.[1]

Gunter Weißgerber – 1990

Von März bis Oktober 1990 gehörte er der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR an und zählte zu den 144 von der Volkskammer gewählten Abgeordneten, die am 3. Oktober 1990 Mitglied des Deutschen Bundestages wurden.

1990 zog er über die Landesliste Sachsen und danach stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Leipzig II in den Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er dort 35,3 % der Erststimmen, womit er das sachsenweit beste SPD-Einzelergebnis als Direktkandidat (ohne Landeslisten-Absicherung) erreichte. Von 1990 bis 2005 war er der Vorsitzende der Landesgruppe Sachsen in der SPD-Bundestagsfraktion. Er arbeitete im Haushaltsausschuss des Parlaments mit. 2009 kandidierte er nicht mehr für den Bundestag.[2]

Weißgerber spricht sich gegen Regierungskoalitionen der SPD mit der „SED-Nachfolge-Partei“ Die Linke aus.[3] In Anbetracht der neuen Herausforderungen an die transatlantische Sicherheitsarchitektur arbeitet Weißgerber im überparteilichen Arbeitskreis Neue Ostpolitik (AKNO) mit.[4]

Am 7. Februar 2019 trat Weißgerber aus der SPD aus. Konkreter Anlass war, seinen Angaben zufolge, eine Abmahnung der Verlagsgesellschaft Madsack[5] nach dem Erscheinen eines Beitrags im Blog Tichys Einblick, der sich kritisch mit der „Medienmacht“ der SPD beschäftigte. Weißgerber beklagte außerdem die Zerstörung früherer Grundsätze der SPD und konstatierte, die Partei würde „Freiheit nur für sich selbst beanspruchen und ihre Kritiker repressiv behandeln“. Er sei mit der SPD-Politik grundsätzlich nicht mehr einverstanden und das nicht nur vorübergehend.[6][7]

Wirken als Publizist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißgerber veröffentlichte mehrere Bücher, schreibt für die Huffington Post und ist regelmäßiger Gastautor bei der Achse des Guten.

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „...dabei gewesen...“ Von der friedlichen Revolution in den Deutschen Bundestag. Erinnerungen an bewegte Zeiten. OsirisDruck, Leipzig 2009, ISBN 978-3-941394-48-3.
  • Die DDR – ein Unrechtsstaat von Geburt an. Mit historischen Dokumenten zu Lug und Trug in der DDR-Geschichte. OsirisDruck, Leipzig 2016, ISBN 978-3-941394-54-4.
  • Die SPD und der Streit um die Auseinandersetzung mit den Erben von KPD, SED, SED-PDS, Linksaußen. Heft 01: Fünf Jahre SPD in Ostdeutschland 1989 - 1994. Eigenverlag, Leipzig 2016, ISBN 978-3-00-052833-0.
  • Spatzenfritz und Spatzengret. (Hrsg., verfasst von Dorothea Nennstiel-Deilmann), OsirisDruck, Leipzig 2016, ISBN 978-3-941394-49-0.
  • Gunter Weißgerber, Richard Schröder und Eva Quistorp: Weltoffenes Deutschland? – Zehn Thesen, die unser Land verändern, 2018, Herder, Freiburg

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gunter Weißgerber – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Achim Beier und Uwe Schwabe (Hrsg.): „Wir haben nur die Strasse“. Die Reden auf den Leipziger Montagsdemonstrationen 1989/90. Eine Dokumentation. Halle (Saale), Mitteldeutscher Verlag, 2016.
  2. Bundeswahlleiter (Memento des Originals vom 9. September 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundeswahlleiter.de
  3. Gunter Weissgerber: Essay - Was die SPD opfert, in Die Welt vom 7. Oktober 2014
  4. Vgl. z. B. Joachim Schaller: Kritik am Positionspapier der SPD Bundestagsfraktion zur aktuellen Russland Politik vom 11. Juli 2016.
  5. Stefan Niggemeier: Kein Kampf: Roland Tichy macht sich zum Opfer. In: Übermedien. 8. Februar 2019, abgerufen am 11. Februar 2019.
  6. "Das Maß ist voll": Ex-Bundestagsabgeordneter tritt aus SPD aus, Focus online, 9. Februar 2018.
  7. Gunter Weißgerber: Das Maß ist voll! Ich trete aus der SPD aus. 7. Februar 2019, abgerufen am 7. Februar 2019.