Gunter Wesener

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Gunter Wesener (* 3. Juni 1932 in Graz) ist österreichischer Rechtswissenschaftler, Rechtshistoriker und emeritierter Professor der Universität Graz.

Leben[Bearbeiten]

Gunter Weseners Familie stammt aus Recklinghausen in Westfalen, einige seiner Vorfahren waren kurkölnische Richter im Vest Recklinghausen. Stammvater der Familie ist Wolffgang Wesener (1494–1557), Schultheiß in Halle an der Saale. Ein Vorfahre im 16. Jahrhundert war der langjährige Bürgermeister von Köln und kaiserliche Rat Arnold von Siegen.

Gunter Wesener besuchte von 1942 bis 1950 das Grazer Lichtenfels-Gymnasium und studierte danach Rechtswissenschaften in Graz. Die Promotion erfolgte am 5. November 1954. Am 14. März 1959 heiratete er die gebürtige Boznerin Carmen Lintner.

Zu seinen Lehrern an der juridischen Fakultät in Graz gehörten Artur Steinwenter, Sibylle Bolla-Kotek, Max Rintelen, Walter Wilburg, Hermann Baltl und Hermann Hämmerle; zu seinen Studienkollegen gehörten Franz Bydlinski, Robert Seiler und Josef Krainer junior. Im Studienjahr 1953/54 war er wissenschaftliche Hilfskraft, danach nach Abschluss der Gerichtspraxis ab 1. April 1955 Assistent am Institut für römisches Recht an der Grazer Universität.

Die Habilitation auf Anregung von Artur Steinwenter und Hubert Niederländer erfolgte am 11. Juli 1957 mit der Arbeit „Geschichte des Erbrechtes in Österreich seit der Rezeption“ (venia für Römisches Recht und Privatrechtsgeschichte der Neuzeit). Gutachter waren Theo Mayer-Maly und Hermann Baltl. Thema des Probevortrages war die Überwindung der Selbsthilfe im römischen Recht.

1958 war Gunter Wesener Gastdozent in Heidelberg, am 16. September 1959 wurde er als Nachfolger Artur Steinwenters zum außerordentlichen, mit 25. November 1963 zum ordentlichen Professor der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Graz mit Lehrverpflichtung für Römisches Recht ernannt. Dekan der Grazer juridischen Fakultät war er im Studienjahr 1965/66 und von 1979 bis 1981. Ab 1987 war Gunter Wesener Mitglied der Kommission für die Savigny-Stiftung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (seit 1995: Kommission für Rechtsgeschichte Österreichs). Seit 1989 ist er Mitherausgeber der „Forschungen zur neueren Privatrechtsgeschichte“, seit 2011 der „Beiträge zur Rechtsgeschichte Österreichs“. Seit 1995 ist er Mitglied der international zusammengesetzten Jury für die Verleihung des „Premio romanistico internazionale Gérard Boulvert“. Seit 2009 ist er Mitglied des Comitato scientifico internazionale der Zeitschrift 'IVRA', seit 2010 auch des Comitato der Zeitschrift 'Index'. Schüler Weseners waren Herwig Stiegler, Georg Klingenberg, Johannes Michael Rainer, Evelyn Höbenreich und Martin Pennitz.

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Tätigkeit Gunter Weseners liegen im Römischen Privatrecht, beim Usus modernus pandectarum und bei der Privatrechtsgeschichte. Die in mehreren Auflagen erschienene „Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte“, eine Neubearbeitung des Werkes von Gerhard Wesenberg, war Lehrbuch für Generationen von Jusstudenten und wurde ins Spanische und Italienische übersetzt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Das Schriftenverzeichnis von Gunter Wesener umfasst in der Ausgabe der „Drei Vorträge …“ (siehe Literatur) die Seiten 58–77.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Bydlinski, Theo Mayer-Maly, Fritz Sturm: Drei Vorträge zum Privatrecht. Vorträge, gehalten bei einer von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz am 17. November 2000 anläßlich der Emeritierung von Herrn Univ. Professor Dr. Gunter Wesener veranstalteten Feier. Grazer rechts- und staatswissenschaftliche Studien. Band 58. Graz 2001. ISBN 3-7011-8973-0.
  • Georg Klingenberg: Vestigia Iuris Romani. Festschrift für Gunter Wesener zum 60. Geburtstag am 3. Juni 1992. Grazer rechts- und staatswissenschaftliche Studien. Band 49. Graz 1992. ISBN 3-7011-8964-1
  • Gunter Wesener: Erlebtes und Erstrebtes. In: Horst Wünsch: Professoren erinnern sich. In der Reihe: Publikationen aus dem Archiv der Universität Graz Band 9: Geschichte der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz, Teil 5. Graz 2008. ISBN 978-3-201-01910-1. Seiten 299–333.
  • Familienchronik Wesener, in: Deutsches Geschlechterbuch Bd. 173, Westfälisches Geschlechterbuch Bd. 4, 1976.
  • Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hrsg.): Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon. Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 978-3-205-77476-1, S. 450 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 99).

Weblinks[Bearbeiten]