Gunvor (Unternehmen)

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Gunvor Group Ltd
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Rechtsform Besloten Vennootschap (B.V.)
Gründung 1997
Sitz Amsterdam, Niederlande/Genf, Schweiz
Leitung Torbjörn Törnqvist
Mitarbeiter 2.500 (2012)
Umsatz 93,1 Mrd. US-$ (2012)[1]
Gewinn 301 Mio. US-$ (2012)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Branche Rohstoffhandel
Produkte Öl- und RohstoffhandelVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.gunvorgroup.com

Gunvor Group Ltd ist eine in Nikosia auf Zypern registriertes Ölhandelsunternehmen mit Sitz in Amsterdam, Genf und Singapur. Gunvor ist in den Bereichen Handel, Transport, Lagerung und Optimierung von Erdöl und Erdölerzeugnissen tätig und besitzt daneben substanzielle Beteiligungen an Ölterminals, Misch- und Hafenanlagen, Ölpipelines und Förderprojekten.

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Die Tätigkeit der Firma besteht im Wesentlichen aus „Upstream“-Aktivitäten für die Rohölversorgung der Märkte über Pipelines und Öltanker. Seit 2007 bzw. 2004 bestehen in Genf je eine Zweigniederlassung. Als eines der weltweit größten Unternehmen zum Handel mit Öl und Gas vertreibt Gunvor Förderungen von Unternehmen wie Surgutneftegas, Rosneft und Gasprom außerhalb Russlands. Im Jahr 2007 soll diese Menge 83 Millionen Tonnen betragen haben. Damit ist Gunvor hinter Vitol, Glencore und Trafigura der viertgrößte Ölhandelshaus weltweit.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der schwedische Unternehmer Torbjörn Törnqvist und sein russischer Partner Gennadi Timtschenko gründeten 1997 das Unternehmen. Kurz vor Inkrafttreten westlicher Sanktionen gegen Russland im Verlauf der Krimkrise, in deren Rahmen auch Timtschenko namentlich als Betroffener genannt wurde, verkaufte dieser im März 2014 seinen Anteil an Torbjörn Törnqvist, der somit seither rund 87 % der Anteile hält; die verbleibenden 13% werden von leitenden Mitarbeitern gehalten.[2]

Im Jahre 2003 begann das Unternehmen mit seiner Tätigkeit in Genf.[3] Nach Angaben der Financial Times war Gunvor bis 2007 ein "Nischenplayer"[4] mit Fokussierung auf den Export von russischem Öl durch Estland, wobei es sich auf das Knowhow der beiden Gründer im Erdölgeschäft, auf den russischen Märkten und im Transitverkehr stützt.

Gunvor tätigte auch Investitionen in Öllager, Bahntransport sowie Hafenanlagen und Terminals und sicherte sich nach Angaben Tornqvists[5] einen "Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern". Gemäß der Unternehmenswebsite unterhält Gunvor Beziehungen zu einem auf den Öltransport spezialisierten Bahntransportunternehmen (Transoil) und betreibt im Leasing eine Tankerflotte, was dem Unternehmen erlaubt, die Kosten tief zu halten und die Gewinnmargen zu verteilen.[Zitat erforderlich]. Gunvor besitzt eine eigene Schifffahrtsgesellschaft, die Clearlake Shipping Ltd, über die im Jahr 2006 30 % des baltischen Rohöls (20,5 Mio. Tonnen) verschifft wurden[6]. Gemäß Nefte Compass wuchsen die russischen Ölexporte durch Gunvor im Zeitraum Februar 2002 bis Februar 2008 um das Sechzehnfache. Die Gesellschaft kontrolliert 60 % des Volumens, das durch Estland befördert wird, und 41 % dieser Transitmenge über den Hafen von Primorsk (Leningrad). Der Konzern hat erhebliche Investitionen in Einrichtungen wie Ölterminals und Raffinerien getätigt; auch am Ölterminal von Ust-Luga bei Sankt Petersburg ist Gunvor beteiligt.[7]. Der jährliche Mengendurchsatz dieses Terminals dürfte 25 Millionen metrische Tonnen erreichen. Der gesamte Investitionsbetrag ab Baubeginn im Jahr 2008 belief sich auf 800 Millionen US-Dollar. Die neue BPS-2-Pipeline, die nicht über die Ukraine und Belarus geführt werden soll, wird Unecha via die Druschba-Pipeline nach Ust-Luga verbinden, wo das Öl via Tanker ausgeführt wird.[8] Im September 2009 investierte Gunvor mit dem Erwerb einer 30%igen Beteiligung am Lagansky-Block im Kaspischen Meer von Lundin Petroleum erstmals direkt in die Erdölförderung. Dieses Ölfeld enthält nachgewiesene Reserven von mehr als 230 Millionen Fass.[9]

2012 erwarb Gunvor die Raffinerien der insolventen Petroplus in Antwerpen und Ingolstadt.

Kontroversen[Bearbeiten]

Gennadi Timtschenko gilt als ein Bekannter von Wladimir Putin, der nach Darstellung verschiedener Medien in den 1980er Jahren ebenfalls in der Abteilung für Auslandsspionage des KGB arbeitete. Die zahlreichen Vorwürfe, dass Timtschenko für den KGB gearbeitet habe, haben er und sein früherer Partner, der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Andrej Pannikow, stets dementiert.[10]

Am 12. November 2007 gab der russische Politologe Stanislaw Belkowski in einem international viel beachteten Interview mit der Tageszeitung Die Welt an, dass Putin durch Timtschenko an Gunvor beteiligt sein soll.[11] Putin hat jedoch mehrfach bestritten, mit Gunvor verbunden zu sein oder beim Aufstieg der Firma irgendeine Rolle gespielt zu haben.[12][13]

Die Wochenzeitung aus Zürich berichtete im Dezember 2011, dass der US-Botschafter in Russland, John Beyrle, im September 2008 in einem 2011 von WikiLeaks veröffentlichten Bericht nach Washington Putin als Miteigentümer von Gunvor bezeichnet habe.[14] 2012 legte der Economist ein Dossier zum Marktverhalten von Gunvor im Ölhandel vor. Demzufolge habe Gunvor zwischen 2005 und 2009 den Marktpreis für Urals-Öl manipuliert.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Gunvor сливает нефть
  2. Gunvor Ensures Continued Operations. Pressemitteilung von Gunvor. 20. März 2014, abgerufen am 21. März 2014 (englisch).
  3. Leo Müller: Ölhandel: Die Stadt, das Öl und das Geld. In: Capital. 12. Februar 2009. Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  4. "How Gunvor rose to the top of Russian oil trading" In: Financial Times
  5. in einem Interview mit der Financial Times 'How Gunvor rose to the top of Russian Oil trading', 14 May 2008
  6. Riverlake Group: 'Who is the Tsar of Baltic oil', 19. Januar 2007
  7. Energy Intelligence: 'Gunvor delays Ust-Luga launch, moves into coal trading', 8 December 2009
  8. Reuters: 'Reuters sells Russia Baltic oil terminal to Transneft', 8. September 2009
  9. Lundin partners with Gunvor in the Lagansky Block. lundin-petroleum.com. 2. September 2009. Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  10. Luke Harding: Russian billionaire drops libel case against Economist (englisch). In: The Guardian, 30. Juli 2009. Abgerufen am 17. Dezember 2011. 
  11. "Man sollte die aktive Rolle Putins nicht überschätzen" In: Die Welt vom 12. November 2007, Onlineausgabe
  12. "Oil Trading Group Gunvor Denies Putin Links" In: Financial Times vom 3. Dezember 2010 (englisch)
  13. "Putin Denies Aiding Oil Trader" In: Financial Times vom 28. September 2011 (englisch)
  14. Teures Öl und eine billige Armbanduhr. In: Die Wochenzeitung vom 8. Dezember 2011
  15. Riddles, mysteries and enigmas. In: The Economist vom 5. Mai 2012.