Gunzenhausen

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Dieser Artikel behandelt Gunzenhausen in Mittelfranken; zu Gunzenhausen in Baden-Württemberg siehe Gunzenhausen (Ostrach).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gunzenhausen
Gunzenhausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gunzenhausen hervorgehoben
49.11472222222210.754166666667416Koordinaten: 49° 7′ N, 10° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Mittelfranken
Landkreis: Weißenburg-Gunzenhausen
Höhe: 416 m ü. NHN
Fläche: 82,73 km²
Einwohner: 16.222 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 196 Einwohner je km²
Postleitzahl: 91710
Vorwahlen: 09831, 09836 (Cronheim, Nordstetten, Oberhambach, Unterhambach)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: WUG, GUN
Gemeindeschlüssel: 09 5 77 136
Stadtgliederung: 34 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktplatz 23
91710 Gunzenhausen
Webpräsenz: www.gunzenhausen.de
Bürgermeister: Karl-Heinz Fitz (CSU)
Lage der Stadt Gunzenhausen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen
Gunzenhausen Absberg Alesheim Muhr am See Bergen (Mittelfranken) Burgsalach Dittenheim Ettenstatt Haundorf Heidenheim (Mittelfranken) Höttingen Langenaltheim Markt Berolzheim Meinheim Nennslingen Pappenheim Pfofeld Polsingen Solnhofen Theilenhofen Treuchtlingen Weißenburg in Bayern Westheim (Mittelfranken) Raitenbuch Pleinfeld Gnotzheim Ellingen Landkreis Donau-Ries Landkreis Roth Landkreis Ansbach Landkreis EichstättKarte
Über dieses Bild

Gunzenhausen ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Der staatlich anerkannte Erholungsort liegt am Altmühlsee. Mit etwa 16.000 Einwohnern ist Gunzenhausen die zweitgrößte, mit einer Fläche von 82,73 Quadratkilometern drittgrößte Gemeinde des Landkreises.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Gunzenhausen liegt im Nordwesten des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen in der Region Westmittelfranken mitten im Fränkischen Seenland, südöstlich des Altmühlsees. Die Stadt liegt auf einer Höhe von 416 Metern über NHN. Durch die Stadt fließt die Altmühl. Weitere natürliche Fließgewässer sind etwa der Wurmbach und der Hambach. Im Zuge der Entstehung des Fränkischen Seenlands wurde nördlich von Gunzenhausen der Altmühlsee angestaut. Der See bekommt sein Wasser über den Altmühlzuleiter und gibt über die Altmühl und den Altmühlüberleiter ab. Nördlich von Gunzenhausen liegen einige Weiher wie der Schnackenweiher. Das Gebiet der Stadt Gunzenhausen ist von Hügeln und Wiesen geprägt. Neben dem Cronheimer Wald liegen im Gebiet der Stadt Ausläufer des Unteren Waldes, des Haundorfer Waldes und des Gräfensteinberger Waldes. Im äußersten Norden liegt das Feuchtgebiet Wiesmet. Zu den Erhebungen gehören der Wurmbacher Berg, der Bühl und der Büchelberg. Im Westen verläuft die Grenze zum Landkreis Ansbach. Teilweise auf Stadtgebiet liegt das Naturschutzgebiet Vogelfreistätte Flachwasser- und Inselzone im Altmühlsee. Im Süden des Altmühlsees liegt die Hirteninsel. In Gunzenhausen wurde der erste Geodätische Referenzpunkt Bayerns zur Ermittlung geographischer Koordinaten aufgestellt.[2]

Die Nachbargemeinden sind:

Arberg Muhr am See, Haundorf, Ornbau, Arberg Haundorf
Arberg, Unterer Wald (gemeindefreies Gebiet) Nachbargemeinden Pfofeld, Theilenhofen
Wassertrüdingen, Unterschwaningen Gnotzheim Dittenheim

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Gunzenhausen besteht aus 34 amtlichen Ortsteilen:[3]

Es existieren die Gemarkungen Cronheim Aha, Frickenfelden, Pflaumfeld, Laubenzedel, Nordstetten, Oberasbach, Stetten, Unterwurmbach und Wald. Ferner existieren die nicht als amtliche Ortsteile anerkannten Wohnplätze Unterhambacher Mühle, Leonhardsruh und Fischhaus.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichtliche Funde[Bearbeiten]

Zahlreiche Ausgrabungsfunde im Bereich der Stadt belegen die Besiedlung bereits zu vorgeschichtlicher Zeit.

Numeruskastell am Limes[Bearbeiten]

→ Siehe Hauptartikel: Kastell Gunzenhausen

Wachtturmfundament am Schlossbuck

Um 90 n. Chr. besetzten die Römer die bis dahin von den Kelten bewohnten Gebiete nördlich der Donau und drangen bis in die Gegend um Gunzenhausen vor. Zur Kontrolle und Sicherung der Grenze der in das Römische Reich eingegliederten Gebiete wurde hier ein Numeruskastell am Limes errichtet. Die von Nordwesten einfallenden Alemannen zerstörten die Anlagen um 241 n. Chr.

Von der ersten urkundlichen Erwähnung bis 1806[Bearbeiten]

Ehemaliges Wappen (bis 1937)

Eine Urkunde aus dem Jahr 823 liefert den ersten verlässlichen schriftlichen Hinweis auf Gunzenhausen: Kaiser Ludwig der Fromme übereignete das Kloster Gunzinhusir dem Reichskloster Ellwangen. Im Mittelalter belehnten die Ellwanger Äbte zunächst die Adelsfamilien der Truhendinger und Oettinger mit Gunzenhausen, bis die Herrschaft 1349 schließlich an Burkhard von Seckendorff überging. 1368 erwarb Burggraf Friedrich von Nürnberg die Stadt, die dadurch in den Besitz der Hohenzollern wechselte. Die Stadt erhielt nun erstmals das Recht zur Abhaltung von Jahrmärkten, die Erlaubnis zum Bau umfangreicher Befestigungsanlagen mit Stadtmauer, Türmen und Graben sowie der großen Stadtkirche und gelangte somit gleich in den ersten Jahrzehnten der Hohenzollern-Herrschaft zu einer ersten Blütezeit.

Es war die Hohenzollern-Nebenlinie der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach, die die Territorien um Gunzenhausen besaß und regierte. Architektonisch prägte der absolutistische Fürst Karl Wilhelm Friedrich (1712–1757), genannt auch der Wilde Markgraf, der Gunzenhausen zu seiner persönlichen Residenz ausbaute, das barocke Bild der Stadt im 18. Jahrhundert.

Am Ende des Alten Reiches fiel Gunzenhausen, das ab 1500 im Fränkischen Reichskreis lag, 1806 an das Königreich Bayern.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Westmittelfranken war eine strukturschwache Agrarregion mit meist kleinbäuerlichen Höfen, einer überwiegend protestantischen Bevölkerung und in zahlreichen Orten hohem relativ hohen Anteil an jüdischer Bevölkerung. In Gunzenhausen lebten 1933 bei einer Gesamtbevölkerung von 5686 Bewohnern 184 Bürger jüdischen Glaubens. Der mittelfränkische Protestantismus besaß eine große Affinität zum Nationalsozialismus. Die NSDAP war in Mittelfranken unter ihrem Gauleiter Julius Streicher gegen Ende der 1920er Jahre sehr stark geworden. Sie agitierte permanent mit zahlreichen Ansprachen, Massenkundgebungen und SA-Aufmärschen. Fast die gesamte Auflage der antisemitischen Zeitung Der Stürmer wurde bis 1933 in Mittelfranken verkauft.[4] Die NSDAP erzielte hier bei Wahlen überdurchschnittliche Ergebnisse: 1930 waren es bereits 35 % (gegenüber knapp 19 Prozent im Reichsdurchschnitt), 1932 66 % der Stimmen, am 6. März 1933 kam die NSDAP auf 67, 5 % gegenüber dem Reichsdurchschnitt von 43,9 %. In der Diskriminierung der jüdischen Bevölkerung tat sich die damalige Kreisstadt und ihre Umgebung hervor. Der Bürgermeister Heinrich Münch, 1927 noch parteilos ab 1932 NSDAP-Mitglied war ein engagierter Repräsentant des Nazi-Regimes. 1934 schrieb er an Goebbels: „Ein großer Tell des Wirtschaftslebens ...befindet sich in jüdischen Händen...Politisch sind die Juden von jeher Demokraten.“[5] Der Finanzbeamte Johann Appler war ein weit über die Kreisgrenzen bekannter Antisemit und wurde der Kreisleiter des NSDAP. [6] Unter nationalsozialistischer Führung wurde in Gunzenhausen im April 1933 das erste Hitler-Denkmal des Deutschen Reiches errichtet, und der Völkische Beobachter bezeichnete Gunzenhausen als den „besten Bezirk".[7] Auch das Diakonissen-Mutterhaus Hensoltshöhe suchte nicht nur mit seinem Engagement für die Deutschen Christen die Nähe zum Regime.[8] Man pflegte auch eine enge Beziehung zu Julius Streicher, der dort häufiger und gern bewirteter Gast war.

Schon im März 1933 verprügelten SA-Angehörige den Gastwirt Simon Strauss und seinen Sohn Julius. Im März 1934 schlugen SA-Männer einen jüdischen Bürger krankenhausreif, der sich beim Bürgermeister Münch über Angriffe auf Leben und Gut beschwert hatte. [9] Am Palmsonntag, den 25. März 1934 kam es in Gunzenhausen zu einem der ersten Judenpogrome in Deutschland nach der „Machtergreifung“. Über den Übergriff wurde weltweit in der Presse berichtet: New York Times, Manchester Guardian und das Neue Wiener Journal schrieben über die von mehreren hundert Gunzenhausenern begleiteten Gewaltakte der SA, welche die Ansbacher Richter im folgenden Prozess als „reinigendes Gewitter“ verharmlosten.[10] Zwei jüdische Bewohner, der 65-jährige Privatier Max Rosenau und der 30-jährige Kaufmann Jakob Rosenfelder, kamen unter bis heute nicht geklärten Umständen ums Leben. 24 SA-Mitglieder, die sich an den Ausschreitungen beteiligt hatten, wurden von der NS-Justiz freigesprochen und später von der Bundesrepublik amnestiert.[11][12] Der Hauptinitiator des Pogroms, SA-Obersturmführer Kurt Bär, erschoss im selben Jahr, bereits einen Monat nach seiner Verurteilung, einen jüdischen Gastwirt und verletzte dessen Sohn schwer. Beide hatten vor dem Landgericht Ansbach gegen ihn ausgesagt. Bär wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, jedoch bereits nach drei Jahren begnadigt.

Einen Tag vor der Reichspogromnacht 1938 kaufte die Stadt der israelitischen Kultusgemeinde die Synagoge ab, so blieb sie auf Intervention des Feuerwehrleiters als städtischer Besitz von einer Brandschatzung verschont. Symbolisch stürzte man eine Woche später die Kuppeln herab. Auch der Jüdische Friedhof an der Leonhardsruhstraße wurde geschändet und weitgehend zerstört, die Reste wurden 1948 instand gesetzt, woran ein Gedenkstein erinnert.[13] Anfang November 1938 sollen noch 64 jüdische Bürger in Gunzenhausen gelebt haben. Im Januar 1939 folgte die Erklärung zur judenfreien Stadt. Die Synagoge wurde bis zu ihrem Abriss 1981 gewerblich genutzt.[14]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Im Zuge der Gemeindegebietsreform kamen insgesamt 18 bis dahin selbständige Gemeinden zu Gunzenhausen. Am 1. April 1971 wurden die Gemeinden Cronheim, Laubenzedel, Nordstetten, Pflaumfeld, Schlungenhof, Stetten, Streudorf, Unterasbach, Unterwurmbach und Wald eingegliedert. Am 1. Juli 1971 kam Oberasbach hinzu.[15] Büchelberg folgte am 1. Januar 1978. Aha und Frickenfelden schlossen die Reihe der Eingemeindungen am 1. Mai 1978 ab.[16]

Politik[Bearbeiten]

Stadtratswahl 2014
Wahlbeteiligung: 57,4 %
 %
50
40
30
20
10
0
42,6
31,1
12,3
10,0
4,1
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+4,7
+4,0
+1,6
-7,8
-2,4
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Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat ist die kommunale Volksvertretung der Stadt Gunzenhausen. Über die Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle sechs Jahre. Die letzte Wahl fand am 16. März 2014 statt.

Sitzverteilung 2014 im Stadtrat
     
Von 24 Sitzen entfallen auf:

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 16. März 2014 wurde Karl-Heinz Fitz (CSU) mit 50,5 % der gültigen Stimmen gewählt. Er löste damit Joachim Federschmidt (SPD) ab, der bei dieser Wahl nur knapp mit 49,5 % unterlag.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Gunzenhausen unterhält Partnerschaften mit dem französischen Isle im Limousin (seit 1985) und mit dem US-amerikanischen Frankenmuth in Michigan (seit 1962).

1954 wurde die Patenschaft für die heimatvertriebenen Sudetendeutschen aus der Stadt Weipert im Erzgebirge übernommen, 1996 für die Gemeinde Auschowitz im Kreis Marienbad.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Evangelische Stadtkirche (Marienkirche)[Bearbeiten]

Die spätgotische evangelische Stadtkirche St. Maria (1448–1496) steht auf Grundmauern eines romanischen Vorgängerbaus auf dem Areal des ehemaligen Römer-Kastells und birgt mittelalterliche Fresken, insbesondere ein großflächiges Christophorus-Wandgemälde. Aus gotischer Zeit erhalten ist zudem das Grabmal des Ritters Paul von Absberg († 1503) mit einem dem Ritter zu Füßen liegenden Hund als Attribut, der heute als Kiri der Kirchenhund die Touristen-Flyer ziert. Nach Umgestaltungen im 18. Jahrhundert prägen ein Kruzifix vor dem Triumphbogen sowie eine Kanzel nach Entwürfen des markgräflichen Hofbildhauers Giuseppe Volpini die Inneneinrichtung. Die Chorfenster gestaltete Hans Gottfried von Stockhausen 1990 in leuchtenden Farben, die einen besonderen Kontrast zur historischen Ausstattung bewirken.

Spitalkirche[Bearbeiten]

Die Heilig-Geist-Kirche (Spitalkirche) wurde 1352 von Ritter Burkhard von Seckendorff gestiftet; umgebaut im Stil des Barock, u. a. mit reichhaltiger Stuckdecke, wurde sie 1701. Der mittelalterliche Spitalbau brannte im Dreißigjährigen Krieg ab. Ein Neubau von 1761 nach Plänen von Johann David Steingruber war bis 1969 Altenheim und nach Umbau 1980 Jugendzentrum. Ein Modell an der Außenwand der Spitalkirche dokumentiert das Aussehen des gesamten Komplexes um 1728. Mitten durch das Areal verlief einst der Limes mit einem Wachtturm. Auf dessen Überresten hatte in diesem Bereich im 13. Jahrhundert die Stadtburg der Grafen von Truhendingen gestanden, die nach dem Aussterben des Geschlechts im 16. Jahrhundert verfiel und von der nichts erhalten ist.

Katholische Stadtpfarrkirche St. Marien[Bearbeiten]

Katholische Stadtpfarrkirche St. Marien, von Westen

Am 1. Mai 1960 wurde die katholische Marienkirche durch den Eichstätter Bischof Joseph Schröffer eingeweiht. Sie hat das Patrozinium Mariä unbefleckte Empfängnis. Erbaut wurde sie von dem Ingolstädter Architekten Josef Elfinger aus Kalkgestein des Altmühljuras. Sie löste einen neugotischen Vorgängerbau ab, der an gleicher Stelle erst 1875 errichtet, aber für die nach dem Zweiten Weltkrieg stark angewachsene katholische Bevölkerung zu klein geworden war. Im Grundriss ist die Kirche als quadratischer Raum von 25 Metern Seitenlänge konzipiert. Im Osten liegt ein halbrunder Baukörper an, der den Chor, eine Sakramentskapelle, eine Taufkapelle, die Sakristei und Nebenräume umfasst. Im Westen ist ein offenes Atrium mit einem markanten, freistehenden Glockenturm zur Straße hin angefügt. Kirchenschiff und Chor besitzen dieselbe Höhe und werden mit einer schräg gestellten Decke aus Betonrippen überspannt. Ein Oberlicht beschränkt sich auf den Chorbereich, der dadurch besonders hervorgehoben wird. Die Raumwirkung ist geprägt durch das Zusammenwirken von Stahlbeton und Kalkstein sowie durch die stimmungsvolle Lichtführung aus Oberlicht und großer Fensterfläche mit Glasmalereien an der Südseite.

Der Hochaltar von Blasius Gerg aus Unterhaching ist aus einem Muschelkalkblock herausgearbeitet und mit einem Tiefenrelief verziert, das Christus im Symbol des Osterlamms darstellt. Über dem Altar hängt ein wertvolles spätgotisches Holzkruzifix (um 1520) eines fränkischen Meisters in neuer Fassung. Die Chorwand schmückt ein 14 Quadratmeter großer Wandteppich mit Szenen aus dem Leben Mariens. Ein vergoldeter Tabernakel ist mit ungeschliffenem Bergkristall und grünem Diabas in Kreuzform verziert, ein symbolischer Hinweis auf den verklärten Christus. Blasius Gerg gestaltete auch einen Doppelengel an der Nordwand der Kirche. Auf der Innenseite hält er einen Fisch, auf der Außenseite der Kirche Ähren in seinen Händen. Ebenfalls von ihm stammt Ambo aus Eisenguss, der den predigenden Christus zeigt. Die große Glaswand im Süden ist ein Werk von Max Wendl aus Prien und stellt Szenen aus dem Kreuzweg dar. Die beiden Fensterfelder im Südwesten, die Kreuzigung und Auferstehung darstellen wurden 1977/78 von Alpheda Puluj-Hohenthal ergänzt. Alle Glasfenster stammen aus der Waldsassener Glashütte Lamberts & Co. Max Wendl schuf auch die Glasbilder für die Nordwand mit Bezügen zur Lauretanischen Litanei, für die Sakramentskapelle mit Bezügen zur Eucharistie und in der Taufkapelle mit Bezügen zum Taufgeheimnis. Die Orgel aus der Werkstatt von Orgelbau Sandtner mit 20 Registern stammt von 1974. Darunter ist etwas versteckt eine Kriegergedächtniskapelle eingefügt.[17][18][19]

Weiteres[Bearbeiten]

  • Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind ein Stück des Wehrgangs sowie drei Türme erhalten: Blasturm (15. Jahrhundert), Färberturm (um 1300) und Storchenturm (um 1450). Der Blasturm, 1466 erbaut und 1603 aufgestockt, erhielt seinen Namen durch die Tatsache, dass früher an Feiertagen die Stadtkapelle ihre Festchoräle und der städtische Musikmeister seine Kirchenlieder vom Turm erklingen ließen. Der Färberturm (auch Diebsturm genannt) gehörte zu dem 1827 abgebrochenen Weißenburger Tor. Der Storchenturm (auch Drei-Brüder-Turm genannt) wurde im Dreißigjährigen Krieg schwer beschädigt und im 18. Jahrhundert zu einem Wohnhaus umgestaltet; er befindet sich heute in Privatbesitz.
  • Den historischen Marktplatz prägen bedeutende Barockbauten, die in der Regierungszeit des Wilden Markgrafen entweder entstanden oder ihr heutiges Aussehen erhielten: Das heutige Rathaus (seit 1974 in dieser Funktion), ein ursprünglich im 16. Jahrhundert aus zwei separaten Gebäuden zusammengefügter Komplex, war seine Residenz, in der er 1757 starb. Aus derselben Ära stammen die Stadtvogtei (1749/50 errichtet), das ehemalige Amtshaus am Marktplatz (1726, seit 1805 Stadtapotheke), das Palais Heydenab (Wohnsitz eines markgräflichen Oberamtmanns, heute eine Bank) sowie das Zocha-Palais (heute Stadtmuseum).
  • Das ehemalige Jagdschloss des Wilden Markgrafen (1749) mit großzügig angelegtem Hofgarten und historischem Baumbestand befindet sich oberhalb des Stadtkerns und wird seit 1982 als Haus des Gastes für Veranstaltungen genutzt.
  • Mehrere Fachwerkstadel verteilen sich vereinzelt auf das Stadtbild. Der auffälligste, den sich 1753 ein Korporal des Wilden Markgrafen errichten ließ, befindet sich nahe der Altmühl. Hier sind heute erzgebirgliche Exponate von Gunzenhausens Partnerstadt Vejprty (deutsch Weipert) untergebracht.
  • Reste des Limes (UNESCO-Weltkulturerbe seit 2005) sind im Burgstallwald östlich der Stadt 1980 restauriert worden. Ein dokumentierter Wanderweg führt zu einem rekonstruierten Palisadenzaun und Wachtturm.
  • Die Altmühlpromenade und der Altmühlsee sind im Sommer ein beliebtes Freizeitgelände. Zu diesem gehören auch die Sport- und Freizeitbäder Waldbad am Limes und Solebad Juramare.
  • Gunzenhausen beherbergt ein sogenanntes Bunkerkrankenhaus, um bei einem nuklearen Angriff Patienten versorgen zu können. Es wurde 1965 gebaut und kann besichtigt werden.[20]

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Siehe hierzu Liste der Baudenkmäler in Gunzenhausen.

Museen[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof Gunzenhausen liegt an den Bahnstrecken Treuchtlingen–Würzburg, Gunzenhausen–Pleinfeld und Nördlingen–Gunzenhausen. Auf der letztgenannten verkehren nur Museumsbahnen und Güterzüge. Weiterhin liegt Gunzenhausen an den Bundesstraßen 13 und 466. Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg sichergestellt.

Durch die Stadt verlaufen die folgenden Radfernwege:

Östlich gibt es einen kleinen Sonderlandeplatz, den Flugplatz Gunzenhausen-Reutberg mit asphaltierter Rollbahn. Von dort sind touristische Rundflüge über das Fränkische Seenland möglich.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Schaeffler Werk Gunzenhausen, ehemals GMN, (Automobilzulieferer Motorkomponenten)
  • Sitz der 1851 in Leipzig gegründeten Feurich Klavier- und Flügelfabrikation
  • Hauptsitz des international tätigen Kesselherstellers nun Bosch Industriekessel, ehemals Loos International
  • Hauptsitz der Internet-Hosting-Gesellschaft Hetzner Online GmbH
  • Hauptsitz Pressmetall Gunzenhausen [PMG] GmbH & Co. KG (Automobilzulieferer)
  • Müller + Ziegler GmbH & Co. KG, Fabrik für elektrische Messgeräte
  • Kaspar Lüther GmbH & Co. KG, Zinkdruckgusserzeugnisse sowie Dreh- und Frästeile

Medien[Bearbeiten]

Im Stadtgebiet erscheint u.a. das wöchentliche Anzeigenblatt Stadtzeitung Weißenburg. Die örtliche Tageszeitung ist der 1849 gegründete Altmühl-Bote.

Schulen[Bearbeiten]

Bibliotheken[Bearbeiten]

Krankenhaus[Bearbeiten]

Das Kreiskrankenhaus Gunzenhausen befindet sich im südlichen Teil von Gunzenhausen am Reutberg. Sie gehört zusammen mit dem Kreiskrankenhaus in Weißenburg zum Klinikum Altmühlfranken.

Persönlichkeiten der Stadt[Bearbeiten]

in Gunzenhausen geboren[Bearbeiten]

in Gunzenhausen wirkend[Bearbeiten]

  • Heinrich Stephani (1761–1850), Theologe und Pädagoge; Dekan in Gunzenhausen
  • Heinrich Eidam (1849–1934), Obermedizinalrat und Limesforscher
  • Johann Appler (1892–1978), Reichstagsabgeordneter; Bürgermeister von Gunzenhausen in der Zeit des Nationalsozialismus
  • Ernst Lechner (1925–2013), ehemaliger Landtagsabgeordneter und Vizepräsident des Bayerischen Landtages
  • Ingo Friedrich (* 1942), Vizepräsident des Europäischen Parlaments; lebt in Gunzenhausen
  • J. D. Salinger (1919–2010), US-amerikanischer Schriftsteller; war nach dem Zweiten Weltkrieg als Mitarbeiter des US-Nachrichtendienstes in Gunzenhausen eingesetzt[21]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Medicus: Heimat. Eine Suche. Rowohlt, Berlin 2014. (Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ))[22]
  • Werner Mühlhäußer: Gunzenhausen, Sutton, Erfurt 2003. ISBN 978-3-89702-538-7.
  • Johann Schrenk: Chronik der Stadt Gunzenhausen, Bd. 1 Vor- und Frühgeschichte, Gunzenhausen 1996, ISBN 3-924270-28-7.
  • Johann Schrenk: Gunzenhausen – Zentrum des Fränkischen Seenlandes, Gunzenhausen 2008, ISBN 978-3-924270-35-3.
  • Johann Schrenk, Karl Friedrich Zink: Gottes Häuser. Kirchenführer Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Hrsg. in Zusammenarbeit mit den Evang.-Luth. Dekanaten Gunzenhausen.., Treuchtlingen 2008, ISBN 978-3-934145-64-1.
  • Heike Tagsold, Hrsg.: »Was brauchen wir einen Befehl, wenn es gegen Juden geht?« Das Pogrom von Gunzenhausen 1934. Antogo Verlag, Nürnberg 2006, ISBN 3-938286-04-0, (Hefte zur Regionalgeschichte Nr. 4 des Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts e.V.)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gunzenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Geodätischer Referenzpunkt Gunzenhausen, Bayerische Vermessungsverwaltung, abgerufen am 17. August 2015
  3. Bayerische Landesbibliothek Online
  4. Gunnar Beutner: Das Pogrom von Gunzenhausen 1934 - Anfänge des NS-Terrors in Westmittelfranken. In Heike Tagsold, Hrsg.: »Was brauchen wir einen Befehl, wenn es gegen Juden geht?« Das Pogrom von Gunzenhausen 1934. Antogo Verlag, Nürnberg 2006, ISBN 3-938286-04-0, (Hefte zur Regionalgeschichte Nr. 4 des Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts e.V.), S. 9f.
  5. Gunnar Beutner: Das Pogrom von Gunzenhausen 1934 - Anfänge des NS-Terrors in Westmittelfranken. In Heike Tagsold, Hrsg.: »Was brauchen wir einen Befehl, wenn es gegen Juden geht?« Das Pogrom von Gunzenhausen 1934. Nürnberg 2006, S 10.
  6. Wolfram Selig: Pogrom von Gunzenhausen. In Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. K.G. Saur, 2011, ISBN 3110255146, S. 274ff..
  7. Gunzenhausener Gymnasiasten fassten heißes Eisen an. Noch immer eine Straße nach Nazi-Bürgermeister benannt. In: Altmühl-Bote, 28. Juni 2003
  8. Gunzenhausener Gymnasiasten fassten heißes Eisen an. Noch immer eine Straße nach Nazi-Bürgermeister benannt. In: Altmühl-Bote, 28. Juni 2003
  9. Wolfram Selig: Pogrom von Gunzenhausen. In Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus Band 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. K.G. Saur, 2011, ISBN 3110255146, S. 275.
  10. Werner Falk: Ein früher Hass auf Juden in Nürnberger Nachrichten vom 25. März 2009 online [1] abgerufen 25. Januar 2015.
  11. Peter Zinke: Der Strick mit dem Knoten: Das Palmsonntagspogrom. Artikel auf hagalil.de. 23. März 2006, abgerufen am 25. September 2011.
  12. Thomas Medicus: Heimat. Eine Suche. Rowohlt, Berlin 2014
  13. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 144
  14. Stephanie-Mittelschule-Gunzenhausen: Jüdisches Leben in Gunzenhausen (bebildert)
  15.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 477.
  16.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 730.
  17. Festschrift "100 Jahre Katholische Pfarrgemeinde St. Marien zu Gunzenhausen 1997", hrsg. Katholisches Pfarramt Gunzenhausen
  18. Kunstführer Nr. 745, hrsg. Schnell und Steiner, München und Zürich 1961
  19. Schrenk/Zink, Gotteshäuser, 88
  20. http://www.welt.de/geschichte/article141869418/Der-letzte-Bunker-fuer-die-Opfer-des-Atomkriegs.html
  21. Gunzenhausens heimlicher Held, Artikel auf faz.de
  22. Cord Aschenbrenner: Ein fränkisches Städtchen und ein Pogrom. NZZ 25. Juni 2014 online [2] abgerufen 25. Januar 2015.