Kuomintang

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中國國民黨
Zhōngguó Guómíndǎng
Nationale Volkspartei Chinas
Parteiemblem
Partei­vorsitzender Wu Den-yih
General­sekretär Tseng Yung-chuan
Gründung 25. August 1912
Haupt­sitz Taipei
Zeitung Central Daily News,
Kuomintang News Network
Aus­richtung Drei Prinzipien des Volkes,
Konservatismus, Nationalismus,
Antikommunismus,
historisch: Chinesischer Sozialismus
Farbe(n) Blau
Parlamentssitze
35/113
Mitglieder­zahl offiziell 1,05 Mio., aktiv ca. 350.000 (Januar 2015)[1][2]
Website www.kmt.org.tw

Die Kuomintang Chinas (KMT; chinesisch 中國國民黨, Pinyin Zhōngguó Guómíndǎng, W.-G. Chungkuo Kuomintang ‚Nationale Volkspartei Chinas‘)[3], nach der heute weit verbreiteten Pinyin-Transkription auch vermehrt Guomindang Chinas geschrieben, ist eine Partei der Republik China (Taiwan).

Sie begründete 1912 die erste Republik China (1912–1949), errang 1928 die Chinesische Wiedervereinigung und stellte als international anerkannte Regierung nach außen bis 1946 die einzig relevante politische Kraft des Landes dar. Im Zuge des Chinesischen Bürgerkriegs zog sich die Kuomintang 1949 nach Taiwan zurück, wo sie die Republik China formell fortführte und bis 1990 regierte. Heute ist sie als Partei ein Teil des demokratischen Mehrparteiensystems des taiwanesischen Inselstaates.

Entwicklung bis 1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sun Yat-sen (1911)

Die Nationale Volkspartei Chinas (Kuomintang, kurz KMT) wurde am 12. August 1912 von Sun Yat-sen aus zahlreichen kleineren politischen Gruppierungen, wie der Huaxinghui und Tongmenghui, in Peking gegründet.[4] Sun Yat-sen propagierte unter anderem die Übernahme westlicher Werte, westlicher Demokratie, Religionsfreiheit, Gleichstellung der Geschlechter sowie die Beendigung der Politik der offenen Tür.[5]

Heute ist Sun Yat-sen der einzige chinesische Politiker, der sowohl in Taiwan wie in der Volksrepublik China hohes Ansehen genießt. In Taiwan wird er als Vater der Republik China betrachtet und ist gleichfalls bei Befürwortern der taiwanesischen Unabhängigkeit unverfänglich. Die Volksrepublik China sieht ihn als Vorkämpfer der Republik sowie des Sozialismus.[6] Zu beachten ist hierbei, dass in der Kuomintang ein breites Spektrum politischer Meinungen vertreten war und sie bis zur Gründung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) 1921 die einzige Partei in China darstellte. Danach gab es nur die Alternative zwischen der KMT oder KPCh. Beide Parteien vereinte der Wille einer nationalen Einigung Chinas.[7]

In Anbetracht der Tatsache, dass die KPCh 1923 nicht mehr als 300 Mitglieder besaß, beschloss die Kommunistische Internationale (Komintern) im Januar 1923, dass „alle Mitglieder der chinesischen kommunistischen Partei als Individuen der Kuomintang beitreten sollen“.[8] Erklärter Zweck dieser Ersten Einheitsfront war es, „unter Mitgliedern der Nationalen Volkspartei Propaganda zu betreiben und sie für den Kommunismus zu gewinnen“.[9] So wurde die Kuomintang durch das Politbüro der KPdSU als Mitglied der Komintern aufgenommen und Chiang Kai-shek, der nach dem Tod von Sun Yat-sen die Parteiführung der KMT übernahm, zum Ehrenmitglied der Exekutive der Komintern (EKKI) ernannt.[10] Tatsächlich konnte die KPCh auf diesem Wege ihre Mitgliederzahl bis Januar 1926 auf 10.000 und bis April 1927 auf 58.000 erhöhen.[11]

1924 gründete die Kuomintang, mit erheblicher finanzieller und personeller Unterstützung der Sowjetunion (UdSSR), die Whampoa-Militärakademie in Guangzhou sowie die Nationalrevolutionäre Armee. Im Sommer 1926 begann der bereits von Sun Yat-sen geplante Nordfeldzug, eine militärische Operation der Kuomintang gegen Warlords und die Regierung in Beiyang im Norden Chinas. Ziel des Unternehmens war die Vereinigung chinesischer Provinzen und damit die Wiederherstellung der nationalen Einheit. Ein wichtiger Impuls für die Durchführung des Nordfeldzuges ging von der zunehmenden Auflehnung der chinesischen Bevölkerung gegen die kolonialen Strukturen aus, welche die Großmächte mittels der „Ungleichen Verträge“ in China geschaffen hatten.[12][13] Die landesweite Empörung nach dem Massaker vom 30. Mai bot den Nationalisten und Kommunisten beiderseits günstigen Nährstoff, für die Chinesische Wiedervereinigung zu kämpfen und somit den Einfluss fremder Mächte in China zu verringern.[14]

In der Anfangsphase wurde der Feldzug von der KPCh sowie der UdSSR unterstützt. Obwohl die Allianz während der Kämpfe zerbrach, konnte die Kuomintang mit der Einnahme Pekings den Nordfeldzug erfolgreich beenden und am 29. Dezember 1928 die Einigung China als vollzogen erklären.[15] Die Einheitsfront mit den Kommunisten begann Anfang 1927 zu bröckeln, nachdem Chiang Kai-shek erfuhr, dass die Sowjetunion Kriegsgerät sowohl an die Kuomintang als auch an den Warlord Feng Yuxiang lieferte.[16] Parallel stellte die KPCh auf Geheiß der Komintern fortan den Klassenkampf ins Zentrum ihrer Agitation, während sich die Kuomintang unverändert um eine Zusammenarbeit aller gesellschaftlicher Gruppen bei der Vereinigung und der wirtschaftlichen Modernisierung des Landes bemühte.[17]

Im Februar 1927 begannen die Kommunisten in Wuhan mit einer intensiven Kampagne gegen „Militärdiktatoren“ und „neue Warlords“, was sich eindeutig gegen Chiang Kai-shek richtete. Am 20. März ließ die Kuomintang fünfzig chinesische Kommunisten sowie alle sowjetischen Berater unter Hausarrest stellen und entfernte unter der Führung von Wang Jingwei verstärkt Mitglieder der KPCh aus der Nationalrevolutionären Armee. Die Kommunisten reagierten mit mehreren erfolgreichen Angriffen, welche die KMT politisch und militärisch erheblich schwächten. Anfang April versuchte die KPCh unter anderem in Nanchang, Guangzhou, Changsha und Shanghai eine Alleinherrschaft aufzubauen. Daraufhin brach am 12. April in Shanghai eine blutige Schlacht zwischen beiden Parteien aus, welche die kommunistische Historiografie als Massaker von Shanghai und als Bruch der Einheitsfront seitens Chiang Kai-sheks bezeichnete.[18]

Einem zeitgenössischen Bericht zufolge, den die KPCh auf dem 4. Nationalkongress der Kuomintang vorlegte, waren bei den Ereignissen im April und Mai 200 Kommunisten umgekommen, 500 verwundet und 1.200 verhaftet worden.[19] Tatsächlich wies die Komintern die chinesischen Kommunisten nach dem 12. April explizit an, in der Kuomintang zu bleiben. Erst nachdem sich im Sommer auch der linke Flügel der Kuomintang gegen die Kommunisten wandte, wurde am 7. August 1927 von der Komintern der Bruch und Kampf gegen die Kuomintang beschlossen.[20] Am 11. September 1927 initiierte die Komintern den Herbsternte-Aufstand, womit der Chinesische Bürgerkrieg begann.[21]

Nach dem Bruch mit der KPCh und dem Sieg über die Warlords musste die Kuomintang einen Vier-Fronten-Krieg führen: gegen Japan, die Sowjetunion, die chinesischen Kommunisten sowie gegen die westlichen „Imperialisten“, vor allem Großbritannien, das wie die Sowjetunion ein schwaches China wollte.[22] Dagegen erkannte die USA nach dem erfolgreichen Nordfeldzug bereits am 25. Juli 1928 die Regierung der Kumintang völkerrechtlich an. Als zweiter Staat folgte Deutschland am 20. August. Fast alle anderen Staaten sprachen ihre Anerkennung im November und Dezember aus, nachdem am 10. Oktober 1928 die offizielle Verkündung der Nationalen Regierung der Republik China mit dem Regierungsvorsitzenden Chiang Kai-shek stattgefunden hatte.[23]

Als einziger Staat vertrat Japan die Ansicht, dass China kein Anrecht auf die Anerkennung als souveräner Staat habe, verwies dabei auf das Vorgehen der USA 1903 in Panama, erkannte jedoch kurz nach Weihnachten 1928 die Nationalregierung an.[24] Hingegen erkannte die UdSSR, ebenfalls im Dezember 1928, die Kuomintang als chinesische Zentralregierung an, was zu großen Irritationen bei der KPCh führte, jedoch Stalins Leitmotiv „divide et impera“ entsprach.[25] Auch während des Chinesischen Bürgerkriegs unterstützte die Sowjetunion beide Seiten mit Waffen und Militärberatern.[26] 1929 provozierte die UdSSR den Sowjetisch-Chinesischen Grenzkrieg, der mit einer Niederlage der Nationalrevolutionären Armee endete. Nach dieser Auseinandersetzung entstand in den chinesischen Nordprovinzen ein Machtvakuum. Die Auswirkung des Konflikts führte 1931 zur Mandschurei-Krise und 1932 zur Gründung des japanischen Marionettenstaates Mandschukuo.[27]

Die KPCh zog sich in die Berge der südchinesischen Provinz Jiangxi zurück und gründete dort die 1929 bis 1934 bestehende Chinesische Sowjetrepublik. 1934 erfolgte die Sowjetische Invasion in Sinkiang. Chiang Kai-shek versuchte während der sogenannten Einkreisungsfeldzüge, die Kommunisten zu besiegen, worauf diese gezwungen waren, zu fliehen und den sogenannten Langen Marsch antraten. Nach Beginn des Japanisch-Chinesischen Krieges 1937 konzentrierten sich die Kräfte der Nationalrevolutionären Armee auf die Abwehr der japanischen Truppen. Unter dem Druck der Sowjetunion bildete die Kuomintang erneut eine Allianz mit den Kommunisten, die Zweite Einheitsfront. In den ersten Jahren des Chinesisch-Japanischen Krieges erwies sich das Bündnis zwischen KMT und KPCh als tragfähig.

1941 brach der Bürgerkrieg zwischen beiden Parteien erneut aus, nachdem die Sowjetunion zum Entsetzen der Nationalchinesen sowie der chinesischen Kommunisten am 13. April 1941 einen Friedens- und Freundschaftsvertrag mit Japan schloss. In diesem versprach die Sowjetunion unter anderem, die territoriale Integrität und Unverletzlichkeit von Mandschukuo zu respektieren, während Japan das gleiche für die Mongolische Volksrepublik, dem Marionettenstaat der UdSSR, tat.[28][29] Wie Chiang Kai-shek mehrfach betonte, war es sein Albtraum, dass sich Stalin mit Japan ganz China teilt. Deswegen suchte er ab 1941 verstärkt die Nähe zu den USA, die ihre Militärhilfe für die Kuomintang daraufhin forcierten.[30]

Mit dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg erhielt die KMT als Regierungspartei die Unterstützung aller Alliierten. Die KPCh erlangte erst 1948 wieder Geld- und Waffenlieferungen der Sowjetunion auf Kredit. Das Interesse der USA und Großbritannien an einem sowjetischen Kriegseintritt gegen Japan nutzend, ließ sich Stalin ohne Wissen der chinesischem Nationalregierung und der KP China im Februar 1945 auf der Konferenz von Jalta von Roosevelt und Churchill als Gegenleistung in Ostasien dauerhaft die Kurilen und Südsachalin, befristet Dalian und Lüshunkou (ehemals Port Arthur) sowie die komplette Ostchinesische Eisenbahn und Südmandschurische Eisenbahn zusichern, desgleichen eine Anerkennung des Status quo in der Äußeren Mongolei.[31]

Allerdings musste sich die UdSSR auf Wunsch ihrer Alliierten dazu verpflichten, die Kuomintang als einzige und reguläre chinesische Regierung weiterhin anzuerkennen. Vor allem die chinesischen Kommunisten waren fassungslos, denn die sowjetische Anerkennung der Nationalregierung bedeutete zugleich die Verpflichtung zu deren alleiniger Unterstützung.[32] Seinem Versprechen, die sowjetische Rote Armee aus den verbliebenen Teilen Chinas zurückzuziehen, kam Stalin erst nach mehrmaliger Aufforderung der Amerikaner nach. Die Rückgabe der Mandschurei an China erfolgte im Mai 1946, vorher bauten die sowjetischen Besatzer sämtliche Industrieanlagen in dem Gebiet ab, Sinkiang kam 1949 wieder unter chinesische Kontrolle und Dalian sowie Lüshunkou räumte die Sowjetarmee erst 1955. Den Termin des Truppenabzugs aus der Mandschurei hatte Moskau als Erstes den chinesischen Kommunisten mitgeteilt, damit diese noch vor der Kuomintang dort einrücken konnten. Die Unterstützung der KP China betrieb die sowjetische Führung unter maximaler Geheimhaltung, denn dies war eine eklatante Verletzung des Vertrages, den Stalin soeben mit Chiang Kai-shek abgeschlossen hatte.[33]

Die Kuomintang vertraute den Zusagen und begann auf dieser Basis mit der stets in ihrem Pateipogramm enthaltenen Umgestaltung der Republik China in eine westliche Demokratie. 1946 trat eine neue Verfassung in Kraft. Die KPCh versprach, am demokratischen Aufbau des Landes mitzuwirken, radikalisierte jedoch eine „Demokratische Liga“ und nahm mit dieser nicht an den Wahlen für die Nationalversammlung sowie den Legislativ-Yuan 1947 teil. Trotz kommunistischer Einschüchterung mancherorts gingen etwa 250 Millionen Wahlberechtigte zu den Urnen. Bei dieser Wahl wurde die Kuomintang nach einer großen Zahl unabhängiger Kandidaten nur zweite Kraft in der Nationalversammlung. Die Sozialdemokraten und die Jungchina-Partei kamen zusammen auf rund zehn Prozent der Sitze. Die Nationalversammlung beschloss als erste Maßnahme ein Gesetz zur Bekämpfung der „kommunistischen Rebellion“, das bis 1991 in Kraft blieb und demokratische Prozesse in Taiwan behinderte.[34] Beeinflusst von der Sowjetunion zettelten die Kommunisten nunmehr in ganz China kleinere Guerillakriege an, die letztendlich 1949 zum Sieg der Volksbefreiungsarmee führten. Als Resultat des Bürgerkrieges bestehen bis heute zwei separate chinesische Staaten: zum einen die sozialistische Volksrepublik China und zum anderen die demokratische Republik China (Taiwan).

Entwicklung seit 1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Parteiflagge der Kuomintang ist auch heute noch auf der Nationalflagge des Landes abgebildet.

Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten Mao Zedongs und der Gründung der Volksrepublik China 1949 flohen Millionen Anhänger der Kuomintang auf die Insel und Provinz Taiwan und erhielten dort ihre Regierung und alle weiteren Organe der Republik China provisorisch aufrecht. Die Parlamentsabgeordneten sollten entsprechend dem Alleinvertretungsanspruch alle Provinzen Chinas vertreten. Die Provinzen, in denen freie Wahlen nicht möglich waren, sollten so lange von den letzten (mehr oder weniger) frei gewählten Abgeordneten vertreten werden, bis wieder freie Wahlen möglich wären („Langes Parlament“). Diese Konstruktion führte dazu, dass bis 1992 die Taiwaner bei Wahlen immer nur die wenigen Abgeordneten der Provinz Taiwan neu wählen konnten. Die große Mehrheit der Parlamentssitze für die Festlandprovinzen dagegen wurden sozusagen „eingefroren“ und von den Abgeordneten der Kuomintang eingenommen, die in der letzten gesamtchinesischen Wahl 1947 gewählt worden und 1949 nach Taiwan geflohen waren.[35]

Wahlergebnisse zum Legislativ-Yuan
seit 1992
Wahl-
jahr
Stimmen-
anteil
Parlaments-
sitze
1992 53,0 %
95/161
1995 46,1 %
85/164
1998 46,4 %
123/225
2001 28,6 %
68/225
2004 32,8 %
114/225
2008 51,2 %
82/113
2012 44,6 %
67/113
2016 26,9 %
35/113

Wegen des bis 1987 geltenden Kriegsrechts und dieser Wahlbestimmung war Taiwan de facto keine Demokratie, sondern eine Einparteien-Diktatur der Kuomintang. Sie etablierte ihre Anhänger – eingewanderte Festlandchinesen – als Elite. Diese standen nun in Konkurrenz zu den gebürtigen Taiwanern. Die Spannungen führten zum Zwischenfall vom 28. Februar 1947, in dessen Folge es zu Zusammenstößen zwischen der Armee und Taiwanern sowie mehreren Toten kam.[36]

Nach der zunehmenden wirtschaftlichen Transformation der Volksrepublik China nach kapitalistischen Grundsätzen und dem späteren Zerfall der Sowjetunion kam es in den 1980/1990er Jahren auch in der Republik China zu einer Liberalisierung. Der 14. Parteitag der KMT im August 1993 beschloss grundlegende Reformen, unter anderem die geheime Wahl des Parteivorsitzenden und eine deutliche Einschränkung seiner Machtbefugnisse.[37] Die Nationalversammlung wurde erstmals von allen Taiwanern in allgemeinen, freien und gleichen Wahlen gewählt und die Direktwahl des Präsidenten ab 1996 eingeführt. Neben der Kuomintang konnte erstmals auch die oppositionelle Demokratische Fortschrittspartei (DPP) antreten, die sich für die Unabhängigkeit Taiwans ausspricht und von 2000 bis 2008 die Regierung und den Staatspräsidenten stellte.

Im Januar 2008 erreichte die Kuomintang bei den Parlamentswahlen eine starke Mehrheit von 71,7 % der Sitze. Im März desselben Jahres wurde ihr Kandidat Ma Ying-jeou zum Staatspräsidenten gewählt. Ma, der am 17. Oktober 2009 erneut das Amt des Parteivorsitzenden übernahm, verfolgt seitdem eine Annäherungspolitik mit der Volksrepublik China.[38] In bilateralen Treffen mit Vertretern Chinas muss er auf die Anrede als „Präsident der Republik China“ verzichten, da die Volksrepublik ihn nicht als Staatschef anerkennt.[39] Die Kuomintang konnte trotz Verlusten ihre absolute Mehrheit im Legislativ-Yuan bei den Wahlen 2012 mit 56,6 % der Sitze behaupten und ihr Spitzenkandidat Ma wurde bei der Präsidentenwahl 2012 wiedergewählt.

Während der zweiten Amtszeit Mas unterlag die Kuomintang einem stetigen Popularitätsverlust, der zu deutlichen Niederlagen bei den taiwanischen Kommunalwahlen 2014 führte, worauf Ma Ying-jeou am 3. Dezember seinen Rücktritt vom Amt des Parteivorsitzenden erklärte. Das Zentralkomitee der Partei ernannte am selben Tag den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Wu Den-yih zum geschäftsführenden Vorsitzenden.[40] Bei der Neuwahl durch die Parteibasis am 17. Januar 2015 wurde der amtierende Bürgermeister von Neu-Taipeh Eric Chu zum neuen Vorsitzenden gewählt.[41]

Am 19. Juli 2015 wählte die KMT auf ihrem Parteikongress die 67-jährige bisherige stellvertretende Parlamentssprecherin Hung Hsiu-chu zur Spitzenkandidatin der KMT bei der kommenden Präsidentenwahl im Jahr 2016.[42] Doch nur wenige Monate später wurde Hung infolge fortwährend schlechter Umfragewerte und starker parteiinterner Kritik am 17. Oktober 2015 auf einem Sonderparteitag als Kandidatin der Kuomintang abgesetzt und durch den Parteivorsitzenden Eric Chu ersetzt.[43] Bei der Präsidentenwahl am 16. Januar 2016 erreichte Chu 31,04 % der Stimmen und musste sich damit Tsai Ing-wen, der Kandidatin der Oppositionspartei DPP (56,12 %), geschlagen geben.[44] Noch am selben Abend verkündete Chu seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des Parteivorsitzenden.[45] Bei der erforderlichen Neuwahl des Parteivorsitzes setzte sich am 26. März 2016 Hung Hsiu-chu mit 56,16 % der Stimmen gegen die geschäftsführende Vorsitzende Huang Hui-min (33,02 %) durch.[46] Bei der turnusmäßigen Wahl des Parteivorsitzenden am 20. Mai 2017 wurde Wu Den-yih von der Parteibasis mit 52,24 % der Stimmen zum neuen Vorsitzenden gewählt und trat das Amt nach dem Parteitag am 20. August 2017 an.[47][48]

Kuomintang in Birma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kuomintang in Birma

Einige der in Yunnan geschlagenen KMT-Truppen flohen 1949 nach Birma, wo sie mit Unterstützung der CIA zunächst einen Guerillakrieg führten, sich dann jedoch auf die Kontrolle des Opiumanbaus konzentrierten. Die Einheiten wurden von der Regierung in Taiwan unterstützt, bis sie sich 1973 offiziell auflösten. 80000 Yunnan-Chinesen wurden seit 1962 als Flüchtlinge in Nordthailand angesiedelt.[49]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Domes, Jürgen; Kuomintang-Herrschaft in China; Hannover 1970.
  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 1: 1911–1949. Longtai 2009, ISBN 978-3-938946-14-5.
  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 2: 1950–2011. Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-15-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 國民黨澄清外界對「黨員人數」與「投票率」誤解 "Richtigstellung der Kuomintang bzgl. der in der Öffentlichkeit vorhandenen Missverständnisse hinsichtlich 'Mitgliederzahl' und 'Wahlbeteiligung" (chin.), offizielle Webseite der KMT, 18. Januar 2015
  2. Meldung der Liberty Times vom 4. Januar 2015
  3. dictionary.reference.com
  4. Webseite der Kuomintang: History (englisch), abgefragt am 25. August 2009
  5. Dieter Kuhn: Die Republik China von 1912 bis 1937. Entwurf für eine politische Ereignisgeschichte. Würzburger Sinologische Schriften, 2007, S. 111 f.
  6. Audrey Wells: The political thought of Sun Yat-sen. Development and impact. Palgrave, 2011, S. 66 f.
  7. Jay Taylor, Jay: The Generalissimo. Harvard University Press, 2009, S. 57.
  8. Ulrike Eifler: Neoliberale Globalisierung und die Arbeiterbewegung in China. ibidem-Verlag, 2012, S. 89.
  9. Ulrike Eifler, S. 90.
  10. ebenda
  11. Ulrike Eifler, S. 91.
  12. Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 1. Longtai Verlag Gießen, 2009, S. 99 f.
  13. Odorik Wou: Militarism in modern China. The career of Wu P’ei-Fu, 1916-1939. Australian National University Press, 1978, S. 349.
  14. Mechthild Leutner: KPdSU(B), Komintern und die Sowjetbewegung in China, Band 1. LIT Verlag Münster, 2000, S. 74 f.
  15. Brigitte Esser: Daten der Weltgeschichte. wissenmedia Verlag, 2004, S. 716.
  16. Andreas Steen: Deutsch-chinesische Beziehungen 1911-1927. Vom Kolonialismus zur „Gleichberechtigung“. Eine Quellensammlung. Walter de Gruyter, S. 342.
  17. Gerald Mund: Ostasien im Spiegel der deutschen Diplomatie. Die privatdienstliche Korrespondenz des Diplomaten Herbert v. Dirksen von 1933 bis 1938. Franz Steiner Verlag, 2006. S.110.
  18. Lloyd E. Eastman, „Nationalist China during the Nanking Decade, 1927-1937“. Harvard University Press, 1991, S.7.
  19. Ulrike Eifler, S. 89.
  20. Ulrike Eifler, S. 90-91.
  21. Yutong Yang: Autumn Harvest Uprising (1927), in Xiaobing Li (Hrsg.): China at War - An Encyclopedia. Santa Barbara Press, 2012, S.15 f.
  22. Boris Meissner: Das Potsdamer Abkommen. Rückblick nach 50 Jahren. Braumüller, 1996, S. 105.
  23. Andreas Steen: Deutsch-chinesische Beziehungen 1911-1927. Vom Kolonialismus zur 'Gleichberechtigung'. Eine Quellensammlung. Walter de Gruyter, 2006. S. 282.
  24. Hans-Jürgen Schlochauer: Wörterbuch des Völkerrechts. Band 1. Walter de Gruyter, 1960, S. 280.
  25. Diana Lary: China's Civil War. Cambridge University Press, 2015.
  26. Felix Patrikeeff: Russian Politics in Exile. The Northeast Asian. Balance of Power 1924–1931. Palgrave Macmillan UK, 2002, S. 52 f.
  27. Felix Patrikeeff: Russian Politics in Exile. The Northeast Asian. Balance of Power 1924–1931. Palgrave Macmillan UK, 2002, S. 52 f.
  28. Stuart D. Goldman: Nomonhan, 1939. Naval Institute Press, 2012, 171.
  29. Declaration Regarding Mongolia April 13, 1941., Avalon Project at Yale University, abgerufen am 1. Juli 2017.
  30. Jung Chang, Jon Halliday: Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes. Kapitel 21. Das Wunschscenario: Stalin teilt sich China mit Japan. Karl Blessing Verlag, 2014, 220.
  31. Hans-Jürgen Schlochauer: Wörterbuch des Völkerrechts. Walter de Gruyter, 1960, S. 281.
  32. Christina Neder, Heiner Roetz, Ines-Susanne Schilling: China in seinen biographischen Dimensionen. Otto Harrassowitz Verlag, 2001, S. 476.
  33. Jung Chang, Jon Halliday: Mao. Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes. Kapitel 27. Die Russen kommen. Karl Blessing Verlag, 2014, S. 331.
  34. Weyrauch; Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte; Bd. 1, S. 287 ff.
  35. Weyrauch; Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte; S. 293 ff.
  36. Michael Richardson:“Ma Ying-jeou blames 'victimization complex' for Taiwan's economic downturn in video-conference”, 12. Mai 2009, examiner.com
  37. Encyclopedia of the Nations >> Asia and Oceania >> Taiwan: Taiwan - Political parties. 2012, abgerufen am 27. Dezember 2012 (englisch).
  38. „Ma Ying-jeou will Frieden mit China“, der Tagesspiegel, 23. März 2008
  39. Dr. William Fang: „Taiwan's 'Mr. Ma' to China's 'Chairman Hu'“, The China Post, 13. Oktober 2008 (Englisch)
  40. Focus Taiwan, 3. Dezember 2014
  41. KMT elects Eric Chu as chairman, Taipei Times, 18. Januar 2015
  42. Taiwan election: KMT nomination sets up battle of women. BBC News, 19. Juli 2015, abgerufen am 20. Juli 2015 (englisch).
  43. http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/10/17/448592/Hung-forced.htm Hung 'forced' to accept KMT's decision to replace her, The China Post, 17. Oktober 2015
  44. Webseite des Zentralen Wahlkomitees
  45. KMT's head Eric Chu, deputy head Hau Lung-bin step down, Focus Taiwan, 16. Januar 2016
  46. Victorius Hung Hsiu-chu vows to work for KMT's rebirth, Focus Taiwan, 26. März 2016
  47. Wu Den-yih wins KMT chairman election, Focus Taiwan, 20. Mai 2017
  48. Taiwan ex-Vice President Wu Den-yih elected KMT leader in first round, Taiwan News, 20. Mai 2017
  49. Wen-chin Chang; From War Refugees to Immigrants. The Case of the KMT Yunnanese Chinese in Northern Thailand; Intl. Migration Review, Vol 35 (2001), S 1086-1105