Gurtweil

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Gurtweil
Kreisstadt Waldshut-Tiengen
Wappen von Gurtweil
Koordinaten: 47° 38′ 30″ N, 8° 14′ 46″ O
Höhe: 372 m ü. NN
Fläche: 7,49 km²
Einwohner: 1641 (31. Okt. 2005)
Bevölkerungsdichte: 219 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 79761
Vorwahl: 07741

Gurtweil ist ein Stadtteil der Kreisstadt Waldshut-Tiengen im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme (2007) von Gurtweil

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gurtweil liegt im Südschwarzwald am Unterlauf der Schlücht auf einer Höhe von ca. 372 m. ü. NN. Die Gemarkung Gurtweil erstreckt sich von Norden nach Süden über die letzten etwa 4 km des sich weitenden Schlüchttals und von Osten nach Westen bis auf die Höhen der benachbarten Bergrücken des Neuberges und des Mühleberges (jeweils ca. 560 m ü. NN).

Ortschaftsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft Gurtweil ist der größte Stadtteil von Waldshut-Tiengen. Außer der Siedlung Neuberg, die inzwischen mit dem Ort verschmolzen ist, hat die Ortschaft keine weiteren Ortsteile.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Ein Zeugnis davon gibt die zwischen Tiengen und Gurtweil gelegene Villa rustica.

Der Name Gurtweil kommt ursprünglich aus dem keltischen Gwrth was gegenüber bedeutet.[1] Später wurde dem Ortsnamen villa angehängt woraus aus Gwrthvilla, das heutige Gurtweil wurde. Ob Gurtweil bei der zwangsweisen Wiederansiedlung der durch den Druck der Germanen im 1. Jahrhundert v. Chr. ausgewanderten keltischen Helvetier und Rauriker errichtet wurde, oder bereits vor deren Niederwerfung durch Gaius Iulius Caesar 58 v. Chr., kann nicht mehr nachvollzogen werden.

Im Jahre 1998 konnte man die erste urkundliche Erwähnung mit dem 1125. Geburtstag feiern: Gurtwila wurde 873 in einer Urkunde des Klosters Rheinau genannt.

Bereits 885 erwarb dann das Kloster St. Gallen in Gurtweil Besitz. Im 11. Jahrhundert trat auch ein Adelsgeschlecht von Gurtweil auf. Die Edlen von Erzingen und Wilhelm von Grießen, und das Kloster St. Blasien erwarb Gurtweil 1502 für 30 Jahre. 1532 wird als Landvogt Junker Hans Jakob von Heidegg als Besitzer genannt. Die Heidegger waren ursprünglich ein altes Waldshuter Geschlecht, sein Vater Lorenz von Heidegg war Waldvogt der Grafschaft Hauenstein. St. Blasien behielt sich das Vorkaufsrecht, und erwarb von dem letzten Heidegger am 30. April 1646 Gurtweil zurück. Die Verhandlungen dauerten noch bis ins Jahr 1662. Die nahegelegene Herrschaft Gutenburg, hatte St. Blasien schon 1480 gekauft.

Am 13. Mai 1660 brannte das ehemalige Schloss Gurtweil vollständig nieder,[2] das Kloster St. Blasien baute es wieder auf und errichtete ab 1646 eine Propstei. 1697 wurde als erster Propst Martin Steinegg ernannt. In den Jahren 1732 bis 1749 war Pater Stanislaus Wülberz Propst in Gurtweil. Auch die Pröbste und Patres: Trudpert Neugart, Kreutter, Ignatius Gumpp, Joseph Lukas Meyer, oder Rebble wären zu nennen. Gleicherzeit wurde Gurtweil Sitz der Obervogtei. Diese befand sich im Pfarrhaus. Der tüchtigste Obervogt war Johann Baptist Burkard Kepfer aus Bernau († 18. November 1782). Fürstabt Martin Gerbert ernannte ihn zum Geheimen Hofrat. Er erbaute den Maierhof (1779) neu. 1740 wurde die schön ausgestattete Pfarrkirche neu erbaut und der Bauvertrag mit dem Maurer Marte Schäfer geschlossen. Der Glockenturm dann erst ab 1836–1838 dazu erbaut.

Nach der Aufhebung des Klosters St. Blasien wohnten noch drei Konventualen im Schloss, darunter Pater Paul Kettenacker (* 22. Januar 1722 in Villingen, † 16. August 1812), Exdekan in St. Blasien, früher Hofkaplan der Fürstabtei St. Blasien, Prior in Sion bei Klingnau, Pfarrer in Nöggenschwiel, zuletzt Propst in Bonndorf – er war ein leidenschaftlicher Historiker. Auch sein Bruder wohnte noch im Schloss, er starb am 10. September 1813.

Nachdem Gurtweil zu Baden gekommen war, war im Schloss einige Zeit ein Krankenhaus, dann eine Branntweinbrennerei und heute ist darin das Wohnheim der Caritas-Werkstatt St. Ulrich untergebracht. Die Schlosskapelle stammt aus dem Jahr 1664. Im Schloss befindet sich ein wertvoller Kachelofen aus der Renaissancezeit mit Kaiserbildern.

Die vormals selbstständige Gemeinde Gurtweil wurde am 1. Januar 1975 in die Große Kreisstadt Waldshut-Tiengen eingemeindet.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen von Gurtweil:

Jahr Einwohner
1871 618
1900 481
1925 544
1939 594
1950 802
1961 1026
1970 1255
2005 1641

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gurtweil ist eine Ortschaft im Sinne des baden-württembergischen Kommunalrechts. Die Ortschaft verfügt damit über eine eng begrenzte Selbstverwaltung. Organe dieser Selbstverwaltung sind der Ortschaftsrat und der Ortsvorsteher.

Ortschaftsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortschaftsrat besteht aus 10 Ortschaftsräten.

Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der Eingemeindung in die Große Kreisstadt Waldshut-Tiengen trägt der Leiter der Ortschaftsverwaltung die Amtsbezeichnung Ortsvorsteher.

  • 1975–1985: Karl Tröndle
  • 1985–1995: Josef Seger
  • 1995–2014: Alfred Scheuble
  • seit 2014: Marina Schlosser

Ehemalige Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1948–1960: Julius Rüde
  • 1960–1973: Emil Kögel
  • 1973–1975: Karl Tröndle

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen symbolisiert blau die Schlücht, die das ehemalige Gemeindegebiet mittig durchfließt, auf weißem Grund.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Industrie und Gewerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Gemarkung Gurtweil liegt im Gewann Kaitle ein wesentlicher Teil der Gewerbegebiete der Stadt Waldshut-Tiengen, dort sind mittelständische Unternehmen aus verschiedenen Branchen sowie Werkhof und Freiwillige Feuerwehr angesiedelt.

Wirtschaftlich von Bedeutung ist auch die grenznahe Lage von Gurtweil mit seiner Nähe zur Schweiz und den Ballungszentren Zürich und Basel, wo viele Einwohner ihr Auskommen finden.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verkehrsanbindung an die Stadt Waldshut-Tiengen erfolgt durch die von der Bundesstraße 34 kommenden Landesstraßen 161 und L 157. Die L 161 wird in Gurtweil von der L 157 aufgenommen, die nach Norden durch das gesamte Schlüchttal verläuft und ihrerseits in Rothaus, Gemeinde Grafenhausen, im Hochschwarzwald von der L 170 aufgenommen wird.

Die Kreisstraße 6551 führt durch das Haselbachtal in nordwestlicher Richtung auf den Bergrücken, der das Schlüchttal vom Albtal trennt und bindet an die B 500 bei Bannholz, Gemeinde Weilheim, an.

Die geplante Autobahn 98 soll auch über die Gemarkung Gurtweil verlaufen. Der nächste Anschluss für Gurtweil wäre dann Tiengen-West, wo eine Fahrbahn als Ortsumfahrung bereits besteht.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gurtweil gibt es eine Grund- und Hauptschule, die auch für zwei weitere Stadtteile und Ortsteile anderer Gemeinden zuständig ist.

Energie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gurtweil befindet sich ein 220 kV-Umspannwerk, von dem Leitungsverbindungen bis nach Stockach führen. Das Umspannwerk wird von der EDNetze GmbH Rheinfelden und der EnBW betrieben.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholische Kirche
  • Schloss mit Kapelle
  • Grund- und Hauptschule
  • Pater-Jordan-Haus

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gurtweil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Joseph Mone: Urgeschichte des badischen Landes, Bd. II. S. 104.
  2. Leo Beringer: Geschichte des Dorfes Gurtweil, 1960.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 524.