Gustav Adolf Lindner

Gustav Adolf Lindner (* 11. März 1828 in Rożdalowitz, Böhmen; † 16. Oktober 1887 in Prag) war ein böhmischer Pädagoge, Psychologe, Philosoph und Soziologe. Er war einer der ersten Vertreter des Herbartianismus in Böhmen und gilt als Pionier der Soziologie in Böhmen und Mähren.
Lindner wuchs als Sohn eines deutschen Bierbrauers und einer tschechischen Mutter zweisprachig auf, besuchte Volksschule und Gymnasium in Jungbunzlau und Prag und studierte anschließend an der noch vereinigten deutsch-tschechischen Universität Prag, wo er die Lehre Herbarts kennenlernte. Von 1846 bis 1848 besuchte er ein Priesterseminar, wurde aber wegen einer Petition zugunsten einer Verfassung entlassen und beendete seine akademische Ausbildung an der Prager Universität.
Nach Jahren als Lehrer an deutschen Gymnasien in Prag und Reichenberg wurde er auf Intervention für sechzehn Jahre nach Cilli in die Untersteiermark versetzt, wo er seine künftige Frau Maria Magdalena Zámolov kennenlernte und mehrere pädagogische Schriften verfasste. 1871 durfte er nach Böhmen zurückkehren, wo er Schulinspektor und Direktor der tschechischen Lehrerbildungsanstalt in Kuttenberg wurde. 1879 gründete er die erste tschechische pädagogische Zeitschrift Paedogogium. Lindner war ab 1882 erster Professor für Pädagogik, Psychologie und Ethik an der Karls-Universität Prag.
Auf dem Gebiet der Soziologie prägte er den Begriff „soziale Psychologie“. Er begriff die „soziale Psyche“ als Bestandteil jeden individuellen Bewusstseins aber auch als Komponente des gesellschaftlichen Ganzen.
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Das Geheimnis der Glückseligkeit, 1868 (deutsch; tschechische Ausgabe 1931)
- Ideen zur Psychologie der Gesellschaft als Grundlage der Sozialwissenschaft, 1871 (deutsch; tschechische Ausgabe 1929)
- Pädagogik auf der Grundlage der Lehre über die natürliche, kulturelle und moralische Entwicklung, 1888 (tschechisch).
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jan Koukal: Lindner, Gustav Adolf. In: Wilhelm Bernsdorf, Horst Knospe (Hrsg.): Internationales Soziologenlexikon. Band 1: Beiträge über bis Ende 1969 verstorbene Soziologen. 2. neubearbeitete Auflage. Enke, Stuttgart 1980, ISBN 3-432-82652-4, S. 251.
- Gerald Grimm: Gustav Adolf Lindner als Wegbereiter der Pädagogik des Herbartianismus in der Habsburgmonarchie, in ders. und Erik Adam (Hrsg.), Die Pädagogik des Herbartianismus in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, Wien, Lit-Verlag, 2009, S. 21–25.
- Ferdinand Sander: Lindner, Gustav Adolf. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 51, Duncker & Humblot, Leipzig 1906, S. 738 f.
- Erik Adam: Die Bedeutung des Herbartianismus für die Lehrerbildung in der österreichischen Reichshälfte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie mit besonderer Berücksichtigung des Wirkens von Gustav Adolf Lindner. In: Edvard Protner (Urednik): Delo in pedagoški nazori Henrika Schreinerja. Maribor, Univerza v Mariboru, 2002, ISBN 86-80693-63-4, S. 227–241
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Lindner-Porträt der Herbartianismus-Forschungsstelle an der Universität Duisburg-Essen (PDF; 91 kB)
- Allgemeine Erziehungslehre, 1882, E-Book der Universitätsbibliothek Wien (eBooks on Demand)
- Grundriss der Pädagogik als Wissenschaft, 1889 , E-Book der Universitätsbibliothek Wien (eBooks on Demand)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lindner, Gustav Adolf |
| KURZBESCHREIBUNG | böhmischer Pädagoge, Psychologe, Philosoph und Soziologe |
| GEBURTSDATUM | 11. März 1828 |
| GEBURTSORT | Rożdalowitz, Böhmen |
| STERBEDATUM | 16. Oktober 1887 |
| STERBEORT | Prag |