Gustav Aschaffenburg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gustav Aschaffenburg (um 1910)

Gustav Aschaffenburg (* 23. Mai 1866 in Zweibrücken; † 2. September 1944 in Baltimore) war ein deutscher Psychiater. Er gilt als einer der Pioniere der Forensischen Psychiatrie und Kriminologie.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aschaffenburg arbeitete ab 1891 als Assistent von Emil Kraepelin an der neu gegründeten Psychiatrischen Universitätsklinik in Heidelberg. In Heidelberg wurde er Mitglied der Freimaurerloge Zur Wahrheit und Treue. Nach seiner Habilitation 1895 folgte er 1901 einem Ruf an die Universität Halle und 1904 an die neu gegründete Akademie für praktische Medizin in Köln, die 1919 Teil der Universität zu Köln wurde. Ab 1906 war er leitender Arzt der Irrenanstalt Lindenburg, heute Uniklinik Köln. Von 1928 an leitete er deren kriminalwissenschaftliches Institut. Aschaffenburg war unter anderem Herausgeber der Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Strafrechtsreform. Das jähe Ende der akademischen Tätigkeit Aschaffenburgs in Köln kam 1933, als die neue nationalsozialistische Regierung das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erließ, nach welchem er als Jude aus dem Staatsdienst entlassen wurde. Als sein Nachfolger wurde Max de Crinis aus Graz, ein Mitglied der NSDAP und strammer Antisemit, berufen. Auch seine Herausgebertätigkeit musste Aschaffenburg 1935 aufgeben.

Nachdem auch seine ärztliche Tätigkeit eingeschränkt wurde, emigrierte Aschaffenburg 1938 über die Schweiz in die USA und war Professor für Psychiatrie an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, Maryland.

Gustav Aschaffenburgs Hauptwerk, Das Verbrechen und seine Bekämpfung (1903, 3. Aufl. 1923), war bis in die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hinein das maßgebliche deutschsprachige kriminologische Lehrbuch[1].

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hoche A, unter Mitwirkung von Aschaffenburg (G), Schultze (E), Wollenberg (R). Handbuch der gerichtlichen Psychiatrie. Berlin, A. Hirschwald 1901 (2. Aufl. 1909, 3. Auflage 1934)
  • Das Verbrechen und seine Bekämpfung, Heidelberg 1903 (2. Aufl. 1906, 3. Aufl. 1923)
  • Aschaffenburg G. Über die Stimmungsschwankungen der Epileptiker (Sammlung zwangloser Abhandlungen aus dem Gebiete der Nerven- und Geisteskrankheiten, hrsg. von Hoche A, Band 7, Heft 1). Halle, C. Marhold, 1906
  • Aschaffenburg G, Hrsg. Handbuch der Psychiatrie (28 Teile in 21 Bänden). Leipzig – Wien, F. Deuticke, 1911–1927
  • Die Sicherung der Gesellschaft gegen gemeingefährliche Geisteskranke: Ergebnisse einer im Auftrage der Holtzendorff-Stiftung gemachten Studienreise, Berlin 1912
  • Psychiatrie und Strafrecht, 1928

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dorothea Seifert: Gustav Aschaffenburg als Kriminologe, Freiburg 1981
  • Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft - Das Handbuch der Persönlichkeiten in Wort und Bild, Erster Band, Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, S. 39, ISBN 3-598-30664-4
  • Richard Wetzell: Inventing the Criminal - A History of German Criminology 1880-1945, Chapel Hill und London 2000
  • Magnus Schmid: Aschaffenburg, Gustav. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 410 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Wetzell, Inventing the Criminal - A History of German Criminology 1880-1945, Chapel Hill und London 2000, S. 63