Gustav Klimt Zentrum

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Das Gustav Klimt Zentrum in Schörfling am Attersee, Oberösterreich ist dem Jugendstilmaler Gustav Klimt (1862–1918) gewidmet, der viele Sommer am Attersee verbrachte und hier einige seiner Landschaftsgemälde schuf.[1] Das Klimt-Zentrum wurde am 14. Juli 2012 zu Klimts 150. Geburtstag eröffnet[2] und bietet neben einer permanenten Ausstellung auch ein eigenes Klimt-Kino sowie den Gustav Klimt Themenweg. Erich Kaniak ist der Eigentümer des vom Architekten Günther Dollnig entworfenen Gebäudes, in dem sich das Dokumentationszentrum befindet.

Gustav Klimt am Attersee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Klimts Entdeckung des Attersees als Refugium für die Sommerfrische begann im Sommer 1900. Er lebte zunächst in Litzlberg bei Seewalchen, ab 1908 in Kammer sowie ab 1914 im Süden des Sees am Eingang des Weißenbachtales[3]. Der Maler verbrachte die Sommermonate zwischen 1900 und 1916 regelmäßig in dieser Region, wo der überwiegende Teil seiner über 50 Landschaftsgemälde entstand.[4]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fokus der permanenten Ausstellung stehen Klimt sowie biografisch prägende als auch künstlerische Meilensteine im Leben und Schaffen des Künstlers. Familie, Frauen, Skandale, Erotik, Sommerfrische und honorige Aufträge werden ebenso thematisiert wie der unmittelbar an der Allee gelegene Standort des Klimt-Zentrums, denn allein dieses Motiv des Schlossparks inspirierte Klimt zu sechs Landschaftsgemälden[5]. Für Individualbesucher bieten sich in der Dokumentation des Klimt-Zentrums außerdem Saaltexte und Audioguides zur persönlichen Vertiefung an.

Die multimedial gestaltete Ausstellung mit eigenem Kino, Multimedia-Touchscreens und einem Salzkammergut-Panorama in Kooperation mit dem Filmarchiv Austria dokumentiert in einer Zusammenstellung von originalen und faksimilierten Objekten Gustav Klimts Schaffen und Leben als „Sommerfrischler“ in den Jahren 1900–1916 sowie den gesellschaftlichen Kulturtourismus der Jahrhundertwende am Attersee und in der Reichs- und Residenzstadt Wien[6].

Das im Klimt-Zentrum integrierte Kino umfasst Sitzplätze für 20 Personen und zeigt einen zwanzigminütigen Film (Titel: Sehnsucht „nach dort“, 2012) über Klimts Leben und Schaffen am Attersee[7].

Gustav Klimt Themenweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2003 wurde Gustav Klimt am Attersee mit einem Themenweg gewürdigt. Die damalige Eröffnung auf der in Privatbesitz befindlichen Insel Litzlberg wurde von Museumsgründer Rudolf Leopold und Gerhard Tötschinger vorgenommen. Kuratorisch von Experten des Leopold Museum konzipiert, ergab sich daraus die logische Folge zur Konzeption des Gustav Klimt Zentrums am Attersee, das knappe zehn Jahre später eröffnet wurde. In diesem Zusammenhang wurde auch der Themenweg einem Relaunch unterzogen und mit Audioguides ausgestattet.[8]

Die Kernzone des Themenweges verläuft entlang der Promenade in Kammer-Schörfling und in Seewalchen und gibt einen Überblick zu Klimts Leben und Werk sowie zu den Motiven seines Schaffens in der Umgebung seiner Sommerdomizile Villa Paulick und Villa Oleander. Weitere Informationstafeln am Nordufer befinden sich im Bereich der Ortschaft Litzlberg (L1-L5) und am Südufer setzt sich der Themenweg punktuell in Unterach, Steinbach und Weißenbach fort. Das Forsthaus, Klimts letzte Sommerresidenz am Attersee (1914–1916), wurde von ihm auch zweimal bildlich festgehalten. Die Stelen in den übrigen Gemeinden informieren vertiefend über Klimts Besuche am Attersee. Einige Stelen sind mit quadratischen Löchern versehen, durch welche man – ähnlich wie es Klimt vor mittlerweile über 100 Jahren mit einem „Motivsucher“ aus Karton getan hat – eigene „Klimt-Landschaften“ komponieren kann. Ein deutsch- und englischsprachiger Text sowie ausgewählte Abbildungen von Gemälden, Fotografien und Ansichtskarten illustrieren diese Entdeckungsreise. Durch einen fachkundigen Klimt-Vermittler aus der Region können Besucher auf ihrem Spaziergang entlang des Themenweges Wissenswertes und Anekdoten aus dem Leben von Gustav Klimt erfahren. Ergänzend befinden sich der Künstlerthemenweg im Süden in Steinbach und die Klimt-Büste von Valentin Znoba in Unterach.[9]

Rückblick 2012–2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gustav Klimt: Am Attersee, 1900, Leopold Museum, Wien
Gustav Klimt: Die große Pappel II (Aufsteigendes Gewitter), 1902/03, Leopold Museum, Wien
Gustav Klimt: Ein Morgen am Teiche, 1899, Leopold Museum, Wien

Seit der Eröffnung des Gustav Klimt Zentrums im Juli 2012 wurden dort zahlreiche originale Kunstwerke präsentiert. In Kooperation mit dem Wiener Leopold Museum, das von 2012 bis 2014 auch für die kuratorische Konzeption der Ausstellungen verantwortlich war, kehrten zwei Landschaftsgemälde an ihren Entstehungsort zurück: im Jahr 2012 das von zeitgenössischen Kritikern als „Rahmen voll Seewasser“ bezeichnete Gemälde Am Attersee (1900),[10] zwei Jahre später das durch ihre charakteristischen „Forellentupfen“ betonte Werk Die große Pappel II (Aufsteigendes Gewitter) (1902/03).[11] Das Gemälde Ein Morgen am Teiche entstand im Jahr 1899 im Salzburger Golling und war prägend für Klimts darauffolgende Attersee-Landschaften im quadratischen Format.[12] Von 27. Juni bis 2. August 2015 wurde nach der Übernahme der Gustav Klimt |Wien 1900 Privatstiftung als Betreiber des Klimt-Zentrums das Gemälde Freundinnen I (Die Schwestern) aus dem Bestand der Klimt-Foundation im Gustav Klimt Zentrum im Original ausgestellt[13], welches vom Künstler im September 1907 nachweislich am Attersee vollendet wurde[14].

Von 26. März 2016 bis 26. Oktober 2016 widmete sich eine Sonderausstellung Emilie Flöge, eine der stilbildenden Modeschöpferinnen im Wien der Jahrhundertwende. Die Frau an Gustav Klimts Seite war erfolgreiche und unabhängige Unternehmerin und Besitzerin des Modelabels »Salon Schwestern Flöge«[15]. Erstmals wurden in dieser Saison auch zeitgenössische Arbeiten der Künstlerinnen Bernadette Huber und Irene Andessner präsentiert[16].

Die Klimt-Foundation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gustav Klimt | Wien 1900-Privatstiftung (Klimt-Foundation) betreibt seit 2015 das Gustav Klimt Zentrum. Sie wurde im September 2013 von Ursula Ucicky (* 1922), Witwe des unehelichen Klimt-Sohnes Gustav Ucicky (1899–1961)[17], begründet und ist eine nach österreichischem Recht eingetragene, gemeinnützige Privatstiftung, die gemäß ihrer Stiftungssatzung kultur- und kunsthistorische, wissenschaftliche und ausbildende Zwecke verfolgt. Die Klimt-Foundation fungiert als unabhängige und interdisziplinär tätige Plattform zur Dokumentation der Epoche „Wien 1900“ und agiert als Leihgeber und Kooperationspartner für Forschungs- und Ausstellungsprojekte. Zielsetzung ist es, das Leben und Werk des Künstlers Gustav Klimt und der in Wien um 1900 entstandenen und von Klimt geprägten Strömung des Jugendstils bzw. der Klassischen Moderne zu bewahren, zu erforschen und in ihrer Bedeutung für die kulturelle Entwicklung Österreichs bis heute aufzuzeigen.[18]

Die in die Klimt-Foundation eingebrachten Kunstwerke werden der Öffentlichkeit im Rahmen von Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen zugänglich gemacht und wissenschaftlich erschlossen. In diesem Zusammenhang widmet sich die Stiftung im Besonderen der Erforschung ihrer Provenienz, sowie, gemäß dem Stiftungszweck, der objektiv-wissenschaftlichen Aufarbeitung von Leben, Werk und Kunstsammlung des Gustav Ucicky[19]. Vor diesem Hintergrund wurden bereits die Publikationsreihen Edition Klimt[20] und Edition Klimt-Research[21] veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sandra Tretter / Peter Weinhäupl [Hrsg.]: Gustav Klimt. Sommerfrische am Attersee 1900-1916. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2015, ISBN 978-3-85033-860-8.
  • Sandra Tretter / Peter Weinhäupl [Hrsg.]: Gustav Klimt. Emilie Flöge - Reform der Mode, Inspiration der Kunst. Christian Brandstätter Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-7106-0070-8.
  • Sandra Tretter / Peter Weinhäupl [Hrsg.]: Gustav Klimt. Atelier Feldmühlgasse 1911–1918. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2014, ISBN 978-3-85033-846-2.
  • Sandra Tretter / Peter Weinhäupl [Hrsg.]: Gustav Klimt. Sommerfrische am Attersee 1900–1916. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2015, ISBN 978-3-85033-860-8.
  • Sandra Tretter / Peter Weinhäupl [Hrsg.]: Gustav Klimt. Emilie Flöge - Reform der Mode, Inspiration der Kunst. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2016, ISBN 978-3-7106-0070-8.
  • Sandra Tretter / Peter Weinhäupl [Hrsg.]: "Chiffre: Sehnsucht - 25". Gustav Klimts Korrespondenz mit Maria Ucicka 1899–1916. Verlag Christian Brandstätter, Wien 2014, ISBN 978-3-85033-859-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gustav Klimt Zentrum am Attersee – klimt-am-attersee.at. Abgerufen am 10. April 2017.
  2. Leopold Museum eröffnet am 14. Juli Gustav Klimt Zentrum am Attersee. In: ots.at. (ots.at [abgerufen am 10. April 2017]).
  3. Allgemein - klimt-am-attersee.at. Abgerufen am 10. April 2017.
  4. Gustav Klimt Zentrum am Attersee - klimt-am-attersee.at. Abgerufen am 10. April 2017.
  5. Neue Ausstellung soll wieder zahlreiche Besucher an den Attersee locken. Abgerufen am 10. April 2017.
  6. Die Ausstellung - klimt-am-attersee.at. Abgerufen am 10. April 2017.
  7. Klimt-Kino - klimt-am-attersee.at. Abgerufen am 10. April 2017.
  8. Rückblick 2003-2012 - klimt-am-attersee.at. Abgerufen am 10. April 2017.
  9. Allgemein - klimt-am-attersee.at. Abgerufen am 10. April 2017.
  10. Gustav Klimt & die Sommerfrische. In: ots.at. (ots.at [abgerufen am 10. April 2017]).
  11. Klimt-Original am Attersee: "Große Pappel" aus Wiener Leopold Museum. In: ots.at. (ots.at [abgerufen am 10. April 2017]).
  12. Salzburger Nachrichten: Klimts "Morgen am Teiche" auf Sommerfrische. (salzburg.com [abgerufen am 10. April 2017]).
  13. Staatssekretär Dr. Harald Mahrer eröffnet Sonderausstellung im Gustav Klimt Zentrum am Attersee. In: ots.at. (ots.at [abgerufen am 10. April 2017]).
  14. Freundinnen (Wasserschlangen I) – Werke – Digitales Belvedere. Abgerufen am 10. April 2017.
  15. Emilie Flöge Modedesignerin der Wiener Werkstätte. Abgerufen am 10. April 2017.
  16. Sonderausstellung im Gustav Klimt Zentrum am Attersee: Emilie Flöge – Reform der Mode. Inspiration der Kunst. In: ots.at. (ots.at [abgerufen am 10. April 2017]).
  17. Geschichte der Stiftungsgründung - klimt-foundation.com. Abgerufen am 10. April 2017.
  18. Zweck der Stiftung - klimt-foundation.com. Abgerufen am 10. April 2017.
  19. Zweck der Stiftung - klimt-foundation.com. Abgerufen am 10. April 2017.
  20. Edition Klimt - klimt-foundation.com. Abgerufen am 10. April 2017.
  21. Edition Klimt-Research - klimt-foundation.com. Abgerufen am 10. April 2017.