Gustav Simon (Chirurg)

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Gustav Simon
Gustav Simon Familiengrab Bergfriedhof (Heidelberg)

Gustav Simon (* 30. Mai 1824 in Darmstadt; † 21. August 1876 in Heidelberg) war ein deutscher Chirurg und Hochschullehrer in Rostock und Heidelberg.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Simon studierte in Hessischen Ludwigs-Universität und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Von 1848 bis 1861 war er Militärarzt in Darmstadt. Auf Wunsch von Carl Friedrich Strempel ging er 1861 als Professor nach Rostock. 1867 wurde er Direktor und Lehrstuhlinhaber in Heidelberg. Simon förderte besonders die Kriegschirurgie, die Plastische Chirurgie und die Gynäkologie und machte die ersten erfolgreichen Nierenauslösungen.

Simon machte sich zunächst einen Namen bei der Behandlung von Blasenscheidenfisteln, eine häufige Komplikation nach den damaligen unvollkommenen Geburtshilfemethoden. Die nötigen Techniken lernte er bei Jobert de Lamballe in Paris, der dafür erstmals eine erfolgreiche Operationsmethode entwickelt hatte. Mit einigen befreundeten Darmstädter Ärzten gründete Simon ein Privathospital, das diese Methoden in Deutschland einführte. Aufgrund seines Rufs wurde er Professor in Rostock. Simon war ein hartnäckiger und experimentierfreudiger Chirurg, der ganz seinem Metier verschrieben war. Um einen besonderen Fall zu untersuchen wanderte er einmal stundenlang mit einem verstauchten Knöchel übers Land, was ihn später jahrelang zwang, sich mit Krücken fortzubewegen. 1868 nahm er den Fall der Patientin Margaretha Kleb an, bei der die Entfernung einer Eierstockgeschwulst zur Zerstörung eines Harnleiters und der Entstehung einer Fistel geführt hatte, über die sich der Urin aus der Bauchhöhle entleerte.[1] Nach mehreren vergeblichen Operationen sah er keine andere Wahl, als eine Niere zu entfernen, was damals noch niemals durchgeführt worden war. Simon experimentierte an Hunden, bevor er sich an die Operation wagte, die am 2. August 1869 vor einem Kollegenauditorium erfolgreich ausgeführt wurde.

1872 gehörte Simon zu den Gründungsmitgliedern der DGCH Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. In der Geschichte des Vereins sei er der „eigentliche intellektuelle Urheber der Gesellschaft“ gewesen. Nach der Übernahme der Rostocker Professur begannen seine Bemühungen, die Mediziner der Universitäten Kiel, Greifswald und Rostock zu einem sogenannten Baltischen Verein zusammenzubringen. Hieraus entwickelte sich die Idee einer deutschen Chirurgenvereinigung, für die Simon 1871 seine Kollegen Bernhard von Langenbeck und Richard von Volkmann gewinnen konnte. Im März 1872 starteten die drei Chirurgen ihre Gründungsinitiative mit einem Rundschreiben.

Die Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e.V. ehrt mit der „Gustav Simon Medaille“ herausragende Persönlichkeiten, die die Urologie in Deutschland maßgeblich beeinflusst und vorangebracht haben.[2]

Simon war Mitglied des Corps Starkenburgia (1843) und des Corps Saxo-Borussia Heidelberg (1845).[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Über Schußwunden, Gießen 1851.
  • Über Heilung der Blasenscheidenfisteln, Gießen 1854.
  • Die Exstirpation der Milz, Gießen 1857.
  • Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes, Frankfurt am Main 1858 Digitalisat
  • Ueber die Operation der Blasenscheidenfisteln, Rostock 1862.
  • Mitteilungen aus der chirurgischen Klinik zu Rostock, Prag 1868.
  • Chirurgie der Nieren, 2 Bände, Stuttgart 1871–1876.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ihr Leidensweg wird in Jürgen Thorwald Das Jahrhundert der Chirurgen geschildert.
  2. Gustav Simon Medaille der Südwestdeutschen Gesellschaft für Urologie e.V. online
  3. Kösener Corpslisten 1930, 38, 137; 71, 284