Gut Keudelstein

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Gut-Keudelstein unter der Keudelskuppe

Das Gut Keudelstein, auch Schloss Keudelstein genannt, ist eine Wüstung im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ehemalige Gut Keudelstein befindet sich unterhalb der Keudelskuppe (485 m) im Südeichsfeld, ungefähr zwei Kilometer ostsüdöstlich des Dorfes Döringsdorf unmittelbar an der thüringisch-hessischen Landesgrenze. Weitere Nachbarorte sind die zum Unstrut-Hainich-Kreis gehörenden Orte Lengenfeld unterm Stein im Osten und Hildebrandshausen im Südosten, sowie das hessische Wanfried im Süden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die durch Steinbrüche gestörte Kuppe hat wahrscheinlich in der vor- oder frühgeschichtlichen Zeit eine Befestigungsanlage getragen.[1] Die Flächen am Fuß dieser vorgeschichtlichen Verteidigungsanlagen haben sicher zur Versorgung der sich dort schützend untergebrachten Menschen und Haustiere gehört. Eine erste mittelalterliche Ansiedlung wurde für 1354 als Kywolsdorff nachgewiesen.[2] Irgendwann verlor diese Verteidigungsart die Bedeutung und auch das Gut zur Stabilisierung der Versorgungslage fiel wüst.

Herrenhaus („Schloss“) Keudelstein um 1905

Von 1583 bis 1669 wurde das Gut etappenweise auf den Resten der Wüstung Kubsdorf durch Bernd Keudel als Vorwerk erbaut. Es entwickelte sich zum Stammsitz der adligen Familie von Keudell. Mehrere Eigner bewirtschafteten unter den Wirren der Zeit das Anwesen. 1901 kaufte Alexander von Keudell aus Eschwege das Gut seiner Gründungsvorfahren für 21.000 Mark. 1910 wohnten auf dem Gut Keudelstein 48 Personen. Zum Gut gehörte auch noch ein benachbartes Forsthaus.

1945 wurde in Durchführung des Potsdamer Abkommens die Bodenreform auf der Fläche von 213 Hektar und dem gesamten Inventar durchgeführt. Alexander von Keudells Erben wurde enteignet. Am 2. Juni 1948 wurde ein Teil des dreistöckigen Herrenhauses abgebrochen, um Baumaterial für Neubauernstellen zu gewinnen. Das Erdgeschoss und die Kellergewölbe des Herrenhauses blieben stehen. Das Volkseigene Gut Großtöpfer und die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Hildebrandshausen bewirtschafteten später alle Flächen, auch die der Neubauern und des Restgutes. Die Restgebäude des Gutes wurden von der LPG genutzt. Da diese Gebäude direkt an der Innerdeutschen Grenze lagen, sollten sie beseitigt werden.[3] 1978 erging der Befehl zum vollständigen Abriss des Gutes, um Fluchten aus der DDR zu verhindern. 1990–2006 bewirtschaftet die Agrargenossenschaft Lengenfeld unterm Stein e.G. den Hof und nutzte das ehemalige Gutsgelände.

Heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gutsgelände findet man nur noch Reste von Kellergewölben. Lediglich zwei Steinfiguren konnte vor dem Abriss gerettet werden und stehen heute bei der Heiligenstädter Marienkirche. Mehrere Wanderwege erschließen die Gegend entlang des Grünen Bandes. Ein Bürger aus Lengenfeld unterm Stein erwarb 2007 das ehemalige Gutsgelände mit einer Fläche von 11.000 m² und legte einen Teich an, der als Biotop das ehemalige Gutsgelände bereichern wird.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gut Keudelstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze, Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 155
  2. Erhard Müller: Die Ortsnamen des Kreises Heiligenstadt. Heilbad Heiligenstadt 1989, S. 28
  3. Volker Große, Gunter Römer: Verlorene Kulturstätten im Eichsfeld 1945 bis 1989 Eine Dokumentation. Eichsfeld Verlag, Heilbad Heiligenstadt, 2006, Seite 73

Koordinaten: 51° 12′ 32″ N, 10° 11′ 1″ O