Guy Patin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Guy Patin

Guy Patin (auch in der Schreibweise Gui Patin; * 31. August 1601 in Hodenc-en-Bray, Département Oise; † 30. August 1672 in Paris) war ein französischer Mediziner, Professor für Chirurgie und Medizin sowie Dichter und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guy Patin stammte aus einer Juristenfamilie, ging auf das Collège de Beauvais und in Paris auf das Collège de Boncourt. Er studierte zunächst Theologie, entschloss sich aber gegen den Elternwillen zum Medizinstudium. In Paris studierte er dann Medizin, arbeitete als Korrektor in einer Druckerei und wurde 1624 zum Doktor der Medizin promoviert. 1625 heiratete er eine vermögende Frau.[1]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1646 wurde Patin auf den Lehrstuhl für Chirurgie in Paris berufen. Patin war 1650 bis 1652 Dekan (Doyen) der Medizinischen Fakultät in Paris. 1654 wurde er Nachfolger von Riolan,[2] der den Lehrstuhl für Anatomie, Botanik und Pharmazie innehatte, und ab 1655 Professor der Medizin am Collège Royale (Collège de France).

Er war Mitglied der Akademie von Henri Louis Habert de Montmor.

Er ist für seine Korrespondenz bekannt, die ihn als frühen Freidenker zeigt und auch als Dokument der Medizingeschichte von Bedeutung ist.[3] Sie wurde rund zehn Jahre nach seinem Tod veröffentlicht. Patin schrieb auch Gedichte, organisierte Neuausgaben und war als Büchersammler bekannt. Er handelte mit offiziell verbotenen Büchern wie auch sein Sohn Charles Patin. Beide wurden deshalb 1666 verhaftet und Charles Patin erhielt 1668 eine lebenslange Galeerenstrafe.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Naudaeana et Patiniana, ou, Singularitez Remarquables, Paris 1701 (Herausgeber Jean-Aymar Piganiol), Amsterdam 1703 (Vorwort Pierre Bayle) (Gespräche zwischen Patin und seinem Freund Gabriel Naudé)
  • Lettres du temps de la Fronde, Paris 1921
  • L’esprit de Guy Patin, tiré de ses conversations, Amsterdam 1709 und 1713
  • Lettres choisies de feu M. Guy Patin, Paris 1685, 2. Auflage 1688
  • Lettres choisies de feu M. Guy Patin, Paris, 2 Bände 1692, Den Haag: Van Bulderen, 3 Bände 1707-1725
  • Nouvelles lettres de feu M. Gui Patin, tirées du cabinet de Mr. Charles Spon, 2 Bände, Amsterdam 1718
  • Antoine Adam (Herausgeber): Les libertins au XVIIe siècle, Paris 1964
  • Jacques Prévot (Herausgeber): Libertins du XVIIe siècle, Gallimard, 2 Bände 1998

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Francis Packard: Guy Patin and the medical profession in Paris in the XVIIth century, New York 1970.
  • Barbara I. Tshisuaka: Patin, Guy. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1115.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Guy Patin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barbara I. Tshisuaka: Patin, Guy. 2005, S. 1115.
  2. Barbara I. Tshisuaka: Patin, Guy. 2005, S. 1115.
  3. Beispielsweise die Reaktion in Paris auf William Harveys Entdeckung des Blutkreislaufs, auf die Entdeckungen von Jean Pecquet, Medikamente aus Antimon, Einführung Chinin. Er korrespondierte zum Beispiel mit dem befreundeten Mediziner Charles Spon in Lyon und Belin in Troyes.