Guy Stern

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Guy Stern (* 14. Januar 1922 in Hildesheim[1]) ist ein amerikanischer Literaturwissenschaftler deutsch-jüdischer Herkunft.

Leben[Bearbeiten]

In Hildesheim als Günther Stern in einer assimilierten jüdischen Familie aufgewachsen, emigrierte er 1937 mit Hilfe eines Onkels aus St. Louis und des amerikanischen Konsuls in Hamburg als einziges Mitglied seiner fünfköpfigen Familie in die USA. Auch später gelang es ihm nicht, sie nachzuholen. Nach Kriegsende erfuhr er, dass seine ganze Familie deportiert wurde und im Warschauer Ghetto umgekommen ist.[2]

Ab 1940 studierte Stern zunächst Romanistik, später Germanistik. 1942 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst, wurde aber erst später eingezogen. im „Military Intelligence Training Center” in Camp Ritchie, Maryland erhielt er eine Spezialausbildung und wurde so zu einem der sogenannten Ritchie Boys, einer überwiegend aus Emigranten gebildeten Einheit des Militärnachrichtendienstes. 1944 landete er drei Tage nach Invasionsbeginn in der Normandie. Er wurde im IPW (interrogators of prisoners of war) Team 37 eingesetzt, es bestand aus sechs Personen und verhörte bis Kriegsende deutsche Kriegsgefangene und Überläufer. Er erhielt für seinen Einsatz den Bronze Star.[3] [4]

Nach dem Krieg nahm er sein Studium wieder auf, machte 1948 seinen B. A. in Romanistik, 1950 den M. A. in Germanistik, 1953 folgte die Promotion. Nach Lehrtätigkeiten an der Columbia University New York City wurde er 1963 Professor und Abteilungschef für deutsche Sprache und Literatur an der University of Cincinnati, danach University Dean, ab 1975 an der University of Maryland. 1978 folgte die Berufung an die Wayne State University in Detroit, wo er ab 1981 Distinguished Professor für Deutsche Literatur- und Kulturgeschichte war. Gastprofessuren führten ihn an die Universitäten Freiburg im Breisgau, Frankfurt am Main (1993), Leipzig (1997), Potsdam (1998) und München als Mercador Professor.

Er ist der Direktor eines Instituts des Holocaust-Museums in Detroit sowie einer der Mitbegründer der Lessing Society, deren Präsident er von 1975 bis 1977 war. Als Autor und Herausgeber veröffentlichte er zahlreiche Bücher und Sammelwerke zur deutschen Literaturgeschichte, insbesondere zur Emigranten- und Immigrantenliteratur. 1988, bei der Enthüllung des Erinnerungsdenkmals am ehemaligen Standort der zerstörten Hildesheimer Synagoge am Lappenberg, trug er eine Ansprache bei. 1998 hielt er zum sechzigsten Jahrestag der Reichspogromnacht im Bonner Bundestag einen Vortrag.

Stern erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland (1987) und die Goethe-Medaille (1989). Bei der Vorstellung einer Festschrift für Stern 2005 hob die damalige bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier in ihrer Laudatio den erzieherischen Charakter seines Lebenswerks und -wegs hervor, in dem Stern sich in besonderer Weise für die Stärkung der geistigen Grundlagen der Freiheit in Deutschland eingesetzt habe: „Sie selbst“, so Hohlmeier, „stellen für Lernende eine Identifikationsfigur dar: Ihr Lebensweg gibt anderen Orientierung, Ihre gelebte Vita zeichnet eine Spur, die anderen ein Weg sein kann.“[5]

Stern ist mit der deutschen Schriftstellerin Susanna Piontek[6] verheiratet.

Am 5. März 2012 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Hildesheim verliehen.[7]

Werke[Bearbeiten]

  • War, Weimar and literature. The story of the Neue Merkur, 1914-1925. University Park: Pennsylvania State University Press 1971.
  • Literatur im Exil. Gesammelte Aufsätze 1959 – 1989. Ismaning 1989.
  • Literarische Kultur im Exil. Gesammelte Beiträge zur Exilforschung (1989 - 1997) . Dresden u.a. 1998.
  • Fielding, Wieland, Goethe and the rise of the novel. Frankfurt am Main u.a. 2003.

Literatur[Bearbeiten]

  • Konrad Feilchenfeldt/Barbara Mahlmann-Bauer (Hg.): Autobiographische Zeugnisse der Verfolgung. Hommage für Guy Stern. Heidelberg: Synchron 2005. ISBN 3-935025-50-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joshua Franklin: Victim Soldiers. German-Jewish Refugees in the American Armed Forces during World War II., Seite 28 (S. 34 des PDF)
  2. Guy Stern: Rede vom 9. November 1998 anlässlich der Veranstaltung „Als die Synagogen brannten" (Weblink)
  3. Artikel Guy Stern auf www.ritchieboys.com
  4. http://www.centrumjudaicum.de/veranstaltungen/veranstaltungsarchiv/11-november-2014-17-30-uhrvortrag-von-professor-guy-stern-detroit-usawir-waren-ritchie-boys-erinnerungen-an-meinen-freund-kurt-jasen/
  5. Werner Karg: Festschrift für Guy Stern. In: Einsichten und Perspektiven 01/2005 (Weblink)
  6. Homepage von Susanna Piontek
  7. Stadt Hildesheim: Guy Stern, Biographie. Abgerufen am 10. April 2015