Győrsövényház

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Győrsövényház
Wappen von Győrsövényház
Győrsövényház (Ungarn)
Győrsövényház
Győrsövényház
Basisdaten
Staat: Ungarn
Region: Westtransdanubien
Komitat: Győr-Moson-Sopron
Kleingebiet bis 31.12.2012: Csorna
Kreis ab 1.1.2013: Győr
Koordinaten: 47° 41′ N, 17° 22′ OKoordinaten: 47° 41′ 25″ N, 17° 22′ 21″ O
Fläche: 24,21 km²
Einwohner: 754 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte: 31 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 96
Postleitzahl: 9161
KSH kódja: 19309
Struktur und Verwaltung (Stand: 2015)
Gemeindeart: Gemeinde
Bürgermeister: Imre László Hokstok (parteilos)
Postanschrift: Petőfi Sándor u. 100
9161 Győrsövényház
Website:
(Quelle: A Magyar Köztársaság helységnévkönyve 2011. január 1. bei Központi statisztikai hivatal)

Győrsövényház [ˈɟøːrʃøveːɲhaːz] (deutsch: Plankenhaus[1][2], Plankenhausen[3]) ist eine ungarische Gemeinde im Kreis Győr im Komitat Győr-Moson-Sopron.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Győrsövényház liegt ungefähr 15 Kilometer westlich der Kreisstadt Győr im nordwestlichen Teil Ungarns. Nachbargemeinden sind Bezi, Fehértó (deutsch Weissensee) und Lébény (deutsch Leyden, seit 2013 Stadtrechte).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedhofskapelle (Temetőkápolna), erbaut 1927

Die Kapelle wird seit langer Zeit nicht mehr genutzt da im Rahmen einer kompletten Friedhofsumgestaltung eine moderne Aussegnungshalle gebaut wurde. An den Außenwänden der sanierungsbedürftigen Kapelle sind Gedenktafeln angebracht. Sie erinnern an die Opfer des Ersten Weltkrieges.

  • Glockenturm (Harangláb), erbaut 1925
  • György-Fricke-Aussichtsturm (Fricke György-kilátó), erbaut 2016
  • Marien-Säule (Mária-oszlop), erbaut 1890, im Kirchgarten
  • Römisch-katholische Kirche Keresztelő Szent János, erbaut im 18. Jahrhundert (Barock)
  • Gedenktafel, errichtet im Mai 2007 vom Verein Györsövényház zum Gedenken an die Heimatvertriebenen, an der Außenseite der römisch-katholischen Kirche.
  • Denkmal, erbaut 2011, vom Verein Györsövényház.
    Initiatoren waren Gábor Hancz (Präsident des Vereins der Heimatvertriebenen) und Isabella Horváth, beide aus Györsövényház. Es steht in der Ortsmitte. Die Namen, in den schwarzgrauen Stein eingemeißelt, der Gefallenen und Toten, sowie die Namen der vertriebenen Ungarndeutschen sind in vier Absätzen aufgeführt.
    Die deutsche Übersetzung lautet für die Überschrift "Die Opfer der unheilvollen Epoche Mitte des 20. Jahrhunderts von Györsövényház/Plankenhausen". Im ersten Absatz sind die Namen der Toten durch den 2. Weltkrieg aufgeführt.Im zweiten Absatz sind die Namen der Holocaust-Opfer zu lesen. Im dritten Absatz werden die Namen der Toten aufgeführt die beim Einmarsch der sowjetischen Truppen durch deutsche Geschosse ihr Leben verloren. Im vierten (letzten) Absatz sind die Namen der vertriebenen Familien aufgeführt.
  • Denkmal, dreieckig, aus hellgrauem Granit mit seitlicher Gedenktafel, zweisprachig
    Das Denkmal wurde 2012 von der Deutschen Selbstverwaltung in Györsövényház errichtet. Es erinnert an die Besiedlung des Dorfes durch deutsche Siedler, nachdem es durch Krieg niedergebrannt war. Das Denkmal trägt die Jahreszahl 1712 als Beginn der Besiedlung durch die Deutschen. Die Ortsverwaltung datiert jedoch diesen Zeitpunkt auf die Jahre 1715 oder 1718. Auf der seitlich, auf zwei Holzpfosten, stehenden Holztafel ist auf einer Seite die Geschichte des Dorfes in ungarischer, auf der anderen Seite in deutscher Sprache niedergeschrieben. Die Geschichte, in Kurzform, beginnt mit der ersten Erwähnung des Ortes 1396 und der deutschen Besiedlung (wird hier nach 1710 angegeben) und endet mit der Vertreibung der Deutschen 1946.
  • Das Feuerwehrhaus mit Glockenturm wurde 1925 erbaut
    Es befinden sich eine Löschwasserspritze und Geräte zur Feuerbekämpfung darin. Im Turm befinden sich zwei Glocken. Diese werden im Brandfall nicht mehr geläutet. Die kleine Glocke wird als "Glocke der Seele" bezeichnet und nach einem Sterbefall im Ort geläutet.
  • Das Rathaus, erbaut in den 1930er Jahren.
    Es war das einzige zweigeschossige Gebäude im Ort bis zum Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 2006 wurde es renoviert. Das Dach wurde erneuert, das Gebäude erhielt eine Wärmeisolierung und die, bisher weiße, Außenfarbe wurde durch einen gelben Anstrich ersetzt. Die Amtsräume des Bürgermeisters befinden sich im Erdgeschoss. Die Räume im Obergeschoss sind an eine Familie vermietet.
  • Das Dorfgemeinschaftshaus, erbaut 2011
    Es steht in der Gárdonyi Géza Straße. Es hat einen Saal mit Bühne sowie eine gastronomische Grundausstattung. Die Bücherei der Gemeinde ist auch im Gebäude untergebracht. Auf diesem Grundstück stand das alte Schulgebäude. Es wurde abgerissen, nachdem es Jahrzehnte der staatlichen Schule diente. Die staatliche Schule und der staatliche Kindergarten sowie eine Waldorf Schule und ein Waldorf Kindergarten sind heute im, ehemals herrschaftlichen, Anwesen der ehemaligen Großgrundbesitzerfamilie "von Fricke" ( 1945 geflüchtet ) untergebracht.
  • Das Jugendzentrum auf dem Areal der röm. katholischen Kirche
    Das alte Pfarrhaus war in einem baulich schlechten Zustand und wurde in den 1990er Jahren abgerissen. Nach dem Tod des deutschstämmigen und deutschsprachigen Pfarrers Michael Wolf war es verweist. Die Kirchenverwaltung stellte die Neubesetzung der Pfarrerstelle in Aussicht, wenn ein neues Pfarrhaus mit Jugendräumen gebaut würde. Daraufhin erfolgte der Abriss mit anschließendem Neubau. Die Pfarrerstelle wurde nicht mehr besetzt, die Katholiken werden seither von der Pfarrei Lébény ( Nachbarort) mitversorgt.
    Die Jugendräume sind geblieben. Der Neubau seinerzeit wurde von vielen heimatvertriebenen Familien, ehemaligen Einwohnern und Nachkommen aus Györsövényház, finanziell unterstützt.Sie leben und lebten alle im Kreis Limburg-Weilburg. Theresia Rieber, geb. Szabó (9. November 1930 – 11. Dezember 2016) aus Bad Camberg - Würges hatte mit ihrem Ehemann Günter eine Spendensammlung zur Förderung des Neubaus organisiert. Das Ergebnis war ein Betrag von 5100,00 DM, der 1997 dem amtierenden Bürgermeister in Györsövényház überreicht wurde.
  • Der Fluss Rabnitz ( Rábca )
    Die Rabnitz entsteht in Niederösterreich im Ortsteil Blumau der Gemeinde Hollenthon. Sie fließt durch das mittlere Burgenland. Im Bereich der österreichischen-ungarischen Grenze fließt sie durch die Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel ( teils UNESCO - Welterbe ) und den Nationalpark Fertö-Hanság. Hanság ist eine Niedermoorlandschaft. Sie wurde in den vergangenen Jahrhunderten durch Kanal- und Wassergrabensysteme fast komplett entwässert. Die jahreszeitlich schwankenden Wasserstände des Großraumes Neusiedler See werden dadurch reguliert. Im Bereich von Györsövényház befinden sich Deichanlagen sowie eine Schleuse mit Schleusenwärterhaus. Die Rabnitz fließt bei Györ ( Raab ) in einen rechten Seitenarm der "Kleinen Donau" ( Moson-Donau ), kurz vor Einmündung der Raab in die "Kleine Donau". Teilbereiche auf ungarischer Seite, längs der Rabnitz, sind Naturschutzgebiete.
  • Das Denkmal der "Gute Hirte" wurde 1921 erbaut, 2017/2018 komplett restauriert.
    Stifter waren Johann Husz und Maria Göltl im Jahr 1921. Das Denkmal steht in der Ortsmitte von Györsövényház und ist Zeichen für tiefe Verwurzelung im katholischen Glauben aber auch Zeichen deutscher Einwandererfamilien und ihrer Nachkommen. Diese wurden, nach dem Ende der Türkenkriege, also nach 1710 zum Aufbau des niedergebrannten Dorfes vom Jesuitenorden angesiedelt. Die Siedler kamen damals überwiegend aus Bayern.
    Bei der Volkszählung 1941 wurden 1312 Einwohner registriert. Davon waren mehr als 900 Personen dem "Deutschtum" oder der "deutschen Sprache" zugehörig. Durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges, Flucht und Vertreibung in den Jahren 1945/1946, verließen 621 registrierte, deutschstämmige Personen das Dorf. Sie wurden direkt oder "über Österreich" in Deutschland angesiedelt. Ungefähr 100 weitere, deutschstämmige, Personen flüchteten als kleine Gruppen oder einzelne Familien zusätzlich. Zielgebiete in Deutschland waren der Kreis Limburg-Weilburg, Raum Mosbach und Raum Passau. Der Verlust dieser großen Anzahl an Einwohnern wurde durch ungarische Familien, teilweise, "aufgefüllt". Anfang 2018 zählte der Ort knapp 800 Einwohner.
    Das Denkmal überstand den Zweiten Weltkrieg relativ gut, nur die linke Hand des "Guten Hirten" wurde abgeschossen. Die Mitstifterin Maria Höck ( geborene Göltl ) hatte sie aufbewahrt und bei der Vertreibung mit nach Deutschland genommen. Sie wollte diese später wieder befestigen lassen. Dazu ist es leider nicht mehr gekommen, auch wurde diese Hand von ihren Nachkommen anscheinend nicht aufbewahrt. Die Hand wurde jedoch später an der Statue ersetzt. Über die Jahrzehnte war der Zustand der Statue aber auch des gesamten Denkmals von der Witterung in Mitleidenschaft gezogen worden. Im Jahre 2002 wurde daraufhin das Denkmal, ursprünglich war die Statue farbig dann stark verblasst, komplett mit einem weissen Anstrich überzogen worden. Stifterin dieser Maßnahme war die Tochter eines Zahnarztes aus Kanada (offensichtlich mit Wurzeln in Györsövényház). Die Wiedereinweihung erfolgte am 24. August 2002.
    2016 hatte Johann Geigl aus Saulheim, selbst Heimatvertriebener, die Interessengemeinschaft der "Heimatvertriebenen, Flüchtlinge, deren Nachkommen und Freunde" ins Leben gerufen, die auch für die Restaurierung des Denkmal sorgte. Gábor Hancz,stellvertretneder Bürgermeister, hatte sich um die Ausführung der Arbeiten und die Einholung eines Kostenvoranschlages gekümmert. Er konnte die Akademie der Bildenden Künste in Budapest für die Restaurierung gewinnen. Die Professoren Richárd Káldy und Balázs Szemerey-Kiss übernahmen mit zwei Studenten die Arbeiten kostenfrei. Für die Übernahme der Kosten von Material und Transporte in Höhe von ca. 3900 Euro konnten Johann Geigl und Roland Göltl, Mosbach ( von der Interessengemeinschaft) Franz und Gertrud Schenzinger Stiftung aus Obrigheim am Neckar gewinnen. Am 24. Juli 2018 wurde das Denkmal wieder eingeweiht. Der Diözesanbischof András Veres aus Győr, nahm mit dem Ortspfarrer Tibor Gögh, die Einsegnung vor. Zoltán Németh, President des Komitates Györ-Moson-Sopron hielt die Festrede, eine Reisegruppe der Interessengemeinschaft und Nachkommen der ehemaligen Stifterfamilien nahmen am Festakt teil.[4]
  • Die Allee
    Die Hauptzufahrt zum "Fricke Schlösschen" ist von einer Kastanienallee gesäumt. In der ungarischen Sprache heißt Allee "fasor". Im regionalen Sprachgebrauch, besonders im Ort, wurde das Wort "Allee" in die ungarische Sprache übernommen. Am Ende der Allee bildet die Straße einen Kreis. Dieser ist die "Vorfahrt" zum Haupteingang. Heute ist der Kreis mit kleinen Bäumen bewachsen. Auf früheren Ansichtskarten war der Kreis eine, "gärtnerisch gestaltete" Blumenanlage.
  • Die Bank der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge
    Am 24. März 2017 wurde diese Bank von der Reisegruppe der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, sowie Nachkommen und Freunde gestiftet. Sie steht mit Blick auf das Denkmal von 2011 mit den Namen der Heimatvertriebenen Familien in der Ortsmitte. Sie wurde, mit Hinweischild auf die Spender 2017 aufgestellt.
  • Das Fricke Schlößchen, heute Schulgebäude
    Das Fricke Schlößchen wurde im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts vom Jesuitenorden erbaut. Dieser Orden war damals der größte Landbesitzer des Dorfes bis 1773. Danach kam, durch Einheirat, des Feldherrn Georg von Fricke aus Celle bei Hannover das Schlößchen und große Ländereien in seinen Besitz. Bis Ende des 2. Weltkrieges war es Eigentum mehrerer Fricke Familien. Letzter Eigentümer war Valére von Fricke, Großgrundbesitzer und Parlamentsabgeordneter im ungarischen Parlament. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges diente das Gebäude einer Landwirtschaftschule, bis gegen Ende der 1950iger Jahre. Danach wurden die staatliche Schule und der Kindergarten im Gebäude etabliert. 1990, nach dem Ende des Kommunismus, wurde die Schule von der örtlichen Selbstverwaltung weitergeführt. 2007 wurde die Oberstufe der Grundschule wegen Schülermangel eingestellt.

Im Jahr 2008 zog zusätzlich eine Waldorf Schule in das Gebäude ein. Wenige Jahre später folgte ein Waldorf Kindergarten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Győrsövényház treffen die Landstraßen Nr. 8417 und Nr. 8503 aufeinander. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befinden sich südlich in Enese und nördlich in Lébény-Mosonszentmiklós, zirka 9 Kilometer entfernt an der Hauptstrecke Wien - Györ (Raab ).Zur Autobahn E 60/E75 Wien - Györ - Budapest, Ausfahrt Lébény (Leyden), ist die Entfernung zirka 9 Kilometer. Die Autobahn ist gebührenpflichtig (Vignette). Die nahegelegene Bundesstraße 85 führt von Sopron (Ödenburg), österreichische Grenze, nach Györ ( Raab ). Sie ist im Teilbereich, vor Györ, vierspurig ausgebaut und ebenfalls gebührenpflichtig ( separate Vignette ).

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitschrift für Ostforschung: Länder und Völker im östlichen Mitteleuropa. N.G. Elwert., 1962, S. 238.
  2. Beiträge zur Namenforschung. C. Winter., 1969, S. 269.
  3. Das Portal der Ungarndeutschen, Treffpunkt, Ungarndeutsche Ortsnamen, Kapitel Györ-Mason-Sopron (Komitat Raab-Györ-Wieselburg ), 14. Seite (vorletzte Seite)
  4. A Rhein-Neckar-Zeitung beszámolt a Jó pásztor szobor avatásáról / Freundschaft mit Leben gefüllt. In: gyorsovenyhaz.hu / Rhein-Neckar-Zeitung. 13. Juli 2018, abgerufen am 3. August 2018 (ungarisch, deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Győrsövényház – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien