Häggenschwil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Häggenschwil
Wappen von Häggenschwil
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton St. GallenKanton St. Gallen Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: St. Gallenw
BFS-Nr.: 3201i1f3f4
Postleitzahl: 9312 Häggenschwil
9308 Lömmenschwil
9315 Winden (Raach)
Koordinaten: 743521 / 262094Koordinaten: 47° 29′ 38″ N, 9° 20′ 36″ O; CH1903: 743521 / 262094
Höhe: 565 m ü. M.
Höhenbereich: 463–611 m ü. M.
Fläche: 9,07 km²
Einwohner: 1365 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 150 Einw. pro km²
Gemeindepräsident: Raffael Gemperle (parteilos)
Website: www.haeggenschwil.ch
Häggenschwil von Süd.jpg

Lage der Gemeinde
BodenseeHorber WeierRüütiweierHoorbacherweierHauptwiler WeierBildweierGübsenseeUnterer BurgweierMannenweierBuebenweierChrüzweierWenigerweierRütiweierSchlossweierKanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell AusserrhodenKanton Appenzell InnerrhodenKanton Appenzell InnerrhodenHäggenschwilKanton ThurgauKanton ThurgauÖsterreichWahlkreis RorschachWahlkreis RorschachWahlkreis RheintalWahlkreis ToggenburgWahlkreis WilAndwil SGEggersrietGaiserwaldGossau SGHäggenschwilHäggenschwilMuolenSt. GallenWaldkirch SGWittenbach SGWittenbach SGKarte von Häggenschwil
Über dieses Bild
w

Häggenschwil ist eine Ortschaft und eine politische Gemeinde im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Sie befindet sich im Wahlkreis St. Gallen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Dorf Häggenschwil auf Täschlehausen, im Hintergrund Alpstein mit Säntis

Häggenschwil liegt an der Sitter zwischen St. Gallen und Amriswil. Die Landschaft ist geprägt durch das leichtgewellte Gelände mit parallel verlaufenden Moränenhügeln aus der letzten Eiszeit.[2]

Die Gemeinde verfügt über eine Exklave in der Gemarkung der Gemeinde Egnach im Kanton Thurgau. Es ist der Hof Raach, der gleichzeitig mit 463 m ü. M. auch den tiefsten Punkt der Gemeinde bildet.[3] Ruggisberg an der Gemeindegrenze zu Roggwil TG bildet ebenfalls eine Exklave, welche durch eine Exklave der Gemeinde Wittenbach von Häggenschwil getrennt ist.

Zur Gemeinde gehören die Ortschaft Häggenschwil, – die ihrerseits aus dem gleichnamigen Dorf und den Weilern Agen, Bauel, Kollerberg (Chollerberg), Täschlehausen und Wetzensberg besteht.[4] – die Ortschaft Lömmenschwil und der Hof Raach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgruine Alt-Ramswag von Südosten. Kolorierte Lithografie von Jakob Lorenz Gsell, um 1827

Auf dem Gemeindegebiet wurde ein Grabhügel mit Brandbestattung, vermutlich aus der Hallstattzeit, entdeckt. Eine dauernde Besiedlung ist seit dem Frühmittelalter nachgewiesen. Es entstanden Einzelhöfe, unter anderem der später in zwei Teile zerfallene Hof Häggenschwil, am Sittergraben die Burgen Alt-Ramswag und Neu-Ramswag sowie die sogenannte Waldburg, das mutmassliche Refugium der Mönche des Klosters St. Gallen beim Ungarneinfall von 926. Zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert bildete sich die Grundherrschaft des Klosters St. Gallen über das nachmalige Gemeindegebiet heraus. Häggenschwil wurde 1419 als Hergnschwylen erstmals urkundlich erwähnt. Das Gemeindegebiet wurde bis zur Entstehung der politischen Gemeinde Häggenschwil nach der ursprünglich bedeutendsten Siedlung Lömmenschwil genannt und stellte innerhalb des Landshofmeisteramts der Fürstabtei St. Gallen eine Hauptmannschaft des Hofgerichts dar.[5]

St.-Notker-Kirche mit Pfarrhaus

Kirchlich gehörten die Gemeindeteile verschiedene Pfarreien an, bis 1728 eine eigene Pfarrei mit Notker-Patrozinium geschaffen wurde. Der Standort der Kirche beim Doppelhof Häggenschwil förderte die Entwicklung des Dorfs, so dass dieses die Siedlung Lömmenschwil bald an Bedeutung übertraf und der 1803 gegründeten politischen Gemeinde den Namen gab. Häggenschwil war 1803–1831 dem Bezirk Rorschach, 1831–1918 dem Bezirk Tablat und 1918–2002 dem Bezirk St. Gallen zugeteilt.[5]

Wirtschaftlich dominierte in Häggenschwil bis ins 19. Jahrhundert der Ackerbau, wobei bis zum Ende des Ancien Régime die Dreizelgenordnung galt. Im 19. Jahrhundert setzten sich Milchwirtschaft, Viehzucht und Obstbau durch. Daneben wurde von alters her Heimarbeit für die St. Galler Textilindustrie geleistet. 1903 wurde eine Viehzuchtgenossenschaft und 1917 Obstverwertungsgenossenschaft gegründet. Von der Industrialisierung wurde Häggenschwil nur am Rand berührt (Stickereifabrikation). Seit 1910 ist der Ort ans Netz der Bodensee-Toggenburg-Bahn, die 2001 zur Südostbahn fusionierte, angeschlossen. Trotz eines 1963 eröffneten und inzwischen wieder eingestellten industriellen Lebensmittelbetriebs, einer Grosstankanlage, Gewerbebetrieben und Wegpendlern ins nahe St. Gallen blieb der bäuerliche Charakter Häggenschwils bis heute gewahrt.[5]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häggenschwil-blazon.svg

Das Gemeindewappen ist eine Neuschöpfung und wurde durch Gemeinderatsbeschluss vom 25. Januar 1937 auf Vorschlag der kantonalen Wappenkommission erkoren.[6] Es stellt zwei herschauende, rotbewehrte und rotgezungte golden gekrönte Leoparden auf gelb dar. Dies ist abgeleitet vom Wappen des Rittergeschlechts der Herren von Ramschwag.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1850 1900 1950 1980 2000 2010 2015 2019
Einwohner 850 926 908 787 1143 1187 1264 1390
Quelle [5] [8]
Religionszugehörigkeit
Jahr Katholiken Protestanten Andere/
Konfessionslose
1976 695 132 22
1987 742 141 18
2016 783 290 224

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tanklager beim Bahnhof Häggenschwil-Winden
Fussgängersteg über die Sitter zwischen Häggenschwil und Bernhardzell

In Lömmenschwil zweigt die Hauptstrasse 451 nach Neukirch-Egnach von der Hauptstrasse 471 St. Gallen–AmriswilScherzingen TG (–Kreuzlingen) ab.

Die Gemeinde Häggenschwil leistete bereits 1887 einen Beitrag für die Projektstudien einer Strasseneisenbahn von St. Gallen nach Amriswil. Dieses Projekt wurde allerdings nie realisiert. 1897 übernahm die Gemeinde Häggenschwil einen Anteil am Aktienkapital der Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT). Wegen des Namens und dem Standort des zukünftigen Bahnhofs kam es zum Streit zwischen der Gemeinde Häggenschwil und Egnach. Schliesslich wurde der Bahnhof etwa 25 Gehminuten von Häggenschwil auf Egnacher Gebiet gebaut, dafür mit dem Namen Häggenschwil-Winden.[9] Am 3. Oktober 1910 wurde die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) mit dem Bahnhof Häggenschwil-Winden eröffnet. Die Bahnlinie gehört seit 2001 der Südostbahn (SOB) und ist Teil der S-Bahn St. Gallen. Seit dem 15. September 1952 sorgt die Postautolinie Häggenschwil-Winden–Lömmenschwil–Häggenschwil, die heute weiter nach Wittenbach führt, für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr.

1963 bis 1975 wurde beim Bahnhof, aber bereits auf Häggenschwiler Gemeindegebiet, ein Heizöl- und Benzinlager mit 300 Millionen Litern Lagerkapazität errichtet.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenansicht der Kirche St. Notker
Deckenfresko in Kirche
Katholische Kirche St. Notker
Kapelle Ruggisberg

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1839: Josef Gallus Popp, Pfarrer in Häggenschwil
  • 1955: Josef Staub-Bieger, in Würdigung seiner 25-jährigen Tätigkeit als Gemeindevorsteher von Häggenschwil
  • 1968: Edwin Hugentobler-Hauser, Sekundarlehrer, langjährige treue Lehrtätigkeit an der Schule Häggenschwil
  • 1968: Josef Gerig-Eicher, Primarlehrer, langjährige treue Lehrtätigkeit an der Schule Häggenschwil
  • 1968: Johann Räschle-Angehrn, Primarlehrer, langjährige treue Lehrtätigkeit an der Schule Häggenschwil[15]

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • o. V.: Geschichte der Gemeinde Häggenschwil. Eigenverlag der Darlehenskasse Häggenschwil, Häggenschwil 1972.
  • Sales Huber u. a.: Häggenschwil. Hrsg.: Politische Gemeinde Häggenschwil. Ostschweiz Druck+Verlag, St. Gallen 1989.
  • Ernst Scheffold (Hrsg.): Geschichte der Pfarrei Häggenschwil zum 200jährigen Jubiläum. 1728–1929. Katholisches Pfarramt Häggenschwil, Häggenschwil 1929.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Häggenschwil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Geschichte. Auf der Webseite der Gemeinde Häggenschwil, abgerufen am 1. September 2020
  3. Fakten und Zahlen unter «Porträt» auf der Website der Gemeinde Häggenschwil
  4. Localsearch. Online-Telefonverzeichnis der Swisscom, abgerufen am 26. August 2018
  5. a b c d Marcel Mayer: Häggenschwil. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. Geschichte der Gemeinde Häggenschwil. Eigenverlag der Darlehenskasse Häggenschwil, Häggenschwil 1972, S. 138.
  7. Wappen von Ramschwag auf der Website „Photos schöner alter Wappen“ (welt-der-wappen.de)
  8. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton (-) / Bezirk (>>) / Gemeinde (......), Bevölkerungstyp, Staatsangehörigkeit (Kategorie), Geschlecht und Alter. Abgerufen am 29. Dezember 2020.
  9. Sales Huber ... [et al.]: Häggenschwil. Hrsg.: Politische Gemeinde Häggenschwil. Ostschweiz Druck+Verlag, St. Gallen 1989, S. 19.
  10. Erich Trösch: Winden. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  11. Regionales Landwirtschaftsmuseum Ruggisberg (landwirtschaftsmuseum.ch)
  12. Ortsmuseum Häggenschwil unter «Freizeit» auf der Website der Gemeinde Häggenschwil
  13. Marcel Mayer: Johann Hauser. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  14. Hugo Hungerbühler: Karl Hackhofer. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  15. Geschichte der Gemeinde Häggenschwil. Eigenverlag der Darlehenskasse Häggenschwil, Häggenschwil 1972, S. 137.