Häntzschelstiege

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Video von der Durchsteigung der Häntzschelstiege

Die Häntzschelstiege ist ein Klettersteig in der Sächsischen Schweiz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiege liegt in der Gemarkung Ostrau und gehört damit zu Bad Schandau. Sie führt vom Fuß des Bloßstocks in den Affensteinen bis zur Spitze des Langen Horns, nördlich des Großen Winterbergs. Die Häntzschelstiege überwindet dabei auf einer Länge von 700 m einen Höhenunterschied von rund 160 Metern. Nach der Ende der 1990er Jahre erfolgten Sanierung zählt die Stiege 516 Stufen. Sie besteht aus zwei Teilen, zwischen dem unteren und dem oberen Teil wird der Steig von der Oberen Affensteinpromenade gekreuzt. Beide Teile können damit auch unabhängig voneinander begangen werden.

Geschichte der Stiege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angelegt wurde der Klettersteig in den 1960er Jahren durch Rudolf Häntzschel aus Sebnitz, dem die Stiege auch ihren Namen verdankt. Er baute den Steig aus eigener Initiative, ohne offizielle Erlaubnis und weitgehend im Alleingang mit Material, das er teilweise von Schrottplätzen gewonnen hatte. Er benötigte dafür an die zehn Jahre[1]. Häntzschel benannte die Stiege im Bestreben, damit ihren Erhalt gegenüber den Behörden zu sichern, zunächst Herta-Lindner-Steig, nach der 1943 hingerichteten Widerstandskämpferin Herta Lindner.[2] Der Name setzte sich allerdings dauerhaft nicht durch. Die Stiege entwickelte sich schnell zu einer beliebten Tour. Dies führte 1986 zu ersten Sanierungsarbeiten durch Anlage zusätzlicher Holzstufen am Einstieg, da die hohe Frequentierung dort zu erheblichen Erosionsschäden geführt hatte. Da es nach dem Tod von Rudolf Häntzschel im Jahr 1987 noch kaum zu Instandhaltungsmaßnahmen kam, verfielen die Bauteile allmählich.[3] 1998 gab es Pläne der Nationalparkverwaltung, die Stiege zu sperren. Dagegen gab es massive Proteste von Wandervereinen, dem Sächsischen Bergsteigerbund und der Sächsische-Schweiz-Initiative[4][5]. Daraufhin wurde zunächst der untere Teil saniert, im Jahr 2002 auch der obere Teil. Seit der Sanierung des oberen Teils wird die Stiege deutlich schwerer eingestuft, da früher verwendete Metallbleche durch einfache Stahlbügel ersetzt wurden.

Die Begehung ist nur im Aufstieg gestattet. Für den Abstieg bietet sich die Wilde Hölle, eine schmale Schlucht, an.[6]

Schwierigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Klettersteig wird mit der Schwierigkeit B[6] eingestuft.

Frequentierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es wurde vertreten, dass die Häntzschelstiege im Jahr von etwa 100.000 Wanderern begangen werde und an einzelnen Tagen knapp 1.000 Personen auf dem Steig unterwegs seien (Stand April 2017). Die Verwaltung des Nationalparks Sächsische Schweiz schätzt, dass etwa acht bis zehn Prozent der Kletterer jedoch den Aufstieg aufgrund des hohen Anspruchs wieder abbrechen.[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Bellmann: Der Klettersteigführer: Klettersteige und Stiegen in der Sächsischen Schweiz. Über 100 schöne Steiganlagen in der Sächsischen Schweiz, Heimatbuchverlag, 4. Auflage. Dresden 2019, ISBN 978-3-937537-42-9.
  • Axel Mothes: Der Weg ist das Ziel. Ein Streifzug über 50 Steiganlagen der Sächsischen Schweiz. Eigenverlag, Halle 2005.
  • Axel Mothes: Bergpfade und andere Wege im Sandstein. Band II. Eigenverlag, Halle 2009.
  • Peter Rölke (Hrsg.): Stiegen-Wanderführe Sächsische Schweiz. Unterwegs auf schmalen Pfaden und den schönsten Stiegen., Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2012, ISBN 978-3-934514-27-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bilder von der Stiege und Umgebung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.wanderpfade.de/index.asp?kat=16&wp=450
  2. Helmut Schulze: Stiegen steigen in der Sächsischen Schweiz, in: Bergsteiger 4/2011, abgerufen am 7. August 2018
  3. Michael Bellmann: Der Klettersteigführer: Klettersteige und Stiegen in der Sächsischen Schweiz. Über 100 schöne Steiganlagen in der Sächsischen Schweiz, Heimatbuchverlag, 4. Auflage. Dresden 2019, ISBN 978-3-937537-42-9, Seite 99
  4. Peter Rölke: Wanderwegekonzept Sächsische Schweiz, in: Der neue Sächsische Bergsteiger, 1/1999, abgerufen am 7. August 2018
  5. Einschätzung der Bergsportverbände Sachsens zum Wanderwegekonzept der Nationalparkverwaltung vom 26. November 1998, Sächsische Schweiz Initiative, Heft 16, Herbst 1999, abgerufen am 7. August 2018
  6. a b Dany Vehslage, Thorsten Vehslage: 25 Klettersteige in Europa mit besonderem Charakter. 2. Auflage. 2021, ISBN 978-3-7534-5421-4, S. 18–21 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. "Mutprobe Häntzschelstiege", Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 26. April 2017

Koordinaten: 50° 55′ 6″ N, 14° 14′ 9,4″ O