Höchstrechnungszins

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Mit dem Höchstrechnungszins – umgangssprachlich auch als Garantiezins bezeichnet – legt das Bundesfinanzministerium den Zinssatz fest, den Versicherungen für ihre Deckungsrückstellungen maximal zugrunde legen dürfen. Festgelegt wird der Höchstrechnungszins für:

Festlegung des Höchstrechnungszins[Bearbeiten]

Entwicklung des Höchstrechnungszinssatzes in der Lebensversicherung

Den Berechnungen des Höchstrechnungszinses liegt zunächst die von der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichte Umlaufrendite europäischer AAA-gerateter Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zugrunde, von denen die Durchschnittsrendite der vergangenen zehn Jahre berechnet wird. Unter Annahme verschiedener Zinsentwicklungen werden diese Durchschnittsrenditen in die Zukunft projiziert.[1] Der Höchstrechnungszins darf maximal 60 % der durchschnittlichen Rendite dieser zehnjährigen Staatsanleihen betragen (§ 65 Versicherungsaufsichtsgesetz). Der Höchstrechnungszins wird dabei gemeinsam von der Deutschen Aktuarvereinigung und der Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht vorgeschlagen. Endgültig festgesetzt wird der Zinssatz durch Verordnung des Bundesministerium der Finanzen. Der Höchstrechnungszins stellt laut Gesetz eine Obergrenze dar, die nicht überschritten werden darf.

Zweck des Höchstrechnungszins[Bearbeiten]

Der Höchstrechnungszins begrenzt die Verzinsung der Deckungsrückstellungen und sichert damit eine gewisse Mindesthöhe dieser bilanziellen Abbildung der Verpflichtung des Versicherers. Der bei Vertragsabschluss gewählte Zinssatz für die Deckungsrückstellung, der nicht über dem Höchstrechnungszins zu der Zeit liegen darf, darf nachträglich nicht mehr erhöht werden; gesenkt werden darf er nur, wenn der Versicherer diesen Zins selbst nicht mehr erwirtschaften kann. Damit stellt der Höchstrechnungszins sicher, dass der Versicherer ausreichend finanzielle Vorsorge in der Bilanz trifft und damit auch in Zeiten mit niedrigeren Zinsen als bei Vertragsabschluss nicht sofort überschuldet ist. Indirekt zwingt der Höchstrechnungszins für die Deckungsrückstellung aber auch die Versicherer, schon in der Kalkulation der Beiträge zukünftige Kapitalerträge nur in einem Umfang zu berücksichtigen, der nicht zu weit von dem Höchstrechnungszins abweicht. Damit wird durch den Höchstrechnungszins für die Deckungsrückstellung auch zu optimistisch kalkulierten Preisen vorgebeugt. Eine direkte Begrenzung des Zinses, der bei der Kalkulation der Beiträge verwendet werden darf, gibt es in der Europäischen Union hingegen nicht. Dieser Zins in den Beiträgen wird oft auch als „garantierter Zins“ bezeichnet, hat rechtlich aber nichts mit dem Höchstrechnungszins oder dem Zins der Deckungsrückstellung zu tun, auch wenn beide Zinssätze oft übereinstimmen.

Historische Höchstrechnungszinsen[Bearbeiten]

Zeitraum Höchstrechnungszins Quelle
01/1942 - 06/1986 3,00 %
07/1986 - 06/1994 3,50 %
07/1994 - 06/2000 4,00 %
07/2000 - 12/2003 3,25 %
01/2004 - 12/2006 2,75 %
01/2007 - 12/2011 2,25 %
01/2012 - 12/2014 1,75 % [2]
01/2015 1,25 % [3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Aktuarvereinigung abgerufen am 28.Januar 2015
  2. VersicherungsJournal Deutschland abgerufen am 23.Februar 2011
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKabinett beschließt Reformpaket zur Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte (LVRG). BMF, 04.06.2014, abgerufen am 4. September 2014 (Pressemitteilung).

Weblinks[Bearbeiten]

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