Höfesterben

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Ehemaliger Bauernhof auf der niederländischen Insel Texel
Ehemaliger Bauernhof in Neuhemsbach

Als Höfesterben oder Hofsterben wird eine durch strukturelle Ursachen bedingte, massenhafte Aufgabe von landwirtschaftlichen Betrieben bezeichnet. Eine häufige Ursache ist mangelnde Wirtschaftlichkeit. So müssen landwirtschaftliche Betriebe beispielsweise aufgeben, weil sie im Vergleich zu anderen Wettbewerbern eine geringere Produktivität bei der Herstellung landwirtschaftlicher Erzeugnisse aufweisen. Dann laufen sie Gefahr, dass der Preis, der beim Verkauf der Erzeugnisse erzielt wird, die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion nicht deckt.

In geschichtlicher Hinsicht ist das heutige Höfesterben insbesondere eine Folge der agrartechnischen Revolution im 19. und 20. Jahrhundert und der Industrialisierung der Landwirtschaft während der letzten Jahrzehnte. Diese Entwicklungen waren von Mechanisierung (durch Innovationen in der Landtechnik) und Chemisierung (etwa durch Einführung synthetischen Stickstoff-Düngers) geprägt.[1] Die sich aus ihnen ergebenden Möglichkeiten, die Produktivität zu steigern, bestimmten fortan den Wettbewerb und die Existenz landwirtschaftlicher Betriebe.

Höfesterben verändert die Agrarstruktur eines Gebiets. Im Weiteren ergeben sich Auswirkungen auf die Sozialstruktur (Sozialbrache) und den Naturhaushalt sowie auf das Orts- und Landschaftsbild.

Situation in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Agrarbericht 2011 stellte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dar, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland zuletzt jährlich um 2,2 Prozent sank. Rund 1,1 Millionen Menschen arbeiteten demnach noch in der Landwirtschaft. Die Durchschnittsfläche der Betriebe stieg in dem Untersuchungszeitraum 2007 bis 2010 von 52 auf 56 Hektar an. 55 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wurde in dieser Zeit von Großbetrieben, die mehr als 100 Hektar Landwirtschaftsfläche umfassen, bewirtschaftet.[2][3]

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 1.017.697 im Jahr 1971 über 448.936 im Jahr 2001 auf 288.200 im Jahr 2012 zurück. Besonders die Zahl der kleinen Höfe ging drastisch zurück. Fehlende Hofnachfolgen spielen dabei eine große Rolle.[4][5][6][7] Bis 2013 sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland auf rund 285.000. Die Zahl der Betriebe mit mindestens 100 ha landwirtschaftlicher Fläche nahm zwischen 2007 und 2013 um rund 3400 auf rund 35.200 zu.[8]

Zwischen 2013 und 2016 ging die Gesamtzahl der Betriebe um weitere rund 9000 oder drei Prozent auf 276.000 zurück, wobei die genutzten Flächen und Tierbestände ungefähr gleich blieben. Besonders stark verringerte sich die Zahl der Höfe, die Vieh halten. Ihre Zahl fiel um acht Prozent auf 184.000.[9]

Situation in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe zwischen 1990 und 2005 von 281.980 auf 189.591 zurück.[10] Eine zwischen 1991 und 2004 durchgeführte Untersuchung ergab, dass sich auch im biologischen Landbau Österreichs ein Strukturwandel nach dem Prinzip „Wachsen oder Weichen“ vollzieht, d. h. Professionalisierung, Vergrößerung und Konzentration der Betriebskapazitäten oder Aufgabe bzw. Rückzug der Landwirtschaft.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Rösener: Die Bauern in der europäischen Geschichte, C. H. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37652-5, S. 9 (online)
  2. Höfesterben in Deutschland geht weiter. Artikel vom 7. Mail 2011 im Portal merkur-online.de, abgerufen am 22. Januar 2014
  3. Agrarpolitischer Bericht 2011, Webseite im Portal bmel-statistik.de (Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft), abgerufen am 24. August 2017
  4. Dorothea Elsner: Höfesterben setzt sich fort. Artikel vom 25. Juli 2013 im agrar-presseportal.de, abgerufen am 25. Januar 2014
  5. Niedersachsen: Zwei von drei Betrieben ohne Hofnachfolger. Artikel vom 26. Oktober 2011 im Portal agrarheute.com, abgerufen am 25. Januar 2014
  6. Ungeklärte Hofnachfolge. Webseite im Portal hofgruender.de, abgerufen am 25. Januar 2014
  7. Hofnachfolge in der Landwirtschaft (Antwort der Bundesregierung vom 14. November 2012, Drs. 17/11464, auf eine Kleine Anfrage, Drs. 17/11256). In: Briefe zum Agrarrecht, Heft 1, 2013, S. 10, abgerufen im Portal nl-bzar.de am 25. Januar 2014
  8. Zahl großer landwirtschaftlicher Betriebe in NRW vervierfacht. Artikel vom 11. März 2015 im Portal proplanta.de, abgerufen am 13. März 2015
  9. Der Trend geht zu größeren Betrieben Artikel vom 20. Januar 2017 im Handelsblatt, abgerufen am 9. Februar 2017.
  10. Manuela Larcher, Stefan Vogel: Qualitative Analysen von Haushaltsstrategien und Entwicklungsrichtungen biologisch wirtschaftender Familienbetriebe in Österreich, In: GJAE 59 (2010), Heft 2, S. 106, PDF-Datei, abgerufen im Portal ageconsearch.umn.edu am 25. Januar 2014
  11. Manuela Larcher, Stefan Vogel, S. 114