Höhenfeuer (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelHöhenfeuer
OriginaltitelHöhenfeuer
ProduktionslandSchweiz, Deutschland
OriginalspracheSchweizerdeutsch
Erscheinungsjahr1985
Länge118 Minuten
AltersfreigabeFSK 12
Stab
RegieFredi M. Murer
DrehbuchFredi M. Murer
ProduktionBernard Lang, Rex-Film
MusikMario Beretta
KameraPio Corradi
SchnittHelena Gerber
Besetzung
  • Thomas Nock: Bub
  • Johanna Lier: Belli
  • Dorothea Moritz: Mutter
  • Rolf Illig: Vater
  • Tilli Breidenbach: Grossmutter
  • Jörg Odermatt: Grossvater

Höhenfeuer ist ein Film des Schweizer Filmemachers Fredi M. Murer aus dem Jahr 1985. Es ist sein bekanntester sowie der zweiterfolgreichste Schweizer Film der 1980er-Jahre.[1]

In langsamen und kraftvollen Bildern und mit knappen Dialogen erzählt Murer die Geschichte einer isoliert lebenden Familie, die in ihrer Konsequenz an eine griechische Tragödie erinnert.

Der Film wurde wiederholt zum besten Schweizer Film „aller Zeiten“ gewählt.[2][3]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einem abgelegenen Bauernhof in der Zentralschweiz lebt eine Bergbauernfamilie: Vater, Mutter, Tochter Belli sowie der seit Geburt gehörlose Sohn Bub, beide jugendlich. Belli wäre gerne Lehrerin geworden, muss aber ihren Bruder unterrichten. Auf der gegenüberliegenden Talseite wohnen die Eltern der Mutter, kommuniziert wird mit dem Feldstecher und einem einfachen Zeichensystem. Nachbarn gibt es keine.

Als Strafe für eine im jugendlichen Übermut begangene Tat wird der Bub vom Vater auf eine hoch gelegene Alp verbannt, die er zu seinem eigenen Reich ausbaut. Als ihn dort seine Schwester besucht, werden sie zum Liebespaar.

Der Bub kommt wieder auf den Hof zurück, sucht und findet wieder die Nähe seiner Schwester. Als Bellis Schwangerschaft offensichtlich wird, kommt es zur Katastrophe: Der Vater stirbt von der Hand des Buben, die Mutter folgt ihm nach. Belli und der Bub legen die toten Eltern in ein Grab im Schnee, hängen als Nachricht für die Grosseltern ein russgeschwärztes Leintuch vors Haus, beziehen das Elternbett und übernehmen die seit Jahrhunderten gleich gebliebenen Arbeiten auf dem Hof.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ein ethnologisch genau beobachtender Film, der fernab von jeder Postkartenidylle auf sensible, beeindruckende Weise den Bergbauern-Alltag beschreibt“ (Katholische Filmkommission für Deutschland).[4] Die „Irritation, daß man mit dem Wissen und den Weisheiten eines selbstsicheren Lebens diesem Dasein zwischen den hermetischen Bergen nicht gerecht werden kann, macht die erstaunliche Dimension des Films aus“ (Franz Everschor).[5] Mit seiner Erzählung vom „sprachlosen Leben in den Bergen“ (Die Welt, 1. Februar 1986) hat Murer „mit einem Geniestreich die Grenze zwischen Experimental- und Spielfilm verwischt“ (Andreas Kilb).[6]

Auktoriale Ausdeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Murer stellt einen Bezug zur antiken Tragödie her. Er habe auch immer „den Himmel wegkadriert, die Bergspitzen weggeschnitten“ und sich damit der „Schokoladenbildhaltung“ entgegengesetzt. In einer Einstellung erhebt sich der Bauernhof wie eine Insel aus einem Meer von Wolken, zu der Murer sagt, „diese Geschichte könnte sich zwischen Island und Japan überall ereignen“.[7]

Erfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die 500 erfolgreichsten Schweizer Filme der Jahre 1976 bis 2016. Bundesamt für Statistik, 15. März 2017, abgerufen am 20. September 2017.
  2. Matthias Lerf: Das «Höhenfeuer» glüht und glüht. In: SonntagsZeitung. 7. August 2011 (aeppli.ch [PDF]).
  3. fko/sda: Der beste Schweizer Film aller Zeiten. In: Tages-Anzeiger. 30. November 2014 (tagesanzeiger.ch).
  4. Katholische Filmkommission für Deutschland: Höhenfeuer. Stellungnahme der Kommission. In: film-dienst. Band 39, Nr. 4, 25. Februar 1986, S. 82 (filmdienst.de).
  5. Franz Everschor: Höhenfeuer. Meinung des Kritikers. In: film-dienst. Band 39, Nr. 4, 25. Februar 1986, S. 81–82, hier S. 82 (filmportal.de).
  6. Andreas Kilb: Der Tag nach der Kindheit. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 29/1986, 4. Februar 1986, S. 26.
  7. Wolfram Knorr: Geschwisterliebe in der Archaik der Wirklichkeit; Otto Reiter: Interview mit Fredi M. Murer, Viennale 16./17. März 1986. Beides in: Stadtkino [Wien] Programm. Nr. 90, 1986.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]