Höhlennachbildung von Pont-d’Arc

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Nachgebildete Höhlenmalereien in der Caverne du Pont d’Arc

Die Höhlennachbildung von Pont-d’Arc (caverne du Pont-d’Arc) bildet einen Teil der benachbarten Chauvet-Höhle (grotte Chauvet) in der Gemeinde Vallon-Pont-d’Arc nach, um die dortigen Höhlenmalereien einem breiten Publikum in einer möglichst authentischen Umgebung zeigen zu können, ohne die Originale zu gefährden.[Anm. 1] Diese Höhlennachbildung ist die größte der Welt.[1]

Planung und Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Höhle wurde 1994 entdeckt. Sie enthält zahlreiche Höhlenmalereien, die zu den ältesten bekannten überhaupt zählen.

Hauptartikel: Chauvet-Höhle

In den Jahren um die Jahrtausendwende scheiterten nacheinander zwei Projekte, wie eine Replik umsetzbar wäre, an finanziellen und genehmigungsrechtlichen Gründen.[2] Erst in einem dritten Anlauf ab 2007 konnte Pascal Terrasse, der Präsident des Conseil général de l'Ardèche und selbst passionierter Höhlenforscher, eine gemischte Finanzierung aus Mitteln der Region, des französischen Staates und der Europäischen Union organisieren. Die Kosten des Projekts beliefen sich auf 55 Mio. .[3]

Nachbildung steinzeitlicher Menschen in der Ausstellung

Als Bauplatz für die Replik wurde ein verbuschtes Gelände in der Nähe der Originalfundstelle gewählt, das mit einer kurzen Stichstraße an die Straße von Vallon-Pont-d’Arc nach Bourg-Saint-Andéol angebunden wurde. Das Konzept umfasst die Replik selbst sowie begleitende Einrichtungen in einem parkähnlich angelegten, aber naturnah gestalteten Gelände. Die Replik wurde in einer architektonisch aufwändig gestalteten Halle – ebenerdig – verwirklicht. Die Anlage umfasst weitere Gebäude, in denen den Besuchern der Befund und sein altsteinzeitlicher Kontext erläutert werden, sowie ein Restaurant und einen Museumsshop. Baubeginn war im Oktober 2012. Gestaltet wurde das Projekt von dem Architekturbüro Xavier Fabre.[4]

Der französische Name enthält keinen Bezug zum Namen des Originalfundplatzes, da sich die Entdecker der Chauvet-Höhle die Rechte an entsprechenden Markennamen gesichert hatten und es diesbezüglich zwischen ihnen und dem Konsortium, das die Höhlennachbildung von Pont-d’Arc umsetzte, zu keiner Einigung kam.[5]

Die Replik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Qualität der Replik wurde durch ein wissenschaftliches Komitee sichergestellt, dem 15 Wissenschaftler unter dem Vorsitz von Jean Clottes angehörten. Es wurden drei Wissenschaftler, die die Originalhöhle bereits seit 1998 untersucht hatten, benannt, um den Herstellungsprozess der Replik zu begleiten: Jean-Michel Geneste (Paläontologe), Jean-Jacques Delannoy (Geomorphologe) und Philippe Fosse (Archäozoologe).[6] Der künstliche Höhlenraum enthält die Nachbildungen der wichtigsten Malereien aus der Originalhöhle, wobei der Untergrund für die Malereien exakt dem der originalen Höhlenwände entspricht.

Auf einer Grundfläche von 3500 m² bildet die Replik einen Höhlenraum mit 8180 m² Wänden und Gewölben im Maßstab 1:1. Technisch wird das dadurch erreicht, dass die in Kunstharz nachgeformten, originalgetreu gefärbten und bemalten „Felsen“ an einem Stahlgeflecht aus 150 km Stahldraht montiert sind, das die Oberflächenformen der Höhle exakt nachbildet.[7] Dieses Stahlgeflecht wiederum ist hängend an einer Trägerkonstruktion im Dach der Halle befestigt.[8][9] Von all dem sehen die Besucher der Replik nichts.

Die Repliken der Höhlenmalereien wurden von verschiedenen Künstlern auf die vorgefertigten Repliken der „Fels“wände aufgetragen. Sie verwendeten dabei die gleichen Techniken und Materialien, mit denen die Originale geschaffen wurden: natürliche Farbpigmente und Holzkohle.[10]

Eröffnung und Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage wurde am 10. April 2015 im Beisein des französischen Staatspräsidenten François Hollande eröffnet und ist für die Öffentlichkeit seit dem 25. April 2015 zugänglich.[11] Jährlich werden 300.000 bis 400.000 Besucher erwartet.[12]

In der strukturschwachen Region Ardèche wurden mit der Anlage der Höhlennachbildung von Pont-d’Arc 60 bis 70 Arbeitsplätze in der Hochsaison geschaffen und indirekt 300 bis 500 weitere Arbeitsplätze im touristischen Dienstleistungsbereich.[13]

Während die Besucher alle übrigen Einrichtungen der Anlage frei betreten können, ist der Besuch der Replik nur im Rahmen von geführten Gruppen möglich. Dafür werden minutengenaue, zeitgebundene Eintrittskarten verkauft. In zeitlichem Abstand werden Gruppen von etwa 25 Personen eingelassen und absolvieren die Führung in Französisch, Englisch oder Deutsch in etwa 50 Minuten. Für anderssprachige Besucher werden Audioguides in 10 Sprachen angeboten.[14][15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Caverne du Pont d'Arc – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mangelnde Panoramafreiheit in Frankreich ermöglicht es leider nicht, den Artikel angemessen zu bebildern. Im Artikel der französischen Wikipedia und auf commons scheint man das anders zu sehen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nathalie Van Praagh: La grotte Chauvet au millimètre près. In: La Montagne, 10. April 2015
  2. Michèle Warnet: Grotte Chauvet: 5 clés pour un succès annoncé. Les Echos, 24. April 2015.
  3. NN: La Caverne du Pont d’Arc ouvre ses portes au public.
  4. NN: La grotte Chauvet restituée: le projet du siècle en Ardèche@1@2Vorlage:Toter Link/suite101.fr (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  5. Grotte NN: Chauvet: pourquoi cet imbroglio?, 25. Juli 2013; NN: Ardèche: histoire de gros sous autour de la grotte Chauvet. Le Parisien, 25. November 2013.
  6. NN: Comment et qui réalise la Caverne du Pont d’Arc?.
  7. NN: La création de la plus grande réplique du monde en images.
  8. Restitution en cours de la grotte: la salle des Bauges.
  9. Centre de Recherche et d'Etudes pour l'Art Préhistorique (CREAP): La caverne du Pont d’Arc: une grotte unique, un projet d'exception; Sophie Leroy: La grotte Chauvet comme si vous y étiez. In: La Voix du Nord, 24. April 2015.
  10. Hervé Chassain: La grotte Chauvet made in Montignac. In: Sud Ouest (Ausgabe für die Dordogne), 9. September 2014, S. 11; Hervé Chassain: Grotte Chauvet, le savoir-faire du Périgord en pleine lumière. In: Le Mag 129, Beilage für Sud Ouest, 20. September 2014, S. 10–17; NN: Gilles Tosello, un peintre de la nuit des temps. In: La Depeche, 6. Januar 2015.
  11. Sylvestre Huet: Hollande inaugure la Caverne du Pont d'Arc. In: Libération, 10. April 2015; NN: La Caverne du Pont d’Arc a reçu ses premiers visiteurs. In Midi Libre, 27. April 2015.
  12. NN: La Caverne du Pont d'Arc ouvre ses portes au public; Ursula Welter: Überwältigendes Original und beeindruckende Fälschung. In: Deutschlandradiokultur.de, 10. April 2015; Bettina Kaps: Die Geburtsstätte der Kunst in der Ardèche. In: Deutschlandradiokultur.de, 16. April 2015.
  13. NN: La Caverne du Pont d’Arc, réplique de la grotte originale (Memento des Originals vom 13. Mai 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/archeologie.culture.fr; Robert Pratta: L'inauguration de „La Caverne du Pont d'Arc“. Paris Match, 9. April 2015.
  14. Carole Chatelain: Ouverture de la réplique de la grotte Chauvet: conseils de visite. In: Science se t’avenir, 30. April 2015; eigener Besuch Benutzer:Reinhard Dietrich.
  15. Eigener Besuch, Sommer 2017.

Koordinaten: 44° 24′ 25″ N, 4° 25′ 40″ O