Höllengrund (Großschweidnitz)

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Großschweidnitzer Wasser
Am Jungfernsprung
Eisenbahnviadukt der Bahnstrecke Ebersbach–Löbau am Ende des Höllengrundes

Der Höllengrund, auch Höllgrund genannt, ist ein ca. 900 m langer Abschnitt eines Kerbsohlentales am Großschweidnitzer Wasser zwischen der ehemaligen Dürrhennersdorfer Höllmühle und Großschweidnitz. Südwestlich schließt sich der 347 m hohe Höllenberg an.

Mit seinem steilen, unausgeglichenen Gefälle und einem Hangneigungswinkel bis 60 Grad vertritt der Höllengrund den Typ der häufig vorkommenden Oberlausitzer Skalen (Felstäler) wie die Gröditzer Skala. Teilweise durchziehen mächtige Gerölle und Blöcke aus Lausitzer Granodiorit das damit dem Charakter eines höheren Mittelgebirgsbaches folgenden Fließgewässers. Am Bachufer stehen abwechslungsreiche Waldformen inmitten einer artenreichen Bodenflora mit den Baumarten Bergahorn, Gemeine Esche und Stieleiche; den größten Flächenanteil nimmt jedoch in der schmalen Talaue als auch an den nach Norden gerichteten Hängen Fichtenforst ein, dagegen herrschen an den südexponierten Hängen Kiefer und Lärche vor.

Ein markierter Wanderweg führt durch den Höllengrund, zugleich die kürzeste Wegeverbindung zwischen Großschweidnitz und Dürrhennersdorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1846 wurde mit dem Bau des 148 m langen und 17,5 m hohen Höllengrund-Viaduktes für die Bahnstrecke Löbau-Zittau begonnen. Der Engländer Sir William Duncan, welcher 1869/70 die Duncans "Leinenindustrie" in Großschweidnitz gründete, erwarb auch einen Teil des Höllengrundtales. Oberlehrer Gustav Schmidgen erschloss schließlich das Tal 1910/11 mit Dorfbewohnern und Schülern für Ausflügler. Zu Duncans Ehren wurde der Duncansplatz im Höllengrund angelegt und nach ihm benannt.[1]

Ebenfalls 1911 wurde durch den damaligen Besitzer der Gaststätte "Zum Höllengrund" ein einfaches Blockhaus als Sommergaststätte inmitten des Höllengrundes erbaut. Das Land dazu stellte die Duncans Leinenindustrie bereit. Da der spätere Käufer den Weiterbetrieb nicht gestattete, verfiel der Bau und musste 1941 abgerissen werden.

Am 8. Mai 1945 etwa gegen 9.00 Uhr erfolgte die Sprengung des mittleren Bogens des Höllengrund-Viaduktes durch die Wehrmacht. Durch rasche Wiederaufbaumaßnahmen konnte der erste Zug die Brücke schon am 4. August 1945 wieder überqueren.

1959 erfolgte der Wiederaufbau des "Waldhauses" im Höllengrund als kleine Waldgaststätte des Konsums. 1966 übernahm es schließlich die Gemeinde, eh es 1981 wieder in private Hand kam. 1996 gelangte es erneut in den Besitz der Gemeinde, welche das Waldhaus nach Sturmschaden umfangreich sanieren musste. Es wurde anschließend der "Waldhaus e.V." gegründet, welcher sich um die Pflege und Organisationen von Festen rund um das Waldhaus kümmert.

Heute ist das Höllengrundtal ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel.

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Höllengrund widmet sich auch einige Sagen:

  • Der Räuberhauptmann Johannes Karasek und seine Bande fanden bei ihren Raubzügen in der Löbauer Gegend hier angeblich sicheren Unterschlupf vor ihren Verfolgern.
  • Eine Junge Magd sprang bei der Flucht vor einen jungen aufdringlichen Mann eine Klippe hinunter und landete weich im Moos. Der Mann, der der Magd hinterher sprang, blieb hingegen an den Felsen hängen und starb.[2]

Besonderheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schild zum Höllengrund
  • Jungfernsprung nahe dem Waldhaus (1910)
  • Höllengrund-Viadukt (7 Bögen, 17,5 m Höhe, 148 m Länge, Sprengung des mittleren Bogens am 8. Mai 1945 gg. 9.00 Uhr durch die Wehrmacht, am 4. Aug. 1945 fuhr schon wieder der erste Zug im Schritttempo über die Brücke)[3]
  • Duncanplatz (nach Sir William Duncan benannt, der einen Teil des Höllengrundtales erwarb)
  • Waldhaus

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zwischen Strohmberg, Czorneboh und Kottmar (= Werte unserer Heimat. Band 24). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1974.
  • Festchronik 700 Jahre Großschweidnitz (2006) S. 21/22

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schild am Duncanplatz (http://www.loebaufoto.de/grossschweidnitz_hoellengrund.htm)
  2. Schild am Jungfernsprung
  3. Schild am Viadukt (http://www.loebaufoto.de/gschw08.htm)