Hörakustiker

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Hörakustikerin bei Durchführung eines Hörtests bei einem (schwerhörigen) Mann, 2015

Hörakustiker (Deutschland), Hörgeräteakustiker (Österreich, vormals auch Deutschland) bzw. Hörsystemakustiker (Schweiz) ist die Berufsbezeichnung für einen Handwerker, der Hörgeräte anfertigt, individuell anpasst und wartet. Sie führen u. a. Hörtests durch, beraten Kunden bei der Auswahl von Hörhilfen, stellen Otoplastiken her und nehmen die fachgerechte, individuelle Anpassung von Hörsystemen vor.

Der Beruf ist ein anerkannter Ausbildungsberuf.

Berufsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herstellung einer Otoplastik für ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät, 2015

Hörgeräteakustiker arbeiten überwiegend in Handwerksbetrieben für Hörgeräteakustik. Sie werden jedoch auch bspw. in Laboren und Werkstätten von Fachkliniken[1] sowie bei industriellen Herstellern von Hörgeräten beschäftigt.[2]

Die Hauptaufgabe des Hörgeräteakustikers im handwerklichen Bereich ist, auf der Basis der ärztlichen Diagnose Art und Ausmaß der Hörbehinderung festzustellen, dem Bedarf des Schwerhörigen entsprechend geeignete Bestandteile für das Hörgerät auszusuchen, zum fertigen Hörsystem zusammenzusetzen, dieses entsprechend dem Hörvermögen und individuellen Bedarf des Schwerhörigen anzupassen und die Hörverbesserung mittels standardisierter Testverfahren zu dokumentieren. Weiterhin gehören die Beratung über Gehörschutz und speziellem Zubehör für Schwerhörige zu den Aufgaben. Der Hörgeräteakustiker verfügt dazu über theoretisches Wissen aus den Bereichen der Akustik, Anatomie, Audiologie, Psychologie und Hörgerätetechnik und über praktische Fertigkeiten zur Audiometrie, Ohrabformung, Otoplastikfertigung, Reparaturtechnik und Hörgeräteanpassung mittels Software und spezieller Messtechnik.

Nach der Ermittlung der individuellen audiometrischen Daten werden dem Kunden in einer Erstanpassung verschiedene geeignete Hörgeräte zum Testen angeboten, da neben der optimalen akustischen Übertragung auch die subjektive Akzeptanz eine große Rolle für den Erfolg der Hörgeräteanpassung spielt. Das Arbeitsfeld umfasst neben der Erstversorgung auch die begleitende Anpassung mit wiederholten Überprüfungen und Nachstellungen der Hörgerätefunktionen im Laufe der Benutzung, die Abwicklung eventueller Kostenübernahmen durch die gesetzlichen Krankenversicherungen und die Wartung, Reparatur und Pflege der Hörsysteme.

In Deutschland handelt es sich beim Hörakustiker um ein zulassungspflichtiges Handwerk nach der Handwerksordnung;[3] die dem Hörgeräteakustiker-Handwerk zuzuordnenden Tätigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten werden in § 1 Hörgeräteakustikermeisterverordnung benannt. In Österreich ist Hörgeräteakustik als Handwerk ein reglementiertes Gewerbe nach der Gewerbeordnung.[4]

Bezeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird seit 2015 ein Wandel der Bezeichnung Hörgeräteakustiker hin zu Hörakustiker vollzogen, angestoßen vom Handwerk selbst. So wurde 2015 die Ausbildungsverordnung entsprechend geändert (mit Wirkung zum 1. August 2016) und am 12. Mai 2017 eine diesbezügliche Änderung der Handwerksordnung vom Bundesrat beschlossen,[5] die am 6. Juli 2017 inkraftgetreten ist.

Zum Hintergrund des Wandels ein Zitat der Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker: „Der neue Berufsname entspricht unserem stark veränderten Berufsbild. Nicht das ‚Gerät‘ steht im Vordergrund, sondern die komplette individuelle personenbezogene Dienstleistung mit dem Ziel, bestmögliches Hören zu erreichen. Dienstleistung und Beratung gewinnen stark an Bedeutung, je weiter der technische Fortschritt voranschreitet“ (Marianne Frickel).[6]

Aus- und Weiterbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörakustiker (Ausbildungsbezeichnung seit 1. August 2016, zuvor: Hörgeräteakustiker)[6] ist ein nach der Handwerksordnung (HwO) anerkannter Ausbildungsberuf. Die duale Ausbildung mit dreijähriger Dauer wird in der Hörakustikerausbildungsverordnung geregelt. Die Hörgeräteakustikermeisterverordnung regelt sowohl das Berufsbild als auch die Prüfungsanforderungen zur betreffenden Meisterprüfung.

Die zentrale Ausbildungsstätte der deutschen Hörakustiker ist die Akademie für Hörgeräte-Akustik in Lübeck. Sie ist zuständig für die überbetriebliche Ausbildung, die Meisterausbildung sowie für berufsständige Fort- und Weiterbildung.[7] Zur selbständigen Ausübung des Berufes bedarf es eines großen Befähigungsnachweises (Meisterbrief).

In Deutschland gibt es etwa 6.000 Hörakustiker-Betriebe und rund 14.500 Hörakustiker (Stand 2017).[6]

Etwa 1000 Hörgeräteakustikermeister haben die Fortbildung zum Pädakustiker abgeschlossen, eine Spezialisierung für die Hörgerätversorgung bei Kindern. Pädakustiker ist kein geschützter Begriff. Nur wenn entsprechende Ausrüstung (kindgerechtes Arbeitsmaterial) und ausreichende Erfahrung mit hörgeschädigten Kindern damit einhergehen, kann man davon ausgehen, dass eine qualitativ hochwertige Kinderversorgung sichergestellt werden kann.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Zugangsvoraussetzung für die Lehre braucht man eine abgeschlossene Ausbildung an einer Hauptschule und/oder einer Polytechnischen Schule. In Österreich schließt der Lehrling nach seiner dreijährigen dualen Ausbildung mit der Lehrabschlussprüfung ab[8]. Zudem ist eine Ausbildung im zweiten Bildungsweg möglich.[9] Die erfolgreiche Lehrabschlussprüfung ermöglicht in Österreich auch die Zulassung zur Berufsmatura (Berufsreifeprüfung) und in Folge zu weiteren Höherqualifizierungen, z. B. an Fachhochschulen.

Die Zulassungsvoraussetzungen für die selbstständige Berufsausübung des Handwerks Hörgeräteakustik sind in der Hörgeräteakustik-Verordnung[10] dargelegt. Der zufolge müssen neben einer zweijährigen facheinschlägigen Berufspraxis auch die Meisterprüfung oder vergleichbare Qualifikationen nachgewiesen werden.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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In der Schweiz umfasst die Ausbildung eine dreijährige Tätigkeit in einem Hörgeräte-Fachgeschäft. Nach Absolvierung der Ausbildung und bestandener Berufsprüfung erhalten die Absolventen den Eidgenössischen Fachausweis für Hörgeräteakustiker. Dieser Abschluss berechtigt zur Führung eines Filialbetriebs oder einer eigenen Unternehmung und zur Abrechnung mit den Versicherungen.[11] Um mit der SUVA abrechnen zu können, sind pro Jahr vier Tage Weiterbildung notwendig.[12]

Die Ausbildung ist keine berufliche Grundbildung sondern gehört zur höheren Berufsbildung.

Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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A/CH
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Deutschland

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Reinhard Selka, Birgit Ostwald: Berufsstart für Realschüler. 56 Berufe, 56 Chancen. W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7639-3616-8, S. 43–44.
  2. Hörakustiker/in. Datenbank für Ausbildungs- und Tätigkeitsbeschreibungen der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 2. Juli 2017.
  3. Anlage A: Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungspflichtige Handwerke betrieben werden können (§ 1 Abs. 2), Handwerksordnung i. d. F. v. 30. Juni 2017, m. W. v. 6. Juli 2017, abgerufen am 6. Juli 2017.
  4. § 94 Z 34 Gewerbeordnung (GewO 1994) i. d. F. v. 2. Juli 2017, abgerufen am 2. Juli 2017.
  5. Hörgeräteakustiker heißen fortan Hörakustiker. In: Deutsche Handwerks Zeitung, 16. Mai 2017, abgerufen am 2. Juli 2017.
  6. a b c Aus Hörgeräteakustiker wird Hörakustiker. In: Deutsche Cochlear Implant Gesellschaft (Hrsg.): Schnecke-Online, 12. Mai 2017, abgerufen am 2. Juli 2017.
  7. Information der Akademie für Hörgeräte-Akustik Lübeck abgerufen am 26. Juli 2010.
  8. Ausbildungsverordnung des österreichischen Wirtschaftsministeriums (PDF; 42 kB), abgerufen am 26. Juli 2010
  9. FAQ HörgeräteakustikerIn. OHI GmbH, Optometrie & Hörakustik Initiative, abgerufen am 1. Januar 2016.
  10. BGBl. II Nr. 57/2003: 57. Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit vom 28. Jänner 2003.
  11. Schweizerischer Fachverband der Hörgeräteakustik [1], abgerufen am 8. Dezember 2011
  12. http://www.a-hs.ch/weiterbildung.html