Zum Inhalt springen

Hörspielpreis der Kriegsblinden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden (oder auch einfach Kriegsblindenpreis) ist die bedeutendste Auszeichnung für Autoren deutschsprachiger Hörspiele. Begründet wurde dieser Hörspielpreis 1950 vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands e. V. (BKD) und ihrem Schriftleiter Friedrich Wilhelm Hymmen. Zu den Initiatoren des Preises gehörte Peter Plein. Seit 1994 wird der Preis von der Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen mitgetragen. 2020 übernahm der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband die Mitträgerschaft vom Bund der Kriegsblinden Deutschlands.[1]

Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden an Richard Hey, 1965

Der Hörspielpreis der Kriegsblinden wird jährlich „für ein von einem deutschsprachigen Sender konzipiertes und produziertes Original-Hörspiel verliehen, das in herausragender Weise die Möglichkeiten der Kunstform realisiert und erweitert.“ Unter den Begriff Original-Hörspiel fällt nicht die bloße Bearbeitung, außer ein Autor arbeitet seinen eigenen Stoff für das andere Medium um oder auf. Das Hörspiel muss im vorausgegangenen Jahr erstmals ausgestrahlt worden sein. Der Preis wird dem Autor bzw. den Autoren zuerkannt.

Für den Hörspielpreis der Kriegsblinden darf jede öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt zwei Hörspiele einreichen. Seit 2006 sind auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Österreichs und der Schweiz dabei. Auch die Jurymitglieder können Hörspiele vorschlagen. Der Name des Preises stand wiederholt zur Diskussion. Der Bund der Kriegsblinden gab 2006 an, so lange wie möglich daran festhalten zu wollen.[2]

Seit 2012 wird nicht mehr nur ein Preisträger gekürt, sondern im Vorfeld der eigentlichen Preisverleihung werden drei Nominierungen ausgesprochen.

2024 hat die den Preis hauptsächlich tragende Film- und Medienstiftung Nordrhein-Westfalen den Preis ausgesetzt.

2025 wurde er erstmals in drei Kategorien ("Innovaties oder künstlerisches Hörspiel", "Fiktionaler Podcast" und "Dokumentarischer Podcast") verliehen und in "Deutscher Preis für Audiostories" umbeannt. Die drei Preise sind mit jeweils 5000 Euro dotiert.

Die Zusammensetzung der Jury hat sich im Laufe der Jahre mehrmals geändert. Nach den derzeit gültigen Statuten[3] besteht sie aus sieben Kritikern/Kulturschaffenden, die von der Film- und Medienstiftung NRW berufen werden; sieben Kriegsblinden, die vom Bund der Kriegsblinden berufen werden, und der/dem Juryvorsitzenden. Langjähriger Vorsitzender der Jury, der auch der Hörspielexperte Werner Klippert von 1959 bis 1965[4] angehörte, war der Initiator des Preises Friedrich Wilhelm Hymnen. Ihm folgten der Medienjournalist Uwe Kammann (1996 bis 2001), der Literaturwissenschaftler Jörg Drews und die Schriftstellerin Anna Dünnebier. Zurzeit fungiert die Kulturwissenschaftlerin Gaby Hartel als Juryvorsitzende. Die Jurysitzung fand im jährlichen Wechsel in einer der beteiligten Rundfunkanstalten statt. 2025 wurde die die Jury auf sechs Mitglieder plus einem "Special Jury Guest" verkleinert.

Verleihung des Hörspielspreises der Kriegsblinden an Ror Wolf (Mitte), 1988

Der undotierte Ehrenpreis bestand aus einer von einem kriegsblinden Künstler je individuell gestalteten Plastik. Im Jahr 2002 legte die Jury zur Vergabe des Preises fest, dass die Hand mit Lorbeer von Dario Malkowski allen künftigen Preisträgern als Anerkennung verliehen wird. Traditionell nehmen alle beteiligten Rundfunkanstalten das ausgezeichnete Hörspiel ins Programm, wodurch der Autor von den Wiederholungshonoraren profitiert.

Bis zum Jahr 2000 wurde der Hörspielpreis im Bonner Plenarsaal des Bundesrates verliehen. Dann fand die Verleihung im Berliner Bundesrat, sowie einmalig im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg, in der Kölner Wolkenburg, sowie mehrmals im Kleinen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und im Foyer des Deutschlandfunks (DLF) in Köln statt.

Angegeben ist das Jahr, in dem der Preis verliehen wurde. Die Hörspiele wurden in der Regel im Jahr vor der Preisvergabe produziert und urgesendet.

Kategorie Innovatives oder künstlerisches Hörspiel:

Moetelli – Eine Begegnung mit Künstlicher Intelligenz von Hermann Bohlen, Regie: Judith Lorentz (SRF)

  • nominiert waren außerdem: Keine Namen, niemand von Annette Kufner, Regie: Franziska Stuhr (DLF Kultur) und Wildly tender is thy music – Lieder aus dem Moor von Merzouga (Janko Hanushevsky und Eva Pöpplein), Regie: die Autoren (DlLF)

Kategorie Fiktionaler Podcast:

Mein Leben als Spam von Hans Christoph Böhringer, Regie: Pauline Seiberlich (BR)

  • nominiert waren außerdem: Die Glitzer-Gang Kinderhörspiel von Arne Salasse, Regie: Janine Lüttmann (HR/NDR) und Zwischenzeiten (Staffel 2) von Tom Peuckert, Regie: Thomas Leutzbach (RBB)

Kategorie Dokumentarischer Podcast:

I Will Survive – Der Kampf gegen die AIDS-Krise von Niklas Eckert, Sarah Fischbacher, Meret Reh, Judith Rubatscher und Phillip Syvarth, Regie: Martin Heindel (BR)

  • nominiert waren außerdem: Dark Matters – Geheimnisse der Geheimdienste – „Zwei Schüsse ins Herz – Warum musste mein Onkel sterben?“ von Kilian Pfeffer, Christopher Jähnert, Kirsten Tromnau, Regie: Iris Drögekamp, Johannes Bischofberger (SWR/RBB) und Otze – Stasi, Punk und Mord von Josi Miller, Alex Barbian, Regie: Bernie Mayer / Wake World (Podimo)
  • Bund der Kriegsblinden Deutschland (Hrsg.): Hörspielpreis der Kriegsblinden. Reden der Preisträger seit 1952. In: Der Kriegsblinde. Zeitschrift für Verständnis und Verständigung. 3. bis 58. Jahrgang, Marburg, 1952–2007[8]
  • HörWelten. 50 Jahre Hörspielpreis der Kriegsblinden. Aufbau-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-351-02515-7. (Daraus online verfügbar: Christian Hörburger und Hans-Ulrich Wagner: „Hören hat seinen Preis. Eine Chronik der Preisträger“, S. 89–190.)
  • „Kunst für die Ohren“ 60 Jahre Hörspielpreis der Kriegsblinden[9]
  • Frank Olbert: 60 Jahre Hörspielpreis der Kriegsblinden 96-minütiges Radiofeature, SWR 2011.
Commons: Hörspielpreis der Kriegsblinden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Hörspielpreis der Kriegsblinden - DBSV übernimmt Mitträgerschaft. dbsv.org, 23. Juni 2020
  2. Wanderung durch die Zeit. Abgerufen am 9. Januar 2021.
  3. http://www.kriegsblindenbund.de/cms/hoerspielpreis-der-kriegsblinden.html#statut
  4. Klippert, Werner. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 650.
  5. WDR/ORF-Hörspiel „Hate Radio“ mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden geehrt. WDR, Presseabteilung, 17. Juni 2014, abgerufen am 18. Juni 2014.
  6. „Hörspielpreis der Kriegsblinden an Sibylle Berg“ (Memento vom 4. Mai 2016 im Internet Archive).
  7. Hörspielpreis der Kriegsblinden 2020 – Audio.Space.Machine. Abgerufen am 11. August 2020.
  8. Die Reden der Preisträger 1952 bis 2007. Online-Version (Memento vom 8. September 2014 im Internet Archive).
  9. Der Juror Frank Olbert im Gespräch, Deutschlandfunk