Hümmling

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hümmling
Höchster Gipfel Windberg (73 m ü. NHN)
Lage Landkreis Emsland, Niedersachsen (Deutschland)
Koordinaten 52° 55′ N, 7° 32′ O52.917.5373Koordinaten: 52° 55′ N, 7° 32′ O
dep2
f1
p1

Der Hümmling (Homelinghen, von hömil = kleiner Stein) ist eine bis zu 73 m ü. NHN[1] hohe Grundmoränenlandschaft (Geest) im Emsland im Westen Niedersachsens und des norddeutschen Tieflandes.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Hümmling liegt im nördlichen Emsland und hat einen Abstand von knapp 10 km zur Ems. Seine Ausdehnung beträgt in Nordsüdrichtung etwa 28 km, in Ostwestrichtung etwa 14 km. Vom Nordende sind es knapp 30 km bis nach Leer in Ostfriesland. Das Südende liegt bei Stavern. Die höchste Erhebung, genannt Windberg, liegt zwischen Sögel (22 km nordöstlich von Meppen) und Börger wenig östlich von Werpeloh. Die größten am Hümmling entspringenden Fließgewässer sind die Ohe, die nach Norden zur Sater Ems fließt, und die Nordradde, die bei Meppen in die Ems mündet. Die dem Hümmling nur noch bedingt zuzurechnende Südradde mündet in die Hase.

Nach Norden sticht der Hümmling scharf gegen das Moorgebiet um Sater Ems und Leda ab, südlich läuft er sanft zum Hasetal aus. Östlich schließen sich Geestbereiche geringerer Höhe an bis zur Thülsfelder Talsperre.[2] Der Landschaftsrahmenplan des Landkreises Emsland rechnet sie bis zur Kreisgrenze an Marka und Mittelradde dem Hümmling mit zu. Dazu gehören der fast vollständig landwirtschaftlich genutzte Glümmel und östlich davon das Waldgebiet aus Quäkenberg, Langenberg, Eleonorenwald und Herzogsbusch, sowie südlich davon die Wehmer Heide und die Lahner Heide.

Politisch ist der Hümmling heute im Wesentlichen auf drei Samtgemeinden im Landkreis Emsland verteilt. Der größte Teil gehört zur Samtgemeinde Sögel, der Nordrand zur Samtgemeinde Nordhümmling, der Nordosten um das Dorf Lorup zur Samtgemeinde Werlte; auch die Dörfer Dorf Neubörger und Wippingen, die zur Samtgemeinde Dörpen zählen, Lähden, das Teil der Samtgemeinde Herzlake ist, das heute zu Löningen gehörende Wachtum sowie die Friesoyther Stadtteile Gehlenberg und Neuvrees sind noch Teil des Hümmlings.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Der Hümmling gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Ems-Hunte-Geest (Nr. 59), in der Haupteinheit Sögeler Geest (Hümmling) (592) und in der Untereinheit Nord-Hümmling (592.1) zu den Naturräumen Börger Sand-Geest (592.11) und Loruper Geestrücken (592.12) sowie in der Untereinheit Süd-Hümmling (592.2) zum Naturraum Sögel-Linderner Geest (592.20).

Erhebungen[Bearbeiten]

Zu den Erhebungen und Flurstücken im Hümmling und seiner nahen Umgebung gehören – mit Höhen in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):

  • Windberg (73 m)[1] – östlich von Werpeloh
  • Lüttker Sand (71,6 m)[1] – nordöstlich von Werpeloh
  • Sunderberg (66,0 m)[1] – südsüdwestlich von Börger
  • Kreuzberg (52 m)[3] – nördlich von Groß Stavern
  • Windelberg (49,2 m)[1] – nordwestlich von Börger
  • Harrenstätter Sand (ca. 48 m)[3] – zwischen Lorup und Spahnharrenstätte
  • Wahner Tannen (46,0 m)[1] – westlich von Werpeloh
  • Buschhöhe (ca. 44 m)[3] – nördlich von Lorup
  • Hohenklinken (43,5 m)[3] – westnordwestlich von Werpeloh
  • Buschhöhe (ca. 42 m)[4] – nördlich von Lorup
  • Kavenberg (ca. 42 m)[3] – südwestlich von Lorup
  • Wohldhöhe (ca. 45 m)[3] – westlich von Sögel
  • Hamberg (ca. 40 m)[4] – zwischen Lathen und Sögel
  • Varel (ca. 39 m)[3] – südwestlich von Vrees
  • Eleonorenhöhe (38,5 m)[3] – zwischen Vrees und Neuvrees im Eleonorenwald
  • Großer Westerberg (ca. 39 m)[3] – zwischen Börger und Neubörger
  • Galenberg (ca. 38 m)[3] – bei Klein Stavern
  • Große Düne (34,2 m)[1] – zwischen Lathen und Sögel
  • Wattberg (ca. 35 m)[3] – zwischen Börgerwald und Neubörger
  • Große Düne (30,5 m)[3] – zwischen Meppen und Stavern
  • Schlopenberg (ca. 30 m)[3] – nordwestlich von Börger

Fließgewässer[Bearbeiten]

Zu den Fließgewässern, die im Hümmling oder in seiner Nähe entspringen, gehören:

  • Loruper Beeke, entspringt im Hümmling, südöstlicher Zufluss der Ohe
  • Marka, entspringt im Hümmling, östlich von Werlte, rechter Quellbach der Sagter Ems, die in die Leda mündet
  • Mittelradde, entspringt am Ostrand des Hümmlings, passiert ihn südöstlich, nördlicher Nebenfluss der Hase
  • Nordradde, entspringt in der Mitte des Hümmlings, beim Theikenmeer, nordöstlicher Nebenfluss der Ems
  • Ohe, entspringt im Mittelteil des Hümmlings, verlässt ihn in nördlicher Richtung, linker Quellbach der Sagter Ems
  • Sagter Ems, entsteht durch den Zusammenfluss von Marka und Ohe nördlich von Friesoythe-Neuscharrel
  • Südradde, entspringt östlich des Hümmlings, nördlicher Nebenfluss der Hase

Ortschaften[Bearbeiten]

Zu den Ortschaften im und am Hümmling gehören:

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Bis in die Südwestausläufer des Hümmling reichen Teile des Naturschutzgebiets (NSG) Tinner Dose-Sprakeler Heide (CDDA-Nr. 30115; 2012 ausgewiesen; 39,55 km² groß) mit dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Tinner Dose-Sprakeler Heide (FFH-Nr. 3110-301; 39,55 km²) und dem Vogelschutzgebiet (VSG) Tinner Dose-Sprakeler Heide (VSG-Nr. 3110-301; 39,55 km²). Bis an die Nordausläufer der Landschaft reichen jeweils Teile des NSG Leegmoor (CDDA-Nr. 82082; 2009; 4,5 km²) mit dem FFH-Gebiet Leegmoor (FFH-Nr. 2911-301; 4,6 km²) sowie solche des NSG Melmmoor/Kuhdammoor (CDDA-Nr. 102318; 1992; 1,28 km²) und des VSG Esterweger Dose (VSG-Nr. 2911-401; 64,41 km²). In der Landschaft liegen unter anderem das NSG Oberlauf der Ohe (CDDA-Nr. 164897; 1990; 2,23 km²), das NSG Schaapmoor (CDDA-Nr. 319053; 1999; 2,1 km²) und das NSG Theikenmeer (CDDA-Nr. 82708; 1983; 2,5 km²), in dem sich das Moorgebiet Dose und darin der 4 ha große See Theikenmeer befinden. Im Hümmling liegt auch das Landschaftsschutzgebiet Schloß und Waldanlagen Clemenswerth (CDDA-Nr. 324187; 1969; 66,4 ha).[1]

Geologie und Landschaftsbild[Bearbeiten]

Wie für Geestlandschaften üblich besteht der Hümmling überwiegend aus unfruchtbaren Sandböden. Die am stärksten gewellten Bereiche sind fast ganz mit Wald bedeckt. Dazwischen gab es auch Heideflächen, die aber heute weitgehend dem intensiven Ackerbau gewichen sind. In den flacheren östlichen und südlichen Teilen des Gebietes überwiegt landwirtschaftliche Nutzung bei auch hier nicht geringem Waldanteil.[5] Auf der Südseite gibt es kleine, von Geest umschlossene, vermoorte Senken, die so genannten Dosen. Dazu zählt die Bockholter Dose, ein kleiner, weitgehend naturnaher Hochmoorkomplex.

Geschichte[Bearbeiten]

Notiz vermutlich im Hamburger Anzeiger, Datum fraglich über die Gründung des KZ Börgermoor

Der Hümmling entstand durch Gletscher in der vorletzten Eiszeit, der Saalekaltzeit. Wenn Gletscher wandern, führen sie Geröll mit sich. Beim Abschmelzen blieb die Hügellandschaft des Hümmlings zurück. Etliche mehr oder weniger gut erhaltene Hünengräber zeugen davon, dass die Hügellandschaft Hümmling in der Jungsteinzeit besiedelt war.

1252 kam der Hümmling als Teil des Amtes Meppen durch Verkauf von Jutta von Ravensberg an das Fürstbistum Münster und wurde somit Teil des dadurch begründeten Niederstift Münster. Die Besonderheit des Niederstiftes, welches mit dem Oberstift zusammen das Hochstift Münster bildete, war die weltliche Jurisdiktion zu Münster, die kirchliche allerdings zu Osnabrück.

Durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 wurden im Heiligen Römischen Reich (HRR) die geistlichen Territorien aufgelöst, und das Amt Meppen fiel mit dem Hümmling als Entschädigung an das Herzogtum Arenberg, das territoriale Verluste durch das Französische Kaiserreich im linksrheinischen Raum hinnehmen musste. Dadurch begründete sich das neue Herzogtum Arenberg-Meppen.

1810 wurde der Hümmling Teil des Kaiserreichs Frankreich (Département de l’Ems-Supérieur), bis der Wiener Kongress 1814 zahlreiche neue Grenzen in Europa festlegte und neue Staaten definierte. Der Hümmling kam somit an das Königreich Hannover und bildete mit Sitz in Sögel das Amt Hümmling. Nach dem Deutschen Krieg 1866 fiel durch die Annexion Hannovers der Hümmling mit diesem an das Königreich Preußen, aus dem Amt Hümmling wurde der Landkreis Hümmling, der bis zur Fusion mit dem Kreis Aschendorf zum Landkreis Aschendorf-Hümmling 1932 bestand.

Da sich der Hümmling dadurch auszeichnete, dass die Bauern der Region sämtlich frei waren, wurde er auch der Freie Hümmling genannt.[6]

Als Zeugnis geistlicher Territorialherrschaft befindet sich auf dem Hümmling bei Sögel mit dem Jagdschloss Clemenswerth eines der bedeutendsten Werke von Johann Conrad Schlaun aus der Zeit des westfälischen Barock.

Das NS-Regime richtete im Norden des Hümmling 1933 das Konzentrationslager Esterwegen ein.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schloss Clemenswerth

Im Hümmling gibt es zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Großsteingräber und mehrere Gräberfelder, die überwiegend in die Straße der Megalithkultur eingebunden sind. Das größte und berühmteste Großsteingrab des Hümmlings, De Hoogen Stainer liegt in der Gemarkung der Hümmlinggemeinde Werlte, zwischen Lorup und Werlte. Das Jagdschloss Clemenswerth mit seinem Park liegt am östlichen Ortsrand von Sögel. Von dem Aussichtsturm in Surwold-Börgerwald hat man südwärts Blick auf den Hümmling, nordwärts auf die endlosen Weiten der Papenburger Moore. Zehn Kilometer südöstlich des Hümmlings, an der Mittelradde bei Hüven, befindet sich die Hüvener Mühle, die einzige noch komplett erhaltene kombinierte Wind- und Wassermühle. Zwischen Hümmling und Ems steht die Transrapid-Versuchsanlage Emsland.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Zu erreichen ist der Hümmling über Landes- und Kreisstraßen, die von diesen Bundesstraßen abzweigen: die 70 im Westen, welche die Landschaft westlich passiert, die 402, die südlich an ihr vorbei führt, die 401, die den Hümmling nördlich passiert, die 213, die südöstlich an ihm vorbei führt, und die 72, die ihn nordöstlich passiert. Der nächstgelegene Bahnhof mit Personenverkehrshalt ist Lathen an der Emslandstrecke MünsterNorddeich. Die Bahnstrecke von Lathen über Sögel nach Werlte wird nur noch im Güterverkehr befahren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Andreas Friedrich: Die Hünengräber auf dem Hümmling. In: Wenn Steine reden könnten. Band I, Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-0397-3, S. 36–38.
  • Heinrich Hömme: Hümmlinger Köstlichkeiten – Eine kulinarische und geschichtliche Zeitreise. Goldschmidt-Druck, Werlte 2013, ISBN 978-3-939772-31-6.
  • Holger Lemmermann: Auf dem freien Hümmling. Ländliches Leben in vier Jahrhunderten (1530–1870). 2. Auflage. Emsländischer Heimatbund, Sögel 1995, ISBN 3-88077-126-X.
  • Albert Trautmann: Hümmlinger Skizzen; Erweiterte Ausgabe zum 100-jährigen Jubiläum der Erstveröffentlichung. Herausgeber: Arbeitskreis 100 Jahre Hümmlinger Skizzen des Emsländischen Heimatbundes, des ehem. Trautmann-Vereins und des Heimatvereins Werlte, 2010, ISBN 978-3-88077-144-4.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Ein Kleinod im Herzen Niedersachsens – Thülsfelder Talsperre, auf thuelsfelder-talsperre.de
  3. a b c d e f g h i j k l m topographische Karte mit dem/r Hümmling (DTK 25; für Höhen laut oberste Höhenlinie siehe starke Vergrößerung der Karte), auf natur-erleben.niedersachsen.de
  4. a b Höhe laut unbekannte / nicht recherchierte Quelle, weil Lage der Erhebung unklar ist
  5. Landschaft einer emsländischen Niederung im Wandel der Zeit, in Raddetal –Blickpunkte, auf raddetal.de
  6. Holger Lemmermann: Auf dem freien Hümmling. Ländliches Leben in vier Jahrhunderten (1530–1870). (siehe Literatur)
  7. Gedenkstätte Esterwegen, auf gedenkstaette-esterwegen.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hümmling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien