h-Index

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h-Index eines Autors mit 14 Veröffentlichungen
Bei Zitathäufigkeiten 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 ist der Hirschfaktor 5, weil fünf Veröffentlichungen ≥ fünfmal, die restlichen ≤ fünfmal zitiert wurden. Die sechste Veröffentlichung wurde ebenfalls fünfmal zitiert, sie kann aber nicht mitgezählt werden, weil der Hirschfaktor damit auf 6 steigen würde, und fünf Zitierungen somit nicht mehr ausreichen würden.
Bei Zitathäufigkeiten 100, 100, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2 ist der Hirschfaktor 2, weil zwei Veröffentlichungen ≥ zweimal, die restlichen ≤ zweimal zitiert wurden.
Bei Zitathäufigkeiten 100, 100, 9, 8, 3, 2, 2, 1, 1, 0 ist der Hirschfaktor 4, weil vier Veröffentlichungen ≥ viermal, die restlichen ≤ viermal zitiert wurden.

Der h-Index ist eine Kennzahl für das weltweite Ansehen eines Wissenschaftlers in Fachkreisen. Die Kennzahl basiert auf bibliometrischen Analysen, d. h. auf Zitationen der Publikationen des Wissenschaftlers. Ein hoher h-Index ergibt sich wenn eine erhebliche Anzahl von Publikationen des Wissenschaftlers häufig in anderen Veröffentlichungen konkret genannt ist. Der 2005 von dem Physiker Jorge E. Hirsch vorgeschlagene Bewertungsindex wird gelegentlich auch als Hirsch-Index, Hirschfaktor, Hirsch-Koeffizient oder h-number bezeichnet.

Der h-Index eines Wissenschaftlers kann im Laufe der Zeit nicht sinken.

Definition[Bearbeiten]

Ein Wissenschaftler hat einen Hirsch-Index h, wenn h von seinen insgesamt N Publikationen mindestens h-mal, die restlichen (N - h) Publikationen höchstens h-mal zitiert wurden.

Zur Ermittlung kann man alle Veröffentlichungen des Autors nach Zitier-Häufigkeiten absteigend aufreihen. Man zählt nun durch, bis die r-te Veröffentlichung weniger als r Zitierungen hat. h ist dann r - 1.

Beispiele[Bearbeiten]

Einige Beispiele von Autoren mit jeweils 10 Veröffentlichungen:

  • Bei Zitathäufigkeiten 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 ist der Hirschfaktor 5, weil fünf Veröffentlichungen mindestens fünfmal, die restlichen höchstens fünfmal zitiert wurden. Die sechste Veröffentlichung wurde ebenfalls fünfmal zitiert, sie kann aber nicht mitgezählt werden, weil der Hirschfaktor damit auf 6 steigen würde, und fünf Zitierungen somit nicht mehr ausreichen würden.
  • Bei Zitathäufigkeiten 100, 100, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2, 2 ist der Hirschfaktor 2, weil zwei Veröffentlichungen mindestens zweimal, die restlichen höchstens zweimal zitiert wurden.
  • Bei Zitathäufigkeiten 100, 100, 9, 8, 3, 2, 2, 1, 1, 0 ist der Hirschfaktor 4, weil vier Veröffentlichungen mindestens viermal, die restlichen höchstens viermal zitiert wurden.

Beispiel mit zeitlichem Verlauf[Bearbeiten]

Hintergründe[Bearbeiten]

Der h-Index zur Bewertung wissenschaftlicher Leistungen wurde 2005 von dem argentinischen Physiker Jorge E. Hirsch in den Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.[1]

Als Datengrundlage zur Berechnung dieses Faktors sind verschiedenste Datenquellen denkbar. Hirsch selbst schlug vor, maßgeblich die Daten vom Web of Science zu benutzen, da diese derzeit die verlässlichste und umfassendste Datengrundlage darstellten.

Kritik[Bearbeiten]

Der h-Index hat einige Vorteile gegenüber anderen Kennzahlen (wie zum Beispiel der Gesamtanzahl von Zitationen eines Autors oder dem Impact-Faktor), da die Zitationen einer einzigen, viel-zitierten Veröffentlichung keinen großen Einfluss auf den Index haben. Dies kann aber auch als Nachteil interpretiert werden, da eventuell bahnbrechende Artikel nicht entsprechend gewürdigt werden (es kommt quasi zu einer harmonischen Angleichung der Bewertung der Zitate). Außerdem wird weder die Zahl der Koautoren noch die Tatsache berücksichtigt, ob die zitierte Publikation eine Originalarbeit oder ein Übersichtsartikel ist. Generell ist zu beachten, dass durch Zitationen die (unterschiedlich begründete) „Popularität“ und nicht notwendigerweise die wissenschaftliche Relevanz einer Publikation gemessen wird; so hätte der früh verstorbene Évariste Galois trotz seiner grundlegenden Arbeiten für die Mathematik nur einen h-index von 2, und Albert Einstein hätte nach dem Annus Mirabilis einen h-index von 4 gehabt.

Die Erhebung der Grunddaten stellt eine große Schwierigkeit dar. Mit der von Hirsch vorgeschlagenen Datengrundlage (Web of Science des Institute for Scientific Information, ISI) werden unter anderem Buchpublikationen nicht erfasst, was die Ergebnisse des Rankings wieder verändern kann. Insbesondere in den Sozial- und Geisteswissenschaften können weitere Veröffentlichungen wie z. B. Buchrezensionen bedeutend sein, ohne dass diese häufig zitiert und damit im h-Index berücksichtigt werden. Wird hingegen die Datengrundlage auf jegliche wissenschaftlichen Veröffentlichungen erweitert, so kann der h-Index durch viele Selbstrefenzierungen gezielt manipuliert und leicht in die Höhe getrieben werden, wie 2011 an der Universität Grenoble demonstriert wurde.[2] Ferner ist die Abgrenzung von Autoren mit gleichen Namen ein Problem.[3]

Die Bedeutung, die der h-Index und vergleichbare bibliometrische Maße für die Karriere von Wissenschaftlern haben, führt zu Optimierungsstrategien, die sich negativ auf die wissenschaftliche Kultur auswirken. So kann es etwa zielführend sein, in eine Veröffentlichung Lücken oder kleinere Fehler einzubauen, damit andere Autoren diese Fehler kritisieren und hierzu die fehlerhafte Veröffentlichung zitieren. Eine weitere mögliche Strategie besteht darin, Gruppen („Denkschulen“) von 10 bis 15 Wissenschaftlern zu bilden, die eine eigene Zeitschrift oder ein ähnliches Publikationsorgan gründen und sich darin gegenseitig häufig zitieren.

Aufgrund zahlreicher Defizite des h-Index wurden viele Änderungen vorgeschlagen.[4][5][6][7][8][9]

Bestabschneidende Wissenschaftler[Bearbeiten]

Sehr bekannte Physiker erreichen laut Hirsch einen Hirsch-Faktor von 62 bis 107. Zur Zeit der Publikation des Hirsch-Indexes hatte Edward Witten mit 120 den höchsten h-Index unter Physikern. In den Biowissenschaften erreichen einige Wissenschaftler sogar einen h-Index zwischen 120 und 191, was auch mit generell vermehrten Publikationen in diesem Fachgebiet zusammenhängt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. E. Hirsch: An index to quantify an individual’s scientific research output. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 102, Nummer 46, November 2005, S. 16569–16572, ISSN 0027-8424. doi:10.1073/pnas.0507655102. PMID 16275915. PMC 1283832 (freier Volltext). (auch arXiv:0508025).
  2. Falsche Forscheridentität – Kennen Sie Ike Antkare? taz.de, 3. März 2011.
  3. Der Hirsch-Index (PDF-Datei; 23 kB).
  4. Batista P. D., Mônica G. Campiteli, Osame Kinouchi: Is it possible to compare researchers with different scientific interests?. In: Scientometrics. 68, Nr. 1, 2006, S. 179–189. doi:10.1007/s11192-006-0090-4.
  5. Antonis Sidiropoulos, Katsaros, Dimitrios and Manolopoulos, Yannis: Generalized Hirsch h-index for disclosing latent facts in citation networks. In: Scientometrics. 72, Nr. 2, 2007, S. 253–280. doi:10.1007/s11192-007-1722-z.
  6. Jayant S Vaidya: V-index: A fairer index to quantify an individual's research output capacity. In: BMJ. 331, Nr. 7528, December 2005, S. 1339–c–1340–c. doi:10.1136/bmj.331.7528.1339-c.
  7. Katsaros D., Sidiropoulos A., Manolopous Y., (2007), Age Decaying H-Index for Social Network of Citations in Proceedings of Workshop on Social Aspects of the Web Poznan, Poland, April 27, 2007.
  8. T.R. Anderson, Hankin, R.K.S and Killworth, P.D.: Beyond the Durfee square: Enhancing the h-index to score total publication output. In: Scientometrics. 76, Nr. 3, 2008, S. 577–588. doi:10.1007/s11192-007-2071-2.
  9. C. Baldock, Colin G. Orton, Ma, R.M.S and Orton, C.G.: The h index is the best measure of a scientist's research productivity. In: Medical Physics. 36, Nr. 4, 2009, S. 1043–1045. Bibcode: 2009MedPh..36.1043B. doi:10.1118/1.3089421. PMID 19472608.