H. H. Holmes

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H. H. Holmes (1895)

Henry Howard Holmes (eigentlich Herman Webster Mudgett; * 16. Mai 1861[1][2][3][4] in Gilmanton, New Hampshire; † 7. Mai 1896 in Philadelphia, Pennsylvania) war ein US-amerikanischer Serienmörder.

Holmes gilt zuweilen als der erste Serienmörder der Vereinigten Staaten.[5][6] Das trifft aber nicht zu, da bereits vorher Serienmörder – zum Beispiel Thomas Neill Cream[7] und die Bloody Benders[8] – in Erscheinung getreten waren.

Biographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holmes wurde 1861 in Gilmanton/New Hampshire als Sohn von Levi Horton Mudgett und Theodate Page Price geboren.[9] Er studierte an der Universität Michigan Medizin und ließ sich 1886 in Chicago nieder, wo er als Arzt und Apotheker arbeitete. Im selben Jahr änderte er seinen Namen von Herman Webster Mudgett in Henry Howard Holmes.

1878 heiratete Holmes Clara A. Lovering in New Hampshire und 1887 Myrta Z. Belknap in Minneapolis, mit der er eine Tochter namens Lucy hatte. Da er zwar die Scheidungspapiere für die erste Ehe ausgefüllt hatte, die Scheidung aber nie vollzogen wurde, lag damit ein Fall von Bigamie vor.

Ab 1891 beging Holmes eine Reihe an Morden und brachte es durch unterschiedliche Fälle von Betrug zu einem beachtlichen Vermögen.

Am 17. November 1894 wurde Holmes in Boston verhaftet, nachdem unter seinem Haus in Toronto zwei Kinderleichen und im Kamin des Hauses Knochen und Zähne eines weiteren Kindes gefunden worden waren. Er wurde dort bereits wegen eines ausstehenden Haftbefehls aufgrund eines Pferdediebstahls in Texas festgehalten. Auch in seinem Haus in Chicago wurde nach Hinweisen auf ein Verbrechen gesucht, man fand jedoch nichts. Bei den Berichte über angebliche Kalkgruben, befeuerbare Räume, Säurebäder, Rutschen, Foltergerätschaften und Gaskammern[10] handelt es sich um Erfindungen des 20. Jahrhunderts.

Im Oktober 1895 wurde Holmes wegen Mordes an Benjamin Pitezel vor Gericht gestellt und für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Nach seiner Verurteilung und einigen Unschuldsbekundungen "gestand" er 27 Morde und gab außerdem an, von Satan besessen zu sein, wobei sich nach einiger Zeit herausstellte, dass zahlreiche der angeblich von ihm ermordeten Personen noch am Leben waren.

Am 7. Mai 1896 wurde Holmes im Philadelphia County Prison, wegen Mordes an Pitezel gehängt.  Bis zu seiner Hinrichtung soll Holmes ruhig und liebenswürdig gewesen sein und keine Anzeichen von Angst oder Reue gezeigt haben. Holmes´ Tod erfolgte nicht durch einen Genickbruch, sondern durch Erstickung.

Nach seiner Hinrichtung wurde Holmes' Leiche in einem nicht gekennzeichneten Grab auf dem Holy Cross Cemetery beigesetzt, einem katholischen Friedhof im westlichen Vorort von Philadelphia.

Opfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Holmes, der sich an den Qualen seiner Opfer weidete und ihren Todeskampf durch geheime Gucklöcher beobachtete, legte bei der Ausübung der Mordtaten nicht gerne selbst Hand an. Daher verwendete er bevorzugt Methoden wie Vergasen, Vergiften, Betäuben mit Chloroform, Strangulieren oder Verbrennen. Zu seinen bekannten Opfern, deren Tat er eingestanden hatte, gehörten:

  • 1891 Julia und ihre Tochter Pearl Connor
  • 1892 Emeline Cigrand
  • 1892 Robert E. Phelps, Emelines Verlobter[11]
  • 1892 Emily Van Tassel[12]
  • 1893 Rosemary Ross[13][14]
  • 1893 die beiden Schwestern Minnie und Nannie Williams
  • 1895 Benjamin, Alice und Nellie Pitezel[15]

Verarbeitung in der Populärkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robert Bloch veröffentlichte 1974 den Roman American Gothic (deutsch: Das Haus der Toten), in dem er die Verbrechen von Holmes – hier G. Gordon Gregg genannt – verarbeitete. 1977 erschien zusätzlich ein von Bloch verfasster Essay über seine Recherche, Dr. Holmes' Murder Castle (deutsch Das Geheimnis des H. H. Holmes).

Der französische Krimiautor Didier Daeninckx nimmt in seinem Roman Die Statisten (2005, original frz.: Les Figurants, 1995) Bezug auf H.H. Holmes, insbesondere seine Verbrechen im Hotel "the castle".[16]

2010 wurde bekannt, dass das von Erik Larson verfasste Buch The Devil in the White City (deutsch Der Teufel von Chicago) mit Leonardo DiCaprio in der Rolle des H. H. Holmes verfilmt werden soll.[17][18]

In der Serie Supernatural (S02E06: No Exit, 2. November 2006; Mörderburg, 20. Oktober 2008) sperren Sam und Dean den Geist von Holmes in einem Salzring ein, der dann in Beton eingegossen wird. Der Geist von Holmes treibt sein Unwesen in den Wänden eines Hauses, welches an seiner Hinrichtungsstätte neben dem damaligen Gefängnis steht, sowie in der darunter liegenden vergessenen Kanalisation.

Die Band Subway to Sally griff die Mordserie 2014 im auf dem Album MitGift erschienenen Lied Haus aus Schmerz auf.

Im Videospiel Watch Dogs wird an einem sogenannten Hotspot, der vom Spieler besucht werden kann, auf Holmes und dessen Hotel verwiesen.

In der fünften Staffel von American Horror Story, Hotel, wird in einigen Episoden auf H.H. Holmes angespielt.

In der Serie Timeless (S01E11: The World’s Columbian Exposition, 16. Januar 2017) werden Wyatt und Rufus im angesprochenen Hotel gefangen.

In seinem Roman Mörderhotel – Der ganz und gar unglaubliche Fall des Herman Webster Mudgett verarbeitet Wolfgang Hohlbein den Fall.

2017 ist das Verbrechen von H. H. Holmes die Basis der Folge Der lügende Detektiv (S04E02) der Fernsehserie Sherlock.

Im Film Havenhurst wird Bezug auf H.H. Holmes genommen.

Michael Stavarič macht im zweiten Teil seines Romans Fremdes Licht das Horrorhaus zum Schauplatz eines Handlungsstrangs.[19]

In der Hörspiel-Serie Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone werden die Taten des H.H. Holmes in der Folge Der Knochenhändler (E24), nach Henner Hildebrandt und Tom Balfour, durch einen Nachahmer der Londoner Unterwelt verarbeitet und thematisiert.

Der Song "Castle of Fear" von der deutschen Heavy-Metal-Band Neck Cemetery widmet sich Holmes Taten, ebenso das dazugehörige animierte Musikvideo, bei dem der Horror-Regisseur Moritz Hellfritzsch Regie führte.[20]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erik Larson: Der Teufel von Chicago: ein Architekt, ein Mörder und die Weltausstellung, die Amerika veränderte. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-15391-3
  • Harold Schechter: Depraved: The Definitive True Story of H.H. Holmes, Whose Grotesque Crimes Shattered Turn-of-the-Century Chicago. Pocket Books, 2008, ISBN 978-1-4391-2405-5
  • Christian Brondke: Das Schloss – Bekenntnisse eines Multimörders. Wagner-Verlag, 2012, ISBN 978-3-86279-479-9
  • Wolfgang Hohlbein: Mörderhotel. Bastei Lübbe, 2015, ISBN 978-3-7857-2548-1
  • Gauthier Wendling: Escape Book : Das Horror-Hotel. Ullmann, 2019, ISBN 978-3-7415-2395-3
  • Michael Stavaric: Fremdes Licht, Luchterhand, 2020, ISBN 978-3-630-87551-4
  • Balfour, T.; Hildebrandt, H.: Oscar Wilde & Mycroft Holmes – Sonderermittler der Krone – Folge 24: Der Knochenhändler. Bastai Lübbe, 2019, ISBN 978-3-7857-5996-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weekly World News 7. Mai 1985
  2. H. H. Holmes in der Notable Names Database (englisch); abgerufen am 16. Februar 2021
  3. Biography for H. H. Holmes in der Internet Movie Database, abgerufen am 13. Februar 2021
  4. Serienkiller
  5. Beispielsweise: Harold Schechter: Depraved: The Shocking True Story of America’s First Serial Killer. Pocket Books, Erstausgabe 1994, ISBN 0-671-73216-1
  6. H. H. Holmes: America’s First Serial Killer. Internet Movie Database, abgerufen am 13. Februar 2021 (englisch).
  7. Acht zugeordnete Morde zwischen 1876 und 1892
  8. 14 zugeordnete Morde zwischen 1871 und 1873
  9. Married to a Murderer, H.W. Mudgett. In: New England Historical Society. 5. Februar 2017, abgerufen am 7. Januar 2021 (amerikanisches Englisch).
  10. Cecil Adams: Did Dr. Henry Holmes kill 200 people at a bizarre "castle" in 1890s Chicago?, The Straight Dope, 6. Juli 1979, https://www.straightdope.com/21341798/did-dr-henry-holmes-kill-200-people-at-a-bizarre-castle-in-1890s-chicago, abgerufen am 29. April 2021.
  11. H. H. Holmes: America’s first serial killer: Who he murdered, the way he operated, and how he was caught auf www.clickamericana.com
  12. H.H. Holmes Victims List
  13. möglicherweise auch rein fiktionaler Charakter aus der Dokumentation Das Schreckenshotel des Dr. Holmes
  14. Dark Places H.H. Holmes
  15. The Victims of Chicago's First Serial Murderer, H.H. Holmes On May 7, 1896 H.H. Holmes was hanged for the murder of his business partner Ben Pitezel. Before his execution, Holmes confessed to killing 27 people. Biography, 2. Mai 2017
  16. Daeninckx, Didier.: Die Statisten. Assoz. A, 2005, ISBN 3-935936-41-9 (worldcat.org [abgerufen am 26. Juli 2020]).
  17. Leonardo DiCaprio spielt einen Serienkiller, Welt Online vom 3. November 2010
  18. DiCaprio als Frauenmörder, Spielfilm.de vom 2. November 2010
  19. "Fremdes Licht" von Michael Stavaric. In: oe1.orf.at. Abgerufen am 21. April 2020.
  20. Andreas Schiffmann: Neck Cemetery – Kluge Klischees. In: Patric Knittel (Hrsg.): Legacy. Nr. 128. DI Presseverlag, Saarbrücken Mai 2020, S. 95.