23,2-Meter-Klasse der DGzRS

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23,2-m-Klasse
Die im Deutschen Museum in München als Theodor Heuss ausgestellte H. H. Meier

Die im Deutschen Museum in München als Theodor Heuss ausgestellte H. H. Meier

Schiffsdaten
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Schiffsart Seenotrettungskreuzer
Reederei DGzRS
Bauwerft Schweers / Abeking & Rasmussen
Bauzeitraum 1956 bis 1960
Gebaute Einheiten 5
Dienstzeit 1956 bis 1985
Fahrtgebiete Nord- und Ostsee, Mittelmeer
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
23,20 m (Lüa)
Breite 5,30 m
Tiefgang max. 1,42 m
Verdrängung 60 t
 
Besatzung 4-5 Mann
Maschine
Maschine 3 Dieselmotoren
Maschinen-
leistung
1.750 PS (1.287 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
20 kn (37 km/h)
Propeller 3
p1
Tochterboot
Schiffsdaten
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Reederei DGzRS
Bauwerft Schweers / Abeking & Rasmussen
Bauzeitraum 1956 bis 1960
Gebaute Einheiten 5
Dienstzeit 1956 bis 1985
Fahrtgebiete Nord- und Ostsee, Mittelmeer
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
6,5 m (Lüa)
Breite 2,2 m
Tiefgang max. 0,6 m
Maschine
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
24 kW (33 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
8,5 kn (16 km/h)

Die 23,2-Meter-Klasse ist eine Serie von vier Seenotkreuzern der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) sowie eines Schiffes der Guardia Costiera. Die Schiffe dieser Klasse wurden in den Jahren 1957 bis 1960 von der Schiffs- und Bootswerft Schweers in Bardenfleth sowie von Abeking & Rasmussen in Lemwerder gebaut und in den 1980er-Jahren außer Dienst gestellt wurden. Das Typschiff ist der Kreuzer Theodor Heuss, daher spricht man auch von der Theodor-Heuss-Klasse. Es handelt sich um die weltweit erste Klasse moderner Seenotrettungskreuzer mit neuartigem Antriebs- und Tochterboot-Konzept.

Entwicklung und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Klasse basierte aus den Erkenntnissen der Versuche mit der Bremen, die die DGzRS in ihrem Willen bestärkt hatten, Kreuzer mit Tochterbooten einzusetzen, sowie den Erkenntnissen aus der Entwicklung des ersten Schiffes der so genannten „neuen Generation“, Hermann Apelt. Die Schiffe waren mit einem Mittelmotor mit einer Leistung von 993 kW sowie zwei Außenmotoren je 147 kW ausgestattet, wobei jeder Motor je eine Schraube antrieb. Weiterhin waren die Schiffe mit Feuerlöschanlage und Fremdlenzpumpe ausgestattet.

Die Schiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor Heuss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motoryacht Jan, ehemals Theodor Heuss 2012 in Kiel

Die Theodor Heuss wurde unter der Baunummer 6320 bei Schiffs- und Bootswerft Schweers gebaut und im Jahr 1957 als Typschiff der Klasse auf den Namen des ersten deutschen Bundespräsidenten getauft. Taufpatin war die Schwiegertochter von Theodor Heuss.

Vom 7. März 1957 bis zum 17. Juni 1963 war die Theodor Heuss auf der Insel Borkum stationiert. Danach erfolgte die Verlegung nach Laboe. Hier wurde das Schiff vom 21. Juni 1963 bis zur Außerdienststellung am 29. Mai 1985 eingesetzt. Sie wurde nach der Ausmusterung an einen Privatmann verkauft und fuhr bis 2008 umgebaut zu einem Kabinenkreuzer und in einer anderen Farbgebung auf der Weser unter dem Namen Frido Spatz. Im Jahr 2008 wurde sie an einen Hamburger Reeder verkauft und in Hirtshals/Dänemark komplett renoviert. Das Schiff wurde mittlerweile in Jan umbenannt.

2015/16 wurde das Schiff in einer Werft in Finkenwerder renoviert und hat am 5. Mai 2016 unter neuem Namen THeuss die Einlaufparade zum Hamburger Hafengeburtstag begleitet[1].

Die DGzRS-interne Bezeichnung lautete KRS 2, ihr Rufzeichen DBAG.

Das Tochterboot Tedje, eine norddeutsche Verniedlichung des Vornamens Theodor, hatte die interne Bezeichnung KRT 2. Das Tochterboot Tedje wurde zunächst als Exponat mit dem Namen Roland in Norddeich vor dem dortigen Rettungsschuppen ausgestellt, 1996 ebenfalls an eine Privatperson verkauft und trägt nun wieder den Namen Tedje.

Ruhr-Stahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ruhr-Stahl wurde 1958 von der Schweers-Werft unter Werft-Nr. 6337 erbaut wurde. Der Kreuzer erhielt bei seiner Taufe am 15. April 1958 seinen Namen auf Grund der Unterstützung der DGzRS seitens der hauptsächlich an der Ruhr beheimateten Stahlindustrie. Von April 1958 bis Mai 1965 war die Ruhr-Stahl in Cuxhaven stationiert. Es erfolgte die Verlegung auf die DGzRS-Station auf der Insel Amrum, wo das Schiff bis Mai 1985 im Dienst war. Bis zu diesem Zeitpunkt führte das Schiff das Rufzeichen DBAA. 1985 wurde das Schiff nach Uruguay verkauft, wo es als Ades III als Seenotkreuzer verwendet wurde. Später erfolgte ein Weiterverkauf innerhalb Uruguays, danach war das Schiff in Montevideo als Taucherbasisschiff eingesetzt worden. Inzwischen soll es einer nautischen Vereinigung als Vereinsheim dienen.

Die Ruhr-Stahl war Drehort und Handlungsschauplatz der 1977 produzierten und 1977/78 im ZDF ausgestrahlten 13-teiligen deutschen Fernsehserie Aus dem Logbuch der Peter Petersen mit Karl-Heinz Kreienbaum in der Rolle des Vormanns. Peter Petersen war darin der Serienname des Schiffs.

Die DGzRS-interne Bezeichnung lautete KRS 3.

Das Tochterboot Tünnes (Baunummer 6342, Rufzeichen DA 6212) erhielt seinen Namen nach der gleichnamigen volkstümlichen Figur aus dem Rheinland. Es wurde als Henry Cotelo bis 2006 ebenfalls in Uruguay als SAR-Einheit eingesetzt und steht jetzt dem ugandischen Seenotrettungsdienst NLRI auf dem Victoriasee zur Verfügung.

Es hatte die interne Bezeichnung KRT 3.

H. H. Meier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die H. H. Meier wurde 1960 ebenfalls von Schweers unter der Werft-Nr. 6353 erbaut wurde. Die Taufe erfolgte am 11. März 1960 in Bremen-Vegesack. Den Namen erhielt das Schiff zu Ehren von Konsul Hermann Henrich Meier, einem Bremer Reeder, Gründer des Norddeutschen Lloyd und erster Vorsitzender der DGzRS nach ihrer Gründung im Jahre 1865. Von März 1960 bis August 1985 war die H. H. Meier in Bremerhaven stationiert. Von 1985 bis 1987 diente sie unter dem Rufzeichen DBAE der DGzRS als Reserveschiff. Mit seiner Außerdienststellung im August 1985 wurde der Kreuzer auf den Namen Theodor Heuss umgetauft. Hintergrund hierfür war die Absicht, ein Typschiff der Klasse der ersten „echten“ deutschen Seenotkreuzer im Deutschen Museum in München auszustellen. Die Umbenennung ist somit als Referenz auf die Klassebezeichnung zu werten. Die umgetaufte H. H. Meier wurde einschließlich Tochterboot im März 1987 nach München ins Deutsche Museum gebracht. Die Fahrt nach München erfolgte zunächst über den Wasserweg – über den Rhein, den Main und den Main-Donau-Kanal – bis Nürnberg, von dort per Schwerlasttransport bis München.

Die DGzRS-interne Bezeichnung lautete KRS 4.

Das Tochterboot Roland (Baunummer 6356, Rufzeichen DA 6211) hatte die interne Bezeichnung KRT 4. Es erhielt den Namen nach dem gleichnamigen Wahrzeichen der Stadt Bremen. Ebenfalls im August 1985 erhielt das Tochterboot den Namen Tedje.

Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hamburg 2005 im Stralsunder Hafen mit Ersatz-Tochterboot Michel

Die Hamburg wurde als einziges Schiff der Klasse 1960 von Abeking & Rasmussen in Lemwerder unter der Werft-Nr. 5468 erbaut. Sie hatte das Rufzeichen DBAF. Der Kreuzer war das dritte Fahrzeug der DGzRS, das auf den Namen der Hansestadt Hamburg getauft wurde, ist daher auch als Hamburg III bekannt. Die Taufe erfolgte am 11. März 1960 in Bremen. Von März 1960 bis Juli 1975 war die Hamburg in Burgstaaken stationiert, im gleichen Monat erfolgte die Verlegung nach Grömitz, wo das Schiff bis zur Außerdienststellung im Oktober 1985 stationiert war.

Die DGzRS-interne Bezeichnung lautete KRS 5.

Ende 1985 wurde das Schiff in die Karibik verkauft, wo es unter dem Namen Sea Wolf gewerblich betrieben wurde. 1990 kehrte das Schiff nach Deutschland zurück und lag dort in Privatbesitz in der Ostsee (Neustadt in Holstein). In der Folgezeit wechselten Eigner und Liegeplatz mehrfach, so lag sie im Baltikum, in Sassnitz (Rügen) und schließlich bis 2004 als Ostseebad Kühlungsborn im gleichnamigen Ort an der Ostsee, später in Wilhelmshaven. Im Herbst 2004 wurde die Hamburg von dem heutigen Eigner übernommen. Er überführte das Schiff nach Stralsund, wo es überarbeitet wurde. Eine Seitenmaschine, ein Mercedes OM 355, wurde ausgebaut und komplett überholt. Bis Mitte Juni 2007 lag die Hamburg als Museumsschiff im Hamburger Museumshafen Oevelgönne, anschließend erfolgte die Verlegung nach Rostock. Der Rettungskreuzer hat eine Zulassung als Traditionsschiff und kann im Rahmen der Traditionsschiffahrt für bis zu 20 Personen gechartert werden. Das Tochterboot wurde nach der Rückkehr aus der Karibik vom Kreuzer entfernt und nach Mannheim verkauft, wo es – jetzt in Privatbesitz – auf den Namen August-Wilhelm umgetauft wurde. Seit einiger Zeit liegt der Kreuzer unter dem Namen Seewolf im Hafen von Stubbekøbing.[2]

Das erste Tochterboot (Baunummer 5551, DA 6208) wurde nach der Hamburger Michaeliskirche, die im Volksmund Michel genannt wird, benannt. Es hatte die interne Bezeichnung KRT 5. Bei dem heute auf der Hamburg ausgestellten Tochterboot handelt es sich nicht um das Original, sondern um ein 1955 bei Fassmer gebautes Rettungsboot des Feuerschiffs Borkumriff.

Bruno Gregoretti[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Guardia Costiera CP 312 02.JPG

Die Bruno Gregoretti kann nicht zwangsläufig als Teil der DGzRS-Klasse bezeichnet werden, da sie direkt für die italienischen Küstenwache gefertigt wurde. Allerdings wurde das Schiff nach den bereits vorliegenden Plänen der 23,2-m-Klasse [3] gebaut und ist somit zumindest als Teil der Theodor-Heuss-Klasse zu sehen.

Der Bau erfolgte aufgrund des besonderen Interesses der italienische Küstenwache in der Nachkriegszeit für die Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Mitte der 1960er Jahre gab sie mit der Michele Fiorillo (CP 307) einen ersten Seenotrettungskreuzer bei Schweers in Auftrag, der 1967 vom Stapel lief und von 1968 bis 2001 in Dienst blieb. Anfang der 1970er Jahre folgte der Auftrag für ein zweites Boot, die Bruno Gregoretti (interne Kennung: CP 312), die 1972 in Bardenfleth vom Stapel lief. Namensgeber war ein Offizier der italienischen Küstenwache, der im Februar 1943 vor Pelješac fiel. Von 1975 bis Ende 2007 war das Schiff im Dienst der Guardia Costiera. Es führte das Rufzeichen IHXR. Heimathafen der Bruno Gregoretti war und ist auch nach der Außerdienststellung Livorno. Die dortige Autorità portuale übernahm das Boot im Jahr 2012 und stellte es für Besuche von Schulklassen und anderen Besuchergruppen zur Verfügung. 2014 wurde die örtliche Lorenzoni-Werft mit der Restaurierung des Seenotrettungskreuzers beauftragt, der im neuen Port Center des Hafens eine neue Verwendung als Museumsschiff finden soll. Die Gregoretti wird wieder die ursprüngliche Farbgebung erhalten, die weitgehend der der DGzRS entspricht.

Neben der Fiorillo war die Gregoretti der einzige Seenotrettungskreuzer deutscher Fertigung, der im Dienst der italienischen Küstenwache stand.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Info auf Seenot.Spuelsaum.de
  2. Forum Schiff
  3. Details auf naviecapitani.it