HMT Dunera

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Dunera
Truppentransporter Dunera im Einsatz 1940
Truppentransporter Dunera im Einsatz 1940
Schiffsdaten
Flagge Vereinigtes KönigreichVereinigtes Königreich (Handelsflagge) Vereinigtes Königreich
Schiffstyp Passagierschiff
Ausbildungskreuzfahrtschiff[1]
Rufzeichen GBBR
Heimathafen London
Reederei British India Steam Navigation Company
Bauwerft Barclay, Curle and Company, Glasgow
Baunummer 663
Stapellauf 10. Mai 1937
Übernahme 25. August 1937
Verbleib verschrottet in Bilbao 1967
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
157,50 m (Lüa)
Breite 19,26 m
Tiefgang max. 7,14 m
Vermessung 11.161 BRT / 6.634 NRT
Maschinenanlage
Maschine 2 × fünfzylindrige Doxford-type Dieselmotoren
Maschinen-
leistung
11.880 GB-PS
Höchst-
geschwindigkeit
16,13 kn (30 km/h)
Propeller 2
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl Kabinenklasse: 104
Touristenklasse: 100
Dritte Klasse: 164
Truppen: 1.167
Sonstiges
Klassifizierungen Lloyd’s Register of Shipping
Registrier-
nummern
IMO 5094824

Die HMT Dunera (für His Majesty’s Transport Dunera) ist ein ehemaliger Truppentransporter, der nach dem Zweiten Weltkrieg auch als Passagierschiff eingesetzt wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die HMT Dunera wurde in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre gebaut und 1937 an die British India Steam Navigation Company übereignet. 1940 fuhr sie von Neuseeland britische Truppen nach Ägypten. Danach wurde sie dafür verwendet, um Emigranten aus Deutschland und Österreich von England (UK), die als potentiell „feindliche Ausländer“ eingeschätzt wurden, zur Internierung unter Militärbewachung nach Australien zu transportieren. Unter ihnen befanden sich auch etwa 250 Männer aus dem Anfang 1939 eingerichteten Kitchener Camp, in dem deutsche und österreichische Juden untergebracht waren, die mit Duldung der britischen Regierung aus Deutschland hatten fliehen können und auf eine Emigration in ein Drittland warteten. Viele von Ihnen hatten zuvor schon als Freiwillige dem Royal Pioneer Corps angehört und waren Teil der britischen Expeditionstruppen in Frankreich gewesen.[2]

Die später verfilmte Fahrt mit den 2.542 Männern nach Australien dauerte vom 10. Juli 1940 bis 6. September (57 Tage). Neben den jüdischen und politischen Emigranten waren darunter auch 451 internierte Deutsche und Italiener bzw. Kriegsgefangene aus diesen Ländern. Diese, aber auch viele der Flüchtlinge, wurden für die Dauer des Krieges in Tatura (Victoria) oder in Hay (New South Wales) interniert. Nach dem Krieg bot die australische Regierung 1946 allen diesen Personen den Rücktransport oder den Verbleib in Australien an.[3][4] Auch Schiffbrüchige der torpedierten Arandora Star wurden aufgenommen.[5] In Australien wurde der wachhabende Offizier, Lieutenant-Colonel William Scott, wegen der Haftbedingungen vom Quarantäne-Arzt der Commonwealth-Regierung angezeigt.[6][7]

An Bord der Dunera waren auf dieser Überfahrt u. a. Joseph Asher, Georg Auer, Horst Barnett geb. Blumenthal, Franz Eichenberg, Franz Stampfl, Ludwig Hirschfeld-Mack, Walter Kaufmann, Wolf Klaphake, Wolfgang Kittel, Henry Talbot, Hans Axel, Eddi Fromm (Sohn des Julius Fromm), Gerd Buchdahl, Michael Mellinger, Anton Ruh, Georg Teltscher, der ehemalige Reichstagsabgeordnete Josef Wiora, Max Zimmering.[8]

Im September 1942 war die Dunera an den Auseinandersetzungen um Madagaskar beteiligt.

Die Dunera spielte auch eine wichtige Rolle bei der Rettung der sogenannten Teheran-Kinder, etwa 870 meist polnisch-jüdischen Kindern, die nach der Besetzung Polens durch die deutsche Wehrmacht auf ihrer Flucht über die Sowjetunion in den Iran gelangt waren. Ihre unter der Obhut der Jewish Agency for Israel geplante Weiterreise nach Palästina sollte ursprünglich auf dem Landweg erfolgen. Da aber der Irak die Durchreise nicht erlaubte, mussten am 3. Januar 1943 716 Kinder und ihre erwachsenen Begleiter, von denen viele ebenfalls Flüchtlinge waren, per LKW nach Bandar Shahpour am Persischen Golf gebracht werden, dem heutigen Bandar-e Imam Chomeini. Von dort aus ging die Reise auf der Dunera weiter nach dem pakistanischen Karatschi, wo alle auf ein weiteres Schiff umgeladen und nach Sues gebracht wurden. Per Zug erreichten die Kinder und ihre Begleitung am 18. Februar 1943 das Flüchtlingslager Atlit im Norden Palästinas.[9] Die TeheranKinder waren die größte Gruppe von Holocaust-Überlebenden, die während des Zweiten Weltkriegs in Palästina ankamen.[10]

Im weiteren Verlauf des Jahres 1943 war die Dunera im Rahmen der Operation Husky an der Landung in Sizilien beteiligt. Später wurden mit ihr im Rahmen der Operation Dragoon das Hauptquartier der 7. US-Armee nach Südfrankreich verlegt. Im weiteren Kriegsverlauf wurden mit der Dunera Truppen nach Japan transportiert.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1951 wurde Truppentransporter für die Anforderungen der Nachkriegszeit angepasst und entsprechend mit 123 Plätzen erster Klasse, 95 – zweiter Klasse, 100 – dritter Klasse und 831 Plätzen der Truppenklasse versehen. 1960 wurde Truppentransport an Bord der Dunera eingestellt. Das Schiff wurde zum ersten Schulungskreuzfahrtschiff bzw. Ausbildungskreuzfahrtschiff mit Klassen, Schwimmbecken, Spielräumen, Bibliothek, 187 Kabinen für Erwachsene und 834 Kinder umgebaut und für die Reisen aus britischen Häfen um Westeuropa, nach Skandinavien und in die Sowjetunion[11] eingesetzt. 1967 wurde es an die Revalorizacion de Materiales SA zur Verwertung in Bilbao verkauft.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Tragfähigkeit: 3.819 t
  • Länge: 157,5 m
  • Höhe: 19,3 m
  • Tiefgang: 7,1 m
  • Maschine: zwei 5-Zylinder 2SCSA Doxford-type, 11.880 bhp

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helen Fry: The King’s Most Loyal Enemy Aliens. Germans who fought for Britain in the Second World War. Sutton Publishing, London 2007, ISBN 978-0-7509-4700-8.
  • Klaus Wilczynski: Das Gefangenenschiff. Mit der „Dunera“ über vier Weltmeere. Am Park, Berlin, ISBN 3-89793-044-7.
  • Peter and Leni Gillman, 'Collar the Lot', How Britain interned and expelled its wartime refugees, London (Quartet Books) 1980

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ben Lewin (II): The Dunera Boys. Mit Joseph Spano, Bob Hoskins, Joseph Fürst, u. a. 1985: 150 Min.
  • John Burgan: Friendly Enemy Alien. Dokumentarfilm (ZDF) 2006: 90 Min.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. P&O Heritage, Ship Fact Sheet, Dunera (1937) (english). Abgerufen am 28. November 2019
  2. Robert Philpot: GB: Comment le «Kitchener Camp» a sauvé 4 000 Juifs après la nuit de Cristal, in: The Times of Israel (französische Ausgabe), 26. Juli 2020
  3. Foto in der Sammlung aus der SS Dunera in Hay
  4. Robert Aufrichtig - Dunera Internee. Abgerufen am 23. November 2007.
  5. Maritime Disasters of World War II (engl.) Archiviert vom Original am 27. Januar 2008. Abgerufen am 23. November 2007.
  6. Kate Connolly: Britons finally learn the dark Dunera secret. In: Sydney Morning Herald, 19. Mai 2006
  7. The Dunera Boys synopsis. In: IMDB. Abgerufen am 23. November 2007.
  8. Über den Suchbegriff „Dunera“ ist auf der Webseite Record Search der National Archieves of Australia die komplette Passagierliste abgerufen werden. Dort sind auch Suchen über Namen möglich.
  9. USHMM Holocaust Encyclopedia: Tehran Children
  10. Yad Vashem-Online: The “Tehran Children” arrive in Eretz Israel, February 1943
  11. Troop Ship to School Ship (englisch)