Habitzheim

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Habitzheim
Gemeinde Otzberg
Wappen der früheren Gemeinde Habitzheim
Koordinaten: 49° 51′ 0″ N, 8° 52′ 55″ O
Höhe: 157 m ü. NHN
Fläche: 8,29 km²[1]
Einwohner: 1427 (31. Dez. 2018)[2]
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 64853
Vorwahl: 06162
Karte
Lage von Habitzheim in Otzberg

Habitzheim (im lokalen Dialekt: Hoazem)[3] ist einer von sechs Ortsteilen der Gemeinde Otzberg im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg, die sich am 31. Dezember 1971 als bis dahin selbständige Gemeinden zur neuen Gemeinde Otzberg zusammengeschlossen haben. Mit seinen circa 1500 Einwohnern ist Habitzheim der zweitgrößte Ortsteil der Gemeinde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Habitzheim wurde erstmals 1262 als Habuchisheim urkundlich erwähnt.

Suffia b. n. mater Donei .... Graslac et Erimannus fratribus in Mohsbach quondam agrum in Habuchisheim obligans ita ejus memoria apud frares per .... haberetur[4]

Der Ort änderte seinen Namen im Laufe der Zeit, wobei auch um 1339 der heute noch im Dialekt gebräuchliche Name Hoazem entstand. Bereits 1323 besaß die Reichsabtei Fulda eine Wasserburg im Ort, die als Vorwerk zur Veste Otzberg gehörte.

Mehrere Adelsgeschlechter waren im Mittelalter Lehensnehmer der Fuldaer Äbte. Dazu zählten neben den Bickenbachern, die heute ausgestorben sind, auch die Grafen von Erbach und die Grafen von Wertheim sowie der Pfälzer Kurfürst.

Ab 1561 gehörte der Ort zum Besitz der späteren Grafen bzw. Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rochefort. Die ehemalige Wasserburg Habitzheim, welche heute als Hofgut[5] genutzt wird, befindet sich noch in ihrem Besitz (seit 2014 Johanna Freifrau Heereman, geb. Prinzessin zu Löwenstein[6]). Zu dieser Herrschaft gehörten neben Habitzheim selbst die Orte Spachbrücken, Zeilhard, Groß-Zimmern und Georgenhausen (dieser nur von 1482 bis vor 1618). 1806 fiel die Landeshoheit der kleinen Herrschaft Habitzheim im Zuge der Bildung des Rheinbunds und der Mediatisierung der Fürsten von Löwenstein-Wertheim an das Großherzogtum Hessen. In der Folge war die Herrschaft Habitzheim eine hessische Standesherrschaft, zu der neben dem Marktflecken Habitzheim sieben Dörfer gehörten.[7] Bis 1822 gehört Habitzheim dann verwaltungsmäßig zum standesherrlichen Amt Habitzheim.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Habitzheim:

»Habizheim (L. Bez. Breuberg) Marktflecken; liegt an dem Semderbach, 3 St. von Breuberg und gehört dem Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Der Ort hat 140 Häuser und 1029 Einw., unter denen 648 Luth., 304 Kath., 20 Reform und 57 Juden sind. Man findet eine luth. Pfarrkirche, eine kath. Kapelle, die 1412 von Eberhard Schenk von Erbach gestiftet wurde, ein Schloß, jetzo die Fürstl. Löwensteinische Rentei, mit einem großen Garten, 2 Mahl- und 2 Oelmühlen. Jährlich werden 3 Vieh- und 3 Krämermärkte gehalten. – Das Schloß Habizheim, zu welchem Spachbrücken und Zeilhardt gehörten, hat zu Anfang des 14. Jahrhundert Ulrich I. von Bickenbach von der Abtei Fulda zu Lehen getragen. Nach dem Ableben Ulrichs I. ohne männliche Erben, zog der fuldische Abt Heinrich, 1340, diese Lehenstücke ein, verlieh solche aber, 1342, dessen Wittwe Elisabeth, einer Tochter Johannes I., Herrn zu Limburg an der Lahn, und deren beiden Töchtern, Agnes und Amene. Durch den in diesem Jahre ausgefertigten Lehenbrief wurde die Burg in vier Theile getheilt, von welchen Ulrichs I, Wittwe für sich und ihre Töchter drei, ihr Vetter Conrad III. von Bickenbach, einen Theil bekam. Durch Verheurathung und durch die weitere Theilung der bickenbachischen Güter, kamen die drei Theile an den Schenken Eberhard von Erbach und das vierte an Graf Gerhard von Reineck. Durch des letzteren Tochter, Margarethe, kam dieser Theil an den Grafen Johann von Wertheim. Pfalzgraf Ruprecht der Aeltere brachte von der Abtei Fulda, 1390, die Hälfte von Umstadt mit allen davon abhängenden Lehenschaften, durch Kauf an sich; wodurch er zugleich das Lehensrecht über Habizheim sich erworben hatte. Zufolge dieses Rechts belehnte er 1397 Eberhard, Schenken von Erbach, mit dessen Theil an der Burg, Dorf. Vogtei und Gericht zu Habizheim. Die Schenken von Erbach scheinen erst 1406 in den vollständigen Besitz von Habizheim gekommen zu seyn. In der bairischen Fehde nahm Landgraf Wilhelm II. die Burg sammt Zugehör weg; jedoch wurde bald alles wieder in vorigen Stand gesetzt. Im Jahr 1530 verkaufte Schenk Valentin das Lehen mit Bewilligung des Churfürsten Ludwigs V. von der Pfalz an die Grafen, nachherigen Fürsten von Löwenstein, die auch die übrigen veräußerten Theile alle zusammenbrachten. Das Schloß machte mit den Dörfern Habizheim, Spachbrücken, Zeilhardt und Großzimmern eine Cent aus, in welcher die Fürsten von Löwenstein-Wertheim die Untergerichtsbarkeit, die Umstädter Sammtherrschaften (Hessen und Pfalz) hingegen die Territorialhoheit und alle hohe Obrigkeit hatten. Die pfälzischen Gerechtsame kamen 1802 an Hessen, und 1805 trat Hessen die Landeshoheit und die Centrechte von Habizheim an LöwensteinWertheim durch Tausch ab. Im Jahr 1806 hat der Fürst Constantin dem Ort das Privilegium, 3 Jahrmärkte zu halten, ertheilt. Endlich kam Habizheim 1806 unter Hess. Souveränität.«[8]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich Habitzheim zum 31. Dezember 1971 freiwillig mit den Gemeinden Hering, Lengfeld Nieder-Klingen, Ober-Klingen und Ober-Nauses zur neuen Gemeinde Otzberg zusammen.[9] Für die sechs ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[10] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Lengfeld.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Habitzheim lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][11][12][13]

Gerichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zuständige Gerichtsbarkeitder ersten Instanz war:[1]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Habitzheim unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

Habuthisheim (1262) Habelsheim (1371) Habetzheim (1427)
Habothsheym (1321) Habolczheim; Habolßheim (1373) Heytzheym (1442)
Haboltsheim (1322) Habiczheim (1384) Hatzen (1454)
Hatzhem (1339) Habotsheim (1390) Hatsheim (1458)
Habelsheym (1347) Haboltsheim (1392) Hatzhem (1472)
Habechseym (1355) Habczheim (1395) Haytßheym (1482)
Habetsheim (1360) Habeczheim (1396) Haytzem (1507)
Habitzheim (1361, 1398, 1419, 1516) Habezheim (1412) Habeltzheim (1510)
Haboltzheim (1365) Hatzheim (1418, 1422) Habitzheimb (1549)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Habitzheim: Einwohnerzahlen von 1633 bis 2018
Jahr  Einwohner
1633
  
208
1829
  
1.029
1834
  
1.064
1840
  
1.109
1846
  
1.067
1852
  
1.035
1858
  
1.017
1864
  
986
1871
  
974
1875
  
975
1885
  
954
1895
  
952
1905
  
930
1910
  
943
1925
  
968
1939
  
963
1946
  
1.314
1950
  
1.296
1956
  
1.194
1961
  
1.173
1967
  
1.216
1970
  
1.335
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.365
2012
  
1.390
2015
  
1.411
2018
  
1.427
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[14]; ab 2012: Website Otzberg (Webarchiv)[2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1829: 648 lutheranische (= 62,97 %), 20 reformierte (= 1,94 %), 57 jüdische (= 5,54 %) und 304 katholische (= 29,54 %) Einwohner[8]
• 1961: 657 evangelische(= 56,01 %), 513 katholische (= 43,73 %) Einwohner[1]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Habitzheim
Blasonierung: „In Silber auf grünem Dreiberg stehend ein golden gekrönter, schwarz bewehrter roter Löwe, der auf der rechten Vorderpranke einen flugbereiten roten Habicht trägt und die linke auf einen von Silber und Blau schräg gerauteten Schild stützt.“

Das Wappen wurde durch den Heraldiker Georg Massoth gestaltet und am 1933 vom Hessischen Innenministerium genehmigt.

Der Löwe und das Schild mit den Rauten sind Teile des Wappens des Ortsadels, der Familie Löwenstein-Wertheim-Rochefort, die bis heute im Ort lebt. Der Habicht ist in redendes Wappenbild.

Eine offizielle Flagge wurde nie genehmigt. Es gibt jedoch eine nichtamtliche Flagge, die auf rot-weißem Flaggentuch das Gemeindewappen zeigt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • September: Kerb[16]
  • 1. Advent: Hofweihnacht in Habitzheim


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Habitzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Habitzheim, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahlen. In: Webauftritt. Gemeinde Otzberg, archiviert vom Original; abgerufen im Juli 2019.
  3. Darmstädter Echo, Dienstag, 15. September 2015, S. 24.
  4. Urkunde aus dem Jahr 1262 (HStAD Bestand A 1 Nr. 86/1). In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen).
  5. Geschichte des Hofguts Habitzheim, abgerufen am 6. Februar
  6. Hofgut Habitzheim - Über uns abgerufen 8. Januar 2017
  7. Johann Andreas Demian: Beschreibung oder Statistik und Topographie des Großherzogthums Hessen. Le Roux, 1825, S. 81 (Google Books)
  8. a b Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 94 (Online bei Google Books)
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 355.
  10. Hauptsatzung. (PDF; 334 kB) §; 6. In: Webauftritt. Gemeinde Otzberg, abgerufen im Juli 2019.
  11. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  12. Heinrich Tischner: Geschichte von Zeilhard. Abgerufen im Juni 2019.
  13. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  14. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  15. Die Ortschaften Burg und Dorf Habitzheim, Zeilhard, Spachbrücken und Groß-Zimmern waren Teil der Herrschaft (gelb umrandet). Der ausgeklammerte Ort Georgenhausen war wohl nur von ca. 1482 bis etwa 1611 bei den Löwensteinern. Der rote Pfeil zeigt die Lage der ehemaligen Wasserburg Habitzheim an, von der aus wohl dieses Gebiet kontrolliert wurde.
    Anmerkung: Ab ca. 1618 waren die Herren von Wallbrunn das weltliche und geistliche Oberhaupt von Georgenhausen. 1649, nach dem Dreißigjährigen Krieg, waren die von Walbrunn so verschuldet, dass sie Georgenhausen an den Kamptz zu Godow verkauften. Von ihm erbten 1671 die von Haxthausen Hofgut und Macht in Georgenhausen. 1806 kam der Ort wie auch die Herrschaft Habitzheim dann an das Großherzogtum Hessen. Mehr zu den Herrschaftsverhältnissen der verschiedenen Orte unter dem Eintrag der Stadt Reinheim, zu dem heute die Ortsteile Georgenhausen, Spachbrücken und Zeilhard gehören. Groß-Zimmern ist heute eine eigenständige Großgemeinde. Habitzheim ist heute Teil von Otzberg
  16. Darmstädter Echo, Donnerstag, 10. September 2015, S. 22.